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Wirbelströme und Induktionsbremse

SchulversuchMagnetismus / ElektromagnetismusKlasse 11Standard

Worum geht es?

Bewegt sich ein ausgedehntes Metallstück durch ein , wird in ihm nicht ein ordentlicher Ringstrom , sondern flächige Wirbelströme. Nach der Lenzschen Regel bremsen sie die Bewegung, die sie erzeugt: berührungslos, verschleißfrei, geschwindigkeitsabhängig. Zwei klassische Versuche führen das vor: das Waltenhofen-Pendel (mit der entscheidenden Schlitz-Kontrolle) und der Magnetfall im Kupferrohr.

Warum macht man dieses Experiment?

Wirbelströme sind beides: Verlustquelle (Transformatorkerne müssen geblecht werden) und Nutztechnik (Wirbelstrombremsen in ICE und Lkw, Dämpfung in Waagen, Induktionskochfeld, berührungsloses Sortieren von Metallschrott). Physikalisch sind sie die schönste Anwendung der Lenzschen Regel, inklusive messbarer Energiebilanz: Bewegungsenergie wird nachweislich zu im Metall.

Die physikalische Idee

Im bewegten Leiter ändert sich der lokale Felddurchgang: Um jede Änderungszone schließen sich Kreisströme im Material. Ihre wirken nach Lenz der Bewegung entgegen: Das Pendel stoppt, der fallende Magnet wird gebremst. Die Kontrolle mit geschlitztem Material (Ströme können sich nicht schließen) trennt den Effekt sauber von jeder anderen Erklärung.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Léon Foucault untersuchte die Ströme 1855 systematisch (im Französischen heißen sie bis heute courants de Foucault); Adalbert von Waltenhofen machte das Pendel zum Standard-Demonstrationsversuch. Moderne Züge bremsen mit exakt diesem Prinzip verschleißfrei aus hoher .

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Induktionsbremse: Magnetfall im Kupferrohr

Untersuche die Wirbelstrombremse quantitativ am fallenden Magneten im Kupferrohr: Falldauer gegen den freien Fall, Erreichen einer konstanten Sinkgeschwindigkeit und die Kontrolle mit unmagnetischem Fallkörper.

Gemessen

  • — Falldauer durch das Rohr (in )

    Die Vergleichsgröße: Magnet gegen Messingstück, Kupferrohr gegen Kunststoffrohr.

Berechnet

  • — Sinkgeschwindigkeit (in )

    Aus Rohrlänge und Falldauer; ihre Konstanz über Teilstrecken zeigt das Kräftegleichgewicht.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Referenzwert des freien Falls für die Rohrlänge: der Maßstab, an dem die Bremswirkung gemessen wird.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Miss die Falldauer durch das 1-m-Kupferrohr für: Neodym-Magnet, Messingstück gleicher Form, und den Magneten durch das Kunststoffrohr. Berechne die Sinkgeschwindigkeit des Magneten und vergleiche alle Zeiten mit dem freien Fall.

2Vorbetrachtung

Der fallende Magnet schiebt sein Feld durch jeden Rohrquerschnitt: Unter ihm wächst der Fluss, über ihm fällt er, in beiden Zonen kreisen Wirbelströme im Rohrmantel, deren Felder ihn nach Lenz bremsen (unten abstoßend, oben festhaltend). Die Bremskraft wächst mit der : Der Magnet nur, bis Bremskraft plus Luftwiderstand die ausgleichen, danach sinkt er mit konstanter Geschwindigkeit (wie ein Fallschirmspringer, nur elektromagnetisch).

Referenz freier Fall: Für l=1,0 ml = 1{,}0\ \mathrm{m} gilt t=2l/g=2/9,81 s≈0,45 st = \sqrt{2l/g} = \sqrt{2/9{,}81}\ \mathrm{s} \approx 0{,}45\ \mathrm{s}. Jede deutlich längere Zeit ist Bremswirkung. Die Doppelkontrolle (Messing im Kupferrohr, Magnet im Kunststoffrohr) stellt sicher, dass weder noch Luft die Verzögerung erklären.

3Geräte / Stoffe

Beide Rohre senkrecht an Stativen, weiche Unterlage am Boden. Der Magnet muss frei fallen können (Spiel zum Rohr), das Rohr darf kein Eisen enthalten.

  • Waltenhofen-Pendel (Vollblech und geschlitztes Blech)

    Das Blechpaar trennt den Wirbelstrom-Effekt von allen anderen: gleiche , gleiche Form, verschiedene Strompfade.

  • Starker Elektromagnet mit Polschuhen

    Erzeugt das Bremsfeld; regelbar über den Spulenstrom.

  • Kupferrohr (ca. 1 m) und Neodym-Magnet

    Der Fallversuch: kontinuierliche Wirbelstrombremsung über die ganze Rohrlänge.

  • Messingstück gleicher Form und Stoppuhr

    Referenzfall ohne Magnetkraft; Zeitmessung der Falldauern.

  • Kunststoffrohr gleicher Länge

    Zweite Kontrolle: gleicher Luftwiderstand-Rahmen, aber keine Wirbelströme möglich.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Rohrquerschnitt mit fallendem Magneten und den zwei Wirbelstromzonen (unterhalb und oberhalb) samt Kraftpfeilen; daneben die Messanordnung mit Stoppuhr.

Aufbau 1: Waltenhofen-Pendel, ein an einem Stab schwingendes Kupferblech, das zwischen die Pole eines starken Elektromagneten taucht; als Wechselblatt ein kammartig geschlitztes Blech gleicher Größe. Aufbau 2: senkrechtes Kupferrohr (etwa 1 m) und ein passender starker Neodym-Zylindermagnet, dazu ein unmagnetisches Vergleichsstück gleicher und Form (Messing) und die Stoppuhr.

5Durchführung

Schritt 1: Magnet oben bündig loslassen, Falldauer durchs Kupferrohr dreimal stoppen (Eintritt bis Austritt).

Schritt 2: Messingstück ebenso dreimal.

Schritt 3: Magnet durch das Kunststoffrohr, dreimal.

Schritt 4 (Zusatz): Falldauer des Magneten durch die obere und untere Rohrhälfte getrennt stoppen (zweite Person): Ist das Tempo konstant?

6Beobachtung

Falldauern durch l=1,0 ml = 1{,}0\ \mathrm{m} (Mittel aus je drei Läufen)
Kombinationtt in s\mathrm{s}
Magnet im Kupferrohr8,0
Messing im Kupferrohr0,5
Magnet im Kunststoffrohr0,5
Magnet, obere Rohrhälfte4,0
Magnet, untere Rohrhälfte4,0

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Die Bremsung ist dramatisch und eindeutig elektromagnetisch: Der Magnet braucht 8,0 s8{,}0\ \mathrm{s} statt der 0,45 s0{,}45\ \mathrm{s} des freien Falls, das Achtzehnfache. Beide Kontrollen fallen dagegen praktisch frei (0,5 s0{,}5\ \mathrm{s}, die kleine Differenz zum Idealwert ist Handstoppuhr-Unschärfe): Weder das Rohr als Führung noch die Luft bremsen nennenswert. Es braucht beides, Magnet und leitfähiges Rohr zusammen: die Signatur der Wirbelströme.

Konstante Sinkgeschwindigkeit: Beide Rohrhälften dauern gleich lang (4,0 s4{,}0\ \mathrm{s}): Der Magnet sinkt mit konstanter v=1,0 m/8,0 s=0,125 m/sv = 1{,}0\ \mathrm{m} / 8{,}0\ \mathrm{s} = 0{,}125\ \mathrm{m/s}. Das Kräftegleichgewicht ( = geschwindigkeitsabhängige Bremskraft) stellt sich also schon im oberen Rohrteil ein, der experimentelle Beleg dafür, dass die Wirbelstrombremskraft mit v wächst.

Energiebilanz: Die verlorene Lageenergie (mglm g l, bei einem 30-g-Magneten etwa 0,3 J0{,}3\ \mathrm{J}) landet als im Rohrmantel, unmerklich warm, aber bilanzpflichtig: Auch die eleganteste Bremse zahlt in Wärme.

8Fazit

Der Magnet sinkt im Kupferrohr mit konstanten 0,125 m/s0{,}125\ \mathrm{m/s} statt frei zu fallen (Faktor 18 in der Zeit), während alle Kontrollkombinationen frei fallen: Die Wirbelstrombremse wirkt berührungslos, wächst mit der und wandelt Lageenergie in .

9Fehlerbetrachtung

Beim langsamen Magnetfall ist die Zeitmessung unkritisch, bei den schnellen Kontrollen nicht:

Handstoppung der schnellen Referenzfälleeher zufällig

Ursache

0,45 s liegen im Bereich der doppelten Reaktionszeit.

Auswirkung

Die Kontrollzeiten (0,5 s) tragen leicht 20 Prozent Fehler: für den Faktor-18-Vergleich belanglos, für Feinauswertungen nicht.

Verbesserung

Lichtschranken an Rohranfang und -ende.

Magnet kippt oder streift im Rohreher systematisch

Ursache

Zu großes Spiel oder unwuchtiger Magnet.

Auswirkung

Zusätzliche mechanische verlängert die Falldauer unkontrolliert.

Verbesserung

Zylindermagnet mit Führungsspiel von wenigen Millimetern; Rohr senkrecht lotieren.

Rohrenden verfälschen die Konstanz-Messungeher systematisch

Ursache

In den ersten Zentimetern der Magnet noch (Gleichgewicht nicht erreicht).

Auswirkung

Bei kurzen Rohren erscheint die obere Hälfte schneller.

Verbesserung

Langes Rohr verwenden; Messabschnitte erst unterhalb der Einlaufzone beginnen.

Das Wichtigste

Was Wirbelströme sind

Flächig geschlossene Induktionsströme in ausgedehnten Leitern, überall dort, wo sich der Felddurchgang lokal ändert (Bewegung im inhomogenen Feld oder Wechselfeld).

Ihre Wirkung

Nach Lenz bremsen sie ihre Ursache: berührungslos, verschleißfrei und proportional zur (bei v = 0 keine Bremskraft: keine Haltebremse!).

Der Beweis

Geschlitztes Blech fast ungebremst. Ohne geschlossene Strompfade keine Wirbelströme, keine Bremsung: Der Effekt hängt am Stromfluss, nicht am Metall an sich.

Energiebilanz

Die verlorene Bewegungsenergie wird zu joulescher der Wirbelströme im Material: nutzbar (Bremse) oder störend (Trafokern, deshalb geblecht).

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