Magnetismus / Elektromagnetismus
Elektromagnetische Induktion
Wie aus Bewegung Strom wird, welche Bedingungen dafür gelten müssen und was die lenzsche Regel damit zu tun hat.
Benötigte Grundlagen
Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.
Einführung
Oersted hatte 1820 gezeigt: Strom erzeugt Magnetismus. Sofort stellte sich die umgekehrte Frage: Kann Magnetismus Strom erzeugen?
Elf Jahre lang scheiterten die Versuche. Man legte Magnete neben , wickelte immer mehr Draht, nahm immer stärkere Magnete: nichts. Bis Michael Faraday 1831 den entscheidenden Punkt fand, und es war nicht die Stärke, sondern die Bewegung. Ein ruhender Magnet erzeugt keinen Strom, ein bewegter schon. Aus dieser Entdeckung stammt praktisch jede Kilowattstunde, die heute weltweit erzeugt wird.
Das kannst du nach diesem Kapitel
den Induktionsversuch beschreiben und die Beobachtungen deuten.
die Induktionsbedingungen benennen.
das Induktionsgesetz qualitativ formulieren.
angeben, wovon die Höhe der Induktionsspannung abhängt.
die lenzsche Regel anwenden und energetisch begründen.
Anwendungen (Dynamo, Induktionsherd, Wirbelstrombremse, ) erklären.
Der Grundversuch
Eine wird an ein empfindliches Spannungsmessgerät angeschlossen. Ein Stabmagnet wird in die Spule hinein- und wieder herausbewegt.
| Was man tut | Was das Messgerät zeigt |
|---|---|
| Magnet ruht in der Spule | nichts |
| Magnet wird hineingeschoben | Ausschlag in eine Richtung |
| Magnet wird herausgezogen | Ausschlag in die andere Richtung |
| Magnet ruht außerhalb | nichts |
| Magnet wird schneller bewegt | größerer Ausschlag |
| Stärkerer Magnet, gleiche | größerer Ausschlag |
| Spule mit mehr Windungen | größerer Ausschlag |
| Spule wird bewegt statt Magnet | genauso ein Ausschlag |
Die entscheidende Zeile ist die erste: Ein ruhender Magnet in der Spule erzeugt nichts, obwohl sein Feld die Spule voll durchsetzt. Elf Jahre lang hatte man genau das versucht.
In beiden Bildern liegt derselbe Magnet an derselben , und in beiden ist sein Feld da. Ausschlag gibt es nur links. Nicht das Feld induziert, sondern seine Änderung, der ruhende Fall ist deshalb genauso wichtig wie der bewegte. Je schneller die Bewegung und je mehr Windungen, desto größer die .
Die Induktionsbedingung
Der Vergleich aller Zeilen führt auf eine einzige Bedingung:
Eine wird nur dann induziert, wenn sich das , das die durchsetzt, ändert.
„Ändern" kann dabei zweierlei heißen:
- Die Stärke des Feldes ändert sich (Magnet nähert sich, entfernt sich, Elektromagnet wird ein- oder ausgeschaltet oder sein Strom verändert).
- Die wirksam durchsetzte Fläche ändert sich (Spule wird gedreht, vergrößert, aus dem Feld geschoben).
Nicht entscheidend ist, wer sich bewegt. Ob man den Magneten zur Spule oder die Spule zum Magneten bewegt, ist gleichwertig; es zählt nur die Relativbewegung.
Diese Erscheinung heißt elektromagnetische Induktion, die entstehende Spannung Induktionsspannung.
Wovon die Induktionsspannung abhängt
Aus derselben Tabelle liest man ab:
- Je schneller die Änderung, desto größer die .
- Je stärker das , desto größer die Spannung.
- Je mehr Windungen die hat, desto größer die Spannung.
- Je größer die Spulenfläche, desto größer die Spannung.
Qualitativ formuliert lautet das Induktionsgesetz:
Die Induktionsspannung ist umso größer, je schneller sich das die Spule durchsetzende Magnetfeld ändert, und je mehr Windungen die Spule hat.
🔴 Der Kern ist die Änderungsgeschwindigkeit, nicht die Feldstärke selbst. Ein sehr starker, aber ruhender Magnet erzeugt nichts; ein schwacher, schnell bewegter erzeugt eine messbare Spannung. In Klasse 11 wird daraus die quantitative Fassung mit dem magnetischen Fluss.
Ein Sonderfall zur Klarheit: Schaltet man einen Elektromagneten neben einer Spule ein, entsteht kurz eine Spannung, obwohl sich nichts bewegt. Das Feld ändert sich ja trotzdem, von null auf seinen Endwert. Beim Ausschalten entsteht ein Ausschlag in die Gegenrichtung. Bewegung ist also nur einer von mehreren Wegen, das Feld zu ändern.
Die lenzsche Regel
In welche Richtung fließt der Induktionsstrom? Darauf antwortet die lenzsche Regel:
Der Induktionsstrom ist stets so gerichtet, dass er seiner Ursache entgegenwirkt.
Konkret am Versuch: Nähert man einen Nordpol der , so wird in der Spule ein Strom induziert, dessen der Spule auf der zugewandten Seite ebenfalls einen Nordpol gibt. Gleiche Pole stoßen sich ab, der Magnet wird also gebremst.
Zieht man den Magneten wieder heraus, kehrt sich alles um: Die Spule bildet einen Südpol aus und hält den Magneten fest.
In beiden Fällen wirkt die Spule der Bewegung entgegen, nie mit ihr.
Der herannahende Nordpol erzeugt in der einen Strom, dessen eigenes Feld ihm ebenfalls einen Nordpol entgegenstellt. Die beiden stoßen sich ab, die Bewegung wird gebremst. Wäre es umgekehrt, würde der Magnet von allein schneller: aus dem Nichts.
Warum die lenzsche Regel gelten muss
Das ist keine Willkür, sondern eine Folge der Energieerhaltung.
Nimm an, es wäre umgekehrt: Der Induktionsstrom würde den Magneten anziehen und beschleunigen. Dann würde der Magnet von selbst immer schneller in die fallen, dabei immer mehr Strom erzeugen, dadurch noch stärker werden und so fort. Aus dem Nichts entstünde beliebig viel : ein Perpetuum mobile.
Weil es das nicht gibt, muss die bremsend wirken. Und daraus folgt sofort etwas Praktisches: Man muss verrichten, um den Magneten gegen diese Bremskraft zu bewegen. Genau diese mechanische Arbeit wird in elektrische Energie umgewandelt. Beim liefert der Antrieb sie, beim Fahrraddynamo die Beine des Fahrers.
Deshalb geht ein Fahrraddynamo schwerer, sobald das Licht eingeschaltet ist: Erst dann fließt Strom, erst dann wirkt die Bremskraft.
Anwendungen
Fahrraddynamo und . Ein Magnet dreht sich vor (oder umgekehrt). Das Feld in den Spulen ändert sich ständig, es wird laufend induziert. Details im nächsten Kapitel.
. Ein Wechselstrom in der Primärspule erzeugt ein ständig wechselndes Feld, das über einen Eisenkern die Sekundärspule durchsetzt und dort eine Spannung induziert. Hier bewegt sich nichts.
Induktionsherd. Eine Spule unter der Kochfläche erzeugt ein schnell wechselndes . Im Topfboden werden dadurch Ströme induziert (Wirbelströme), die ihn direkt erwärmen. Das Kochfeld selbst bleibt kühl, und deshalb funktioniert es nur mit ferromagnetischen Töpfen.
Wirbelstrombremse. Eine Metallscheibe dreht sich im Magnetfeld. Die induzierten Wirbelströme wirken nach Lenz der Bewegung entgegen und bremsen berührungslos, also verschleißfrei. Anwendung in Zügen, Achterbahnen und Fitnessgeräten.
Induktionsschleife, Ladepad, Metalldetektor, Transponder. Alle nutzen dieselbe Erscheinung.
Induktionsversuch auswerten
Ein Stabmagnet wird in eine geschoben. Beschreibe und begründe, was das Messgerät jeweils anzeigt:
a) beim Hineinschieben, b) beim Ruhen in der Spule, c) beim Herausziehen, d) beim doppelt so schnellen Hineinschieben, e) wenn man stattdessen die Spule über den ruhenden Magneten schiebt.
- 1
a) Hineinschieben: Ausschlag in eine Richtung. Das Feld in der Spule wird stärker, also ändert es sich. Die Induktionsbedingung ist erfüllt, es wird eine induziert.
Nach Lenz bildet die Spule auf der zugewandten Seite denselben Pol wie der herannahende Magnet aus und bremst ihn.
- 2
b) Ruhen: kein Ausschlag. Das Feld durchsetzt die Spule zwar in voller Stärke, aber es ändert sich nicht. Ohne Änderung keine Induktion.
Genau daran scheiterten die Forscher zwischen 1820 und 1831: Sie suchten nach einem Effekt der Feldstärke und übersahen, dass es auf die Änderung ankommt.
- 3
c) Herausziehen: Ausschlag in die Gegenrichtung. Das Feld wird schwächer, ändert sich also wieder, aber mit umgekehrtem Vorzeichen.
Nach Lenz bildet die Spule jetzt den entgegengesetzten Pol aus und hält den Magneten fest. Auch hier wirkt sie der Bewegung entgegen.
- 4
d) Doppelt so schnell: etwa doppelter Ausschlag. Dieselbe Feldänderung geschieht in der halben Zeit, die Änderungsgeschwindigkeit ist also doppelt so groß.
Das ist die Kernaussage des Induktionsgesetzes: Nicht die Größe der Änderung allein zählt, sondern die Änderung je Zeit.
- 5
e) Spule über ruhenden Magneten: derselbe Ausschlag. Aus Sicht der Spule ändert sich das sie durchsetzende Feld genauso.
Es zählt allein die Relativbewegung. Welcher der beiden Körper sich im Raum bewegt, spielt keine Rolle, und genau das nutzen technische Bauformen aus: Beim Fahrraddynamo dreht sich der Magnet, bei großen Kraftwerksgeneratoren steht er still und die Spulen sind fest, während der Rotor das Feld führt.
Ausschlag nur bei Bewegung, Richtung abhängig von hinein oder heraus, Größe abhängig von der , und nur die Relativbewegung zählt.
Lenzsche Regel und Energieerhaltung
Ein Ringmagnet fällt durch ein senkrecht stehendes Kupferrohr. Statt in Sekundenbruchteilen durchzufallen, sinkt er auffällig langsam hindurch. Erkläre. Was passiert bei einem Kunststoffrohr, was bei einem geschlitzten Kupferrohr?
- 1
Warum überhaupt etwas passiert. Kupfer ist nicht magnetisch, es wird vom Magneten nicht angezogen. Aber es ist ein sehr guter Leiter.
Während der Magnet fällt, ändert sich das in jedem Rohrabschnitt: Vor ihm nimmt es zu, hinter ihm ab. Damit ist die Induktionsbedingung erfüllt, und im Rohr entstehen Ringströme (Wirbelströme).
- 2
Lenzsche Regel anwenden. Diese Ströme wirken ihrer Ursache entgegen, also der Bewegung des Magneten:
- Vor dem Magneten (wo das Feld zunimmt) entsteht ein Ringstrom, dessen Feld den Magneten abstößt.
- Hinter ihm (wo das Feld abnimmt) entsteht ein Ringstrom, dessen Feld ihn festhält.
Beide Wirkungen bremsen. Der Magnet sinkt mit nahezu gleichbleibender, kleiner .
- 3
Energiebilanz aufstellen. Der Magnet verliert beim Fallen Lageenergie. Sie wird nicht zu Bewegungsenergie, denn er wird ja kaum schneller.
Stattdessen treibt sie die Wirbelströme an, und diese setzen im des Kupfers frei. Das Rohr erwärmt sich messbar. Die Energiebilanz stimmt genau, nichts geht verloren.
- 4
Kunststoffrohr: Kunststoff ist ein Isolator. Es können keine Wirbelströme fließen, also gibt es keine Bremskraft. Der Magnet fällt frei, so schnell wie durch Luft.
Das belegt, dass nicht das Rohr als Hindernis wirkt, sondern der Stromfluss darin.
- 5
Längs geschlitztes Kupferrohr: Der Schlitz unterbricht die Ringströme; sie können nicht mehr rundherum fließen. Die Bremswirkung sinkt drastisch, der Magnet fällt fast frei.
Dasselbe Prinzip nutzt man umgekehrt in der Technik: Transformatorkerne werden aus geschichteten, isolierten Blechen gebaut, damit dort möglichst keine Wirbelströme entstehen und keine Verlustwärme.
Die Wirbelströme bremsen nach Lenz den Magneten; seine Lageenergie wird zu Wärme im Rohr. Ohne Leitfähigkeit (Kunststoff) oder ohne geschlossenen Strompfad (Schlitz) verschwindet die Bremswirkung.
Typischer Fehler
„Ein starker Magnet in einer erzeugt eine große ."
Nur wenn er sich bewegt. Ein ruhender Magnet in der Spule erzeugt gar keine Spannung, egal wie stark er ist.
Das ist genau der Punkt, an dem elf Jahre Forschung hingen. Nach Oersteds Entdeckung von 1820 suchten viele nach dem umgekehrten Effekt und legten immer stärkere Magnete an immer größere Spulen. Nichts geschah, weil alles ruhte. Erst Faraday erkannte 1831, dass es auf die Änderung ankommt.
Was wirklich zählt, ist die Änderungsgeschwindigkeit des Feldes. Ein schwacher, schnell bewegter Magnet erzeugt mehr Spannung als ein starker, langsam bewegter.
Die Feldstärke spielt trotzdem eine Rolle, aber nur als Faktor: Bei gleicher Bewegung liefert der stärkere Magnet mehr Spannung, weil sich dann ein größerer Betrag ändert. Ohne Bewegung nützt die größte Feldstärke nichts.
Ein Bild dazu: Es ist wie mit der eines Autos. Nicht der Ort entscheidet, wie schnell es ist, sondern die Änderung des Ortes je Zeit. Ein Auto, das mitten auf der Autobahn parkt, hat trotz bester Lage die Geschwindigkeit null.
Und ein Test, der die Sache klärt: Schalte einen Elektromagneten neben einer Spule ein. Es zeigt sich ein Ausschlag, obwohl sich nichts bewegt hat. Nicht Bewegung ist die Bedingung, sondern Änderung; Bewegung ist nur der häufigste Weg dorthin.
Übung 1
leichta) Unter welcher Bedingung wird in einer eine induziert?
b) Nenne drei Größen, von denen die Höhe der Induktionsspannung abhängt.
c) Wie lautet die lenzsche Regel?
Tipp anzeigen
a) Es geht nicht um die Stärke, sondern um etwas anderes.
Lösung anzeigen
a) Wenn sich das die Spule durchsetzende ändert, also entweder seine Stärke oder die wirksam durchsetzte Fläche. Ein gleichbleibendes Feld induziert nichts, egal wie stark es ist.
b) Zum Beispiel:
- die der Änderung (je schneller, desto größer),
- die Windungszahl der Spule,
- die Stärke des Magnetfeldes.
(Auch die Spulenfläche gehört dazu.)
c) Der Induktionsstrom ist stets so gerichtet, dass er seiner Ursache entgegenwirkt. Ein sich nähernder Magnet wird gebremst, ein sich entfernender festgehalten.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
a) Die Bedingung: Änderung, nicht Stärke
Eine Spannung wird induziert, wenn sich das die Spule durchsetzende Magnetfeld ändert, entweder seine Stärke oder die wirksam durchsetzte Fläche. Ein gleichbleibendes Feld induziert nichts, egal wie stark es ist.
- 2
b) Wovon die Höhe der Induktionsspannung abhängt
Von der Geschwindigkeit der Änderung (je schneller, desto größer), der Windungszahl der Spule und der Stärke des Magnetfeldes, auch die Spulenfläche gehört dazu.
- 3
c) Die lenzsche Regel
Der Induktionsstrom ist stets so gerichtet, dass er seiner Ursache entgegenwirkt. Ein sich nähernder Magnet wird gebremst, ein sich entfernender festgehalten.
- 4
Ergebnisse deuten: drei Sätze, die alles Weitere tragen
Bedingung (Änderung), Einflussgrößen (Geschwindigkeit, Windungen, Feld) und Richtung (Lenz), mit diesen drei Aussagen lassen sich Dynamo, , , Wirbelstrombremse und Induktionsherd erklären.
Übung 2
mittela) Warum lässt sich ein Fahrraddynamo schwerer drehen, wenn das Licht eingeschaltet ist?
b) Erkläre, warum eine Wirbelstrombremse ohne Verschleiß arbeitet, aber bei kleiner schlecht bremst.
c) Warum bestehen Transformatorkerne aus geschichteten, gegeneinander isolierten Blechen?
Tipp anzeigen
a) Wann fließt überhaupt ein Strom?
Lösung anzeigen
a) Bei ausgeschaltetem Licht ist der offen: Es wird zwar eine induziert, aber es fließt kaum Strom. Ohne Strom gibt es kein der und damit nach Lenz auch keine bremsende .
Wird das Licht eingeschaltet, schließt sich der Kreis, es fließt Strom, und dessen Feld wirkt der Drehung entgegen. Der Dynamo wird spürbar schwerer.
Das ist die Energieerhaltung in Aktion: Die elektrische für die Lampe kommt nicht aus dem Nichts, sondern aus der Muskelarbeit des Fahrers. Der Widerstand am Pedal ist der Preis für das Licht.
b) Ohne Verschleiß, weil sich nichts berührt. Die Bremskraft entsteht durch Wirbelströme in einer Metallscheibe, die sich im Magnetfeld dreht; nach Lenz wirken sie der Drehung entgegen. Es gibt keine Reibbeläge, die sich abnutzen, und keinen Abrieb.
Schlecht bei kleiner Geschwindigkeit, weil die Induktionsspannung von der Änderungsgeschwindigkeit abhängt. Dreht sich die Scheibe langsam, ändert sich das Feld langsam, die Wirbelströme sind klein und damit auch die Bremskraft. Bei Stillstand ist sie null.
Praktische Folge: Eine Wirbelstrombremse kann ein Fahrzeug nicht festhalten. Züge und Achterbahnen kombinieren sie deshalb mit einer mechanischen Bremse für den letzten Bereich und zum Halten.
c) Ein massiver Eisenkern wäre selbst ein guter Leiter im wechselnden Magnetfeld. Darin entstünden kräftige Wirbelströme, die nach Lenz Energie aufnehmen und im Widerstand des Eisens in umsetzen. Der würde heiß und der sänke deutlich.
Durch die Schichtung aus dünnen, isolierten Blechen stehen den Wirbelströmen keine großflächigen geschlossenen Bahnen mehr zur Verfügung; sie werden auf die einzelnen Bleche eingeschnürt und dadurch stark verkleinert.
Wichtig: Die Bleche liegen parallel zum Magnetfeld, sodass der magnetische Fluss ungehindert weiterläuft. Man behindert gezielt den elektrischen Strom, nicht das Magnetfeld. Es ist dasselbe Prinzip wie beim geschlitzten Kupferrohr, nur mit umgekehrter Absicht.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
a) Warum der Dynamo erst mit Licht schwergängig wird
Bei ausgeschaltetem Licht ist der Stromkreis offen: Es wird zwar eine Spannung induziert, aber es fließt kaum Strom. Ohne Strom gibt es kein Magnetfeld der Spule und damit nach Lenz auch keine bremsende Kraft. Wird das Licht eingeschaltet, schließt sich der Kreis, es fließt Strom, und dessen Feld wirkt der Drehung entgegen.
- 2
b) Wirbelstrombremse: verschleißfrei, aber nicht haltefähig
Ohne Verschleiß, weil sich nichts berührt: Die Bremskraft entsteht durch Wirbelströme in einer Metallscheibe, die sich im Magnetfeld dreht, und nach Lenz wirken sie der Drehung entgegen. Schlecht bei kleiner Geschwindigkeit, weil die Induktionsspannung von der Änderungsgeschwindigkeit abhängt, bei Stillstand ist sie null.
- 3
c) Warum Transformatorkerne geschichtet sind
Ein massiver Eisenkern wäre selbst ein guter Leiter im wechselnden Magnetfeld. Darin entstünden kräftige Wirbelströme, die nach Lenz Energie aufnehmen und im Widerstand des Eisens in Wärme umsetzen. Die Schichtung aus dünnen, isolierten Blechen nimmt ihnen die großflächigen geschlossenen Bahnen.
- 4
Ergebnisse deuten: Lenz einmal als Nutzen, einmal als Störung
Dieselbe Regel erscheint dreimal in verschiedener Rolle: beim Dynamo als notwendiger Preis für die Energie, bei der Wirbelstrombremse als gewünschte Wirkung, im Transformatorkern als unerwünschter Verlust.
Übung 3
schwera) Begründe die lenzsche Regel mit der Energieerhaltung.
b) Ein Schüler baut einen Aufbau, bei dem ein fallender Magnet in einer Strom erzeugt, mit dem ein Elektromagnet den Magneten wieder anhebt. Er hofft auf ein Perpetuum mobile. Erkläre, warum das nicht funktioniert.
c) Warum funktioniert ein Induktionsherd nur mit bestimmten Töpfen?
d) Nenne einen Fall, in dem eine induziert wird, obwohl sich nichts bewegt.
Tipp anzeigen
a) Nimm an, die Regel wäre umgekehrt, und denke die Folge zu Ende.
Lösung anzeigen
a) Widerspruchsbeweis. Angenommen, der Induktionsstrom wirkte seiner Ursache nicht entgegen, sondern verstärkte sie. Dann würde ein Magnet, den man ein winziges Stück in die Spule schiebt, von der Spule zusätzlich hineingezogen.
Dabei würde er schneller, dadurch änderte sich das Feld schneller, dadurch entstünde mehr Strom, dadurch eine noch größere , und so weiter. Der Magnet würde ohne jede Energiezufuhr immer schneller, und gleichzeitig könnte man dem beliebig viel elektrische entnehmen.
Das wäre ein Perpetuum mobile: Energie aus dem Nichts. Da der Energieerhaltungssatz ausnahmslos gilt, muss die Annahme falsch sein. Der Induktionsstrom muss seiner Ursache entgegenwirken.
b) Der Aufbau scheitert an genau dieser Regel, und zwar zweifach:
- Damit im Fallen Strom entsteht, muss der Magnet gegen die bremsende Kraft der Spule fallen. Ein Teil seiner Lageenergie wird dabei in elektrische Energie umgewandelt, er kommt also langsamer unten an als im freien Fall.
- Um ihn wieder anzuheben, ist mindestens die volle nötig, und der Elektromagnet hat höchstens die vorher gewonnene Energie zur Verfügung.
Schon ohne Verluste wäre das bestenfalls ein Nullsummenspiel. Tatsächlich kommen Verluste hinzu: im Spulenwiderstand, Wärme im Elektromagneten, Luftwiderstand, . Der Magnet erreicht deshalb nie wieder die Ausgangshöhe, und der Vorgang kommt nach wenigen Zyklen zum Erliegen.
Die Anlage ist nicht schlecht gebaut, sie ist prinzipiell unmöglich. Kein Bauteil und keine Verbesserung kann daran etwas ändern.
c) Ein Induktionsherd erzeugt unter der Glaskeramik ein schnell wechselndes . Damit ein Topf heiß wird, müssen darin Wirbelströme entstehen, die im Widerstand des Bodens Wärme freisetzen.
Dafür braucht es zwei Eigenschaften:
- Der Boden muss elektrisch leitfähig sein.
- Er muss ferromagnetisch sein, damit das Feld in ihm stark konzentriert wird und ausreichend große Ströme entstehen.
Geeignet sind deshalb Töpfe aus Stahl, Gusseisen und Edelstahl mit ferromagnetischem Boden. Nicht geeignet sind Aluminium, Kupfer, Glas und Keramik: Aluminium und Kupfer leiten zwar hervorragend, sind aber nicht ferromagnetisch, sodass die Kopplung viel zu schwach bleibt.
Praktischer Test: Ein Magnet muss am Topfboden haften. Genau das prüfen die Aufkleber „induktionsgeeignet".
Nebenbei erklärt das auch, warum die Kochfläche selbst kühl bleibt: In Glaskeramik können keine Wirbelströme fließen. Sie wird nur durch den heißen Topf erwärmt.
d) Beispiele:
- Ein- oder Ausschalten eines benachbarten Elektromagneten. Das Feld springt von null auf seinen Wert oder zurück; das ist eine Änderung, auch ohne Bewegung.
- Verändern der in einer Nachbarspule, etwa mit einem Regler.
- Der . Der Wechselstrom in der Primärspule erzeugt ein ständig wechselndes Feld, das in der Sekundärspule Spannung induziert. Alle Teile stehen völlig still.
Das zeigt: Die Bedingung ist die Änderung des Feldes, nicht die Bewegung. Bewegung ist nur der anschaulichste Weg, eine Änderung herbeizuführen.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
a) Die lenzsche Regel im Widerspruchsbeweis
Angenommen, der Induktionsstrom wirkte seiner Ursache nicht entgegen, sondern verstärkte sie. Dann würde ein Magnet, den man ein winziges Stück in die Spule schiebt, zusätzlich hineingezogen, er würde schneller, dadurch änderte sich das Feld schneller, dadurch entstünde mehr Strom, dadurch eine noch größere Kraft, und so fort.
- 2
b) Warum der Aufbau des Schülers nicht funktionieren kann
Zweifach: Erstens muss der Magnet gegen die bremsende Kraft der Spule fallen, um Strom zu erzeugen, ein Teil seiner Lageenergie wird dabei zu elektrischer Energie, er kommt langsamer unten an als im freien Fall. Zweitens ist zum Anheben mindestens die volle Hubarbeit nötig, und der Elektromagnet hat höchstens die vorher gewonnene Energie zur Verfügung.
- 3
c) Warum ein Induktionsherd wählerisch ist
Er erzeugt unter der Glaskeramik ein schnell wechselndes Magnetfeld. Damit ein Topf heiß wird, müssen darin Wirbelströme entstehen, dafür muss der Boden elektrisch leitfähig und zugleich ferromagnetisch sein, damit das Feld in ihm stark konzentriert wird.
- 4
d) Ergebnis deuten: Induktion ganz ohne Bewegung
Auch ohne jede Bewegung wird induziert: beim Ein- oder Ausschalten eines benachbarten Elektromagneten, beim Verändern der Stromstärke in einer Nachbarspule und im Transformator, wo alle Teile völlig stillstehen.
Zusammenfassung
Faraday fand 1831, worauf es ankommt: Nicht ein starkes erzeugt , sondern ein sich änderndes. Ändern kann sich dabei die Feldstärke oder die wirksam durchsetzte Fläche, und ob sich der Magnet oder die bewegt, ist gleichgültig, weil nur die Relativbewegung zählt. Die Induktionsspannung wächst mit der Änderungsgeschwindigkeit, der Feldstärke, der Windungszahl und der Fläche. Die Richtung des Induktionsstroms legt die lenzsche Regel fest: Er wirkt seiner Ursache stets entgegen, bremst also einen nahenden und hält einen sich entfernenden Magneten. Das ist keine Willkür, sondern folgt zwingend aus der Energieerhaltung, denn andernfalls wäre ein Perpetuum mobile möglich. Genau deshalb muss man verrichten, um Strom zu induzieren, und genau deshalb geht der Fahrraddynamo schwerer, sobald das Licht brennt.


