Schwingungen und Wellen
Elektromagnetische Wellen und das Spektrum
Wie aus einem Schwingkreis eine Welle wird, warum sie kein Medium braucht und wieso Licht dazugehört.
Benötigte Grundlagen
Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.
Einführung
1865 stellte James Clerk Maxwell eine Rechnung an, aus der die Ausbreitungsgeschwindigkeit elektromagnetischer folgte. Es kam ein Wert heraus, den man bereits kannte, allerdings aus einem völlig anderen Zusammenhang: die Lichtgeschwindigkeit.
Maxwell zog den einzig möglichen Schluss und schrieb, Licht sei selbst eine elektromagnetische Welle. Damit waren Optik und Elektrizitätslehre, zwei bis dahin getrennte Gebiete, mit einem Satz vereinigt.
Zwanzig Jahre später erzeugte Heinrich Hertz solche Wellen im Labor. Auf die Frage nach dem Nutzen antwortete er, es habe wohl keinen. Er irrte sich gründlich.
Das kannst du nach diesem Kapitel
den Übergang vom geschlossenen zum offenen beschreiben.
die Entstehung elektromagnetischer erklären.
begründen, warum sie kein Medium brauchen.
ihre Eigenschaften und die Lichtgeschwindigkeit angeben.
das Spektrum ordnen und Größenordnungen zuordnen.
Licht als elektromagnetische Welle einordnen.
Der offene Schwingkreis
Ein geschlossener hält seine Felder bei sich: Das steckt zwischen den Kondensatorplatten, das magnetische in der . Nach außen dringt fast nichts.
Zieht man die Platten auseinander und wickelt die Spule ab, entsteht schließlich ein gerader Draht: der offene Schwingkreis, also eine Antenne. Jetzt reichen die Felder weit in den Raum hinaus.
Dabei sinkt sowohl als auch , und nach
steigt die stark an. Genau das ist für die Abstrahlung nötig.
Drei Zwischenschritte vom geschlossenen zum offenen . Je weiter die Platten auseinandergehen, desto weniger bleibt das Feld an den Bauteilen hängen, bis es sich schließlich ganz ablöst. Möglich ist das, weil ein sich änderndes ein magnetisches erzeugt und umgekehrt.
Wie eine Welle entsteht
Zwei Naturgesetze greifen ineinander:
- Ein sich änderndes erzeugt ein ().
- Ein sich änderndes elektrisches Feld erzeugt ein Magnetfeld (Maxwell).
Ändert sich also ein Feld, erzeugt es das andere, dieses ändert sich ebenfalls und erzeugt wieder das erste. Die Störung löst sich von der Antenne ab und läuft selbstständig weiter.
Eine elektromagnetische besteht aus einem elektrischen und einem magnetischen Feld, die einander gegenseitig erzeugen.
🔴 Daraus folgt unmittelbar die wichtigste Eigenschaft: Diese Welle braucht kein Medium. Sie keine Materie, sondern Felder, und Felder existieren auch im Vakuum.
Genau deshalb erreicht uns Sonnenlicht durch den leeren Raum, während Schall dort unmöglich ist. Im 19. Jahrhundert hielt man das noch für ausgeschlossen und postulierte einen „Äther" als Träger. Der Michelson-Morley-Versuch fand ihn nicht, und die Relativitätstheorie erklärte, warum es ihn nicht geben kann.
Eigenschaften
- und stehen senkrecht aufeinander und senkrecht zur Ausbreitungsrichtung: eine Transversalwelle.
- Beide schwingen im Takt (in Phase).
- Im Vakuum ist die für alle gleich:
🔴 Das ist Maxwells eigentliche Entdeckung. In dieser Formel stehen nur zwei Konstanten aus der Elektrizitätslehre und dem Magnetismus, gemessen an und . Dass daraus die Lichtgeschwindigkeit herauskommt, war der Beweis, dass Licht eine elektromagnetische ist.
- Es gilt weiterhin .
- In Materie ist die Geschwindigkeit kleiner; das Verhältnis heißt Brechzahl .
- Die Welle transportiert , mit der Energiedichte des Feldes.
Das Spektrum
Alle elektromagnetischen sind physikalisch dasselbe; sie unterscheiden sich nur in der .
| Bereich | Wellenlänge | Erzeugung / Wirkung |
|---|---|---|
| Langwelle, Rundfunk | km bis m | , Antenne |
| Mikrowellen | cm bis mm | Magnetron; regt Wassermoleküle an |
| Infrarot | mm bis | Wärmestrahlung jedes Körpers |
| Sichtbares Licht | bis | Elektronenübergänge in der Hülle |
| Ultraviolett | bis | Sonnenbrand, Vitamin D |
| Röntgenstrahlung | bis | schnelle Elektronen auf Metall |
| Gammastrahlung | unter |
Die Frequenzen reichen über mehr als zwanzig Zehnerpotenzen.
🔴 Der sichtbare Bereich ist winzig, weniger als eine Oktave. Dass unsere Augen genau dort empfindlich sind, ist kein Zufall: Die Sonne strahlt dort am stärksten, und die Atmosphäre ist dort durchlässig.
Mit steigender Frequenz steigt die je Photon (Klasse 12). Deshalb ist Ultraviolett schädlicher als sichtbares Licht und Röntgenstrahlung ionisierend, während Radiowellen es nicht sind, gleich wie stark man sie macht.
Achte auf die Achse: Sie ist logarithmisch, jeder Schritt ist ein Faktor 10. Linear aufgetragen wäre der sichtbare Bereich schmaler als ein Haarstrich, und genau das ist die Aussage: Alles hier ist dasselbe, nur mit anderer .
Nachweis und Anwendung
Hertz' Versuch (1886). Ein Sender mit Funkenstrecke erzeugte ; in einem zweiten Kreis in einigen Metern Entfernung sprangen Funken über, ohne jede Verbindung. Hertz wies zudem , , Beugung und stehende Wellen nach und bewies damit den Wellencharakter.
Antennen sind auf die Wellenlänge abgestimmt, typischerweise auf oder . Das erklärt ihre Baugrößen:
| Anwendung | Antennenlänge | |
|---|---|---|
| UKW | rund | |
| Mobilfunk | rund | |
| WLAN | rund |
Deshalb passen Mobilfunkantennen in ein Telefon, während man für Langwelle Masten von hunderten Metern braucht.
Informationsübertragung erfolgt durch Modulation: Der Träger wird in (AM), (FM) oder digital verändert. Der Empfänger filtert mit einem die Trägerfrequenz heraus und gewinnt daraus das Signal zurück.
Wellenlängen im Spektrum
a) Ein UKW-Sender arbeitet bei . Wie groß sind und passende Antennenlänge ()?
b) WLAN nutzt . Wie lang ist die Welle?
c) Rotes Licht hat . Wie groß ist die ?
d) Wie lange braucht Licht von der Sonne zur Erde ()?
- 1
a)
Genau das ist die typische Länge einer UKW-Autoantenne. Ihre Baugröße ist also kein Zufall, sondern folgt aus der Wellenlänge.
- 2
b)
Eine Viertelwellenlängenantenne wäre gut lang, weshalb WLAN-Antennen in jedes Gerät passen.
- 3
c)
Also rund 430 Terahertz. Zum Vergleich mit UKW (): mehr als sechs Zehnerpotenzen höher, und trotzdem ist es physikalisch dieselbe Art von Welle.
- 4
d)
🔴 Wir sehen die Sonne also immer so, wie sie vor gut acht Minuten aussah. Erlöschte sie in diesem Augenblick, merkten wir es erst nach achteinhalb Minuten.
Weitere Laufzeiten zum Einordnen:
Strecke Laufzeit Mond zur Erde Sonne zur Erde Nächster Stern (Proxima Centauri) Jahre Andromedagalaxie Millionen Jahre Daraus folgt eine bemerkenswerte Einsicht: Jeder Blick in den Himmel ist ein Blick in die Vergangenheit. Astronomen nutzen genau das, um die Entwicklung des Universums zu beobachten: Je weiter man hinausschaut, desto weiter blickt man zurück.
Und im Alltag: Die Laufzeit begrenzt die Reaktionszeit bei Satellitenverbindungen (rund über geostationäre Satelliten) und ist der Grund, warum GPS ohne relativistische Korrekturen um Kilometer danebenläge.
a) , Antenne rund b) c) rund d) rund Minuten.
Warum Licht kein Medium braucht
Schall braucht Luft, Wasserwellen brauchen Wasser. Warum kommt Sonnenlicht durch den leeren Raum? Erkläre, wie es zu Maxwells Schluss kam, dass Licht eine elektromagnetische ist.
- 1
Was bei mechanischen Wellen . Bei Schall schwingen Luftteilchen, bei Wasserwellen Wassermoleküle, bei einer Seilwelle die Seilstücke. Ohne diese Teilchen gäbe es nichts, was die Störung weitergeben könnte. Deshalb ist es im Weltraum still.
Was bei elektromagnetischen Wellen schwingt. Hier schwingt keine Materie, sondern das elektrische und das selbst.
Felder sind aber keine Eigenschaft von Materie, sondern eigenständige physikalische Gegenstände. Sie existieren auch dort, wo keine Teilchen sind, und sie tragen (das haben wir am gesehen).
Deshalb braucht eine elektromagnetische Welle kein Medium.
- 2
Wie sie sich selbst trägt. Zwei Gesetze greifen ineinander:
- Ein sich änderndes Magnetfeld erzeugt ein (, aus dem vorigen Kapitel).
- Ein sich änderndes elektrisches Feld erzeugt ein Magnetfeld (Maxwells Ergänzung).
Jedes Feld erzeugt also im Wechsel das andere. Die Störung braucht danach keinen Erzeuger mehr; sie erhält sich selbst und läuft weiter.
🔴 Deshalb erreicht uns ein Funksignal auch dann noch, wenn der Sender in der Zwischenzeit abgeschaltet wurde. Die Energie ist im Feld unterwegs.
- 3
Maxwells Rechnung. Aus seinen Gleichungen folgte für die Ausbreitungsgeschwindigkeit
Setzt man die gemessenen Werte ein:
Das Entscheidende ist, woher diese beiden Konstanten stammen:
- wurde an Kondensatoren gemessen, also in der Elektrostatik.
- wurde an gemessen, also im Magnetismus.
Mit Licht hatte beides nichts zu tun. Und trotzdem kam die Lichtgeschwindigkeit heraus, die man aus astronomischen und optischen Messungen bereits kannte.
- 4
Der Schluss. Maxwell zog 1865 die einzig mögliche Folgerung: Licht ist eine elektromagnetische Welle.
Damit waren zwei bis dahin völlig getrennte Gebiete der Physik vereinigt: die Optik und die Elektrizitätslehre. Es war eine der großen Vereinheitlichungen der Physikgeschichte.
Die Bestätigung. Heinrich Hertz erzeugte 1886 solche Wellen mit einer Funkenstrecke und wies sie in einigen Metern Entfernung nach. Er zeigte zudem, dass sie sich reflektieren, brechen, beugen und zu stehenden Wellen überlagern lassen, also alles tun, was Licht auch tut.
Auf die Frage nach dem Nutzen antwortete er, es gebe wohl keinen. Zehn Jahre später baute Marconi den ersten Funksender, und heute beruhen Rundfunk, Fernsehen, Mobilfunk, WLAN, Radar und Satellitennavigation darauf.
🔴 Zwei Lehren daraus:
Erstens zeigt sich, wie weit theoretische Physik tragen kann: Eine Rechnung an Kondensatoren und Spulen führte zur Erkenntnis über die Natur des Lichts.
Zweitens, dass sich der praktische Wert von Grundlagenforschung selten im Voraus abschätzen lässt. Hertz selbst hielt seine Entdeckung für nutzlos.
Der Äther, ehrlich benannt. Im 19. Jahrhundert konnte man sich eine Welle ohne Träger nicht vorstellen und postulierte deshalb den „Lichtäther", einen unsichtbaren Stoff, der den ganzen Raum erfüllt. Der Michelson-Morley-Versuch von 1887 suchte ihn und fand nichts. Erst Einsteins Relativitätstheorie von 1905 machte klar, dass es keinen Äther gibt und auch keinen geben kann.
Es schwingen Felder statt Materie, und Felder existieren auch im Vakuum. Maxwell erhielt aus zwei rein elektrischen Konstanten die Lichtgeschwindigkeit und schloss daraus, dass Licht eine elektromagnetische Welle ist; Hertz bestätigte es zwanzig Jahre später.
Typischer Fehler
„Radiowellen, Licht und Röntgenstrahlung sind ganz verschiedene Dinge."
Sie sind physikalisch dasselbe und unterscheiden sich nur in der .
Alle sind elektromagnetische , alle bestehen aus senkrecht zueinander schwingenden elektrischen und magnetischen Feldern, alle breiten sich im Vakuum mit derselben aus, und für alle gilt .
Warum sie so verschieden wirken: Die Frequenz entscheidet darüber, womit die Welle in Wechselwirkung tritt.
| Bereich | Wechselwirkung |
|---|---|
| Radiowellen | Elektronen in Antennen |
| Mikrowellen | Drehung von Wassermolekülen |
| Infrarot | von Molekülen |
| Sichtbares Licht | Elektronenübergänge in der Hülle |
| UV, Röntgen | Herausschlagen von Elektronen (ionisierend) |
| Gamma | Vorgänge im |
Der Unterschied liegt also nicht in der Natur der Welle, sondern darin, welche Objekte in unserer Welt gerade auf diese Frequenz ansprechen.
Ein Vergleich: Töne von und sind auch beide Schall, obwohl der eine als Brummen und der andere als Pfeifen wahrgenommen wird.
Woher der Irrtum kommt: Aus der Geschichte. Optik, Wärmestrahlung, Radiowellen und Röntgenstrahlung wurden unabhängig voneinander entdeckt und lange getrennt untersucht. Erst Maxwell zeigte, dass es sich um dieselbe Erscheinung handelt, und danach fügten sich die Bereiche nach und nach zu einem Spektrum zusammen.
Was der Zusammenhang praktisch bedeutet: Alles, was man an einem Bereich lernt, gilt auch für die anderen. Beugung, , und Polarisation treten überall auf, nur bei sehr verschiedenen Größenmaßstäben. Ein Beugungsgitter für Licht hat Strichabstände von Mikrometern, ein „Gitter" für Radiowellen wäre metergroß.
🔴 Ein wichtiger Unterschied bleibt aber: Mit steigender Frequenz wächst die je Photon, und ab dem UV-Bereich reicht sie aus, um Atome zu ionisieren und dadurch Zellen zu schädigen. Radiowellen können das nicht, gleich wie stark man sie macht. Diese Grenze ist keine Frage der , sondern der Frequenz, und sie wird in Klasse 12 quantitativ verständlich.
Übung 1
leichta) Ein Sender arbeitet bei . Wie groß ist ?
b) Wie groß ist die von grünem Licht ()?
c) Warum braucht Licht kein Medium?
Tipp anzeigen
b) .
Lösung anzeigen
a)
b)
c) Weil bei einer elektromagnetischen keine Materie , sondern das elektrische und das .
Beide erzeugen einander gegenseitig, und Felder existieren auch im Vakuum. Deshalb erreicht uns Sonnenlicht durch den leeren Raum, während Schall dort unmöglich ist.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Gegeben und Gesucht bei Sender und grünem Licht
a) ; gesucht die Wellenlänge. b) grünes Licht mit ; gesucht die Frequenz. c) eine Begründung, warum Licht kein Medium braucht. Die Lichtgeschwindigkeit ist Tabellenwert.
- 2
Die Wellengleichung für elektromagnetische Wellen
Auch hier gilt , umgestellt und , mit der festen Lichtgeschwindigkeit im Vakuum.
- 3
a) und b) Wellenlänge und Frequenz
Vorsätze auflösen, dann jeweils die passende Form der Wellengleichung.
;
Zwischenergebnis
,
- 4
c) Ergebnis deuten: warum Licht ohne Medium auskommt
Weil bei einer elektromagnetischen Welle keine Materie schwingt, sondern das elektrische und das magnetische Feld. Beide erzeugen einander gegenseitig, und Felder existieren auch im Vakuum.
Übung 2
mittela) Wie entsteht aus einem geschlossenen eine Antenne, und warum steigt dabei die ?
b) Warum sind Mobilfunkantennen so viel kleiner als Rundfunkantennen?
c) Ein Radarimpuls kehrt nach zurück. Wie weit ist das Ziel entfernt?
d) Warum ist UV-Strahlung schädlicher als sichtbares Licht, obwohl beides elektromagnetische sind?
Tipp anzeigen
c) Hin- und Rückweg beachten.
Lösung anzeigen
a) Man zieht die Kondensatorplatten auseinander und wickelt die ab, bis nur noch ein gerader Draht übrig ist.
Dadurch reichen die Felder weit in den Raum hinaus statt zwischen den Platten und in der Spule eingeschlossen zu bleiben. Die Anordnung kann jetzt abstrahlen.
Warum die Frequenz steigt: Sowohl als auch werden dabei sehr klein. Nach
steigt die Frequenz, wenn das Produkt sinkt.
Das ist auch nötig, denn nur hochfrequente Wechselfelder strahlen wirksam ab. Bei niedrigen Frequenzen bleiben die Felder in der Nähe des Leiters und lösen sich nicht ab.
b) Weil die Antennenlänge auf die Wellenlänge abgestimmt sein muss, typischerweise auf .
| Anwendung | |||
|---|---|---|---|
| Langwelle | |||
| UKW | |||
| Mobilfunk |
Hohe Frequenz bedeutet kleine Wellenlänge und damit kleine Antenne. Deshalb braucht Langwelle Sendemasten von hunderten Metern, während eine Mobilfunkantenne in ein Telefon passt und dort meist unsichtbar in der Gehäusekante steckt.
🔴 Der Preis der hohen Frequenz: Kurze Wellen werden schlechter gebeugt und dringen weniger gut durch Hindernisse. Deshalb braucht Mobilfunk viele Sendemasten in geringem Abstand, während ein einziger Langwellensender ganz Europa erreichen konnte.
c) Der legt Hin- und Rückweg zurück:
d) Weil die je Photon mit der Frequenz wächst.
Eine elektromagnetische Welle gibt ihre Energie nicht beliebig fein dosiert ab, sondern in Portionen (Photonen), deren Energie der Frequenz proportional ist. UV hat eine höhere Frequenz als sichtbares Licht und damit energiereichere Photonen.
Ab dem UV-Bereich reicht die Energie eines einzelnen Photons aus, um ein Elektron aus einem Molekül zu schlagen. Die Strahlung wird damit ionisierend und kann chemische Bindungen zerstören, insbesondere im Erbgut. Daraus entstehen Sonnenbrand und langfristig Hautkrebs.
Sichtbares Licht hat dafür zu wenig Energie je Photon. Es kann Moleküle anregen, aber nicht ionisieren, und ist deshalb (in üblichen Intensitäten) unschädlich.
🔴 Der entscheidende Punkt: Es hilft nicht, die Intensität zu verringern oder zu erhöhen. Viele schwache Photonen ersetzen kein einzelnes energiereiches. Ein sehr helles rotes Licht erzeugt keinen Sonnenbrand, schwaches UV dagegen schon.
Genau diese Beobachtung ließ sich mit der Wellenvorstellung allein nicht erklären und führte zum Photoeffekt und zur Quantenphysik (Klasse 12).
Praktische Folge: Sonnencreme und UV-Schutzgläser filtern gezielt den UV-Anteil heraus und lassen sichtbares Licht durch. Ein dunkles Glas ohne UV-Filter ist dagegen gefährlich, weil sich die Pupille weitet und mehr UV ins Auge lässt.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Gegeben und Gesucht bei Antenne und Radar
c) gibt eine Radarlaufzeit von ; gesucht ist die Entfernung des Ziels. a), b) und d) verlangen Erklärungen zur Antenne, zur Antennenlänge und zur UV-Schädlichkeit.
- 2
a) Vom geschlossenen Schwingkreis zur Antenne
Man zieht die Kondensatorplatten auseinander und wickelt die Spule ab, bis nur noch ein gerader Draht übrig ist. Dadurch reichen die Felder weit in den Raum hinaus statt eingeschlossen zu bleiben, die Anordnung kann abstrahlen. Weil dabei und sehr klein werden, steigt die Frequenz nach .
- 3
b) Warum Mobilfunkantennen so klein sind
Weil die Antennenlänge auf die Wellenlänge abgestimmt sein muss, typischerweise auf . Langwelle bei hat Wellenlänge (Viertel: ), UKW bei nur (Viertel: ), Mobilfunk bei gerade (Viertel: ).
- 4
c) Die Entfernung des Radarziels
Erst den gesamten Weg aus Lichtgeschwindigkeit und Laufzeit, dann halbieren, weil der Impuls hin und zurück läuft.
;
Zwischenergebnis
- 5
d) Ergebnis deuten: warum UV schädlich ist und rotes Licht nicht
Weil die Energie je Photon mit der Frequenz wächst. Eine elektromagnetische Welle gibt ihre Energie in Portionen ab, und ab dem UV-Bereich reicht die Energie eines einzelnen Photons aus, um ein Elektron aus einem Molekül zu schlagen, die Strahlung wird ionisierend.
Übung 3
schwera) Erkläre, wie sich eine elektromagnetische selbst trägt.
b) Wie kam Maxwell zu dem Schluss, dass Licht eine elektromagnetische Welle ist? Warum war das überzeugend?
c) Ordne das Spektrum nach steigender und nenne je eine Wirkung.
d) Warum sind Radiowellen auch bei hoher nicht ionisierend, UV aber schon?
Tipp anzeigen
b) Woher stammen und ?
Lösung anzeigen
a) Zwei Naturgesetze greifen ineinander:
- : Ein sich änderndes erzeugt ein .
- Maxwells Ergänzung: Ein sich änderndes elektrisches Feld erzeugt ein Magnetfeld.
Regt man an einer Antenne die Felder einmal zum Schwingen an, erzeugt das wechselnde Magnetfeld ein wechselndes elektrisches Feld, dieses wieder ein magnetisches und so fort.
Die Störung löst sich dadurch von der Antenne ab und läuft selbstständig weiter. Sie braucht danach weder den Sender noch ein Medium; die beiden Felder halten einander gegenseitig am Leben.
🔴 Deshalb erreicht uns ein Funksignal, auch wenn der Sender in der Zwischenzeit abgeschaltet wurde, und deshalb sehen wir Sterne, die längst erloschen sein können. Die ist im Feld unterwegs.
b) Der Weg: Aus seinen Gleichungen folgte für die Ausbreitungsgeschwindigkeit elektromagnetischer Wellen
Das Überzeugende liegt in der Herkunft der Konstanten:
- stammt aus Messungen an , also aus der Elektrostatik.
- stammt aus Messungen an , also aus dem Magnetismus.
Beide haben mit Licht nichts zu tun. Sie wurden in ganz anderen Versuchen bestimmt, von Physikern, die nicht an Optik dachten.
Setzt man sie ein, ergibt sich , und genau diesen Wert hatte man für die Lichtgeschwindigkeit bereits aus astronomischen Beobachtungen und optischen Messungen.
Warum das mehr ist als ein Zufall: Eine solche Übereinstimmung über neun Stellen der Größenordnung hinweg lässt sich kaum anders erklären, als dass es sich um dieselbe Erscheinung handelt. Maxwell schrieb 1865, man könne kaum umhin zu schließen, dass Licht in elektromagnetischen Wellen besteht.
Die Bestätigung lieferte Hertz 1886, indem er solche Wellen erzeugte und an ihnen , , Beugung und stehende Wellen nachwies, also genau die Eigenschaften des Lichts.
🔴 Historische Bedeutung: Damit wurden Optik und Elektrizitätslehre vereinigt, zwei Gebiete, die bis dahin als völlig getrennt galten. Es ist eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür, wie theoretische Physik zu Erkenntnissen führt, nach denen niemand gesucht hatte.
c) Nach steigender Frequenz (also fallender Wellenlänge):
| Bereich | Wirkung | |
|---|---|---|
| Langwelle, Rundfunk | km bis m | regt Elektronen in Antennen an |
| Mikrowellen | cm bis mm | dreht Wassermoleküle, erzeugt |
| Infrarot | mm bis | Molekülschwingungen, Wärmestrahlung |
| Sichtbares Licht | bis | Elektronenübergänge, Sehen, Fotosynthese |
| Ultraviolett | bis | ionisierend, Sonnenbrand, Vitamin D |
| Röntgenstrahlung | bis | durchdringt Gewebe, Bildgebung |
| Gammastrahlung | unter | aus , stark ionisierend |
Der gesamte Bereich umfasst mehr als zwanzig Zehnerpotenzen. Der sichtbare Anteil ist darin verschwindend klein, weniger als eine Oktave.
d) Weil die Energie je Photon von der Frequenz abhängt, nicht von der Intensität.
Eine elektromagnetische Welle überträgt Energie in Portionen (Photonen), und die Energie eines einzelnen Photons ist der Frequenz proportional.
Zum Ionisieren muss ein einzelnes Photon genug Energie haben, um ein Elektron aus einem Atom oder Molekül zu schlagen. Dafür braucht es typischerweise einige Elektronenvolt.
| Bereich | Energie je Photon |
|---|---|
| Radiowellen | rund |
| Mikrowellen | rund |
| Sichtbares Licht | bis |
| UV | bis |
| Röntgen | bis |
Radiowellen liegen also rund sechs Zehnerpotenzen unter der nötigen Schwelle.
🔴 Der entscheidende Punkt: Erhöht man die Leistung eines Radiosenders, kommen mehr Photonen an, aber jedes einzelne bleibt gleich schwach. Viele schwache Photonen können ein Elektron nicht gemeinsam herausschlagen, weil jedes für sich mit dem Atom wechselwirkt.
Ein Bild dazu: Mit tausend Tischtennisbällen wirft man keine Mauer um, mit einem einzigen Stein schon. Es kommt auf die Einzelenergie an, nicht auf die Gesamtmenge.
Was starke Radiowellen sehr wohl bewirken: Sie erwärmen Gewebe. Das ist eine thermische Wirkung, keine ionisierende, und genau darauf beruhen die Grenzwerte für Mobilfunk und Mikrowellenherde.
Warum das über die Aufgabe hinaus wichtig ist: Diese Beobachtung war mit der reinen Wellenvorstellung nicht erklärbar. Nach ihr müsste ausreichend intensives rotes Licht dasselbe leisten wie schwaches UV. Genau das tut es nicht. Einstein löste diesen Widerspruch 1905 mit der Lichtquantenhypothese, und daraus entstand die Quantenphysik (Klasse 12).
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
a) Wie sich eine elektromagnetische Welle selbst trägt
Zwei Naturgesetze greifen ineinander: Induktionsgesetz, ein sich änderndes Magnetfeld erzeugt ein elektrisches Feld. Maxwells Ergänzung, ein sich änderndes elektrisches Feld erzeugt ein Magnetfeld. Regt man die Felder einmal an, erzeugen sie einander fortlaufend.
- 2
b) Wie Maxwell auf das Licht kam
Aus seinen Gleichungen folgte . Das Überzeugende liegt in der Herkunft der Konstanten: stammt aus Messungen an Kondensatoren, aus Messungen an Spulen. Beide haben mit Licht nichts zu tun und wurden von Physikern bestimmt, die nicht an Optik dachten.
- 3
c) Das Spektrum nach steigender Frequenz
Langwelle und Rundfunk (km bis m, regt Elektronen in Antennen an) · Mikrowellen (cm bis mm, dreht Wassermoleküle) · Infrarot (Molekülschwingungen, Wärmestrahlung) · Sichtbares Licht ( bis , Elektronenübergänge) · Ultraviolett (ionisierend) · Röntgenstrahlung (durchdringt Gewebe) · Gammastrahlung (aus Atomkernen).
- 4
d) Ergebnis deuten: warum Leistung nicht ionisiert
Weil die Energie je Photon von der Frequenz abhängt, nicht von der Intensität. Zum Ionisieren muss ein einzelnes Photon genug Energie haben, typischerweise einige Elektronenvolt. Radiowellen liegen mit rund etwa sechs Zehnerpotenzen unter dieser Schwelle.
Zusammenfassung
Öffnet man einen zu einer Antenne, sinken Induktivität und , die steigt, und die Felder reichen weit in den Raum hinaus. Dort greifen zwei Gesetze ineinander, denn ein sich änderndes erzeugt ein elektrisches und dieses wieder ein magnetisches, sodass sich die Störung von der Antenne ablöst und selbstständig weiterläuft. Weil dabei Felder schwingen und nicht Materie, braucht eine elektromagnetische kein Medium und erreicht uns Sonnenlicht durch den leeren Raum. Maxwell erhielt aus zwei Konstanten, die an Kondensatoren und gemessen worden waren, genau die Lichtgeschwindigkeit und schloss daraus, dass Licht selbst eine elektromagnetische Welle ist, was Hertz zwanzig Jahre später bestätigte. Vom Rundfunk bis zur Gammastrahlung handelt es sich damit um dieselbe Erscheinung, die sich allein in der Frequenz unterscheidet, und erst diese entscheidet, womit die Welle in Wechselwirkung tritt und ob sie ionisierend wirkt.


