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Widerstand messen

SchulversuchElektrizitätslehreKlasse 8–11Standard

Worum geht es?

Der RR beschreibt, wie stark ein Bauteil den Stromfluss hemmt: R=U/IR = U/I. Er wird nicht direkt angezeigt, sondern aus zwei Messungen berechnet. Dieses etabliert die Messmethode und beantwortet dann eine Frage, die oft falsch beantwortet wird: Ändert ein ohmscher Widerstand seinen Wert, wenn Wechselstrom statt Gleichstrom fließt?

Warum macht man dieses Experiment?

Die U-I-Methode ist das Standardverfahren, mit dem auch Kennlinien, Innenwiderstände und Materialkonstanten bestimmt werden: Wer sie beherrscht, kann jedes Zweipol-Bauteil charakterisieren. Der Wechselstromteil beugt einem verbreiteten Missverständnis vor: Nicht „der Widerstand ändert sich bei Wechselstrom“, sondern zusätzliche Größen (Reaktanzen von und ) kommen bei anderen Bauteilen ins Spiel. Für den selbst ändert sich nichts.

Die physikalische Idee

Man legt eine bekannte an, misst den Strom und bildet den Quotienten. Wiederholt man das bei mehreren Spannungen, prüft man nebenbei, ob der Quotient konstant bleibt, also ob sich das Bauteil „ohmsch“ verhält. Für den Wechselstromteil wird dieselbe Messung mit Effektivwerten wiederholt: Stimmen die Quotienten überein und laufen u(t)u(t) und i(t)i(t) im Takt, verhält sich das Bauteil bei beiden Stromarten gleich.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Georg Simon Ohm fand den nach ihm benannten Zusammenhang 1826 mit selbstgebauten Messinstrumenten an Metalldrähten. Die klare Unterscheidung von Widerstand, Reaktanz und Impedanz entwickelte die Elektrotechnik Ende des 19. Jahrhunderts, als Wechselstromnetze praktisch wichtig wurden.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Ohmscher Widerstand bei Wechselstrom

Prüfe, ob ein bei Wechselstrom denselben Wert hat wie bei Gleichstrom, und untersuche die Phasenlage von und Strom. Grenze dabei die Begriffe Widerstand, Reaktanz und Impedanz sauber voneinander ab.

Gemessen

  • — Effektivwert der Spannung (in )

    Wechselspannungsmessung am Bauteil.

  • — Effektivwert der Stromstärke (in )

    Wechselstrommessung durch das Bauteil.

  • — Phasenverschiebung zwischen u und i (in )

    Aus dem Zweikanal-Oszilloskopbild: Verschiebung der beiden Kurven gegeneinander.

Bekannt

  • — Widerstand (aus DC-Messung) (in )

    Aus Zielsetzung A bekannt: R=20 ΩR = 20\ \Omega. Referenzwert für den Vergleich.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Das ohmsche Gesetz mit Effektivwerten: Es gilt am idealen ohmschen Widerstand unverändert auch bei Wechselstrom.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Betreibe den 2020-Ω-Widerstand aus Zielsetzung A am Wechselausgang. Miss UeffU_\mathrm{eff} und IeffI_\mathrm{eff}, bilde den Quotienten und vergleiche mit dem Gleichstromwert. Betrachte zusätzlich u(t)u(t) und i(t)i(t) gemeinsam auf dem Oszilloskop und bestimme die Phasenverschiebung.

2Vorbetrachtung

Die Streitfrage: Ändert Wechselstrom den Widerstand? Die Vermutung liegt nahe, weil „Wechselstromwiderstände“ tatsächlich frequenzabhängig sein können. Die präzise Erwartung lautet aber: Ein ohmscher Widerstand wandelt elektrische unabhängig von der Stromrichtung in um; sein Wert hängt vom Material und der ab, nicht von der Richtung oder dem Takt des Stroms. Der Quotient der Effektivwerte sollte also wieder 20 Ω20\ \Omega ergeben.

Was frequenzabhängig ist: und setzen Wechselstrom einen frequenzabhängigen „Widerstand“ entgegen, die Reaktanz (XC=12πfCX_C = \tfrac{1}{2\pi f C} bzw. XL=2πfLX_L = 2\pi f L). Sie beruht nicht auf Energieumwandlung in Wärme, sondern auf Energiezwischenspeicherung in Feldern, und gehört zu anderen Bauteilen, nicht zum . Das Sammelmaß einer ganzen Wechselstromschaltung aus R, C und L heißt Impedanz ZZ.

Zeitlicher Verlauf bei Wechselspannung

Simulation — berechnete Werte, keine Messung
Deine Aufgabe: Verändere die Frequenz und beobachte die Kurve: Die Achsen bleiben gleich, nur die Schwingung wird dichter oder weiter. Prüfe deine Vorhersage: Was passiert mit der Periodendauer T, wenn du f verdoppelst?
U_eff = 5,7 Veine Periode: T = 20 ms050100150200-12-60612Zeit t in msu in V
Spannung u(t)
I_eff = 56,6 mA050100150200-250-1250125250Zeit t in msi in mA
Stromstärke i(t)

wirkt wie (Effektivwert)

5,7 V

I_eff = U_eff/R

56,6 mA

Spannung und Strom schwingen im Gleichtakt: Beide gehen gleichzeitig durch null und erreichen gleichzeitig ihren Scheitel — am ohmschen Widerstand gibt es keine Verschiebung. Eine Periode dauert T = 20 ms bei f = 50 Hz.

und Strom am ohmschen Widerstand: Beide Kurven gehen gleichzeitig durch null und erreichen gleichzeitig ihre Scheitel. Diese Gleichphasigkeit ist das Kennzeichen des ohmschen Widerstands; verändere RR und beobachte, dass sich nur die Stromhöhe ändert, nie die Phasenlage.

3Geräte / Stoffe

Aufbau aus Zielsetzung A am Wechselausgang; beide Messgeräte in den AC-Bereichen. Für die Phasenmessung zeigt Kanal 2 die über einem kleinen Messwiderstand in Reihe: Sie ist zu jedem Zeitpunkt proportional zum Strom.

  • Schülernetzgerät mit Gleich- und Wechselausgang

    Einstellbare Quelle für beide Betriebsarten.

  • Festwiderstand (Nennwert 20 Ω, belastbar)

    Das Bauteil, dessen Widerstand bestimmt wird.

  • Amperemeter

    Misst die durch das Bauteil (in Reihe).

  • Voltmeter

    Misst die am Bauteil (parallel).

  • Oszilloskop (Zweikanal) oder Messinterface

    Zeigt u(t)u(t) und i(t)i(t) gleichzeitig und macht die Phasenlage sichtbar (nur Wechselstromteil).

  • Zweikanal-Oszilloskop mit Messwiderstand

    Kanal 1 zeigt u(t)u(t) am Bauteil, Kanal 2 den Strom (als über einem kleinen Messwiderstand): So wird die Phasenlage sichtbar.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Schaltplan wie in Zielsetzung A mit Wechselquelle; zusätzlich der kleine Messwiderstand in Reihe und die zwei Oszilloskopkanäle (Kanal 1 über dem Bauteil, Kanal 2 über dem Messwiderstand).

Wie herum die Messgeräte angeschlossen werdenAVin ReiheparallelAmperemeter hinein, Voltmeter daneben

Die Messschaltung der U-I-Methode: Amperemeter in Reihe mit dem Bauteil, Voltmeter parallel dazu. Aus beiden Anzeigen entsteht der Widerstand als Quotient R=U/IR = U/I.

Aufbau: Netzgerät, Amperemeter in Reihe mit dem Messwiderstand, Voltmeter parallel zum Widerstand. Für den Wechselstromteil wird auf den Wechselausgang gewechselt und beide Messgeräte in die AC-Bereiche geschaltet; das Oszilloskop macht zusätzlich die Phasenlage sichtbar.

5Durchführung

Schritt 1: Wechselausgang auf etwa 6 V6\ \mathrm{V} stellen, UeffU_\mathrm{eff} und IeffI_\mathrm{eff} gleichzeitig ablesen.

Schritt 2: Quotient bilden und mit dem DC-Wert aus Zielsetzung A vergleichen.

Schritt 3: Beide Kanäle auf dem Oszilloskop übereinanderlegen: Nulldurchgänge und Scheitel beider Kurven vergleichen.

Schritt 4: Falls das Netzgerät es erlaubt, die Messung bei anderer (Funktionsgenerator) wiederholen: Ändert sich der Quotient?

6Beobachtung

Messwerte am Wechselausgang
GrößeWert
UeffU_\mathrm{eff}6,0 V6{,}0\ \mathrm{V}
IeffI_\mathrm{eff}0,30 A0{,}30\ \mathrm{A}
Phasenlage der KurvenNulldurchgänge und Scheitel fallen zusammen

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Schritt 1: Quotient der Effektivwerte.

UeffIeff=6,0 V0,30 A=20 Ω\frac{U_\mathrm{eff}}{I_\mathrm{eff}} = \frac{6{,}0\ \mathrm{V}}{0{,}30\ \mathrm{A}} = 20\ \Omega

Derselbe Wert wie bei Gleichstrom: Das gilt am unverändert, wenn konsequent mit Effektivwerten gerechnet wird. Genau dafür wurden Effektivwerte definiert.

Schritt 2: Phasenlage. Beide Kurven laufen deckungsgleich im Takt: Wenn die maximal ist, ist es auch der Strom. Die Phasenverschiebung ist φ=0\varphi = 0. Anschaulich: Der Widerstand „reagiert“ auf den Momentanwert der Spannung ohne Verzögerung, denn er speichert nichts zwischen; zu jedem Zeitpunkt gilt i(t)=u(t)/Ri(t) = u(t)/R.

Schritt 3: Einordnung der Begriffe. Gemessen wurde ein Widerstand RR (frequenzunabhängig, wandelt in , φ=0\varphi = 0). und zeigen stattdessen Reaktanzen (frequenzabhängig, φ=±90∘\varphi = \pm 90^\circ, eigene ). Eine gemischte Schaltung beschreibt die Impedanz ZZ; nur im Spezialfall der rein ohmschen Schaltung ist Z=RZ = R.

8Fazit

Der hat bei Wechselstrom denselben Wert wie bei Gleichstrom (20 Ω20\ \Omega), und und Strom sind gleichphasig. Frequenzabhängig sind nicht ohmsche Widerstände, sondern die Reaktanzen von und ; das Gesamtmaß einer Wechselstromschaltung heißt Impedanz.

9Fehlerbetrachtung

Der Vergleich zweier Messreihen erbt die Unsicherheiten beider; entscheidend ist, dass sie unabhängig entstanden sind:

Verschiedene Messbereiche für DC und ACeher systematisch

Ursache

Die AC-Bereiche vieler Multimeter sind ungenauer spezifiziert als die DC-Bereiche.

Auswirkung

Ein kleiner Unterschied der Quotienten (wenige Prozent) kann allein von der Geräteklasse stammen und belegt keine Frequenzabhängigkeit.

Verbesserung

Genauigkeitsangaben der Bereiche vergleichen; Abweichungen erst oberhalb der kombinierten Gerätetoleranz deuten.

Erwärmung zwischen den Messreiheneher systematisch

Ursache

Wurde direkt nach der DC-Messung gemessen, ist das Bauteil noch warm und hat einen leicht erhöhten Widerstand.

Auswirkung

Der AC-Quotient fällt scheinbar größer aus; der Unterschied würde fälschlich der Stromart zugeschrieben.

Verbesserung

Vor dem Vergleich abkühlen lassen; beide Messungen bei gleicher durchführen.

Phasenablesung am Schirmeher zufällig

Ursache

Kleine Phasenverschiebungen sind bei 50 Hz auf dem Schirm schwer von Ablese-Ungenauigkeit zu trennen.

Auswirkung

Eine scheinbare Verschiebung von wenigen Grad kann reines Ablesen sein; die Aussage „φ=0\varphi = 0“ gilt im Rahmen dieser Genauigkeit.

Verbesserung

Zeitbasis spreizen und die Nulldurchgänge statt der flachen Scheitel vergleichen: Dort ist die Kurve am steilsten und die Ablesung am genauesten.

Das Wichtigste

Messmethode

R=U/IR = U/I: am Bauteil und Strom durch das Bauteil messen, Quotient bilden. Mehrere Spannungswerte prüfen nebenbei, ob RR konstant ist.

DC und AC

Ein idealer hat bei Gleich- und Wechselstrom denselben Wert; mit Effektivwerten gerechnet gilt dasselbe .

Gleichphasigkeit

Am laufen u(t)u(t) und i(t)i(t) im Takt: keine Phasenverschiebung. Das unterscheidet ihn von und .

Begriffe sauber trennen

Widerstand RR (ohmsch, wandelt in ), Reaktanz XX (/, frequenzabhängig, keine mittlere Wärmeleistung), Impedanz ZZ (Gesamtgröße einer Wechselstromschaltung). Nicht jeder „Widerstand gegen Wechselstrom“ ist ein .

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