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Stromstärke messen

SchulversuchElektrizitätslehreKlasse 8–11Grundlagen

Worum geht es?

Die II gibt an, wie viel pro Sekunde durch einen Leiterquerschnitt fließt. Sie ist die erste elektrische Größe, die du wirklich misst, mit einem Amperemeter, das in den Kreis eingebaut wird. An demselben Aufbau lassen sich drei Fragen untersuchen: Wie groß ist II an verschiedenen Stellen des Kreises? Wie verhält sich II bei einer Wechselquelle im Laufe der Zeit? Und worin genau unterscheiden sich Gleich- und Wechselstrom?

Warum macht man dieses Experiment?

Fast jede quantitative Aussage der Elektrizitätslehre stützt sich auf gemessene : das , Kennlinien, Leistungsberechnungen. Wer das Amperemeter falsch einbaut, misst nicht nur falsch, sondern kann das Gerät zerstören. Und wer nur Gleichstrom kennt, versteht die Steckdose nicht: Unser Stromnetz liefert Wechselstrom, dessen Stärke und Richtung sich fünfzigmal pro Sekunde ändern. Dieses legt beides an: sauberes Messen und das Verständnis beider Stromarten.

Die physikalische Idee

Ein Amperemeter zählt gewissermaßen die durchfließende pro Zeit. Damit es das kann, muss der gesamte Strom durch das Gerät hindurch: Das Amperemeter wird in Reihe in den Kreis eingebaut, wie ein Wasserzähler in die Leitung. Für Wechselstrom braucht es zusätzlich ein Messgerät, das schnelle Änderungen sichtbar macht. Ein Zeigerinstrument ist dafür zu träge, deshalb kommt ein Oszilloskop (oder ein Messinterface) zum Einsatz, das den Verlauf über der Zeit als Kurve zeichnet.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Die Einheit Ampere gehört zu den Basiseinheiten des internationalen Einheitensystems und ist nach André-Marie Ampère benannt, der ab 1820 die Kraftwirkung zwischen stromdurchflossenen Leitern untersuchte. Der „Stromkrieg“ um 1890 zwischen Gleichstrom- und Wechselstromsystemen wurde zugunsten des Wechselstroms entschieden, weil sich dessen mit verlustarm wandeln lässt.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Stromstärke im Gleichstromkreis messen

Miss die II in einem einfachen Gleichstromkreis, und zwar an mehreren Stellen des Kreises. Damit klärst du zugleich die wichtigste Vorfrage der Elektrizitätslehre: Wird Strom in der Lampe „verbraucht“?

Gesucht

  • — Stromstärke (in )

    Die Messgröße dieses Versuchs: Wie viel Ladung fließt pro Sekunde durch den Leiterquerschnitt?

Bekannt

  • — Zeit (in )

    Für die Ladungsberechnung wird eine feste Zeitspanne gewählt (hier 60 s).

Berechnet

  • — Elektrische Ladung (in )

    Wird aus Q=I⋅tQ = I \cdot t berechnet, um der abstrakten Stromstärke eine anschauliche Bedeutung zu geben: transportierte Ladungsmenge in einer Minute.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Definition der Stromstärke: transportierte Ladung pro Zeit. Sie erklärt, was das Amperemeter eigentlich anzeigt.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Miss die in einem aus Netzgerät (Gleichspannung 6 V6\ \mathrm{V}), Schalter und Glühlampe. Miss nacheinander an drei Stellen: zwischen Quelle und Lampe, zwischen Lampe und Quelle (Rückleitung) und direkt am Minuspol. Vergleiche die Werte.

2Vorbetrachtung

Was misst ein Amperemeter? Die ist definiert als transportierte pro Zeit: I=Q/tI = Q/t. Ein Ampere bedeutet: Jede Sekunde fließt eine Ladung von einem Coulomb durch den Leiterquerschnitt. Damit das Gerät die gesamte Ladung erfassen kann, muss der komplette Strom durch das Gerät hindurch, deshalb der Einbau in Reihe.

Die eigentliche Streitfrage: Viele erwarten, dass hinter der Lampe weniger Strom fließt als davor, weil die Lampe ja „etwas verbraucht“. Die Gegenposition: Die Lampe wandelt um, aber die Ladungen fließen vollständig weiter, wie Wasser durch ein Mühlrad. Der Versuch entscheidet zwischen beiden Vorstellungen durch Messung an mehreren Stellen.

3Geräte / Stoffe

Grundbestand plus Amperemeter. Am Vielfachmessgerät zuerst den größten Strommessbereich wählen und dann herunterschalten: So kann ein unerwartet großer Strom das Gerät nicht beschädigen.

  • Schülernetzgerät mit Gleich- und Wechselausgang

    Quelle für beide Betriebsarten: wahlweise Gleichspannung (DC) oder Wechselspannung (AC) im Kleinspannungsbereich.

  • Glühlampe mit Fassung (z. B. 6 V / 3 W)

    Verbraucher, an dem die gemessen wird; zeigt den Stromfluss zusätzlich sichtbar an.

  • Amperemeter (Vielfachmessgerät)

    Misst die II. Es wird in Reihe eingebaut, damit der gesamte Strom hindurchfließt.

  • Oszilloskop oder Messinterface mit Stromsensor

    Zeichnet den zeitlichen Verlauf i(t)i(t) auf. Nur so werden die schnellen Änderungen des Wechselstroms sichtbar.

  • Schalter und Leitungen

    Schließen und öffnen den Kreis.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Zeichne den Schaltplan mit dem Amperemeter (Kreis mit A) in Reihe zwischen Quelle und Lampe. Markiere die drei Messstellen mit Ziffern: so lässt sich im Protokoll eindeutig sagen, welcher Messwert wo entstand.

Wie herum die Messgeräte angeschlossen werdenAVin ReiheparallelAmperemeter hinein, Voltmeter daneben

Die Grundregel der Messschaltung: Das Amperemeter liegt in Reihe (der ganze Strom fließt hindurch), das Voltmeter parallel. Wer das Amperemeter parallel zur Quelle schaltet, baut einen Kurzschluss durch das Messgerät.

Der Grundaufbau ist der einfache aus Quelle, Schalter und Lampe. Für Zielsetzung A wird ein Amperemeter nacheinander an verschiedenen Stellen in den Kreis eingefügt. Für die Zielsetzungen B und C wird die Gleichquelle gegen einen Kleinspannungs-Wechselausgang des Netzgeräts getauscht und der Verlauf mit dem Oszilloskop betrachtet.

5Durchführung

Schritt 1: Baue den Kreis auf (Quelle auf 6 V6\ \mathrm{V} Gleichspannung, Schalter offen). Unterbrich den Kreis zwischen Quelle und Lampe und setze das Amperemeter in die Lücke. Messbereich: zunächst der größte.

Schritt 2: Schließe den Schalter, lies die ab und notiere sie. Schalter wieder öffnen.

Schritt 3: Baue das Amperemeter aus, setze es in die Rückleitung (zwischen Lampe und Quelle) ein und miss erneut.

Schritt 4: Wiederhole die Messung direkt am Minuspol der Quelle. Vergleiche alle drei Werte.

6Beobachtung

Die Lampe leuchtet bei jeder Messanordnung gleich hell. Das Amperemeter zeigt an allen drei Messstellen im Rahmen der Ablesegenauigkeit denselben Wert:

Messwerte (Gleichspannung 6 V6\ \mathrm{V}, Lampe 6 V / 3 W)
MessstelleStromstärke II in A\mathrm{A}
1: zwischen Quelle und Lampe0,30
2: zwischen Lampe und Quelle0,30
3: am Minuspol der Quelle0,30

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Schritt 1: Die Kernbeobachtung deuten. An allen drei Stellen fließt derselbe Strom, I=0,30 AI = 0{,}30\ \mathrm{A}. Die Vorstellung „die Lampe verbraucht Strom“ ist damit widerlegt: In einem unverzweigten Kreis ist die überall gleich. Was die Lampe umwandelt, ist . Die selbst fließen vollständig weiter.

Schritt 2: Den Messwert anschaulich machen. Was bedeutet 0,30 A0{,}30\ \mathrm{A}? Die Definition I=Q/tI = Q/t lässt sich nach der Ladung umstellen, indem beide Seiten mit tt multipliziert werden:

Q=I⋅t=0,30 A⋅60 s=18 CQ = I \cdot t = 0{,}30\ \mathrm{A} \cdot 60\ \mathrm{s} = 18\ \mathrm{C}

In jeder Minute fließt also eine Ladung von 1818 Coulomb durch die Lampe. Ein einzelnes Elektron trägt nur etwa 1,6⋅10−19 C1{,}6 \cdot 10^{-19}\ \mathrm{C}: Hinter dem unscheinbaren Zeigerausschlag steckt ein Strom von gewaltig vielen Ladungsträgern.

Schritt 3: Einheiten prüfen. A⋅s=C\mathrm{A} \cdot \mathrm{s} = \mathrm{C}, genau die Einheit der Ladung. Das bestätigt die Umstellung.

8Fazit

Im Gleichstromkreis ist die zeitlich konstant und an jeder Stelle des unverzweigten Kreises gleich groß, im Beispiel I=0,30 AI = 0{,}30\ \mathrm{A}. Die Messregel lautet: Amperemeter in Reihe, größten Messbereich zuerst.

9Fehlerbetrachtung

Die Messgenauigkeit hängt hier weniger vom Ablesen ab als vom richtigen Umgang mit dem Messgerät:

Eigenwiderstand des Amperemeterseher systematisch

Ursache

Auch ein gutes Amperemeter hat einen kleinen Innenwiderstand, der zusätzlich im Kreis liegt.

Auswirkung

Der gemessene Strom ist geringfügig kleiner als der Strom ohne Messgerät. Bei einer Glühlampe als Verbraucher bleibt der Effekt unter etwa einem Prozent und ist hier unerheblich.

Verbesserung

Messbereich passend wählen (im richtigen Bereich ist der Innenwiderstand am kleinsten wirksam); für Präzisionsmessungen Geräte mit angegebenem Innenwiderstand verwenden.

Falscher Messbereicheher zufällig

Ursache

Ein zu großer Messbereich lässt den Zeiger kaum ausschlagen, ein zu kleiner überlastet das Gerät.

Auswirkung

Im zu großen Bereich wird ungenau abgelesen (Ablesefehler von mehreren Prozent); im zu kleinen Bereich löst die Gerätesicherung aus und die Messung fällt ganz aus.

Verbesserung

Vom größten Bereich schrittweise herunterschalten, bis der Zeiger im oberen Drittel der Skala steht.

Lampe noch nicht auf Betriebstemperatureher systematisch

Ursache

Der Glühfaden hat kalt einen deutlich kleineren Widerstand als heiß; direkt nach dem Einschalten fließt kurz ein größerer Strom.

Auswirkung

Wer sofort nach dem Schließen des Schalters abliest, misst einen zu großen Wert. Nach etwa einer Sekunde ist der Wert stabil.

Verbesserung

Vor dem Ablesen kurz warten, bis die Anzeige steht.

Das Wichtigste

Messregel

Das Amperemeter wird in Reihe eingebaut: Der gesamte Strom muss hindurchfließen. Parallel geschaltet wirkt es als Kurzschluss.

Unverzweigter Kreis

In einem unverzweigten Kreis ist die an jeder Stelle gleich groß. Strom wird nicht „verbraucht“: Was in die Lampe hineinfließt, fließt auch wieder heraus. Die Lampe wandelt elektrische um, nicht Strom.

Gleichstrom

Bei idealer Gleichspannung ist II zeitlich konstant und die Stromrichtung bleibt immer gleich.

Wechselstrom

Stärke und Richtung ändern sich periodisch: i(t)=I^⋅sin⁡(2πf⋅t)i(t) = \hat{I} \cdot \sin(2\pi f \cdot t). Das Netz hat f=50 Hzf = 50\ \mathrm{Hz}, also T=20 msT = 20\ \mathrm{ms}.

Effektivwert

Ein Wechselstrom mit Effektivwert IeffI_\mathrm{eff} hat an einem dieselbe Heizwirkung wie ein Gleichstrom dieser Stärke. Für Sinusform gilt Ieff=I^/2I_\mathrm{eff} = \hat{I}/\sqrt{2}; Messgeräte zeigen Effektivwerte an.

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