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Plattenkondensator

SchulversuchElektrizitätslehreKlasse 11Fortgeschritten

Worum geht es?

Der ist das Standardlabor der Feldphysik: Zwischen seinen Platten herrscht ein homogenes Feld mit der einfachen Stärke E=U/dE = U/d, und seine Fähigkeit, zu speichern (die Kapazität C=Q/UC = Q/U), hängt durchschaubar von der Geometrie ab. Beides wird hier untersucht: die über eine Spannungsmessung bei veränderlichem Abstand, die Kapazität über Ladungsmessungen bei veränderter Fläche, verändertem Abstand und eingeschobenem Dielektrikum.

Warum macht man dieses Experiment?

Das homogene Feld des ist die Bühne für einen großen Teil der Oberstufenphysik: Elektronenablenkung, Millikan-Versuch, Energiespeicherung. Wer die beiden Grundformeln E=U/dE = U/d und C=ε0εrA/dC = \varepsilon_0 \varepsilon_r A/d experimentell erlebt hat, statt sie zu glauben, kann sie sicher anwenden und ihre Voraussetzungen (Homogenität, Randfelder) einschätzen.

Die physikalische Idee

Für die : Trennt man die Platten eines geladenen, isolierten Kondensators, bleibt die konstant, und die steigt messbar proportional zum Abstand, genau das verlangt U=E⋅dU = E \cdot d bei konstantem EE. Für die : Ein Messverstärker misst die gespeicherte Ladung bei fester Spannung; Fläche, Abstand und Dielektrikum werden einzeln variiert.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Der begann 1745 als Leidener Flasche, mit der erstmals spürbare Ladungsmengen gespeichert wurden. Die systematische Untersuchung der Dielektrika stammt von Faraday, nach dem die Einheit der Kapazität benannt ist.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Wovon hängt die Kapazität ab?

Untersuche die des Plattenkondensators in Abhängigkeit von Plattenabstand, wirksamer Fläche und Zwischenmaterial, und prüfe die Struktur C=ε0εr⋅A/dC = \varepsilon_0 \varepsilon_r \cdot A/d.

Gemessen

  • — Gespeicherte Ladung (in )

    Mit dem Messverstärker (Ladungsmessbereich) beim Entladen erfasst.

  • — Fläche und Abstand (in )

    Die beiden geometrischen Einflussgrößen, einzeln variiert.

Bekannt

  • — Ladespannung (in )

    Fest eingestellt; alle Vergleiche laufen bei derselben Spannung.

Berechnet

  • — Kapazität (in )

    C=Q/UC = Q/U: aus gemessener Ladung bei bekannter Ladespannung.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Definition der Kapazität: die Messvorschrift des Versuchs.Zur Formelsammlung
  • Die geprüfte Strukturformel: Kapazität aus Geometrie und Material.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Bestimme die des Plattenkondensators über C=Q/UC = Q/U für: (a) drei Plattenabstände, (b) halbierte wirksame Fläche, (c) eingeschobene Kunststoffplatte. Prüfe jeweils die erwartete Proportionalität.

2Vorbetrachtung

Die drei Erwartungen und ihre Gründe:

  • C∼1/dC \sim 1/d: Bei festem UU ist E=U/dE = U/d; ein kleinerer Abstand bedeutet stärkeres Feld, und ein stärkeres Feld braucht mehr Flächenladung: mehr QQ bei gleichem UU.
  • C∼AC \sim A: Doppelte Fläche bietet der gleichen Flächenladungsdichte doppelt Platz: doppelte Gesamtladung.
  • C∼εrC \sim \varepsilon_r: Ein Dielektrikum wird im Feld polarisiert; seine Oberflächenladungen schwächen das Feld im Inneren. Um bei gleichem UU das nötige Feld zu halten, muss mehr auf die Platten: Die steigt um den Materialfaktor εr\varepsilon_r.

Alle drei Aussagen stecken in einer Formel: C=ε0εrA/dC = \varepsilon_0 \varepsilon_r A/d, mit der Naturkonstante ε0\varepsilon_0 als Proportionalitätsfaktor.

3Geräte / Stoffe

Aufbau der ersten Zielsetzung plus Messverstärker. Gemessen wird stets gleich: laden bei fester , Quelle trennen, über den Messverstärker entladen, ablesen.

  • Plattenkondensator mit verschiebbarer Platte

    Der Untersuchungsgegenstand: Abstand und (über Abdeckplatten) wirksame Fläche sind veränderbar.

  • Hochspannungsnetzgerät (strombegrenzt)

    Lädt den auf definierte (Kilovoltbereich).

  • Statisches Voltmeter oder Messverstärker mit hohem Eingangswiderstand

    Misst bzw. , ohne den isolierten merklich zu entladen: die technische Voraussetzung des ganzen Versuchs.

  • Dielektrikum-Platten (Kunststoff, Glas)

    Für den Materialeinfluss auf die .

  • Messverstärker mit Ladungsmessbereich

    Misst die beim Entladen abfließende : die Grundlage jeder Kapazitätsbestimmung dieses Versuchs.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Messplan als Ablauf: Quelle → (laden) → Umschalter → Messverstärker (entladen und Q messen). Daneben die Varianten: Abstandsreihe, Abdeckplatte für halbe Fläche, Dielektrikum.

Zwei Platten, getrennte Ladung, ein Feld+−+−+−+−U+Q−QIsolatorQ = C · UDoppelte Spannung heißt doppelte gespeicherte Ladung

Der geladene : getrennte auf den Platten, dazwischen das (bis auf die Ränder) homogene Feld. Die gespeicherte Ladung bei gegebener ist die Kapazität: C=Q/UC = Q/U.

Wovon die Kapazität abhängtOben der Ausgangsfall, darunter jeweils EINE geänderte Größe.Ausgangsfall1-fachdoppelte Fläche2-fachhalber Abstand2-fachGlas statt Luft6-fachC = ε₀ · εr · A / dGroße Fläche, kleiner Abstand, guter Isolator

Die drei Stellschrauben der Kapazität: größere Fläche speichert mehr (C∼AC \sim A), größerer Abstand weniger (C∼1/dC \sim 1/d), ein Dielektrikum mehr (C∼εrC \sim \varepsilon_r).

5Durchführung

Schritt 1 (Abstand): Bei U=1,0 kVU = 1{,}0\ \mathrm{kV} die für d=2d = 2, 44, 6 cm6\ \mathrm{cm} messen (je zweimal, Mittelwert).

Schritt 2 (Fläche): Bei d=2 cmd = 2\ \mathrm{cm} die halbe Plattenfläche mit geerdeter Abdeckung ausblenden, Ladung messen.

Schritt 3 (Dielektrikum): Bei d=2 cmd = 2\ \mathrm{cm} die passende Kunststoffplatte einschieben, Ladung messen.

6Beobachtung

Ladungsmessungen bei U=1,0 kVU = 1{,}0\ \mathrm{kV} (Beispielwerte)
AnordnungQQ in nC\mathrm{nC}C=Q/UC = Q/U in pF\mathrm{pF}
d=2 cmd = 2\ \mathrm{cm}, volle Fläche2424
d=4 cmd = 4\ \mathrm{cm}1212
d=6 cmd = 6\ \mathrm{cm}88
d=2 cmd = 2\ \mathrm{cm}, halbe Fläche1212
d=2 cmd = 2\ \mathrm{cm}, Kunststoffplatte (εr≈3\varepsilon_r \approx 3)7272

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Alle drei Proportionalitäten bestätigen sich:

  • Abstand: 24→12→8 pF24 \to 12 \to 8\ \mathrm{pF} bei d=2→4→6 cmd = 2 \to 4 \to 6\ \mathrm{cm}: Die folgt 1/d1/d (Produkte C⋅dC \cdot d konstant: 4848 in allen drei Fällen, in pF·cm).
  • Fläche: Halbe Fläche, halbe Kapazität (1212 statt 24 pF24\ \mathrm{pF}).
  • Dielektrikum: Verdreifachung auf 72 pF72\ \mathrm{pF}, verträglich mit εr≈3\varepsilon_r \approx 3 des Kunststoffs. Nebenbefund: Der gemessene Faktor IST eine Messung von εr\varepsilon_r.

Zusammen bestätigt das die Strukturformel C=ε0εrA/dC = \varepsilon_0 \varepsilon_r A/d. Auch die Größenordnung passt: Für A≈0,05 m2A \approx 0{,}05\ \mathrm{m^2} und d=2 cmd = 2\ \mathrm{cm} liefert die Formel C=8,85⋅10−12⋅0,05/0,02 F≈22 pFC = 8{,}85 \cdot 10^{-12} \cdot 0{,}05 / 0{,}02\ \mathrm{F} \approx 22\ \mathrm{pF}, nahe am Messwert. Man sieht zugleich, warum technische Kondensatoren gewickelte Folien mit hauchdünnem Dielektrikum sind: Große Fläche und kleiner Abstand auf kleinem Bauraum.

8Fazit

Die des Plattenkondensators folgt der Formel C=ε0εrA/dC = \varepsilon_0 \varepsilon_r A/d: proportional zur Fläche und zur Permittivitätszahl, umgekehrt proportional zum Abstand, hier mit Messwerten von 88 bis 72 pF72\ \mathrm{pF} belegt.

9Fehlerbetrachtung

Bei Picofarad-Kapazitäten zählt jede parasitäre des Aufbaus mit:

Streukapazitäten von Kabeln und Aufbaueher systematisch

Ursache

Zuleitungen und Messverstärker-Eingang bilden selbst kleine (einige pF).

Auswirkung

Alle Messwerte enthalten einen konstanten Sockel; besonders die kleinen (großer Abstand) erscheinen zu groß und die 1/d-Kurve flacht ab.

Verbesserung

Leermessung ohne Kondensatorplatten durchführen und als Sockel abziehen; kurze Kabel.

Ladungsverlust zwischen Laden und Messeneher systematisch

Ursache

Isolations- und Luftverluste in den Sekunden des Umschaltens.

Auswirkung

Gemessene sind systematisch etwas zu klein.

Verbesserung

Umschaltvorgang zügig, trockene Bedingungen.

Dielektrikum füllt den Spalt nicht vollständigeher systematisch

Ursache

Luftspalte zwischen Platte und Kunststoff.

Auswirkung

Der gemessene Faktor bleibt unter dem wahren εr\varepsilon_r (Reihenschaltung aus Luft- und Materialschicht).

Verbesserung

Plattenabstand exakt auf die Materialdicke stellen; Faktor als unteren Grenzwert angeben.

Das Wichtigste

Feldstärke

Zwischen den Platten gilt E=U/dE = U/d: homogen, also überall gleich. Beim isolierten bleibt beim Plattentrennen EE konstant und UU wächst proportional zu dd.

Kapazität

C=Q/UC = Q/U misst das Speichervermögen; für den gilt C=ε0εr⋅A/dC = \varepsilon_0 \varepsilon_r \cdot A/d.

Dielektrikum

Ein Isolator zwischen den Platten wird polarisiert, schwächt das Feld und erhöht dadurch die um den Faktor εr\varepsilon_r.

Voraussetzung

Alle Formeln gelten für den homogenen Innenbereich: kleiner Plattenabstand gegen die Plattengröße, Randfelder vernachlässigt.

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