Stöße und Impulserhaltung
Worum geht es?
Der ist die Wucht-Größe der Mechanik, und sie gehorcht einem Erhaltungssatz: In einem abgeschlossenen System bleibt die Impulssumme bei jedem Stoß erhalten, egal wie chaotisch es kracht. Der Versuch prüft das auf der Fahrbahn in beiden Grundformen: elastisch (Federpuffer, die Wagen trennen sich) und unelastisch (Klettverschluss, die Wagen verhaken sich), und vergleicht dabei auch die Energiebilanz beider Stoßarten.
Warum macht man dieses Experiment?
Die ist neben der Energieerhaltung der zweite große Erhaltungssatz der Mechanik: Sie rekonstruiert Verkehrsunfälle, erklärt Rückstoß und Raketen und regiert jede Teilchenkollision der Hochenergiephysik. Ihr Charme: Sie gilt auch da, wo mechanische verloren geht. Gerade der zerstörerische unelastische Stoß ist ihr bester Zeuge.
Die physikalische Idee
Zwei Wagen bekannter stoßen auf der reibungsarmen Bahn; davor und danach werden über Lichtschranken (oder Videoanalyse) gemessen. Für jede Stoßart wird die Impulssumme vorher/nachher verglichen: Erhaltung heißt Gleichheit. Die kinetische wird mitbilanziert: erhalten beim elastischen, teilweise „verschwunden“ beim unelastischen Stoß.
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
Wissenschaftliche Einordnung
Die Stoßgesetze klärten Huygens, Wallis und Wren um 1669 im Wettstreit der Royal Society, noch vor Newtons Principia; Newton machte die dann zum Rückgrat seiner Mechanik. Moderne Beschleuniger werten bis heute nichts anderes aus als Impulsbilanzen von Stößen.
Versuchsziel
Was möchtest du untersuchen?
Aktuelles Versuchsziel
Unelastischer Stoß
Prüfe beim Klett-Stoß die und bilanziere die kinetische : Wie viel Bewegungsenergie überlebt den vollkommen unelastischen Stoß gleicher ?
Gemessen
- — Geschwindigkeit vorher / gemeinsame nachher (in )
Wagen 2 ruht anfangs; nach dem Verhaken gibt es nur noch eine Geschwindigkeit.
Bekannt
- — Wagenmassen (in )
Je 0,50 kg; nach dem Stoß bewegen sich beide als ein Verbund von 1,00 kg.
Der Weg von der Messung zum Ergebnis:
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Impulsbilanz des vollkommen unelastischen Stoßes: Die Vorhersage für v'.Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Lass Wagen 1 (, ) per Klett auf den ruhenden gleichen Wagen 2 prallen. Miss die gemeinsame Endgeschwindigkeit, prüfe die Impulsbilanz und berechne den Anteil der verlorenen Bewegungsenergie.
2Vorbetrachtung
Die Vorhersage: Nach dem Verhaken trägt die Doppelmasse den alten : , genau das halbe Tempo.
Und die ? Vorher , nachher . Die Hälfte der Bewegungsenergie muss also verschwinden, bei gleichen zwingend, egal wie sanft der Klett ist. Sie wird beim Verhaken zu Verformungs- und Reibarbeit im Klettband (letztlich ). Der Versuch prüft also beides: dass der Impuls exakt überlebt und dass die Energie exakt zur Hälfte in andere Formen geht. Zwei Erhaltungsgrößen, zwei verschiedene Schicksale.
3Geräte / Stoffe
Aufbau wie zuvor, Klett- statt Federaufsätze. Die zweite Lichtschranke misst die Verbund-Fahne nach dem Stoß.
Fahrbahn mit zwei Wagen (je 0,5 kg, Zusatzmassen)
Das Stoßlabor: reibungsarm und eindimensional, eine Impulsrechnung mit Vorzeichen genügt.
Federpuffer und Klettaufsätze
Schalten zwischen elastischem und unelastischem Stoß um.
Zwei Lichtschranken mit Zeitmessung
Messen die Wagengeschwindigkeiten vor und nach dem Stoß (Fahnenbreite durch Torzeit).
Waage
Bestimmt die Wagenmassen samt Aufsätzen.
4Skizze des Versuchsaufbaus
Vorher-nachher-Bild: Wagen 1 bewegt, Wagen 2 ruhend; danach der verhakte Verbund mit halbem Tempo-Pfeil.
Der elastische Stoß gleicher : Die werden komplett getauscht. Der Stoßende bleibt stehen, der Gestoßene übernimmt das Tempo: das Billard-Ergebnis.
Der unelastische Stoß: Die Wagen verhaken sich und fahren gemeinsam weiter, langsamer, mit exakt erhaltenem Gesamtimpuls, aber verringerter Bewegungsenergie.
Aufbau: Fahrbahn (waagerecht austariert), zwei Wagen mit Zusatzmassen, Federpuffer- und Klett-Aufsätze, zwei Lichtschranken mit Torzeit-Messung (Unterbrecherfahne bekannter Breite auf jedem Wagen).
5Durchführung
Drei Durchgänge mit verschiedenen ; je Durchgang (Schranke 1) und (Schranke 2) messen.
6Beobachtung
| in | Vorhersage | gemessen |
|---|---|---|
| 0,60 | 0,30 | 0,29 |
| 0,44 | 0,22 | 0,22 |
| 0,80 | 0,40 | 0,39 |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
7Auswertung
: erhalten. Alle Endgeschwindigkeiten treffen die Halbierungs-Vorhersage auf ein bis drei Prozent. besteht die Prüfung, obwohl der Stoß hörbar „verlustreich“ ist.
: halbiert, wie berechnet. Für Durchgang 1: vorher , nachher . Rund die Hälfte ist weg, genau der vorhergesagte Anteil. Wichtig für das Begriffsverständnis: Diese Energie ist nicht „vernichtet“, sondern in Verformung und des Kletts gewandert. Der Energiesatz gilt weiter, nur die mechanische Energie ist nicht erhalten.
Die Moral der zwei Sätze: Der Impulssatz fragt nicht nach der Stoßqualität: Er gilt beim Crash wie beim Billard. Der Energiesatz der Mechanik gilt nur elastisch. Unfallrekonstruktion rechnet deshalb mit Impulsen: Verformte Autos sind maximal unelastisch, ihre Impulssumme lügt trotzdem nicht.
8Fazit
Der unelastische Stoß erhält den exakt (gemeinsames Tempo = halbes Anfangstempo bei gleichen ), wandelt aber die Hälfte der Bewegungsenergie in Verformung und : Impulssatz und mechanischer Energiesatz trennen sich hier sichtbar.
9Fehlerbetrachtung
Es gelten die Fehlerquellen des elastischen Stoßes; das Klett fügt eine eigene hinzu:
Rückprall statt sauberem Verhakeneher zufällig
- Ursache
Klettflächen treffen schief oder zu schwach.
- Auswirkung
Ein teil-elastischer Mischstoß: v' zu groß, Energieverlust zu klein, und die klare Halbierung verwischt.
- Verbesserung
Klettflächen großflächig und parallel; Stoßtempo nicht zu klein wählen.
Messung von v' zu späteher systematisch
- Ursache
bremst den Verbund auf dem Weg zur Schranke.
- Auswirkung
Impulsbilanz zeigt scheinbares Defizit.
- Verbesserung
Schranke 2 unmittelbar hinter die Stoßstelle.
Das Wichtigste
- Impuls
(mit Vorzeichen für die Richtung): die Erhaltungsgröße jedes Stoßes.
- Der Erhaltungssatz
Ohne äußere gilt , und zwar bei jeder Stoßart, elastisch wie unelastisch.
- Die zwei Stoßarten
Elastisch: auch die kinetische bleibt erhalten (Federpuffer geben alles zurück). Unelastisch: Ein Teil der Bewegungsenergie wird zu Verformung und ; nur der überlebt vollständig.
- Warum Impuls erhalten bleibt
Beim Stoß wirken actio und reactio als gleich große Gegenkräfte gleich lange. Was der eine an verliert, gewinnt der andere exakt: Die Erhaltung folgt aus dem dritten .