Kondensator laden und entladen
Worum geht es?
Ein speichert , aber nicht schlagartig: Über einen Widerstand geladen, nähert sich seine dem Endwert in einer charakteristischen e-Funktions-Kurve mit der Zeitkonstante . Dieses vermisst Laden und Entladen, gewinnt daraus Kapazität und gespeicherte , und stellt dann die Systemfrage des Wechselstroms: Warum sperrt der Kondensator Gleichstrom, lässt Wechselstrom aber dauerhaft passieren, und zwar umso besser, je höher die ?
Warum macht man dieses Experiment?
RC-Glieder takten Blinker, entprellen Schalter, glätten Netzteile und bilden mit dem Verhalten am Wechselstrom die Grundlage aller Frequenzfilter, vom Lautsprecher-Weichenzweig bis zum Radioempfänger. Physikalisch ist der Versuch doppelt wertvoll: Die e-Funktion wird als reales Messergebnis erlebt, und am DC/AC-Kontrast wird der Unterschied zwischen Widerstand und Reaktanz greifbar, sauber getrennt statt verwechselt.
Die physikalische Idee
Beim Laden über einen Widerstand ist der Strom anfangs groß (leerer wirkt wie ein Kurzschluss) und versiegt, je voller der Kondensator wird: Die wachsende Gegenspannung drosselt den Nachschub. Zeitmaß dieses Vorgangs ist . Am Wechselstrom kommt der Kondensator nie zum „Vollwerden“: Er wird fortlaufend umgeladen, und dieser Umladestrom fließt dauerhaft im Kreis, ohne dass je eine das Dielektrikum durchquert.
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
Wissenschaftliche Einordnung
RC-Zeitglieder gehören seit den Anfängen der Elektronik zu den meistgebauten Schaltungen überhaupt; die mathematische Beschreibung der Lade-e-Funktion geht auf die Telegrafenkabel-Analysen des 19. Jahrhunderts zurück (Thomsons Kabeltheorie von 1854), wo die RC-Trägheit der Seekabel die Signalgeschwindigkeit begrenzte.
Versuchsziel
Was möchtest du untersuchen?
Aktuelles Versuchsziel
Kondensator laden
Untersuche den Ladevorgang: Wie entwickeln sich Kondensatorspannung und Ladestrom über der Zeit, und welche Rolle spielt die Zeitkonstante ?
Gemessen
- — Kondensatorspannung (in )
Ihr Anstieg zum Endwert ist die Ladekurve.
- — Ladestrom (in )
Sein Abklingen zeigt die zweite Hälfte des Geschehens: voller Kondensator, kein Strom.
Bekannt
- — Quellenspannung (in )
Der Endwert der Ladekurve (hier 9 V).
Berechnet
- — Zeitkonstante (in )
: das Zeitmaß, das beide Kurven bestimmt.
Der Weg von der Messung zum Ergebnis:
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Beschreibt die gemessene Ladekurve; die 63-%-Marke bei t = τ macht τ ablesbar.Zur Formelsammlung
- Der zugehörige Strom: anfangs maximal, exponentiell abklingend.Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Lade den () über an . Nimm und im Sekundenabstand auf, zeichne beide Kurven und bestimme aus der Messung. Vergleiche mit .
2Vorbetrachtung
Warum lädt der nicht schlagartig? Im Einschaltmoment ist er leer (): Die volle Quellenspannung liegt am Widerstand, es fließt der Maximalstrom . Jede zufließende erhöht aber , und am Widerstand bleibt nur noch die Differenz übrig: Der Nachschub drosselt sich selbst. Ein Vorgang, dessen Änderungsrate proportional zum verbleibenden Rest ist, folgt einer e-Funktion, daher die charakteristische Kurvenform.
Was bedeutet: hat tatsächlich die Einheit einer Zeit (). Nach sind des Endwerts erreicht, nach über . Für unsere Werte: : bequem von Hand messbar.
Kondensator laden (Gleichspannung)
Simulation — berechnete Werte, keine MessungZeitkonstante τ = R·C
1 s
u_C im Moment
0 V
i im Moment
9 mA
Erkunde den Ladevorgang vor der Messung: Starte den Zeitlauf und verfolge, wie steigt, während abklingt. Verändere und : Beide strecken oder stauchen die Kurven über , der Endwert bleibt .
3Geräte / Stoffe
Der RC-Aufbau mit Umschalter; Voltmeter am , Amperemeter im Ladezweig. Mit Messinterface entstehen die Kurven automatisch; von Hand genügt der Sekundentakt einer Stoppuhr.
Elektrolytkondensator 1000 µF
Der Speicher: groß genug, dass Laden und Entladen im Sekundenmaßstab beobachtbar sind.
Widerstand 1 kΩ
Begrenzt den Strom und bestimmt zusammen mit C das Zeitmaß .
Gleichspannungsquelle 9 V und Umschalter
Erlauben definierten Wechsel zwischen Laden und Entladen.
Voltmeter, Amperemeter, Stoppuhr (oder Messinterface)
Erfassen die Zeitverläufe von und Strom.
Funktionsgenerator oder AC-Ausgang, Kondensator 10 µF
Für den Wechselstromteil mit einstellbarer .
4Skizze des Versuchsaufbaus
Schaltplan: Quelle, Umschalter, R und C in Reihe; Voltmeter parallel zu C, Amperemeter zwischen R und C. Die Entladestellung des Schalters ist für Zielsetzung B eingezeichnet.
Die beiden Zeitverläufe im Überblick: Beim Laden steigt mit abflachender Kurve gegen den Endwert, beim Entladen fällt sie spiegelbildlich. Nach der Zeit sind jeweils rund des Weges geschafft.
Aufbau: Gleichspannungsquelle (9 V), Umschalter (Stellung „laden“ verbindet Quelle über den Widerstand mit dem , Stellung „entladen“ schließt den Kondensator über denselben Widerstand kurz), Elko 1000 µF, Widerstand 1 kΩ, Messwerterfassung oder Voltmeter/Amperemeter mit Stoppuhr. Für den Wechselstromteil: Funktionsgenerator bzw. AC-Ausgang, Kondensator 10 µF, Messgeräte im AC-Bereich.
5Durchführung
Schritt 1: vollständig entladen (Schalter kurz auf „entladen“), prüfen.
Schritt 2: Auf „laden“ schalten und gleichzeitig die Stoppuhr starten; und jede Sekunde notieren, bis sich die Werte nicht mehr ändern (ca. 5 s).
Schritt 3: Beide Kurven zeichnen; aus der -Kurve die Zeit ablesen, bei der von (also ) erreicht sind.
6Beobachtung
| in | in | in |
|---|---|---|
| 0 | 0,0 | 9,0 |
| 1 | 5,7 | 3,3 |
| 2 | 7,8 | 1,2 |
| 3 | 8,6 | 0,45 |
| 4 | 8,8 | 0,16 |
| 5 | 8,9 | 0,06 |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
7Auswertung
Kurvenform: steigt zunächst steil und flacht gegen ab; startet bei und klingt spiegelbildlich ab. Zu jedem Zeitpunkt gilt die Kontrolle : Was der schon hat, fehlt dem Widerstand (z. B. bei : und ergeben ).
Zeitkonstante: Die -V-Marke () wird bei durchlaufen: , in Übereinstimmung mit .
Weitere Kontrolle der e-Funktion: In jeder weiteren Sekunde schrumpft der Rest zum Endwert auf etwa des vorherigen Rests ( beim Strom): das Kennzeichen exponentiellen Abklingens, gleiches Verhältnis in gleichen Zeitschritten.
8Fazit
Der lädt sich mit der e-Funktions-Kurve : Nach sind erreicht, nach ist er praktisch voll, und der Ladestrom ist auf null abgeklungen. Für Gleichspannung ist der volle Kondensator eine Unterbrechung.
9Fehlerbetrachtung
Die Handmessung im Sekundentakt bringt eigene Grenzen mit:
Ablesen zweier Geräte im Sekundentakteher zufällig
- Ursache
u_C und i lassen sich von Hand nicht exakt gleichzeitig ablesen.
- Auswirkung
Wertepaare gehören zu leicht verschiedenen Zeiten; die Kontrolle u_R + u_C = U₀ geht nur ungefähr auf.
- Verbesserung
Zu zweit ablesen oder Messinterface verwenden; ersatzweise zwei getrennte Durchläufe (einmal , einmal Strom).
Toleranz des Elektrolytkondensatorseher systematisch
- Ursache
Elkos haben große Fertigungstoleranzen (oft −20/+50 %).
- Auswirkung
Das gemessene kann deutlich vom Nennwert-Produkt abweichen, ohne dass die Physik verletzt ist; tatsächlich ist die τ-Messung die genauere Kapazitätsbestimmung (Zielsetzung C).
- Verbesserung
Abweichung als Bauteiltoleranz einordnen; Nennwert nicht als Wahrheit behandeln.
Leckstrom des Elkoseher systematisch
- Ursache
Reale Elkos lassen einen kleinen Dauerstrom durch das Dielektrikum.
- Auswirkung
Der Endwert bleibt knapp unter und der Strom klingt nicht ganz auf null: Die Ideal-Aussage gilt nur näherungsweise.
- Verbesserung
Endabweichung dokumentieren und als Realbauteil-Effekt benennen.
Das Wichtigste
- Laden
mit : nach sind erreicht, nach praktisch . Der Ladestrom startet bei und klingt auf null ab.
- Entladen
; der Strom fließt in Gegenrichtung (negatives Vorzeichen) und klingt ebenso ab.
- Stationär bei DC
Am geladenen idealen fließt kein Gleichstrom mehr: Für Gleichspannung ist er eine Unterbrechung.
- AC-Verhalten
Wechselspannung lädt ihn fortlaufend um: Es fließt dauerhaft Strom mit der Reaktanz ; höhere oder bedeutet kleineres , also mehr Strom. Der Strom eilt der um voraus.
- Energie
Der geladene speichert im , abrufbar als Stromstoß.