Zum Inhalt springen
Zurück zu den Experimenten

Youngs Doppelspaltversuch

Historisches ExperimentOptikKlasse 11–12Fortgeschritten

Worum geht es?

Lässt man Licht durch zwei feine, dicht benachbarte Spalte auf eine Wand fallen, erwartet man zwei helle Striche. Stattdessen erscheint ein ganzes Band aus hellen und dunklen Streifen, und an den dunklen Stellen kommt gerade dort weniger Licht an, wo doch beide Spalte hinleuchten. Dieses Muster ist mit einem Teilchenbild des Lichts nicht zu erklären, mit einem Wellenbild dagegen zwanglos: Zwei Wellenzüge können sich verstärken oder auslöschen, je nachdem, wie sie aufeinandertreffen. Der Versuch entschied damit eine der ältesten Fragen der Physik: Licht verhält sich wie eine .

Warum macht man dieses Experiment?

Um 1800 galt die Frage nach der Natur des Lichts als beantwortet, und zwar durch Autorität: Newton hatte im Opticks ein Teilchenbild entworfen, und ein Jahrhundert Physik war ihm gefolgt, während Huygens' Wellentheorie als Außenseiterposition überwinterte. Young stellte die Frage neu, und er stellte sie als Messfrage: Gibt es eine Beobachtung, die nur eines der beiden Bilder erklären kann? Die Auslöschung von Licht durch Licht ist genau so eine Beobachtung. Der Versuch steht deshalb doppelt in der Geschichte: als Entscheidung über die Natur des Lichts und als Lehrstück darüber, dass in der Physik das über die Autorität siegt, auch wenn es Jahrzehnte dauert.

Die physikalische Idee

haben eine Fähigkeit, die Teilchenströmen fehlt: Sie können sich überlagern. Treffen zwei Wellenzüge mit Berg auf Berg zusammen, verstärken sie sich; treffen Berg und Tal zusammen, löschen sie sich aus. Die Idee des Versuchs ist, Licht aus einer Quelle in zwei Teilbündel zu spalten, die sich hinter den Spalten wieder überlagern. Ob auf dem Schirm ein Streifenmuster mit dunklen Zonen entsteht, ist dann ein Ja-Nein-Test auf Wellennatur: Teilchen können sich addieren, aber niemals gegenseitig auslöschen.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Historische Einordnung

Thomas Young (1773–1829) war Arzt in London und einer der vielseitigsten Gelehrten seiner Zeit (er lieferte später auch entscheidende Beiträge zur Entzifferung der Hieroglyphen). Seine Lichtversuche trug er zwischen 1801 und 1803 in den angesehenen Bakerian Lectures der Royal Society vor; gedruckt erschienen sie in den Philosophical Transactions 1802 und 1804, die klarste Beschreibung der Doppelspalt-Anordnung folgte 1807 in seinen gesammelten Vorlesungen. Der Zeitpunkt war heikel: Wer um 1800 in England gegen Newtons Lichtbild argumentierte, griff ein nationales Heiligtum an.

Thomas Young (1773–1829)

Formulierte das Interferenzprinzip, führte Karten- und Doppelspaltversuche mit Sonnenlicht durch (1801–1807) und bestimmte daraus erstmals Wellenlängen des Lichts.

Christiaan Huygens (1629–1695)

Begründete 1690 die Wellentheorie des Lichts mit dem Prinzip der Elementarwellen, die theoretische Grundlage, auf die Young zurückgriff.

Augustin Jean Fresnel (1788–1827)

Baute die Wellentheorie mathematisch aus (Preisschrift 1818); seine Beugungstheorie brachte mit dem bestätigten Poisson-Fleck die Entscheidung zugunsten der Welle.

François Arago (1786–1853)

Wies 1819 den von Poisson als Gegenargument berechneten hellen Fleck im Schattenzentrum experimentell nach und verhalf der Wellentheorie damit zum Durchbruch.

Was wusste man damals?

Was wusste man um 1800 über das Licht, und was stand gegeneinander?

  • Newtons Teilchenbild. Im Opticks (1704) beschrieb Newton Licht als Strom kleinster Körperchen. Damit erklärte er geradlinige Ausbreitung, und (mit Zusatzannahmen) die ; seine Autorität machte das Bild für ein Jahrhundert zur herrschenden Lehre.
  • Huygens' Wellenbild. Bereits 1690 hatte Huygens Licht als beschrieben, mit seinem Prinzip der Elementarwellen als Konstruktionsverfahren. Die Theorie erklärte Reflexion und Brechung elegant, hatte aber offene Flanken: Wieso wirft Licht dann scharfe Schatten, und worin es?
  • Unbequeme Beobachtungen gab es längst. Grimaldi hatte schon im 17. Jahrhundert beschrieben, dass Licht an Kanten ein wenig in den Schatten hineingreift und dort farbige Säume bildet (). Newtons eigene Ringe an dünnen Schichten zeigten periodische Muster, für ein reines Teilchenbild schwer verdaulich.
  • Was fehlte, war ein , dessen Ausgang nur eine der beiden Theorien erklären kann, und ein Begriff, der die Wellenvorstellung prüfbar macht. Young lieferte beides: das Prinzip der und den Versuch dazu.

Die wissenschaftliche Fragestellung

Youngs Fragestellung in zwei Stufen:

  1. Können sich Lichtbündel gegenseitig auslöschen? Wenn ja, trägt Licht eine schwingende Größe mit Bergen und Tälern, und das Teilchenbild ist an dieser Stelle widerlegt.
  2. Wie lang sind die Lichtwellen? Aus den Abständen der Streifen müsste sich die berechnen lassen, für jede Farbe einzeln. Eine Theorie, die nebenbei Messwerte liefert, ist mehr als eine Deutung.

Die Idee hinter dem Experiment

Die experimentelle Idee hat eine Feinheit, die leicht übersehen wird:

  • Zwei Bündel aus einer Quelle. Zwei getrennte Lampen ergeben kein Streifenmuster, ihre Wellenzüge schwingen ohne feste Beziehung zueinander. Young ließ deshalb ein Lichtbündel (Sonnenlicht durch ein Nadelloch) auf zwei eng benachbarte Öffnungen fallen: Beide Teilbündel stammen aus derselben und halten dadurch festen Takt (heute sagt man: sie sind ).
  • Der entscheidet. Zu jedem Punkt des Schirms sind die Wege von beiden Öffnungen verschieden lang. Beträgt der Unterschied ein ganzes Vielfaches der Wellenlänge, treffen Berg auf Berg (hell); beträgt er ein halbzahliges Vielfaches, treffen Berg auf Tal (dunkel). Aus dem Abstand der Streifen folgt so die Wellenlänge, winzig, aber messbar.

Die historische Durchführung

Wie Young tatsächlich experimentierte, mit den Mitteln von 1800:

  1. Sonnenlicht bündeln. Ein Spiegel lenkte Sonnenlicht durch ein feines Nadelloch in einen abgedunkelten Raum; das ergab einen schmalen, divergierenden Lichtkegel als Quelle.
  2. Der Kartenversuch (Bakerian Lecture 1803). In diesen Kegel stellte Young einen schmalen Papierstreifen von etwa einem Dreißigstel Zoll Breite (knapp einem Millimeter). Das Licht lief links und rechts an der Karte vorbei, und im Schattenbereich dahinter erschienen helle und dunkle Streifen. Die Schlüsselbeobachtung: Fing er das Licht auf einer Seite der Karte mit einem Schirmchen ab, verschwanden die Streifen im Schatten, obwohl diese Stellen weiterhin von der anderen Seite beleuchtet wurden. Für die Streifen braucht es also beide Lichtwege.
  3. Die Doppelspalt-Anordnung (Lectures 1807). In der Lehrbuchfassung ersetzte Young die Karte durch zwei feine Öffnungen in einem Schirm; das Prinzip ist dasselbe, die Geometrie klarer.
  4. Messen statt nur zeigen. Aus den Streifenabständen und den Abmessungen der Anordnung berechnete Young die des Lichts: etwa 1/360001/36000 Zoll für Rot und 1/600001/60000 Zoll für Violett. Damit war die Wellentheorie nicht nur qualitativ gestützt, sondern lieferte Zahlen.

Beobachtung und damalige Interpretation

Was wurde beobachtet? Helle und dunkle Streifen dort, wo zwei Lichtwege zusammenkommen; Verschwinden der Streifen, sobald einer der Wege blockiert wird; Streifenabstände, die mit der Farbe variieren (rot weiter auseinander als blau).

Youngs Deutung. Licht ist eine , und die Streifen sind : Verstärkung bei ganzzahligem, Auslöschung bei halbzahligem Gangunterschied in Wellenlängen. Young übertrug damit ein Prinzip auf das Licht, das er am Wasser und beim Schall entwickelt hatte, und machte es durch die Wellenlängenbestimmung quantitativ.

Die Aufnahme war feindselig. In der Edinburgh Review erschienen ab 1803 anonyme Verrisse (verfasst von Henry Brougham), die Youngs Arbeiten als wertlos abtaten; das Gewicht von Newtons Autorität lag auf der Gegenseite. Young fehlte zudem die durchgerechnete mathematische Theorie, mit der sich auch die an Kanten und Schirmen vollständig erklären ließ. Die Entscheidung fiel erst eine Generation später in Frankreich.

Zeitleiste

  1. 1690

    Huygens' Wellentheorie

    Der Traité de la Lumière beschreibt Licht als mit dem Konstruktionsprinzip der Elementarwellen; die Theorie bleibt zunächst in der Minderheit.

  2. 1704

    Newtons Opticks

    Newton entwirft das Teilchenbild des Lichts; seine Autorität macht es für ein Jahrhundert zur herrschenden Lehre.

  3. 1801/1802

    Das Interferenzprinzip

    Youngs Bakerian Lecture überträgt die Überlagerung von auf das Licht und erklärt damit unter anderem die Farben dünner Schichten; erste Wellenlängenwerte.

  4. 1803/1804

    Der Kartenversuch

    Streifen im Schatten eines schmalen Papierstreifens im Sonnenstrahl; Abdecken einer Seite löscht die Streifen. Der experimentelle Kern des Doppelspaltgedankens.

  5. 1803

    Broughams Verrisse

    Anonyme Polemiken in der Edinburgh Review tun Youngs Arbeiten als wertlos ab; die Wellentheorie bleibt vorerst Außenseiterposition.

  6. 1818/1819

    Fresnel und der Poisson-Fleck

    Fresnels Beugungstheorie gewinnt den Akademie-Preis; der von Poisson als absurd berechnete helle Fleck im Schattenzentrum wird von Arago gefunden. Die setzt sich durch.

  7. 1865/1887

    Licht als elektromagnetische Welle

    Maxwell erkennt Licht als elektromagnetische , Hertz erzeugt und empfängt solche Wellen im Labor. Worin Licht , ist damit beantwortet.

  8. 1909–1989

    Der Quanten-Doppelspalt

    bei schwächstem Licht (Taylor 1909), mit Elektronen (Jönsson 1961) und aus registrierten Einzelelektronen (Tonomura 1989): Der wird zum Schlüsselexperiment der Quantenphysik.

Die schulische Betrachtung: Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Youngs Streifen mit einfachsten Mitteln

Baue aus einem gerußten Objektträger einen eigenen , erzeuge mit dem Laserpointer das Streifenmuster und führe Youngs entscheidende Proben selbst durch: Verschwinden die Streifen, wenn ein Spalt abgedeckt wird? Diese Variante bleibt bewusst qualitativ; die Vermessung des Musters und die Wellenlängenbestimmung übernimmt das Schulexperiment " von Laserlicht".

Bekannt

  • — Spaltabstand des selbst gebauten Doppelspalts (in )

    Durch die Bauweise festgelegt (zwei aneinandergelegte Klingen ritzen im Abstand von einigen Zehntelmillimetern). Er wird hier nicht vermessen, bestimmt aber sichtbar, wie eng die Streifen liegen.

Berechnet

  • — Gangunterschied der beiden Teilbündel (in )

    Die Deutungsgröße des Versuchs: ganzzahlige Wellenlängen-Vielfache ergeben helle, halbzahlige dunkle Streifen. Er wird nicht gemessen, sondern erklärt das Muster.

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die Interferenzbedingung, die das beobachtete Muster deutet; quantitativ ausgewertet wird sie im Laser-Experiment.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Stelle einen selbst her (gerußter oder geschwärzter Objektträger, zwei parallele Ritzstriche), beleuchte ihn mit dem Laserpointer und beobachte das Bild an einer mehrere Meter entfernten Wand. Prüfe anschließend wie Young: Was ändert sich, wenn einer der beiden Spalte abgedeckt wird, und wie ist das Muster im Wellenbild zu deuten?

2Vorbetrachtung

Was ist zu erwarten? Im Teilchenbild wäre die Sache einfach: Jeder Spalt lässt einen Lichtstreifen durch, auf der Wand erscheinen zwei helle Striche (oder, bei so feinen Spalten, zwei verwaschene Flecken). Mehr Licht durch zwei Spalte als durch einen, an jeder Stelle.

Im Wellenbild sieht die Vorhersage anders aus: Hinter beiden Spalten breiten sich Teilwellen aus, die sich auf der Wand überlagern. Zu jedem Wandpunkt sind die beiden Wege verschieden lang; je nach verstärken sich die dort oder löschen sich aus. Erwartet wird ein ganzes Band gleichmäßig liegender heller und dunkler Streifen, auch an Stellen, die im Teilchenbild hell sein müssten.

Die beiden Bilder sagen also verschieden voraus, und genau deshalb lohnt der Versuch.

3Geräte / Stoffe

Die Geräteliste des Grundaufbaus gilt vollständig. Beim Spaltbau lohnt Sorgfalt: Die Rußschicht deckend auftragen, die Klingen mit sanftem, gleichmäßigem Zug führen und den fertigen Spalt gegen das Licht prüfen; zwei feine, durchgehende Striche genügen.

  • Laserpointer (rot, Klasse 1 oder 2)

    Liefert einfarbiges, gebündeltes Licht mit fester ; nur damit sind die Streifen hell und scharf genug für den Klassenraum. Niemals in Augen richten.

  • Objektträger, Kerzenruß oder Folienstift, zwei Klingen

    Material für den selbst gebauten : Die geschwärzte Schicht blockt das Licht, die beiden geritzten Striche sind die Spalte. Zwei aneinandergelegte Klingen ritzen automatisch parallel und eng benachbart.

  • Weiße Wand oder Papierschirm (einige Meter entfernt)

    Auffangfläche für das Streifenmuster. Je größer der Abstand, desto weiter rücken die Streifen auseinander und desto bequemer ist die Beobachtung.

  • Stativ oder Klemme für den Laser

    Hält Laser und Spalt ruhig; aus der Hand verwackeln die Streifen. Ein Wäscheklammer-Stativ genügt.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Die Skizze zeigt die Anordnung von oben: Laser, in wenigen Zentimetern Abstand der Objektträger mit den beiden Ritzstrichen, dann mehrere Meter Luft, dann die Wand. Zu zwei Wandpunkten (heller und dunkler Streifen) werden die beiden Wege von den Spalten eingezeichnet, deren Längenunterschied der ist.

Doppelspaltn = -2n = -1n = 0n = 1n = 2HelligkeitBreite, gleich helle Streifen in gleichen AbständenMaxima: sin α_n = n · λ / b

Das Herz des Versuchs: Hinter zwei feinen, dicht benachbarten Spalten überlagern sich zwei Wellenzüge. Wo Wellenberg auf Wellenberg trifft, verstärken sie sich (heller Streifen); wo Berg auf Tal trifft, löschen sie sich aus (dunkler Streifen). Teilchen könnten das nicht: Mehr Teilchen ergeben nie weniger Licht.

Der schulische Aufbau kommt mit drei Dingen aus: einem Laserpointer (rot, Klasse 1 oder 2), einem selbst gebauten und einer weißen Wand oder einem Blatt Papier in einigen Metern Abstand. Der Doppelspalt entsteht aus einem Glas-Objektträger, der mit Kerzenruß oder einem breiten Folienstift geschwärzt wird; durch die Schicht werden mit zwei aneinandergelegten Klingen zwei feine, parallele Striche geritzt, weniger als einen halben Millimeter voneinander entfernt.

Dass der Spaltbau mit Haushaltsmitteln gelingt, ist kein Notbehelf, sondern die historische Pointe: Auch Young brauchte keine Präzisionsmechanik. Seine Versuche liefen mit Sonnenlicht, Lochblenden, Karten und Papierstreifen, und die Physik dahinter ist mit dem geritzten Objektträger exakt dieselbe.

5Durchführung

Schritt 1: Justieren. Laser auf Stativ, Strahl durch die geritzten Striche auf die Wand richten. Den Objektträger langsam verschieben, bis der Strahl beide Striche gleichzeitig trifft; das Bild an der Wand verändert sich in diesem Moment deutlich.

Schritt 2: Beobachten. Das Muster an der Wand betrachten und skizzieren: Anzahl, Lage und Gleichmäßigkeit der Streifen, Helligkeitsverlauf nach außen.

Schritt 3: Youngs Probe. Mit einer Kartenkante einen der beiden Striche direkt am Objektträger abdecken und das Wandbild vergleichen; danach die andere Seite. Zum Schluss beide freigeben.

Schritt 4: Variieren. Falls mehrere selbst gebaute Spalte vorhanden sind (engere oder weitere Ritzabstände): Muster vergleichen, gleicher Wandabstand.

6Beobachtung

Mit beiden Spalten frei zeigt die Wand kein Doppelbild, sondern ein Band regelmäßiger heller und dunkler Streifen (bei einem Ritzabstand von einigen Zehntelmillimetern und drei Metern Wandabstand liegen die Streifen einige Millimeter auseinander, gut mit bloßem Auge zu sehen). Wird ein Spalt abgedeckt, verschwinden die feinen Streifen schlagartig; übrig bleibt ein breiter, schwächer strukturierter Lichtfleck. Beim Freigeben erscheinen die Streifen sofort wieder, gleichgültig, welcher Spalt abgedeckt war. An den dunklen Streifenstellen ist es mit zwei offenen Spalten sichtbar dunkler als mit einem.

7Auswertung

Deutung im Wellenbild. Jeder Spalt wirkt als Quelle einer Teilwelle; beide schwingen im Takt, weil sie aus demselben Laserstrahl stammen. Auf der Wand entscheidet der : Wo er ein ganzes Vielfaches der beträgt, treffen Berg auf Berg (heller Streifen); wo er ein halbzahliges Vielfaches beträgt, treffen Berg auf Tal (dunkler Streifen). Die Regelmäßigkeit des Musters spiegelt die Regelmäßigkeit der Welle.

Youngs Probe trägt die Beweislast: Ohne zweiten Spalt gibt es keinen Gangunterschied und damit keine Auslöschung; der Streifenmechanismus braucht beide Wege. Dass beim Abdecken je einer Seite dasselbe passiert, schließt aus, dass ein Spalt allein das Muster erzeugt.

Größenordnung als Ausblick: Mit dem Zusammenhang zwischen Streifenabstand, Wellenlänge, Spaltabstand und Wandabstand ließe sich aus diesem Aufbau bereits die Wellenlänge abschätzen (bei 0,3 mm0{,}3\ \mathrm{mm} Ritzabstand und 3 m3\ \mathrm{m} Wandabstand erwartet man für rotes Laserlicht Streifen im Abstand von rund 6,5 mm6{,}5\ \mathrm{mm}, was zur Beobachtung passt). Die saubere Messung mit vermessenem Spalt und Ordnungsreihe führt das "Interferenz von Laserlicht" durch; dort wird aus dem Muster ein Wellenlängenwert auf Nanometer.

8Fazit

Der selbst gebaute zeigt das historische Kernergebnis vollständig: Zwei im Takt schwingende Lichtbündel erzeugen ein Streifenmuster mit echten Dunkelstellen, und diese verschwinden, sobald einer der beiden Wege blockiert wird. Licht plus Licht kann dunkel ergeben; das erzwingt das Wellenbild und widerlegt an dieser Stelle das reine Teilchenbild, mit denselben Argumenten, mit denen Young 1803 gegen ein Jahrhundert Newton-Autorität antrat. Die quantitative Fortsetzung (Wellenlängenmessung) liegt im Laser-Interferenz-Experiment bereit.

9Fehlerbetrachtung

Bei einem qualitativen Versuch heißen die Fehlerquellen: Woran kann die Beobachtung scheitern, und was könnte zu einer Fehldeutung führen?

Ritzstriche zu breit, zu unregelmäßig oder zu weit auseinandereher systematisch

Ursache

Von Hand geritzte Spalte schwanken in Breite und Abstand; bei zu großem Abstand rücken die Streifen enger zusammen, als das Auge trennt.

Auswirkung

Das Muster verschmiert oder scheint zu fehlen, obwohl die Physik dieselbe ist; im schlimmsten Fall wird fälschlich "keine " notiert.

Verbesserung

Mehrere Spaltpaare ritzen und das beste auswählen (Gegenlichtprobe); Wandabstand vergrößern, das spreizt die Streifen proportional.

Strahl trifft nur einen Spalteher systematisch

Ursache

Der Laserfleck ist klein; schon leichtes Verkippen lässt ihn von beiden Strichen nur einen ausleuchten.

Auswirkung

An der Wand erscheint das Einzelspaltbild, und die entscheidende Doppelspalt-Beobachtung kommt gar nicht zustande.

Verbesserung

Objektträger langsam quer zum Strahl verschieben, bis das Bild in das feine Streifenmuster umspringt; die Abdeckprobe bestätigt dann, dass beide Spalte beteiligt sind.

Wackelnder Aufbau oder zu helle Umgebungeher zufällig

Ursache

Handgehaltener Laser und Streulicht im Raum lassen das feine Muster verwischen oder im Umgebungslicht untergehen.

Auswirkung

Die dunklen Streifen wirken grau statt dunkel; die zentrale Aussage (echte Auslöschung) verliert ihre Überzeugungskraft.

Verbesserung

Laser und Spalt fest einspannen, Raum abdunkeln, Beobachtung ein paar Sekunden ruhig stehen lassen.

Warum ist dieses Experiment wichtig?

Die Bedeutung des Versuchs entfaltete sich in drei Schüben:

  1. Das Interferenzprinzip. Youngs Kerngedanke, dass sich wegabhängig verstärken oder auslöschen, wurde zum Universalwerkzeug der Physik: für Licht, Schall, Wasserwellen, später Elektronen und überhaupt.
  2. Die Wellenlänge als Messgröße. Dass sich aus einem Streifenmuster Längen von Millionstel Metern bestimmen lassen, begründete die Präzisionsoptik. ist bis heute die genaueste Längenmesstechnik, bis hin zu den Kilometer-Interferometern, die Gravitationswellen nachweisen.
  3. Ein Lehrstück über Autorität. Der Versuch war einfach, das Ergebnis klar, und trotzdem dauerte die Anerkennung zwei Jahrzehnte. Dass am Ende Fresnels Mathematik und ein als Widerlegung gemeinter Effekt (der Poisson-Fleck) den Ausschlag gaben, gehört zu den lehrreichsten Episoden der Wissenschaftsgeschichte.

Was kam danach?

Nach Young übernahm Frankreich: Augustin Jean Fresnel baute die Wellentheorie ab 1815 mathematisch aus und gewann 1818 mit ihr den Beugungs-Preis der Pariser Akademie. Der Juror Poisson leitete aus Fresnels Theorie eine scheinbar absurde Folgerung ab: Im Zentrum des Schattens einer Kreisscheibe müsste ein heller Fleck liegen. Arago suchte den Fleck und fand ihn (1819), aus dem Einwand wurde der Triumph. Foucault zeigte 1850, dass Licht in Wasser langsamer läuft als in Luft, entgegen der Teilchen-Vorhersage; Maxwell erkannte 1865 Licht als elektromagnetische , Hertz wies solche Wellen 1887 nach. Die Wellentheorie schien vollendet, bis die Quantenphysik das Bild noch einmal vertiefte.

Wie verstehen wir das Experiment heute?

Aus heutiger Sicht ist der doppelt bedeutsam, und die zweite Bedeutung konnte Young nicht ahnen:

  • Licht ist und gequantelt zugleich. Seit Einstein (1905) weiß man, dass Licht seine in Portionen () austauscht. Schickt man Licht so schwach durch den Doppelspalt, dass immer nur ein Photon unterwegs ist, erscheinen einzelne Punkte auf dem Schirm, die sich über die Zeit zum Streifenmuster ordnen. Das Muster entsteht also nicht durch Wechselwirkung vieler Photonen, sondern steckt in der Quantennatur jedes einzelnen.
  • Auch Materie interferiert. Claus Jönsson führte 1961 in Tübingen den Doppelspaltversuch mit Elektronen durch, Tonomura zeigte 1989 den Aufbau des Musters aus Einzelelektronen. ist damit keine Eigenheit des Lichts, sondern ein Grundzug aller Quantenobjekte; die Leserinnen und Leser der Oberstufe begegnen dem im Kapitel zu den Wesenszügen der Quantenphysik wieder. Youngs Ja-Nein-Test von 1803 wurde so zum Ausgangspunkt der tiefsten Frage der modernen Physik: was Wellen- und Teilchenbild gemeinsam beschreiben.

Quellen

Die historischen Aussagen dieser Seite stützen sich auf die folgenden Quellen. Die Darstellung ist eigenständig didaktisch aufbereitet und keine Übernahme der Texte.

  • On the Theory of Light and Colours (Bakerian Lecture 1801) — Thomas Young (1802), Philosophical Transactions of the Royal Society 92, 12–48
  • Experiments and Calculations relative to physical Optics (Bakerian Lecture 1803, Kartenversuch) — Thomas Young (1804), Philosophical Transactions of the Royal Society 94, 1–16
  • A Course of Lectures on Natural Philosophy and the Mechanical Arts (Beschreibung der Doppelspalt-Anordnung) — Thomas Young (1807), Joseph Johnson, London
  • Mémoire sur la diffraction de la lumière (Preisschrift) — Augustin Jean Fresnel (1818), Mémoires de l'Académie des sciences 5 (gedruckt 1826)
  • Elektroneninterferenzen an mehreren künstlich hergestellten Feinspalten — Claus Jönsson (1961), Zeitschrift für Physik 161, 454–474

Das Wichtigste

Historische Frage

Ist Licht ein Teilchenstrom (Newton) oder eine (Huygens)? Ein Jahrhundert lang entschied die Autorität; Young machte daraus eine experimentell entscheidbare Frage.

Idee

Licht aus einer Quelle in zwei Teilbündel spalten und überlagern. Entstehen dunkle Streifen, wo beide Bündel hinleuchten, löscht Licht Licht aus, und das kann nur eine .

Zentrale Beobachtung

Hinter dem liegt ein Muster aus hellen und dunklen Streifen. Deckt man einen Spalt ab, verschwinden die Streifen: Für die Auslöschung braucht es beide Wege.

Historisches Ergebnis

Young bestimmte aus seinen Mustern bereits : für rotes Licht etwa 1/360001/36000 Zoll und für violettes etwa 1/600001/60000 Zoll, in heutigen Einheiten rund 0,71 μm0{,}71\ \mathrm{\mu m} und 0,42 μm0{,}42\ \mathrm{\mu m}, in guter Übereinstimmung mit heutigen Werten.

Durchsetzung

Anerkannt wurde die Wellentheorie erst nach 1818, als Fresnel sie mathematisch ausbaute und der von Poisson als Gegenargument berechnete helle Fleck im Schattenzentrum tatsächlich gefunden wurde.

Heutige Sicht

Licht ist eine elektromagnetische und zugleich gequantelt: Auch einzelne und sogar Elektronen bauen am das Streifenmuster auf. Der Versuch wurde damit vom Beweis der Wellennatur zum Schlüsselexperiment der Quantenphysik.

Wie möchtest du weitermachen?