Hohlspiegel und Wölbspiegel
Worum geht es?
Krümmt man die Spiegelfläche, bleibt das an jedem Punkt gültig, nur die Lote zeigen jetzt in verschiedene Richtungen. Ein Hohlspiegel (die Innenseite) lenkt achsennahe Parallelstrahlen alle durch einen Punkt, den Brennpunkt bei . Ein Wölbspiegel (die Außenseite) fächert sie auf, als kämen sie aus einem virtuellen Brennpunkt dahinter. Sammeln und Zerstreuen sind die zwei Grundfähigkeiten aller abbildenden Optik, und hier treten sie zum ersten Mal auf.
Warum macht man dieses Experiment?
Brennpunkt und Brennweite, die Schlüsselbegriffe der gesamten Abbildungsoptik, entstehen hier zum Anfassen, noch vor der . Am Spiegel kann man sie mit dem Lineal messen und mit sogar aus der Bauform vorhersagen. Und der Alltag ist voller gekrümmter Spiegel: Verkehrsspiegel, Zahnarztspiegel, Schminkspiegel, Autoscheinwerfer. Nach diesem Versuch liest du an jedem ab, wie er gebaut ist.
Die physikalische Idee
Variante 1: Mehrere parallele Lichtbündel treffen den Hohlspiegel. Der gemeinsame Schnittpunkt wird vermessen und gegen die halbe Radiuslänge gehalten; die Umkehrprobe (eine Lampe im Brennpunkt macht ein Parallelbündel) schließt an. Variante 2 wiederholt das am Wölbspiegel: Die Bündel laufen auseinander, aber ihre Rückverlängerungen treffen sich hinter dem Spiegel. Variante 3 prüft beide Welten am Esslöffel.
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
- Reflexionsgesetz (Experiment ebener Spiegel)
- Virtuelles Bild (Zwei-Kerzen-Versuch)
Wissenschaftliche Einordnung
Über Archimedes erzählte man, er habe 212 v. Chr. römische Schiffe mit Hohlspiegeln entzündet. Das ist physikalisch schwer nachzuprüfen, aber als Idee war es der erste „Brennspiegel“. Real wurden Hohlspiegel zur Grundlage der großen Teleskope, von Newton 1668 bis zum James-Webb-Teleskop. Spiegel sammeln Licht nämlich farbfehlerfrei, was keine kann.
Versuchsziel
Was möchtest du untersuchen?
Aktuelles Versuchsziel
Der Wölbspiegel: zerstreuen und überblicken
Untersuche, wie der Wölbspiegel Parallelbündel zerstreut, konstruiere seinen virtuellen Brennpunkt und erkläre seinen Blickfeld-Vorteil.
Gemessen
- — Verlauf der reflektierten Bündel
Nachgezeichnet und rückwärts verlängert: Der Schnitt der Verlängerungen ortet den virtuellen Brennpunkt.
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Gilt betragsmäßig auch hier: nur liegt der Brennpunkt virtuell hinter der Fläche.Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Lenke die Parallelbündel auf die Wölbseite des Spiegels, zeichne die auseinanderlaufenden Reflexe nach, verlängere sie rückwärts und vergleiche den Schnittpunkt mit r/2. Vergleiche danach das Blickfeld von ebenem und gewölbtem Spiegel gleicher Größe.
2Vorbetrachtung
Dieselbe Physik, nur gedrehte Lote: An der Außenseite der Krümmung zeigen die Lote vom Mittelpunkt weg. Ein achsenparalleles Bündel wird deshalb nach außen reflektiert, und die Bündel können sich real nie treffen. Aber ihre Rückverlängerungen (die Zwei-Kerzen-Logik aus dem Spiegel-Experiment!) sollten sich in einem Punkt hinter der Fläche schneiden, und zwar beim halben Radius: ein virtueller Brennpunkt, konstruierbar, aber nicht brennbar.
Die Blickfeld-Vorhersage: Weil der Wölbspiegel einlaufendes Licht aus einem weiten Winkelbereich in Richtung Beobachter fächert, muss er auf gleicher Spiegelfläche mehr Szene zeigen als ein ebener Spiegel, bezahlt mit Verkleinerung. Beide Effekte gehören zusammen und werden zusammen geprüft.
3Geräte / Stoffe
Dieselbe Unterlage und Bündelgeometrie wie in Variante 1 verwenden, dann sind Hohl- und Wölbseite direkt vergleichbar.
Mehrfachspalt-Leuchte
Parallele Bündel wie von einer sehr fernen Quelle, die Testfrage an jeden Spiegel.
Hohl-/Wölbspiegelmodell mit bekanntem r
Unsere Prüflinge; r = 40 cm erlaubt die Vorhersage f = r/2.
Papierunterlage und Lineal
Zum Nachzeichnen der Strahlenverläufe und Vermessen der Schnittpunkte.
Esslöffel
Beide Spiegelarten in einem Alltagsgegenstand: Innenseite hohl, Rückseite gewölbt.
4Skizze des Versuchsaufbaus
Draufsicht: Wölbspiegelbogen, drei Parallelbündel fächern auf; gestrichelte Rückverlängerungen schneiden sich im Punkt F hinter der Fläche bei r/2.
Der Hohlspiegel sammelt achsennahe Parallelstrahlen im Brennpunkt. Die Brennweite ist der halbe Krümmungsradius, .
Der Wölbspiegel zerstreut dieselben Strahlen. Ihre Rückverlängerungen (gestrichelt) schneiden sich im virtuellen Brennpunkt hinter dem Spiegel.
Aufbau: Leuchte mit Mehrfachspalt (3 bis 5 parallele Bündel), Hohl- und Wölbspiegelmodell (Zylinderspiegel für die Tischebene, Krümmungsradius bekannt oder per Schablone bestimmbar), Winkelscheibe/Papierunterlage, Lineal; blanker Esslöffel.
5Durchführung
Die Reflexe nachzeichnen, rückwärts verlängern und den Schnittpunkt vermessen. Danach ebenen Spiegel und Wölbspiegel gleicher Breite nebeneinanderstellen und aus fester Position zählen, wie viel vom Raum (markierte Gegenstände) jeder zeigt.
6Beobachtung
| Prüfung | Ergebnis |
|---|---|
| reflektierte Bündel | laufen auseinander, treffen sich real nirgends |
| Rückverlängerungen | schneiden sich in einem Punkt etwa 20 cm hinter der Fläche |
| Blickfeldvergleich (gleiche Spiegelbreite) | der Wölbspiegel zeigt etwa den dreifachen Raumausschnitt, alles aufrecht und verkleinert |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
7Auswertung
Der virtuelle Brennpunkt ist geortet: Die Rückverlängerungen schneiden sich bei r/2 hinter der Fläche, das Spiegelbild des Hohlspiegel-Ergebnisses. Beide Spiegel gehorchen derselben Formel; nur das Vorzeichen der Krümmung entscheidet zwischen realem Sammelpunkt und virtuellem Fluchtpunkt. Kein Schirm findet diesen Punkt (die Schirm-Lektion aus dem Zwei-Kerzen-Versuch), und trotzdem bestimmt er das gesamte Abbildungsverhalten.
Blickfeld gegen Größe, der Handel des Wölbspiegels: Der dreifache Raumausschnitt auf gleicher Fläche hat seinen Preis: Alles erscheint verkleinert und damit weiter entfernt, als es ist. Genau dieser Handel steht als Warnung auf amerikanischen Außenspiegeln („objects are closer than they appear“). Er macht den Wölbspiegel zum Verkehrsspiegel an unübersichtlichen Ausfahrten, zum Überwachungsspiegel im Laden und zur Bauform des Beifahrer-Außenspiegels. Überblick schlägt Maßstabstreue überall dort, wo es ums Entdecken geht und nicht ums Abschätzen.
Warum das Bild immer aufrecht und virtuell ist: Beim Hohlspiegel hängt der Bildtyp vom Abstand ab (die Schminkspiegel-Frage). Der Wölbspiegel kann dagegen nie sammeln, denn es gibt keinen Abstand, bei dem sich reale Strahlen kreuzen. Alle Bilder bleiben virtuell, aufrecht und verkleinert. Diese Verlässlichkeit ist im Straßenverkehr ein Sicherheitsmerkmal: Ein Verkehrsspiegel, dessen Bild je nach Abstand kopfstünde, wäre unbrauchbar.
8Fazit
Der Wölbspiegel zerstreut Parallelstrahlen, sein Brennpunkt liegt virtuell bei r/2 hinter der Fläche. Er bildet immer aufrecht, verkleinert und virtuell ab und tauscht Maßstab gegen Blickfeld: der Spiegel des Überblicks.
9Fehlerbetrachtung
Die Konstruktion mit Rückverlängerungen hat eigene Tücken:
Zu kurze nachgezeichnete Reflexeeher zufällig
- Ursache
Kurze Striche machen die Richtung der Rückverlängerung unsicher.
- Auswirkung
Der Schnittpunkt streut um Zentimeter.
- Verbesserung
Die Reflexe über mindestens 20 cm nachziehen und ein langes Lineal verwenden.
Bündel divergent statt paralleleher systematisch
- Ursache
Die Leuchte steht zu nah, wie in Variante 1.
- Auswirkung
Der virtuelle Brennpunkt erscheint näher an der Fläche.
- Verbesserung
Dieselbe Parallelitätsprobe wie am Hohlspiegel durchführen.
Blickfeldvergleich aus verschiedenen Positioneneher systematisch
- Ursache
Die Beobachterposition wurde zwischen den Spiegeln gewechselt.
- Auswirkung
Der Faktor drei ist nicht belastbar.
- Verbesserung
Die Kopfposition markieren und beide Spiegel nacheinander an dieselbe Stelle bringen.
Das Wichtigste
- Der Hohlspiegel sammelt
Achsennahe Parallelstrahlen laufen durch einen einzigen Punkt, den Brennpunkt F, mit . Die Brennweite steckt also in der Bauform.
- Der Wölbspiegel zerstreut
Dieselben Strahlen fächern auf, scheinbar aus einem virtuellen Brennpunkt hinter dem Spiegel. Er bildet immer aufrecht, verkleinert und virtuell ab, dafür mit großem Blickfeld.
- Umkehrbarkeit
Lichtwege sind umkehrbar: Eine Quelle im Brennpunkt des Hohlspiegels sendet ein Parallelbündel aus. Das ist das Bauprinzip von Scheinwerfer und Taschenlampe.
- Ein Gesetz, viele Lote
Es ist nichts Neues am Werk. An jedem Flächenpunkt gilt α = α′ zum dortigen Lot, die Krümmung dreht nur die Lote. Sammeln und Zerstreuen sind organisierte .