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Kondensator laden und entladen

SchulversuchElektrizitätslehreKlasse 11Fortgeschritten

Worum geht es?

Ein speichert , aber nicht schlagartig: Über einen Widerstand geladen, nähert sich seine dem Endwert in einer charakteristischen e-Funktions-Kurve mit der Zeitkonstante τ=R⋅C\tau = R \cdot C. Dieses vermisst Laden und Entladen, gewinnt daraus Kapazität und gespeicherte , und stellt dann die Systemfrage des Wechselstroms: Warum sperrt der Kondensator Gleichstrom, lässt Wechselstrom aber dauerhaft passieren, und zwar umso besser, je höher die ?

Warum macht man dieses Experiment?

RC-Glieder takten Blinker, entprellen Schalter, glätten Netzteile und bilden mit dem Verhalten am Wechselstrom die Grundlage aller Frequenzfilter, vom Lautsprecher-Weichenzweig bis zum Radioempfänger. Physikalisch ist der Versuch doppelt wertvoll: Die e-Funktion wird als reales Messergebnis erlebt, und am DC/AC-Kontrast wird der Unterschied zwischen Widerstand und Reaktanz greifbar, sauber getrennt statt verwechselt.

Die physikalische Idee

Beim Laden über einen Widerstand ist der Strom anfangs groß (leerer wirkt wie ein Kurzschluss) und versiegt, je voller der Kondensator wird: Die wachsende Gegenspannung drosselt den Nachschub. Zeitmaß dieses Vorgangs ist τ=RC\tau = RC. Am Wechselstrom kommt der Kondensator nie zum „Vollwerden“: Er wird fortlaufend umgeladen, und dieser Umladestrom fließt dauerhaft im Kreis, ohne dass je eine das Dielektrikum durchquert.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

RC-Zeitglieder gehören seit den Anfängen der Elektronik zu den meistgebauten Schaltungen überhaupt; die mathematische Beschreibung der Lade-e-Funktion geht auf die Telegrafenkabel-Analysen des 19. Jahrhunderts zurück (Thomsons Kabeltheorie von 1854), wo die RC-Trägheit der Seekabel die Signalgeschwindigkeit begrenzte.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Kondensator entladen

Untersuche den Entladevorgang: Spannungsabfall mit derselben Zeitkonstante, und, zentral, die Umkehr der Stromrichtung gegenüber dem Laden.

Gemessen

  • — Kondensatorspannung (in )

    Fällt von U₀ exponentiell auf null.

  • — Entladestrom (in )

    Sein Vorzeichen (Gegenrichtung zum Ladestrom!) ist der Kernbefund dieser Zielsetzung.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die Entladekurve: exponentieller Abfall mit derselben Zeitkonstante wie beim Laden.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Entlade den auf 9 V9\ \mathrm{V} geladenen über den 1-kΩ-Widerstand. Nimm uCu_C und ii im Sekundentakt auf und achte auf das Vorzeichen des Stroms (Amperemeter-Anschluss unverändert lassen!).

2Vorbetrachtung

Beim Entladen treibt nicht mehr die Quelle den Strom, sondern der selbst: Er ist jetzt die Spannungsquelle des Kreises. Seine gespeicherten fließen über den Widerstand zurück zur Gegenplatte, also in der Gegenrichtung des Ladestroms. Der Anfangsstrom beträgt wieder U0/R=9 mAU_0/R = 9\ \mathrm{mA} (nur negativ gezählt), und weil mit sinkender auch der Antrieb sinkt, klingt alles mit derselben Zeitkonstante τ=RC\tau = RC ab: Nach τ\tau sind noch 37 %37\ \% der Spannung übrig.

Kondensator entladen

Simulation — berechnete Werte, keine Messung
Deine Aufgabe: Starte die Entladung und achte auf das Vorzeichen des Stroms: Er fließt jetzt rückwärts. Verändere danach R oder C und vergleiche die Kurvenformen im gleichen Koordinatensystem.
RC+−Stromrichtung
37 % von U₀ bei t = τ = 1 s0246810036912Zeit t in sSpannung u_C in V
Kondensatorspannung u_C(t) beim Entladen
02468100-5-10-15-20-25Zeit t in sStrom i in mA
Entladestrom i(t) — entgegengesetzte Richtung (negatives Vorzeichen)

Zeitkonstante τ = R·C

1 s

u_C im Moment

9 V

i im Moment

-9 mA

Der Kondensator treibt den Strom jetzt selbst — rückwärts durch den Widerstand, deshalb das negative Vorzeichen. Nach τ = 1 s sind nur noch 37 % der Spannung übrig, nach etwa 5τ = 5 s ist er praktisch leer.

Der Entladevorgang mit laufender Zeit: uCu_C fällt exponentiell, und der Strom liegt unterhalb der Nulllinie, denn er fließt in Gegenrichtung zum Ladestrom. Genau dieses Vorzeichen ist im Realversuch am unveränderten Amperemeter zu sehen.

3Geräte / Stoffe

Unveränderter Aufbau; der Umschalter ersetzt die Quelle durch eine direkte Verbindung, sodass sich der über denselben Widerstand entlädt. Wichtig: Amperemeter nicht umklemmen, sonst geht die Vorzeicheninformation verloren.

  • Elektrolytkondensator 1000 µF

    Der Speicher: groß genug, dass Laden und Entladen im Sekundenmaßstab beobachtbar sind.

  • Widerstand 1 kΩ

    Begrenzt den Strom und bestimmt zusammen mit C das Zeitmaß τ=RC=1 s\tau = RC = 1\ \mathrm{s}.

  • Gleichspannungsquelle 9 V und Umschalter

    Erlauben definierten Wechsel zwischen Laden und Entladen.

  • Voltmeter, Amperemeter, Stoppuhr (oder Messinterface)

    Erfassen die Zeitverläufe von und Strom.

  • Funktionsgenerator oder AC-Ausgang, Kondensator 10 µF

    Für den Wechselstromteil mit einstellbarer .

4Skizze des Versuchsaufbaus

Schaltplan in Entladestellung: Der Kreis besteht nur noch aus C, R und Amperemeter; die Stromrichtung ist gegenüber der Ladeskizze umgekehrt eingezeichnet.

Laden und Entladen brauchen ZeitLadenτtU63 %EntladenτtU37 %Der Endwert wird theoretisch nie ganz erreicht

Die beiden Zeitverläufe im Überblick: Beim Laden steigt uCu_C mit abflachender Kurve gegen den Endwert, beim Entladen fällt sie spiegelbildlich. Nach der Zeit τ=RC\tau = RC sind jeweils rund 63 %63\ \% des Weges geschafft.

Aufbau: Gleichspannungsquelle (9 V), Umschalter (Stellung „laden“ verbindet Quelle über den Widerstand mit dem , Stellung „entladen“ schließt den Kondensator über denselben Widerstand kurz), Elko 1000 µF, Widerstand 1 kΩ, Messwerterfassung oder Voltmeter/Amperemeter mit Stoppuhr. Für den Wechselstromteil: Funktionsgenerator bzw. AC-Ausgang, Kondensator 10 µF, Messgeräte im AC-Bereich.

5Durchführung

Schritt 1: auf 9,0 V9{,}0\ \mathrm{V} laden (Zielsetzung A), Endwert prüfen.

Schritt 2: Auf „entladen“ schalten, Stoppuhr starten; uCu_C und ii (mit Vorzeichen!) jede Sekunde notieren.

Schritt 3: Kurven zeichnen; τ\tau aus der 3737-%-Marke (3,3 V3{,}3\ \mathrm{V}) ablesen.

6Beobachtung

Entladevorgang (Start bei 9,0 V9{,}0\ \mathrm{V})
tt in s\mathrm{s}uCu_C in V\mathrm{V}ii in mA\mathrm{mA}
09,0−9,0
13,3−3,3
21,2−1,2
30,45−0,45
40,16−0,16

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Die Stromrichtung kehrt um: Das Amperemeter schlägt in die Gegenrichtung aus, über den ganzen Vorgang. Beim Laden floss positive zur oberen Platte hin, beim Entladen fließt sie von dort zurück: Dasselbe Bauteil, dieselbe Leitung, entgegengesetzter Strom, je nachdem, ob das Feld auf- oder abgebaut wird.

Dieselbe Zeitkonstante: Die 3,33{,}3-V-Marke wird bei t≈1,0 st \approx 1{,}0\ \mathrm{s} erreicht: τ=1,0 s\tau = 1{,}0\ \mathrm{s} wie beim Laden, denn dieselben Bauteile R und C bestimmen das Tempo. Auch hier gilt zu jedem Zeitpunkt ∣i∣=uC/R|i| = u_C/R: Der behandelt den Widerstand wie eine Quelle ihre Last.

Blick voraus: Laden mit Plusstrom, Entladen mit Minusstrom: Eine Wechselquelle erzwingt genau diesen Wechsel fortwährend. Das dauerhafte Hin- und Herladen ist der Schlüssel zur Wechselstrom-Zielsetzung E.

8Fazit

Der entlädt sich exponentiell mit derselben Zeitkonstante τ=RC\tau = RC; der Entladestrom fließt in Gegenrichtung zum Ladestrom. Auf- und Abbau des Feldes unterscheiden sich im Stromvorzeichen, nicht im Zeitgesetz.

9Fehlerbetrachtung

Es gelten die Fehlerquellen des Ladeversuchs; hinzu kommt die Startbedingung:

Unvollständig geladener Startzustandeher systematisch

Ursache

Das Entladen beginnt, bevor der wirklich voll war.

Auswirkung

Die Kurve startet unter 9 V9\ \mathrm{V}; wer trotzdem mit 9 V9\ \mathrm{V} rechnet, liest ein falsches τ\tau ab.

Verbesserung

Vor dem Umschalten uCu_C kontrollieren und den tatsächlichen Startwert für die 37-%-Marke verwenden.

Umschaltzeitpunkt gegen Stoppuhrstarteher systematisch

Ursache

Zwischen Schalterdruck und Uhrstart vergehen Zehntelsekunden.

Auswirkung

Alle Zeiten sind um einen festen Betrag verschoben; bei τ=1 s\tau = 1\ \mathrm{s} macht das einige Prozent aus.

Verbesserung

Eine Person schaltet und startet mit derselben Handbewegung; besser Messinterface mit Triggerstart.

Das Wichtigste

Laden

uC(t)=U0(1−e−t/τ)u_C(t) = U_0 (1 - e^{-t/\tau}) mit τ=RC\tau = RC: nach τ\tau sind 63 %63\ \% erreicht, nach 5τ5\tau praktisch 100 %100\ \%. Der Ladestrom startet bei U0/RU_0/R und klingt auf null ab.

Entladen

uC(t)=U0⋅e−t/τu_C(t) = U_0 \cdot e^{-t/\tau}; der Strom fließt in Gegenrichtung (negatives Vorzeichen) und klingt ebenso ab.

Stationär bei DC

Am geladenen idealen fließt kein Gleichstrom mehr: Für Gleichspannung ist er eine Unterbrechung.

AC-Verhalten

Wechselspannung lädt ihn fortlaufend um: Es fließt dauerhaft Strom mit der Reaktanz XC=12πfCX_C = \tfrac{1}{2\pi f C}; höhere oder bedeutet kleineres XCX_C, also mehr Strom. Der Strom eilt der um 90∘90^\circ voraus.

Energie

Der geladene speichert E=12CU2E = \tfrac{1}{2} C U^2 im , abrufbar als Stromstoß.

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