Reflexion am ebenen Spiegel
Worum geht es?
An glatten Flächen wird Licht nach einer einzigen Regel umgelenkt: Einfallswinkel gleich Reflexionswinkel, beide gemessen zum Lot. Aus dieser Regel folgt konstruierbar alles Weitere: dass das Spiegelbild genau so weit hinter dem Spiegel liegt wie der Gegenstand davor, dass es virtuell ist (dort verläuft kein Licht) und dass ein halb so großer Spiegel reicht, um sich ganz zu sehen.
Warum macht man dieses Experiment?
Das ist nach der Geradlinigkeit die zweite Säule der Strahlenoptik und der Einstieg in den Begriff, an dem sich später alles entscheidet: das virtuelle Bild. Wer am Zwei-Kerzen-Versuch begriffen hat, dass hinter dem Spiegel ein Ort ist, von dem das Licht zu kommen scheint, ohne dass dort welches ist, hat das Werkzeug für Lupen, Wölbspiegel und Brillengläser schon in der Hand.
Die physikalische Idee
Variante 1 misst: Ein schmales Lichtbündel trifft den Spiegel im Zentrum einer Winkelscheibe, und Einfalls- und Reflexionswinkel werden für mehrere Einstellungen verglichen. Variante 2 ortet das Bild: Eine Glasscheibe spiegelt eine brennende Kerze, und eine zweite, unangezündete Kerze dahinter wird so lange verschoben, bis sie das Bild genau „trägt“. Variante 3 wendet an: Klebebandmarken am Wandspiegel beweisen die Halbe-Höhe-Regel.
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
- Geradlinige Lichtausbreitung (Experiment)
- Winkelmessung
Wissenschaftliche Einordnung
Das kannte schon Euklid; Heron von Alexandria zeigte um 60 n. Chr., dass es aus einem Extremalprinzip folgt: Der reflektierte Weg ist der kürzeste aller Spiegelwege: der erste Auftritt eines Denkmusters, das als Fermatsches Prinzip die ganze Optik trägt und in der modernen Physik wiederkehrt.
Versuchsziel
Was möchtest du untersuchen?
Aktuelles Versuchsziel
Wo ist das Spiegelbild? Der Zwei-Kerzen-Versuch
Bestimme den Ort des Spiegelbilds mit der Glasscheiben-Methode und kläre, was „virtuell“ bedeutet.
Gemessen
- — Abstände Kerze-Scheibe und Scheibe-Bildort (in )
Ihr Vergleich ist die Kernmessung: Liegt das Bild gleich weit dahinter wie die Kerze davor?
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Trägt die Bildkonstruktion: Aus dem Gesetz folgt geometrisch die symmetrische Bildlage hinter dem Spiegel.Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Stelle eine brennende Kerze 15 cm vor die Glasscheibe. Verschiebe die gleiche, aber unangezündete Kerze dahinter, bis sie aus jeder Blickrichtung mit dem Spiegelbild zur Deckung kommt, und miss beide Abstände. Prüfe danach, ob sich das Bild auf einem Schirm auffangen lässt.
2Vorbetrachtung
Der Geniestreich der Glasscheibe: Ein richtiger Spiegel verrät den Bildort nicht, denn man kann nicht hinter ihn fassen. Eine Glasscheibe spiegelt schwach und lässt zugleich durchblicken. Man sieht also das Spiegelbild der brennenden Kerze und gleichzeitig den Raum dahinter, und dort lässt sich die kalte Kerze genau an den Bildort schieben. Wenn Bildflamme und kalte Kerze aus jeder Blickrichtung deckungsgleich bleiben, stehen sie am selben Ort. Der Bildort ist gefunden und messbar.
Die Konstruktion sagt es voraus: Zeichnet man von der Flamme zwei Strahlen zur Scheibe, reflektiert beide nach und verlängert die reflektierten rückwärts, dann treffen sich die Verlängerungen in einem Punkt, symmetrisch zur Scheibe, also 15 cm dahinter. Und: An diesem Punkt läuft kein einziger echter . Was ein Schirm dort auffangen soll, wird spannend.
3Geräte / Stoffe
Beide Kerzen müssen gleich groß sein. Den Raum halb abdunkeln, denn die Scheibenspiegelung ist schwach, und die Scheibe genau senkrecht stellen, weil eine Kippung den Bildort verschiebt.
Leuchte mit Spaltblende
Erzeugt das schmale Bündel, dessen Weg auf der Winkelscheibe ablesbar ist.
Spiegel auf Winkelscheibe
Misst beide Winkel zum eingezeichneten Lot, das Messgerät des Gesetzes.
Glasscheibe statt Spiegel (Variante 2)
Der Trick des Versuchs: Sie spiegelt und lässt zugleich durchblicken. So kann man hinter das „Spiegelbild“ greifen.
Zwei gleiche Kerzen
Eine brennt davor, die kalte dahinter fängt das Bild ein. Die Deckung macht den Bildort messbar.
4Skizze des Versuchsaufbaus
Draufsicht: brennende Kerze vor der Scheibe, konstruiertes Bild dahinter, zwei reflektierte Strahlen mit gestrichelten Rückverlängerungen; die kalte Kerze am Bildort.
Das : Einfallender Strahl, Lot und reflektierter Strahl liegen in einer Ebene, und beide Winkel: stets zum Lot gemessen, nicht zur Spiegelfläche: sind gleich groß.
Die Bildkonstruktion: Die reflektierten Strahlen, rückwärts verlängert (gestrichelt, denn dort läuft kein Licht), treffen sich im virtuellen Bildpunkt, genauso weit hinter dem Spiegel wie der Gegenstand davor.
Aufbau: Experimentierleuchte mit Spaltblende, ebener Aufsteckspiegel auf Winkelscheibe (Variante 1); Glasscheibe im Halter, zwei gleiche Kerzen, Maßband (Variante 2); Wandspiegel, Klebeband, Zollstock, zwei Personen (Variante 3).
5Durchführung
Die kalte Kerze hinter der Scheibe verschieben, bis die Deckung auch bei Kopfbewegungen nach links und rechts bestehen bleibt (Parallaxen-Probe), dann beide Abstände messen. Anschließend einen weißen Schirm an den Bildort stellen und mit wie ohne Durchblick durch die Scheibe prüfen, was er zeigt.
6Beobachtung
| Prüfung | Ergebnis |
|---|---|
| Deckung (Parallaxen-Probe) | bei genau einer Position aus allen Blickrichtungen stabil; die kalte Kerze scheint zu brennen |
| Abstand Kerze-Scheibe | 15,0 cm |
| Abstand Scheibe-Bildort | 15,0 cm (Position der kalten Kerze) |
| Schirm am Bildort | zeigt kein Flammenbild, nur diffuses Licht |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
7Auswertung
Der Bildort ist real vermessbar, das Bild trotzdem nicht real: Die Deckungsprobe lokalisiert das Bild auf den Zentimeter, genau symmetrisch, 15 cm hinter der Scheibe, wie konstruiert. Aber der Schirm an ebendiesem Ort bleibt leer. Beides zusammen definiert das virtuelle Bild sauber: Es ist der Punkt, aus dem die reflektierten Strahlen zu kommen scheinen (deshalb funktioniert die Deckung aus jeder Richtung), aber durch den Punkt selbst läuft kein Licht (deshalb fängt der Schirm nichts auf). Das Auge kann das Bild sehen, weil es die ankommenden Strahlen rückwärts verlängert. Genau das macht unsere Konstruktion auf dem Papier nach.
Eine Täuschung mit System: Die kalte Kerze „brennt“, eine komplette optische Illusion, erzeugt allein durch das . Schausteller-Geistertricks („Pepper's Ghost“) und Head-up-Displays im Auto nutzen genau diesen Aufbau: eine Glasfläche, die ein virtuelles Bild in die reale Szene legt.
Seitenverkehrt, was wirklich passiert: Das Spiegelbild vertauscht nicht links und rechts, sondern vorn und hinten. Jeder Punkt wird längs des Lots nach hinten gespiegelt. Dass Schrift „seitenverkehrt“ erscheint, liegt daran, dass wir das Blatt zum Spiegel hin umdrehen: Wir selbst vertauschen links und rechts, der Spiegel spiegelt nur die Tiefe.
8Fazit
Das Spiegelbild liegt genau so weit hinter dem Spiegel wie der Gegenstand davor (15 cm gleich 15 cm) und ist aus jeder Richtung dort zu orten, aber trotzdem nicht auffangbar: virtuell. Der Ort, aus dem Licht zu kommen scheint, ohne dort zu sein, ist das wichtigste neue Konzept der Spiegeloptik.
9Fehlerbetrachtung
Die Ortsbestimmung ist heikler als sie aussieht:
Scheibe nicht senkrechteher systematisch
- Ursache
Eine gekippte Scheibe spiegelt nach schräg oben oder unten.
- Auswirkung
Bild und kalte Kerze decken sich in keiner Position vollständig.
- Verbesserung
Die Scheibe mit Winkel oder Lot ausrichten.
Deckung nur aus einer Blickrichtung geprüfteher systematisch
- Ursache
Ohne Parallaxen-Probe täuscht jede Position auf der Sichtlinie eine Deckung vor.
- Auswirkung
Der Bildort wird um Zentimeter verfehlt, und die Symmetrie-Aussage scheitert scheinbar.
- Verbesserung
Den Kopf bewegen, denn nur der echte Bildort hält die Deckung aus allen Richtungen.
Doppelbild der Scheibeeher zufällig
- Ursache
Vorder- und Rückseite des Glases spiegeln beide.
- Auswirkung
Zwei leicht versetzte Flammenbilder erschweren die Deckung.
- Verbesserung
Eine dünne Scheibe verwenden und auf das hellere Bild einstellen.
Das Wichtigste
- Das Gesetz
: Einfalls- und Reflexionswinkel sind gleich, beide zum Lot gemessen. Wer zur Spiegelfläche misst, bekommt scheinbare Widersprüche.
- Das virtuelle Bild
Das Spiegelbild liegt so weit hinter dem Spiegel wie der Gegenstand davor. Am Bildort verläuft kein Licht; er ist der Punkt, aus dem die reflektierten Strahlen zu kommen scheinen. Virtuell heißt: konstruierbar, aber nicht auffangbar.
- Streuung ist kein Gegenbeispiel
Auch raue Flächen gehorchen dem Gesetz, an jedem Mikro-Flächenstück einzeln. Weil die Lote wild durcheinander stehen, wird das Licht in alle Richtungen gestreut. Darum sieht man Papier von überall, den Spiegel nur aus einer Richtung.
- Halbe Höhe genügt
Ein Spiegel von halber Körpergröße zeigt dich komplett, unabhängig vom Abstand. Das folgt aus der Mittellage des Spiegels zwischen Auge und jedem Körperpunkt, und Variante 3 beweist es mit Klebeband.