Zum Inhalt springen
Zurück zur Themenübersicht

Magnetismus / Elektromagnetismus

Das magnetische Feld und die Flussdichte

Wie man die Stärke eines Magnetfeldes misst, warum es keine magnetischen Ladungen gibt und wovon das Spulenfeld abhängt.

Benötigte Grundlagen

Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.

Einführung

Beim war die Sache einfach: Man nimmt eine Probeladung, misst die und teilt. Beim geht das nicht, denn es gibt keine magnetische Einzelladung. Bricht man einen Magneten entzwei, hat man nicht einen Nordpol und einen Südpol, sondern zwei vollständige Magnete.

Man braucht also einen anderen Weg, die zu messen. Die Lösung: Man benutzt statt einer Probeladung einen stromdurchflossenen Leiter und misst die Kraft auf ihn.

Aus dieser scheinbar technischen Entscheidung folgt eine der wichtigsten Größen der Physik, und mit ihr , und .

Das kannst du nach diesem Kapitel

  • das beschreiben und seine Feldlinien deuten.

  • begründen, warum es keine magnetischen Monopole gibt.

  • die magnetische Flussdichte BB definieren.

  • die auf einen stromdurchflossenen Leiter berechnen.

  • die Drei-Finger-Regel anwenden.

  • das Feld einer langen berechnen.

Magnetische Felder und ihre Quellen

werden erzeugt von

  • Permanentmagneten (Eisen, Nickel, Kobalt, seltene Erden),
  • bewegten , insbesondere elektrischen Strömen,
  • sich ändernden .

🔴 Bei genauem Hinsehen ist die erste Ursache ein Sonderfall der zweiten: Auch im Permanentmagneten stammt das Feld von bewegten Ladungen, nämlich von den Elektronen in den Atomen. Es gibt also im Grunde eine Ursache: bewegte Ladung.

Feldlinien und der fehlende Monopol

Magnetische Feldlinien verlaufen außerhalb des Magneten vom Nordpol zum Südpol und innerhalb des Magneten wieder zurück.

Magnetische Feldlinien sind immer geschlossen.

Daraus folgt unmittelbar:

🔴 Es gibt keine magnetischen Monopole. Ein einzelner Nordpol wäre ein Punkt, an dem Feldlinien beginnen, ohne zu enden. Zerbricht man einen Stabmagneten, entstehen an der Bruchstelle sofort neue Pole, und man hat zwei vollständige Magnete.

Das ist der wesentliche Unterschied zum , in dem Feldlinien an beginnen und enden. Deshalb lässt sich die dort über eine Probeladung definieren, hier aber nicht.

Außen von Nord nach Süd, innen zurückNSJede magnetische Feldlinie ist geschlossen

Die gestrichelte Linie im Magneten ist der entscheidende Teil des Bildes: Dort laufen dieselben Feldlinien weiter. Weil jede Linie geschlossen ist, kann es keinen Punkt geben, an dem sie beginnt, also auch keinen einzelnen magnetischen Pol. Wo die Linien dichter liegen, an den Polen, ist das Feld am stärksten.

Die magnetische Flussdichte

Statt einer Probeladung benutzt man einen stromdurchflossenen Leiter. Bringt man ihn senkrecht in ein , wirkt auf ihn eine , und man findet experimentell:

F∼I,F∼ℓF \sim I, \qquad F \sim \ell

Der Quotient ist deshalb eine Eigenschaft des Feldes:

B=FI⋅ℓ\boxed{B = \frac{F}{I \cdot \ell}} [ B ]=1 NAm=1 Tesla=1 T[\,B\,] = 1\,\frac{\text{N}}{\text{Am}} = 1\,\text{Tesla} = 1\,\text{T}

Die magnetische Flussdichte gibt die Kraft je und Leiterlänge an.

Umgestellt ergibt sich die Kraft auf einen Leiter senkrecht zum Feld:

F=B⋅I⋅ℓF = B \cdot I \cdot \ell

Steht der Leiter nicht senkrecht, sondern unter dem Winkel α\alpha zum Feld:

F=B⋅I⋅ℓ⋅sin⁡αF = B \cdot I \cdot \ell \cdot \sin\alpha

🔴 Für α=0\alpha = 0 (Leiter parallel zum Feld) ist die Kraft null. Nur der Anteil des Leiters senkrecht zum Feld trägt bei.

Größenordnungen:

FeldBB
Erdmagnetfeldrund 50 µT50\,\text{µT}
Hufeisenmagneteinige 10 mT10\,\text{mT}
Kräftiger Neodym-Magnetbis 1,5 T1{,}5\,\text{T}
Kernspintomograf1,51{,}5 bis 7 T7\,\text{T}

Die Richtung: Drei-Finger-Regel

Die steht senkrecht auf dem Leiter und senkrecht auf dem Feld.

Rechte-Hand-Regel (Drei-Finger-Regel) für die technische Stromrichtung:

  • Daumen: Stromrichtung II (technisch, von plus nach minus)
  • Zeigefinger: Feldrichtung BB (von Nord nach Süd)
  • Mittelfinger: Kraftrichtung FF

🔴 Diese Senkrechtstellung ist ungewöhnlich. Beim zeigt die Kraft längs der Feldlinien, hier quer dazu. Genau daraus entsteht die Drehbewegung im : Eine Kraft quer zu Strom und Feld erzeugt an einer drehbaren Leiterschleife ein Drehmoment.

Kraft senkrecht auf Strom und FeldB in die Ebene hineinI nach rechtsF nach obenrechte HandDaumen: IZeigefinger: BMittelfinger: F(UVW)F = B · I · l, und die Richtung liefert die Hand

Der Merkfall zum Nachprüfen: Strom nach rechts, Feld in die Ebene hinein, nach oben, mit der rechten Hand, denn gemeint ist die technische Stromrichtung. Wer mit der Elektronenrichtung arbeitet, braucht die linke. Beachte die Senkrechtstellung: Beim zeigt die Kraft längs der Feldlinien, hier quer zu Strom und Feld.

Das Feld einer langen Spule

Im Inneren einer langen, gleichmäßig gewickelten ist das Feld nahezu homogen:

B=μ0⋅μr⋅N⋅Iℓ\boxed{B = \mu_0 \cdot \mu_r \cdot \frac{N \cdot I}{\ell}}

mit der magnetischen Feldkonstante

μ0=4π⋅10−7 VsAm≈1,257⋅10−6 VsAm\mu_0 = 4\pi \cdot 10^{-7}\,\frac{\text{Vs}}{\text{Am}} \approx 1{,}257 \cdot 10^{-6}\,\frac{\text{Vs}}{\text{Am}}

NN ist die Windungszahl, ℓ\ell die Spulenlänge (nicht die Drahtlänge) und μr\mu_r die Permeabilitätszahl des Kernmaterials.

Bemerkenswert ist, was nicht in der Formel steht: der Spulendurchmesser. Solange die Spule lang gegenüber ihrem Durchmesser ist, spielt er keine Rolle.

Der Eisenkern hat gewaltige Wirkung:

Materialμr\mu_r
Vakuum, Luft1
Aluminiumrund 1,00002
Eisen300 bis 10000
Spezialwerkstoffebis 100000

Deshalb hat jeder Elektromagnet, jeder und jeder Motor einen Eisenkern: Er verstärkt das Feld um Größenordnungen, ohne mehr Strom zu kosten.

Warum Eisen so wirkt: In ihm gibt es Bereiche (Weißsche Bezirke), in denen die atomaren bereits gleichgerichtet sind. Das äußere Feld richtet diese Bereiche aus, und ihre Felder addieren sich zum äußeren.

Die Spule wirkt nach außen wie ein StabmagnetNSInnen parallel und gleich dicht: homogenes Feld.Welches Ende Nordpol ist, entscheidet die Stromrichtung

Im Inneren einer langen ist das Feld nahezu homogen. Deshalb genügt dort eine einzige Formel ohne Ortsangabe. Wie groß B wird, entscheiden und Windungszahl; ein Eisenkern hebt den Wert um ein Vielfaches an. Nach außen wirkt dieselbe Spule wie ein Stabmagnet.

Ein wichtiger Sprachhinweis

Die Größe BB heißt aus historischen Gründen Flussdichte und nicht . Es gibt zwar auch eine „magnetische Feldstärke" HH, doch für alle Kraftwirkungen ist BB maßgeblich. In der Schulphysik meint man mit „Stärke des " praktisch immer BB.

Kraft auf einen Leiter

Ein gerader Leiter von ℓ=25 cm\ell = 25\,\text{cm} Länge liegt senkrecht in einem mit B=0,4 TB = 0{,}4\,\text{T} und wird von I=3 AI = 3\,\text{A} durchflossen.

a) Wie groß ist die ?

b) Wie groß wäre sie bei einem Winkel von 30°30° zum Feld?

c) Und wenn der Leiter parallel zum Feld liegt?

d) In welche Richtung wirkt die Kraft in a)?

  1. 1

    a) Senkrecht, also sin⁡90°=1\sin 90° = 1:

    F=B⋅I⋅ℓ=0,4 T⋅3 A⋅0,25 m=0,3 NF = B \cdot I \cdot \ell = 0{,}4\,\text{T} \cdot 3\,\text{A} \cdot 0{,}25\,\text{m} = 0{,}3\,\text{N}

    Einheitenprobe: T⋅A⋅m=NAm⋅A⋅m=N\text{T} \cdot \text{A} \cdot \text{m} = \frac{\text{N}}{\text{Am}} \cdot \text{A} \cdot \text{m} = \text{N} ✓

  2. 2

    b) F=BIℓsin⁡30°=0,3 N⋅0,5=0,15 NF = B I \ell \sin 30° = 0{,}3\,\text{N} \cdot 0{,}5 = 0{,}15\,\text{N}

    Nur die Hälfte, weil nur der zum Feld senkrechte Anteil des Leiters wirksam ist.

  3. 3

    c) Parallel bedeutet α=0\alpha = 0:

    F=BIℓsin⁡0°=0F = B I \ell \sin 0° = 0

    🔴 Ein Leiter parallel zum Feld erfährt keine Kraft, unabhängig davon, wie stark das Feld oder der Strom ist.

    Warum das so sein muss: Die Kraft steht immer senkrecht auf Strom und Feld. Sind beide parallel, gibt es keine eindeutige Senkrechtrichtung mehr, die durch beide festgelegt wäre. Die einzige damit verträgliche Kraft ist null.

  4. 4

    d) Mit der Drei-Finger-Regel der rechten Hand:

    • Daumen in Richtung der technischen Stromrichtung,
    • Zeigefinger in Feldrichtung (von Nord nach Süd),
    • der Mittelfinger zeigt dann die Kraftrichtung.

    Die Kraft steht senkrecht auf beiden, also senkrecht auf der von Leiter und Feldrichtung aufgespannten Ebene.

    🔴 Der wichtigste Unterschied zum : Dort zeigt die Kraft längs der Feldlinien, hier quer zu Strom und Feld.

    Genau das ermöglicht den : In einer drehbaren Leiterschleife wirken auf die beiden gegenüberliegenden Seiten (mit entgegengesetzter Stromrichtung) entgegengesetzte Kräfte. Sie ergeben zusammen kein Verschieben, sondern ein Drehmoment, und die Schleife dreht sich.

    Kehrt man zugleich Strom und Feldrichtung um, bleibt die Kraftrichtung übrigens erhalten. Deshalb laufen Universalmotoren auch mit Wechselstrom.

a) 0,3 N0{,}3\,\text{N} b) 0,15 N0{,}15\,\text{N} c) null d) senkrecht auf Leiter und Feld, Richtung nach der Drei-Finger-Regel.

Das Feld einer Spule

Eine ist ℓ=20 cm\ell = 20\,\text{cm} lang und hat N=800N = 800 Windungen. Es fließt I=2,5 AI = 2{,}5\,\text{A}.

a) Wie groß ist BB im Inneren ohne Kern?

b) Wie groß mit einem Eisenkern (μr=2000\mu_r = 2000)?

c) Vergleiche mit dem Erdmagnetfeld (50 µT50\,\text{µT}).

d) Was ändert sich, wenn man die Spule bei gleicher Windungszahl auf die doppelte Länge auseinanderzieht?

  1. 1

    a) B=μ0⋅NIℓ=4π⋅10−7 VsAm⋅800⋅2,5 A0,2 mB = \mu_0 \cdot \frac{N I}{\ell} = 4\pi \cdot 10^{-7}\,\frac{\text{Vs}}{\text{Am}} \cdot \frac{800 \cdot 2{,}5\,\text{A}}{0{,}2\,\text{m}}

    B=1,257⋅10−6⋅10000 T≈1,26⋅10−2 T=12,6 mTB = 1{,}257 \cdot 10^{-6} \cdot 10000\,\text{T} \approx 1{,}26 \cdot 10^{-2}\,\text{T} = 12{,}6\,\text{mT}
  2. 2

    b) Der Eisenkern wirkt als Faktor μr\mu_r:

    B=2000⋅12,6 mT=25,1 TB = 2000 \cdot 12{,}6\,\text{mT} = 25{,}1\,\text{T}

    🔴 Achtung, dieser Wert ist unrealistisch hoch. Reales Eisen gerät bei etwa 2 T2\,\text{T} in die Sättigung: Dann sind praktisch alle Weißschen Bezirke ausgerichtet, und mehr Verstärkung ist nicht möglich. Das rechnerische μr=2000\mu_r = 2000 gilt nur für schwache Felder.

    Realistisch erreicht man rund 2 T2\,\text{T}, mehr nicht. Das ist eine wichtige Grenze im Maschinenbau: lassen sich nicht beliebig stärker machen, indem man den Strom erhöht.

    Die Aufgabe zeigt damit zugleich, wie wichtig es ist, Rechenergebnisse auf Plausibilität zu prüfen, statt sie nur hinzuschreiben.

  3. 3

    c) Ohne Kern:

    12,6⋅10−3 T50⋅10−6 T=252\frac{12{,}6 \cdot 10^{-3}\,\text{T}}{50 \cdot 10^{-6}\,\text{T}} = 252

    Das Spulenfeld ist also rund 250-mal so stark wie das Erdmagnetfeld.

    Deshalb muss man bei Kompassversuchen im Physikraum aufpassen: Schon eine mäßig starke Spule oder ein Lautsprecher in der Nähe überdeckt das Erdfeld vollständig.

  4. 4

    d) Die Flussdichte halbiert sich.

    In B=μ0NIℓB = \mu_0 \frac{N I}{\ell} steht die Spulenlänge im Nenner. Bei gleicher Windungszahl und doppelter Länge:

    Bneu=B2=6,3 mTB_{\text{neu}} = \frac{B}{2} = 6{,}3\,\text{mT}

    Physikalisch: Entscheidend ist die Windungsdichte Nℓ\frac{N}{\ell}, also die Anzahl der Windungen je Meter. Zieht man die Spule auseinander, liegen die Windungen weiter auseinander und ihre Beiträge überlagern sich schwächer.

    🔴 Merke deshalb: In die Formel gehört die Länge der Spule, nicht die Länge des aufgewickelten Drahtes. Das ist die häufigste Verwechslung bei dieser Formel.

    Und was nicht eingeht: der Durchmesser der Spule. Solange sie lang gegenüber ihrem Durchmesser ist, spielt er keine Rolle. Eine dünne und eine dicke Spule gleicher Länge und Windungszahl erzeugen im Inneren dasselbe Feld, obwohl die dicke deutlich mehr Draht enthält.

a) 12,6 mT12{,}6\,\text{mT} b) rechnerisch 25 T25\,\text{T}, real begrenzt auf rund 2 T2\,\text{T} durch Sättigung c) etwa das 250-fache des Erdfeldes d) halbiert, weil die Windungsdichte sinkt.

Typischer Fehler

„Die auf einen stromdurchflossenen Leiter zeigt in Richtung der Feldlinien."

Sie zeigt senkrecht auf Leiter und Feldlinien, also quer zu beiden.

Woher der Fehler kommt: Aus der Übertragung des elektrischen Falls. Dort gilt F⃗=qE⃗\vec{F} = q\vec{E}, die Kraft liegt also tatsächlich längs der Feldlinien. Diese Erfahrung überträgt man unbesehen auf das , wo sie nicht gilt.

Der Nachweis ist einfach: Legt man einen beweglichen Leiter zwischen die Pole eines Hufeisenmagneten und schaltet den Strom ein, springt er seitlich heraus, nicht auf einen der Pole zu.

Warum es so sein muss: Die magnetische Kraft wirkt auf bewegte , und ihre Richtung wird durch zwei Richtungen festgelegt, die des Stromes und die des Feldes. Die einzige Richtung, die beide gleichberechtigt bestimmen, ist die Senkrechte auf beiden.

Zwei Folgerungen bestätigen das:

  • Liegt der Leiter parallel zum Feld, gibt es keine solche ausgezeichnete Senkrechte mehr, und die Kraft ist tatsächlich null. Bei einer Kraft längs der Feldlinien wäre sie dann maximal.
  • Die Kraft steht auch senkrecht auf der Bewegungsrichtung der Ladungen. Deshalb verrichtet sie an ihnen keine und ändert nur die Richtung, nie den Betrag der . Genau daraus entstehen im nächsten Kapitel die .

Warum das technisch entscheidend ist: Eine Kraft quer zum Leiter erzeugt an einer drehbaren Leiterschleife ein Drehmoment. Genau darauf beruht jeder . Zeigte die Kraft längs der Feldlinien, würde sich nichts drehen, und es gäbe weder Motoren noch .

Merksatz: Elektrisch längs, magnetisch quer.

Übung 1

leicht

a) Ein Leiter (ℓ=40 cm\ell = 40\,\text{cm}, I=5 AI = 5\,\text{A}) liegt senkrecht in einem Feld mit B=0,2 TB = 0{,}2\,\text{T}. Wie groß ist die ?

b) Eine (ℓ=10 cm\ell = 10\,\text{cm}, N=500N = 500) wird von 2 A2\,\text{A} durchflossen. Wie groß ist BB ohne Kern?

c) Warum gibt es keine magnetischen Monopole?

Tipp anzeigen

b) μ0=1,257⋅10−6 VsAm\mu_0 = 1{,}257 \cdot 10^{-6}\,\frac{\text{Vs}}{\text{Am}}.

Lösung anzeigen

a) F=BIℓ=0,2 T⋅5 A⋅0,4 m=0,4 NF = B I \ell = 0{,}2\,\text{T} \cdot 5\,\text{A} \cdot 0{,}4\,\text{m} = 0{,}4\,\text{N}

b) B=μ0NIℓ=1,257⋅10−6⋅500⋅20,1 T=1,257⋅10−6⋅104 T≈12,6 mTB = \mu_0 \frac{NI}{\ell} = 1{,}257 \cdot 10^{-6} \cdot \frac{500 \cdot 2}{0{,}1}\,\text{T} = 1{,}257 \cdot 10^{-6} \cdot 10^{4}\,\text{T} \approx 12{,}6\,\text{mT}

c) Weil magnetische Feldlinien immer geschlossen sind. Ein einzelner Pol wäre ein Punkt, an dem Feldlinien beginnen, ohne irgendwo zu enden.

Zerbricht man einen Stabmagneten, entstehen an der Bruchstelle sofort neue Pole; man hat zwei vollständige Magnete statt eines Nord- und eines Südpols. Das gilt bis hinunter zum einzelnen Atom.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Gegeben und Gesucht bei Leiterkraft und Spulenfeld

    a) ℓ=40 cm\ell = 40\,\text{cm}, I=5 AI = 5\,\text{A}, B=0,2 TB = 0{,}2\,\text{T}; gesucht die Kraft. b) Spule mit ℓ=10 cm\ell = 10\,\text{cm}, N=500N = 500, I=2 AI = 2\,\text{A}; gesucht BB ohne Kern, mit μ0=1,257⋅10−6 VsAm\mu_0 = 1{,}257 \cdot 10^{-6}\,\frac{\text{Vs}}{\text{Am}}. c) eine Begründung zu Monopolen.

  2. 2

    Kraft auf den Leiter und Feld in der Spule

    Für einen Leiter senkrecht im Feld gilt F=BIℓF = B I \ell. Für das Feld im Inneren einer langen Spule gilt B=μ0NIℓB = \mu_0 \frac{NI}{\ell}, entscheidend ist die Windungsdichte Nℓ\frac{N}{\ell}.

  3. 3

    a) und b) Kraft und Flussdichte berechnen

    Erst das Produkt aus Flussdichte, und Länge; dann Windungsdichte mal magnetische Feldkonstante mal Strom.

    F=0,2 T⋅5 A⋅0,4 m=0,4 NF = 0{,}2\,\text{T} \cdot 5\,\text{A} \cdot 0{,}4\,\text{m} = 0{,}4\,\text{N}; B=1,257⋅10−6⋅500⋅20,1 T≈12,6 mTB = 1{,}257 \cdot 10^{-6} \cdot \frac{500 \cdot 2}{0{,}1}\,\text{T} \approx 12{,}6\,\text{mT}

    Zwischenergebnis

    F=0,4 NF = 0{,}4\,\text{N}, B≈12,6 mTB \approx 12{,}6\,\text{mT}

  4. 4

    c) Ergebnis deuten: warum es keine magnetischen Monopole gibt

    Weil magnetische Feldlinien immer geschlossen sind. Ein einzelner Pol wäre ein Punkt, an dem Feldlinien beginnen, ohne irgendwo zu enden.

Übung 2

mittel

a) Warum definiert man BB über einen Leiter und nicht über eine Probeladung?

b) Eine soll B=20 mTB = 20\,\text{mT} erzeugen. Sie ist 15 cm15\,\text{cm} lang und führt 3 A3\,\text{A}. Wie viele Windungen braucht sie ohne Kern?

c) Warum haben Elektromagnete einen Eisenkern?

d) Warum erfährt ein Leiter parallel zum Feld keine ?

Tipp anzeigen

b) Nach NN umstellen.

Lösung anzeigen

a) Weil es keine magnetischen Einzelladungen gibt. Beim kann man eine kleine Probeladung hineinbringen und E=FqE = \frac{F}{q} bilden; ein magnetisches Gegenstück dazu existiert nicht.

Der kleinste magnetische Gegenstand ist immer ein Dipol aus Nord- und Südpol, und auf einen Dipol wirkt im homogenen Feld keine resultierende Kraft, sondern nur ein Drehmoment. Er eignet sich deshalb schlecht als Messkörper.

Der stromdurchflossene Leiter dagegen erfährt eine eindeutige, messbare Kraft, die zu II und ℓ\ell proportional ist. Der Quotient FIℓ\frac{F}{I\ell} ist damit eine reine Eigenschaft des Feldes, genau wie Fq\frac{F}{q} im elektrischen Fall.

b) B=μ0NIℓ⇒N=B⋅ℓμ0⋅IB = \mu_0 \frac{NI}{\ell} \quad \Rightarrow \quad N = \frac{B \cdot \ell}{\mu_0 \cdot I}

N=0,02 T⋅0,15 m1,257⋅10−6 VsAm⋅3 A=3⋅10−33,77⋅10−6≈796N = \frac{0{,}02\,\text{T} \cdot 0{,}15\,\text{m}}{1{,}257 \cdot 10^{-6}\,\frac{\text{Vs}}{\text{Am}} \cdot 3\,\text{A}} = \frac{3 \cdot 10^{-3}}{3{,}77 \cdot 10^{-6}} \approx 796

Man braucht also rund 800 Windungen.

c) Weil der Eisenkern das Feld um den Faktor μr\mu_r verstärkt, also um das Hundert- bis Zehntausendfache, ohne dass mehr Strom nötig wäre.

Ursache: In Eisen gibt es Bereiche (Weißsche Bezirke), in denen die magnetischen Wirkungen der Elektronen bereits gleichgerichtet sind. Das äußere Feld richtet diese Bereiche aus, und ihre Felder addieren sich zum ursprünglichen.

Praktische Bedeutung: Ohne Eisenkern bräuchte ein bei gleicher Kraft ein Vielfaches an Strom und würde entsprechend mehr Verlustwärme erzeugen. Deshalb hat praktisch jede Maschine mit einen Eisenkern: Motor, , , Relais, Elektromagnet.

Grenze: Bei etwa 2 T2\,\text{T} tritt Sättigung ein, alle Bezirke sind ausgerichtet, und weitere Stromerhöhung bringt kaum noch Feld. Deshalb lassen sich elektrische Maschinen nicht beliebig stärker bauen.

d) Weil die magnetische Kraft senkrecht auf Strom und Feld stehen muss.

Zeigen beide in dieselbe Richtung, gibt es keine durch sie eindeutig festgelegte Senkrechte mehr; jede Richtung senkrecht dazu wäre gleichberechtigt. Die einzige damit verträgliche Kraft ist null.

Formal steckt das im Faktor sin⁡α\sin\alpha: Für α=0\alpha = 0 ist sin⁡0=0\sin 0 = 0.

Anschaulich: Nur der Anteil des Leiters, der quer zum Feld liegt, „schneidet" Feldlinien. Ein Leiter längs des Feldes läuft zwischen den Feldlinien her, ohne sie zu queren.

🔴 Genau darauf beruht die Konstruktion von Elektromotoren: Die Leiterstücke, die Kraft liefern sollen, verlaufen quer zum Feld, die Verbindungsstücke an den Stirnseiten längs dazu und tragen nichts bei.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Gegeben und Gesucht: Definition, Windungszahl und zwei Begründungen

    b) verlangt die Windungszahl für B=20 mTB = 20\,\text{mT} bei ℓ=15 cm\ell = 15\,\text{cm} und I=3 AI = 3\,\text{A} ohne Kern. a), c) und d) fragen nach der Definition von BB, nach dem Eisenkern und nach dem Leiter parallel zum Feld.

  2. 2

    a) Warum die Flussdichte über einen stromdurchflossenen Leiter definiert wird

    Weil es keine magnetischen Einzelladungen gibt. Beim elektrischen Feld bringt man eine kleine Probeladung hinein und bildet E=FqE = \frac{F}{q}; ein magnetisches Gegenstück existiert nicht. Der kleinste magnetische Gegenstand ist immer ein Dipol, und auf einen Dipol wirkt im homogenen Feld keine resultierende Kraft, sondern nur ein Drehmoment.

  3. 3

    b) Die Spulenformel nach der Windungszahl umstellen

    Aus B=μ0NIℓB = \mu_0 \frac{NI}{\ell} folgt durch Multiplizieren mit ℓ\ell und Teilen durch μ0I\mu_0 I: N=B⋅ℓμ0⋅IN = \frac{B \cdot \ell}{\mu_0 \cdot I}.

  4. 4

    b) Die nötige Windungszahl

    Vorsatz auflösen (20 mT=0,02 T20\,\text{mT} = 0{,}02\,\text{T}), Länge in Meter, dann einsetzen.

    N=0,02 T⋅0,15 m1,257⋅10−6 VsAm⋅3 A≈796N = \frac{0{,}02\,\text{T} \cdot 0{,}15\,\text{m}}{1{,}257 \cdot 10^{-6}\,\frac{\text{Vs}}{\text{Am}} \cdot 3\,\text{A}} \approx 796

    Zwischenergebnis

    N≈800N \approx 800 Windungen

  5. 5

    c) und d) Ergebnis deuten: Eisenkern und der Leiter längs des Feldes

    c) Der Eisenkern verstärkt das Feld um den Faktor μr\mu_r, also um das Hundert- bis Zehntausendfache, ohne mehr Strom. Ursache sind die Weißschen Bezirke, deren Felder sich zum äußeren addieren. d) Ein Leiter parallel zum Feld erfährt keine Kraft, weil die magnetische Kraft senkrecht auf Strom und Feld stehen muss.

Übung 3

schwer

a) Vergleiche elektrisches und in vier Punkten.

b) Eine mit Eisenkern soll rechnerisch B=30 TB = 30\,\text{T} liefern. Warum ist das unmöglich?

c) Erkläre, wie aus der auf einen Leiter ein wird.

d) Warum spielt der Spulendurchmesser keine Rolle, die Spulenlänge aber sehr wohl?

Tipp anzeigen

d) Welche Größe steht wirklich in der Formel?

Lösung anzeigen

a) Vier Unterschiede:

Magnetisches Feld
Quellenruhende und bewegte nur bewegte Ladungen
Feldlinienbeginnen und enden an Ladungenimmer geschlossen
Monopoleja (einzelne Ladungen)nein
Kraftrichtunglängs der Feldliniensenkrecht auf Feld und Strom

Ein fünfter Unterschied mit praktischer Bedeutung: Elektrische Felder lassen sich durch Leiter abschirmen (faradayscher Käfig), magnetische nicht in gleicher Weise. Man kann sie nur durch Materialien mit hohem μr\mu_r umlenken, weil dort die Feldlinien bevorzugt verlaufen.

b) Weil Eisen bei etwa 2 T2\,\text{T} in die Sättigung gerät.

Die Verstärkung durch den Kern beruht darauf, dass sich die Weißschen Bezirke im äußeren Feld ausrichten. Sind alle ausgerichtet, ist der Beitrag des Eisens ausgeschöpft; ein stärkeres äußeres Feld kann nichts mehr hinzufügen.

Der Wert μr=2000\mu_r = 2000 ist deshalb keine Konstante, sondern gilt nur für schwache Felder. Mit wachsender sinkt er, und in der Sättigung geht er gegen 11.

Wie man dennoch stärkere Felder erzeugt: ohne Eisen, mit supraleitenden Spulen und sehr großen Strömen. So arbeiten Kernspintomografen (1,51{,}5 bis 7 T7\,\text{T}) und Teilchenbeschleuniger (rund 8 T8\,\text{T}). Die höchsten dauerhaft erzeugten Felder liegen bei etwa 45 T45\,\text{T} und erfordern erheblichen technischen Aufwand.

🔴 Die Lehre für das Rechnen: Ein Formelergebnis ist noch keine physikalische Aussage. Prüfe Größenordnungen gegen bekannte Werte, bevor du ein Ergebnis annimmst.

c) Schritt 1: Kraft auf einen Leiter. Ein stromdurchflossener Leiter im Magnetfeld erfährt die Kraft F=BIℓF = BI\ell, senkrecht auf Leiter und Feld.

Schritt 2: Von der Kraft zum Drehmoment. Man biegt den Leiter zu einer drehbar gelagerten Schleife. In den beiden gegenüberliegenden Seiten fließt der Strom in entgegengesetzte Richtungen, also wirken dort nach der Drei-Finger-Regel entgegengesetzte Kräfte.

Diese beiden Kräfte heben sich in der Summe auf, es gibt also keine Verschiebung. Da sie aber an verschiedenen Stellen angreifen, erzeugen sie ein Drehmoment, und die Schleife dreht sich.

Schritt 3: Das Problem nach einer halben Umdrehung. Steht die Schleife senkrecht zum Feld, wirkt kein Drehmoment mehr, und danach würde die Kraft die Drehung sogar bremsen.

Schritt 4: Die Lösung, der Kommutator. Ein Schleifkontakt kehrt genau in diesem Moment die Stromrichtung in der Schleife um. Damit kehrt sich auch die Kraftrichtung um, und das Drehmoment wirkt weiter in dieselbe Drehrichtung. Die Bewegung wird kontinuierlich.

Schritt 5: Technische Verbesserungen. Mehrere Schleifen versetzt zueinander sorgen für ein gleichmäßigeres Drehmoment und dafür, dass der Motor aus jeder Stellung anläuft. Ein Eisenkern verstärkt das Feld.

🔴 Der physikalische Kern: Alles beruht darauf, dass die Kraft quer zu Strom und Feld wirkt. Zeigte sie längs der Feldlinien, gäbe es kein Drehmoment und keinen Motor.

d) Was wirklich in der Formel steht: B=μ0μrNℓIB = \mu_0\mu_r \frac{N}{\ell} I, also die Windungsdichte Nℓ\frac{N}{\ell}, die Zahl der Windungen je Meter Spulenlänge.

Warum die Länge eingeht: Jede Windung liefert einen Beitrag zum Feld. Liegen die Windungen dicht beieinander, überlagern sich ihre Beiträge im Inneren stark. Zieht man die Spule auseinander, verteilen sich dieselben Beiträge über eine größere Strecke, und das Feld wird schwächer.

Warum der Durchmesser nicht eingeht: Eine größere Windung erzeugt zwar ein Feld über einen größeren Querschnitt, aber an jedem Punkt entsprechend schwächer, weil ihre Leiterstücke weiter entfernt sind. Beide Wirkungen heben sich für den Innenraum einer langen Spule genau auf.

Die Bedingung „lang" ist wesentlich. Die Formel gilt für Spulen, die deutlich länger als ihr Durchmesser sind. Bei kurzen, dicken Spulen ist das Feld an den Enden erheblich schwächer, und die Formel liefert zu große Werte.

Praktische Folge: Eine Spule mit größerem Durchmesser braucht bei gleicher Windungszahl mehr Draht, hat deshalb einen größeren Widerstand und erzeugt bei gleicher sogar ein schwächeres Feld. Für starke Felder baut man deshalb Spulen so schlank wie möglich.

Merksatz: Was zählt, sind Windungen je Meter, nicht Windungen und nicht Drahtlänge.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Vier Unterschiede zwischen elektrischem und magnetischem Feld

    Quellen: ruhende und bewegte Ladungen gegen nur bewegte Ladungen. Feldlinien: beginnen und enden an Ladungen gegen immer geschlossen. Monopole: ja gegen nein. Kraftrichtung: längs der Feldlinien gegen senkrecht auf Feld und Strom.

  2. 2

    b) Warum 30 Tesla mit Eisenkern unmöglich sind

    Weil Eisen bei etwa 2 T2\,\text{T} in die Sättigung gerät. Die Verstärkung beruht darauf, dass sich die Weißschen Bezirke ausrichten, sind alle ausgerichtet, ist der Beitrag des Eisens ausgeschöpft.

  3. 3

    c) Wie aus der Leiterkraft ein Motor wird

    1. Ein Leiter im Feld erfährt F=BIℓF = BI\ell, senkrecht zu Leiter und Feld. 2. Zu einer drehbaren Schleife gebogen, fließt der Strom in den gegenüberliegenden Seiten entgegengesetzt, die Kräfte heben sich in der Summe auf, erzeugen aber ein Drehmoment. 3. Nach einer halben Umdrehung würde die Kraft bremsen. 4. Der Kommutator kehrt genau dann die Stromrichtung um.

  4. 4

    d) Ergebnis deuten: Windungen je Meter statt Windungszahl

    In der Formel steht die Windungsdichte Nℓ\frac{N}{\ell}. Die Länge geht ein, weil sich die Beiträge dicht liegender Windungen im Inneren stark überlagern; zieht man die Spule auseinander, verteilen sich dieselben Beiträge über eine größere Strecke. Der Durchmesser geht nicht ein, weil eine größere Windung ihr Feld über einen größeren Querschnitt erzeugt, an jedem Punkt aber entsprechend schwächer.

Zusammenfassung

Magnetische Felder entstehen durch bewegte , auch im Permanentmagneten, und ihre Feldlinien sind stets geschlossen, weshalb es keine magnetischen Einzelpole gibt. Da eine magnetische Probeladung damit ausscheidet, definiert man die Flussdichte über die auf einen stromdurchflossenen Leiter, der senkrecht im Feld liegt, und erhält die Einheit Tesla. Die Kraft wächst mit , Leiterlänge und Flussdichte, verschwindet aber, sobald der Leiter parallel zum Feld liegt, und sie steht immer senkrecht auf Leiter und Feld, anders als im . Genau diese Querrichtung erzeugt an einer drehbaren Leiterschleife ein Drehmoment und macht damit den möglich. Im Inneren einer langen ist das Feld homogen und wird allein von der Windungsdichte, der Stromstärke und dem Kernmaterial bestimmt, wobei Eisen es um Größenordnungen verstärkt, bis bei etwa zwei Tesla die Sättigung eine physikalische Grenze setzt.