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Kräfte zusammensetzen und zerlegen

SchulversuchMechanikKlasse 7–10Standard

Worum geht es?

sind Vektoren: Sie haben Betrag und Richtung, und sie addieren sich nicht wie Zahlen, sondern geometrisch, nach der Parallelogrammregel. Der Versuch prüft diese Regel am Kräftetisch (drei Kraftmesser im Gleichgewicht) und wendet sie rückwärts an: die Zerlegung einer Kraft in vorgegebene Richtungen, das Handwerkszeug für Seile, Stützen und die schiefe Ebene.

Warum macht man dieses Experiment?

Die Vektoraddition ist die Rechenregel der Mechanik schlechthin: Ohne sie gibt es keine Statik (warum hält die Brücke?), keine Kräftezerlegung an der schiefen Ebene und später keine Impulsrechnung. Sie ist zugleich der erste Punkt, an dem die Mathematik der Physik sichtbar abnimmt: Der gezeichnete Pfeil ersetzt das , sobald die Regel einmal geprüft ist.

Die physikalische Idee

Drei Schnüre ziehen an einem zentralen Ring; die werden über Kraftmesser eingestellt. Ruht der Ring, gleicht die dritte Kraft die Resultierende der beiden anderen exakt aus: Die Resultierende ist also messbar (Betrag = dritte Kraft, Richtung = deren Gegenrichtung) und kann mit der Parallelogramm-Konstruktion verglichen werden. Für die Zerlegung wird eine bekannte Last von zwei schrägen Schnüren gehalten und deren Kräfte gemessen.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Die Parallelogrammregel formulierten Stevin und Newton im 17. Jahrhundert; Newton stellte sie als Zusatz (Korollar) an den Anfang der Principia. Sie gilt für alle vektoriellen Größen der Physik: Wer sie für geprüft hat, besitzt sie auch für und .

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Kräftezerlegung an schrägen Seilen

Zerlege die einer Last in die Richtungen zweier Halteschnüre, miss die Schnurkräfte für verschiedene Winkel und kläre, warum flache Winkel gefährlich große erzeugen.

Gemessen

  • — Seilkraft je Schnur (in )

    An beiden Kraftmessern abgelesen; ihre Winkelabhängigkeit ist der Kernbefund.

  • — Winkel der Schnüre zur Senkrechten (in )

    Die variierte Geometriegröße (symmetrische Aufhängung).

Bekannt

  • — Gewichtskraft der Last (in )

    500-g-Stück: FG≈4,9 NF_G \approx 4{,}9\ \mathrm{N}: die zu zerlegende Kraft.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die Zerlegungs-Vorhersage für die symmetrische Zweipunkt-Aufhängung: Nur die senkrechten Anteile beider Seilkräfte tragen die Last.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Hänge das 500-g-Stück symmetrisch an zwei Schnüre mit Kraftmessern. Miss die Seilkräfte für α=0∘\alpha = 0^\circ (beide senkrecht), 30∘30^\circ, 60∘60^\circ und möglichst flach (80∘80^\circ), und vergleiche mit der Zerlegungs-Vorhersage.

2Vorbetrachtung

Zerlegung ist das Parallelogramm rückwärts: Die Last zieht mit FGF_G senkrecht nach unten; die beiden Schnüre können nur längs ihrer Richtungen ziehen. Gesucht sind die Seilkräfte, deren Parallelogramm-Resultierende genau FGF_G entgegenwirkt. In der symmetrischen Anordnung trägt jede Schnur mit ihrem senkrechten Anteil FScos⁡αF_S \cos\alpha die halbe Last:

2⋅FScos⁡α=FG⟹FS=FG2cos⁡α2 \cdot F_S \cos\alpha = F_G \quad\Longrightarrow\quad F_S = \frac{F_G}{2\cos\alpha}

Die brisante Vorhersage steckt im Nenner: Für α=0∘\alpha = 0^\circ teilen sich die Schnüre die Last (je2,5 Nje 2{,}5\ \mathrm{N}). Bei 60∘60^\circ trägt jede bereits die volle Last (cos⁡60∘=0,5\cos 60^\circ = 0{,}5). Und für α→90∘\alpha \to 90^\circ (straffe Leine) geht cos⁡α→0\cos\alpha \to 0: Die Seilkräfte wachsen über alle Grenzen. Eine perfekt waagerechte belastete Leine ist mathematisch unmöglich.

3Geräte / Stoffe

Zwei Stative mit Umlenkpunkten in gleicher Höhe, zwei Kraftmesser in den Schnüren, Winkelmessung per Geodreieck gegen ein Lot.

  • Kräftetisch mit Ring und drei Schnüren

    Erzeugt drei einstellbare mit gemeinsamem Angriffspunkt.

  • Drei Federkraftmesser

    Messen die Beträge aller .

  • Winkelskala / Papierunterlage

    Erfasst die Richtungen für die zeichnerische Konstruktion.

  • Wägestück (500 g) mit zwei Halteschnüren

    Die Last für den Zerlegungsteil.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Symmetrische Aufhängung mit eingezeichnetem Kräfteparallelogramm an der Last: F_G nach unten, die beiden Seilkraft-Pfeile längs der Schnüre; der Winkel α zwischen Schnur und Lot.

F₁ = 30 NF₂ = 30 NErgebnis:kein Pfeil: F = 0 N, Körper in RuheGleich groß, entgegengesetzt: die Summe ist nullentspricht 10 N

Das Prüfprinzip: Drei im Gleichgewicht. Die dritte Kraft ist Gegenspielerin der Resultierenden der beiden anderen: So wird die unsichtbare Resultierende messbar.

Aufbau: Kräftetisch (oder Whiteboard mit drei über Umlenkrollen geführten Schnüren) mit zentralem Ring, drei Federkraftmesser, Winkelskala bzw. untergelegtes Papier für die Richtungen; für die Zerlegung zwei Stative mit schrägen Schnüren und ein Wägestück als Last.

5Durchführung

Schritt 1: Beide Schnüre senkrecht (α=0∘\alpha = 0^\circ): ablesen.

Schritt 2: Stative auseinanderrücken, bis α=30∘\alpha = 30^\circ, dann 60∘60^\circ: jeweils Winkel prüfen und beide Kräfte ablesen.

Schritt 3: So flach wie möglich spannen (α≈80∘\alpha \approx 80^\circ): Kräfte ablesen und das Spanngefühl notieren.

6Beobachtung

Seilkräfte bei FG=4,9 NF_G = 4{,}9\ \mathrm{N} (je Schnur, symmetrisch)
α\alphaVorhersage FSF_Sgemessen FSF_S
0∘0^\circ2,5 N2{,}5\ \mathrm{N}2,5 N2{,}5\ \mathrm{N}
30∘30^\circ2,8 N2{,}8\ \mathrm{N}2,8 N2{,}8\ \mathrm{N}
60∘60^\circ4,9 N4{,}9\ \mathrm{N}4,9 N4{,}9\ \mathrm{N}
80∘80^\circ14,1 N14{,}1\ \mathrm{N}über 14 N14\ \mathrm{N} (Messbereichsende)

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Die Zerlegung stimmt Punkt für Punkt: Senkrecht teilen sich die Schnüre die Last; bei 60∘60^\circ trägt jede Schnur bereits die komplette (4,9 N4{,}9\ \mathrm{N}), zusammen also das Doppelte der Last: Die „überzähligen“ waagerechten Anteile ziehen die Stative gegeneinander und heben sich auf. Bei 80∘80^\circ explodieren die auf fast das Dreifache der Last: exakt der 1/cos⁡α1/\cos\alpha-Verlauf.

Der Alltagsschluss: Eine Wäscheleine, ein Slackline-Band, ein Abschleppseil: Wer flach spannt, vervielfacht die Seilkräfte weit über die Last hinaus. Deshalb hängen belastete Leinen immer durch: Der Durchhang ist kein Schlampigkeitsfehler, sondern der Winkel, den sich das Seil zum Überleben nimmt.

8Fazit

Die Kräftezerlegung nach dem Parallelogramm beschreibt die Seilkräfte exakt: von der halben Last (senkrecht) über die volle Last (bei 60∘60^\circ) bis zum Vielfachen bei flachen Winkeln: FS=FG/(2cos⁡α)F_S = F_G/(2\cos\alpha).

9Fehlerbetrachtung

Die Winkelmessung dominiert die Unsicherheit, besonders im flachen Bereich:

Winkelmessung bei flachen Schnüreneher zufällig

Ursache

Nahe 90∘90^\circ ändert 1/cos⁡α1/\cos\alpha sich extrem steil: Ein Grad Ablesefehler ändert die Vorhersage um zweistellige Prozente.

Auswirkung

Der flachste Messpunkt trägt die mit Abstand größte Unsicherheit.

Verbesserung

Winkel über Streckenverhältnisse bestimmen (Durchhang und halber Abstand) statt per Geodreieck.

Unsymmetrische Aufhängungeher systematisch

Ursache

Last nicht exakt mittig, Umlenkpunkte nicht gleich hoch.

Auswirkung

Die beiden Seilkräfte differieren; die symmetrische Formel passt nur auf den Mittelwert.

Verbesserung

Symmetrie vorab per Maßband prüfen; beide Kraftmesser ablesen und vergleichen.

Kraftmesser am Messbereichsendeeher systematisch

Ursache

Beim flachen Winkel überschreiten die den 10-N-Bereich.

Auswirkung

Der letzte Punkt ist nur als Untergrenze angebbar.

Verbesserung

Kraftmesser mit größerem Bereich für den Flachwinkel-Teil.

Das Wichtigste

Parallelogrammregel

Zwei am selben Angriffspunkt wirken zusammen wie ihre Parallelogramm-Diagonale: Kräfte addieren sich geometrisch, nicht arithmetisch.

Messbar über Gleichgewicht

Die Resultierende zweier ist betragsgleich und entgegengesetzt zur dritten Kraft, die den Angriffspunkt im Gleichgewicht hält.

Zerlegung

Rückwärts gelesen zerlegt das Parallelogramm eine in zwei vorgegebene Richtungen: Grundlage für Seil-, Stützen- und Hangkräfte.

Der flache Winkel

Je gestreckter die Halteschnüre, desto größer ihre , weit über die Last hinaus: Deshalb lässt sich keine Leine straff spannen.

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