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Geometrie

Dreiecke: Arten, Innenwinkelsatz und Dreiecksungleichung

Dreiecke klassifizieren, den Innenwinkelsatz anwenden und prüfen, wann ein Dreieck existiert.

Benötigte Grundlagen

Diese Themen kommen in diesem Kapitel vor und wurden vorher schon erklärt. Wenn dir eines davon unsicher vorkommt, frisch es kurz auf, sonst leg direkt los.

Einführung

Warum sind Strommasten, Kräne und Fahrradrahmen voller Dreiecke? Weil das Dreieck die stabilste Form der Technik ist! Und mathematisch steckt es voller Gesetzmäßigkeiten: Seine Innenwinkel ergeben immer dieselbe Summe, und nicht aus jeder Seiten-Kombination lässt sich überhaupt ein Dreieck bauen.

Das kannst du nach diesem Kapitel

  • Dreiecke nach Seiten (gleichseitig, gleichschenklig, unregelmäßig) und nach (spitz-, recht-, stumpfwinklig) klassifizieren.

  • den Innenwinkelsatz (α+β+γ=180°\alpha + \beta + \gamma = 180°) anwenden und begründen.

  • mit der Dreiecksungleichung prüfen, ob drei Seitenlängen ein Dreieck ergeben.

  • Dreiecke skizzieren und beschriften (Ecken A,B,CA, B, C, Seiten a,b,ca, b, c: Winkel α,β,γ\alpha, \beta, \gamma).

Die Dreiecks-Grammatik

Bevor es um Dreiecksarten geht, brauchst du eine gemeinsame Sprache. Denn in Aufgaben steht oft nur „berechne γ\gamma", und dann musst du sofort wissen, welcher gemeint ist.

Die Benennungsregel

  • Die Ecken heißen AA, BB, CC und werden gegen den Uhrzeigersinn beschriftet.
  • Die Seiten heißen aa, bb, cc, jede Seite trägt den Kleinbuchstaben der Ecke, die ihr gegenüberliegt.
  • Die Winkel heißen α\alpha, β\beta, γ\gamma, jeder Winkel sitzt an der gleichnamigen Ecke.
A↔α↔aB↔β↔bC↔γ↔cA \leftrightarrow \alpha \leftrightarrow a \qquad B \leftrightarrow \beta \leftrightarrow b \qquad C \leftrightarrow \gamma \leftrightarrow c

Warum Seite und Ecke gegenüberliegen

Das wirkt zunächst umständlich, warum liegt aa nicht an AA? Weil diese eindeutig ist: An der Ecke AA treffen sich zwei Seiten, gegenüber liegt aber genau eine.

Der Vorteil zeigt sich später ständig: „Die längste Seite liegt dem größten Winkel gegenüber" wird zu dem knappen Satz „aa ist am längsten, wenn α\alpha am größten ist".

Merkhilfe: Großbuchstabe = Ecke, gleicher Kleinbuchstabe = die Seite gegenüber, griechischer Buchstabe = der Winkel dort.

Dreiecksarten

Man ordnet Dreiecke nach Seiten und nach . Die vier häufigsten Formen siehst du in den Bildern unten, gleiche Seiten sind mit gleichen Strichen markiert, ein rechter Winkel mit einem .

Nach den Seiten:

  • gleichseitig: alle drei Seiten gleich lang (dann sind auch alle Winkel 60°60°).
  • gleichschenklig: (mindestens) zwei Seiten gleich lang, die Basiswinkel an der dritten Seite sind gleich groß.
  • unregelmäßig (allgemein): alle Seiten verschieden.

Nach den Winkeln: spitzwinklig (alle Winkel <90°< 90°), rechtwinklig (genau ein rechter Winkel), stumpfwinklig (genau ein stumpfer Winkel). Beide Einteilungen lassen sich kombinieren.

Warum die Basiswinkel gleich groß sind

Das steht oben als Tatsache, aber warum ist es so? Falte das gleichschenklige Dreieck gedanklich so, dass die beiden Schenkel aufeinanderfallen. Weil sie gleich lang sind, kommt dabei auch das eine Ende der Basis genau auf das andere zu liegen. Damit deckt der eine Basiswinkel den anderen, und was sich deckt, ist gleich groß.

Beim gleichseitigen Dreieck greift dasselbe Argument gleich zweimal, egal welche zwei Seiten du als Schenkel ansiehst. Deshalb sind dort alle drei Winkel gleich.

Das ist ein anschauliches Argument, kein förmlicher Beweis, den führst du in Klasse 7, wenn du lernst, wann zwei Dreiecke deckungsgleich sind. Nachprüfen kannst du es aber sofort: Schneide ein gleichschenkliges Dreieck aus Papier aus und falte es einmal längs.

allgemeines Dreieck

Ein allgemeines Dreieck: drei verschieden lange Seiten und drei verschiedene . Keine Seite ist ausgezeichnet.

gleichseitiges Dreieck

Beim gleichseitigen Dreieck sind alle drei Seiten gleich lang (gleiche Striche). Dann sind auch alle drei Winkel gleich. Jeder misst 60°60°.

gleichschenkliges Dreieck

Ein gleichschenkliges Dreieck hat zwei gleich lange Seiten, die Schenkel (gleich markiert). Die beiden Winkel an der Basis sind dann ebenfalls gleich groß.

rechtwinkliges Dreieck

Ein rechtwinkliges Dreieck hat einen 90°90°-Winkel (Quadrat-Markierung). Die beiden Seiten am rechten Winkel heißen Katheten, die längste Seite gegenüber ist die Hypotenuse.

Der Innenwinkelsatz

Zeichne irgendein Dreieck und miss seine drei . Zähle sie zusammen. Zeichne ein ganz anderes Dreieck und wiederhole das.

Du bekommst immer dasselbe Ergebnis:

α+β+γ=180°\alpha + \beta + \gamma = 180°

Das ist erstaunlich, die Dreiecke sehen doch völlig verschieden aus. Warum gilt das ausnahmslos?

Die Begründung mit Wechselwinkeln

Hier zahlt sich das vorige Kapitel aus. Der Beweis braucht nur eine einzige Hilfslinie.

Zeichne durch die Ecke CC eine Parallele zur Seite cc (also zur gegenüberliegenden Seite ABAB).

Jetzt hast du zwei parallele Geraden, die Seite cc und die neue Hilfslinie, und die Dreiecksseiten bb und aa schneiden beide. Genau die Situation aus dem Winkelkapitel:

  1. Die Seite bb schneidet die Parallelen. Der Winkel α\alpha taucht an der Hilfslinie als wieder auf, gleich groß.
  2. Die Seite aa schneidet die Parallelen. Der Winkel β\beta taucht ebenso als Wechselwinkel auf.
  3. An der Ecke CC liegen nun drei Winkel nebeneinander auf der Hilfslinie: α\alpha, γ\gamma und β\beta.

Und weil die Hilfslinie eine Gerade ist, bilden diese drei zusammen einen gestreckten Winkel:

α+γ+β=180°\alpha + \gamma + \beta = 180°

Damit ist es bewiesen, nicht durch Messen an Beispielen, sondern für jedes Dreieck. Die Wechselwinkel gelten ja unabhängig davon, wie das Dreieck aussieht.

Was daraus sofort folgt

Ein Dreieck kann höchstens einen rechten oder stumpfen Winkel haben. Denn zwei rechte Winkel wären schon 180°180°, für den dritten bliebe nichts übrig.

Zwei Winkel genügen. Kennst du zwei Winkel, ist der dritte festgelegt: γ=180°−α−β\gamma = 180° - \alpha - \beta. Du musst ihn nie messen.

Im gleichseitigen Dreieck ist jeder Winkel 60°60°: Nach dem Faltargument von oben sind dort alle drei Winkel gleich groß, und drei gleiche Winkel ergeben zusammen 180°180°, also 180°:3=60°180° : 3 = 60°.

Prüfe dich: Mit welcher einzigen Hilfslinie zeigt man, dass die Winkelsumme im Dreieck immer 180 Grad beträgt, und welchen Satz aus dem Winkelkapitel braucht man dafür?

Versuch es erst aus dem Kopf, am besten mit einer kleinen Skizze auf Papier.

Die Hilfslinie: eine Parallele zur Seite cc durch die gegenüberliegende Ecke CC. Mehr braucht es nicht.

Der Satz: der Wechselwinkelsatz aus dem vorigen Kapitel. Die Seiten bb und aa schneiden ja beide Parallelen, deshalb taucht α\alpha an der Hilfslinie wieder auf, und β\beta ebenso.

An der Ecke CC liegen dann drei nebeneinander auf einer Geraden: α\alpha, γ\gamma und β\beta. Eine Gerade ist ein gestreckter Winkel, also

α+γ+β=180°\alpha + \gamma + \beta = 180°

Und warum gilt das für jedes Dreieck? Weil in der Begründung nirgends vorkommt, wie das Dreieck aussieht. Der Wechselwinkelsatz gilt an jeder Parallelenfigur, ob das Dreieck spitz, flach oder schief ist, spielt keine Rolle. Genau das unterscheidet einen Beweis von einer Messreihe: Nachmessen zeigt dir ein paar Dreiecke, der Beweis alle auf einmal.

Die Dreiecksungleichung

Nimm drei Stäbe: 33 cm, 44 cm und 1010 cm lang. Versuche, daraus ein Dreieck zu legen.

Es geht nicht. Die beiden kurzen Stäbe erreichen die Enden des langen nicht. Sie sind zusammen nur 77 cm lang, die Lücke ist aber 1010 cm breit.

Die Bedingung

Damit ein Dreieck entsteht, muss jede Seite kürzer sein als die beiden anderen zusammen:

a+b>ca+c>bb+c>aa + b > c \qquad\qquad a + c > b \qquad\qquad b + c > a

Warum das so sein muss

Denk an den Weg von AA nach BB. Es gibt zwei Möglichkeiten:

  • direkt über die Seite cc,
  • über die Ecke CC, also über bb und dann aa.

Der direkte Weg ist immer der kürzeste, ein Umweg über einen anderen Punkt kann nie kürzer sein. Genau das sagt a+b>ca + b > c.

Kurz: Die Dreiecksungleichung ist nichts anderes als „die gerade Verbindung ist der kürzeste Weg".

Der schnelle Check

Du musst nicht alle drei Ungleichungen prüfen. Es genügt, die längste Seite zu betrachten:

die beiden ku¨rzeren Seiten zusammen>la¨ngste Seite\text{die beiden kürzeren Seiten zusammen} > \text{längste Seite}

Ist diese Bedingung erfüllt, sind die anderen beiden automatisch erfüllt, die längste Seite ist ja schon größer als jede einzelne andere.

Der Grenzfall: Bei Gleichheit (etwa 3+7=103 + 7 = 10) entsteht kein Dreieck, sondern eine flache Strecke. Die Ecke CC läge dann genau auf der Seite cc; der bei CC wäre 180°180°, und für die anderen beiden bliebe nichts.

Und damit zurück zur Frage vom Anfang

Passen drei Stäbe zusammen, dann entsteht daraus genau eine Dreiecksform, du kannst sie drehen und umklappen, aber nicht verbiegen, ohne eine Seite zu verändern. Probier dagegen einmal ein aus vier Stäben: Das lässt sich zusammendrücken wie ein Scherengitter.

Deshalb stecken Kräne, Strommasten und Fahrradrahmen voller Dreiecke. Nicht weil Dreiecke besonders stabiles Material wären, sondern weil ihre Form durch die Seitenlängen bereits festgelegt ist. (Dass drei Seitenlängen die Form wirklich eindeutig bestimmen, wirst du in Klasse 7 beweisen.)

Dritten Winkel berechnen

In einem Dreieck sind α=47°\alpha = 47° und β=68°\beta = 68°. Berechne γ\gamma.

  1. 1

    Welcher Satz passt? Gesucht ist ein im Dreieck, zwei andere sind bekannt. Das ist genau der Fall für den Innenwinkelsatz:

    α+β+γ=180°\alpha + \beta + \gamma = 180°

    Warum genügen zwei Winkel? Weil die Summe fest bei 180°180° liegt. Der dritte Winkel ist damit kein freier Wert mehr, sondern eindeutig bestimmt.

  2. 2

    Schritt 1: Die Formel nach dem Gesuchten umstellen.

    α+β+γ=180°∣  −α−β\alpha + \beta + \gamma = 180° \quad\Big|\; -\alpha - \beta γ=180°−α−β\gamma = 180° - \alpha - \beta
  3. 3

    Schritt 2: Werte einsetzen.

    γ=180°−47°−68°\gamma = 180° - 47° - 68°
  4. 4

    Schritt 3: Schrittweise ausrechnen. Erst die beiden bekannten Winkel zusammenzählen:

    47°+68°=115°47° + 68° = 115°

    Dann von 180°180° abziehen:

    γ=180°−115°=65°\gamma = 180° - 115° = 65°
  5. 5

    Schritt 4: Die Probe. Setze alle drei Winkel in den Innenwinkelsatz ein:

    47°+68°+65°=180°  ✓47° + 68° + 65° = 180° \;\checkmark

    Diese Probe kostet Sekunden und findet jeden Rechenfehler.

  6. 6

    Schritt 5: Das Ergebnis einordnen. Alle drei Winkel sind kleiner als 90°90°:

    47°<90°68°<90°65°<90°47° < 90° \qquad 68° < 90° \qquad 65° < 90°

    Das Dreieck ist also spitzwinklig. Diese Zusatzinformation wird in Aufgaben oft mitgefragt.

    Und eine Plausibilitätsprüfung: Alle Winkel sind positiv und kleiner als 180°180° ✓ Käme ein negativer Wert heraus, wären die Angaben unmöglich gewesen (zwei Winkel dürfen zusammen nie 180°180° erreichen).

γ=65°\gamma = 65°, das Dreieck ist spitzwinklig.

Zum Mitnehmen: Aus zwei Winkeln folgt der dritte immer über γ=180°−α−β\gamma = 180° - \alpha - \beta. Die Probe ist das Aufaddieren aller drei Winkel auf 180°180°.

Basiswinkel im gleichschenkligen Dreieck

In einem gleichschenkligen Dreieck beträgt der an der Spitze γ=40°\gamma = 40°. Wie groß sind die beiden Basiswinkel?

  1. 1

    Was bedeutet „gleichschenklig"? Zwei Seiten (die Schenkel) sind gleich lang. Die dritte Seite heißt Basis.

    Die entscheidende Eigenschaft: Die beiden Winkel an der Basis sind gleich groß. Das ist der Schlüssel zur Aufgabe, ohne diese Information wären zwei Unbekannte nicht bestimmbar.

    Die Spitze ist die Ecke, an der die beiden Schenkel zusammentreffen; dort sitzt der gegebene Winkel γ=40°\gamma = 40°.

  2. 2

    Schritt 1: Das Wissen sortieren. Nenne die beiden Basiswinkel α\alpha und β\beta. Bekannt ist:

    γ=40°undα=β\gamma = 40° \qquad\text{und}\qquad \alpha = \beta

    Zwei Unbekannte, aber sie sind gleich. Es bleibt also nur ein unbekannter Wert.

  3. 3

    Schritt 2: Den Innenwinkelsatz ansetzen.

    α+β+γ=180°\alpha + \beta + \gamma = 180°

    Weil α=β\alpha = \beta ist, kannst du beide zusammenfassen:

    2α+γ=180°2\alpha + \gamma = 180°
  4. 4

    Schritt 3: Nach α\alpha umstellen und einsetzen.

    2α=180°−γ=180°−40°=140°2\alpha = 180° - \gamma = 180° - 40° = 140°

    Was diese 140°140° bedeuten: Das ist der Anteil, den sich die beiden Basiswinkel teilen müssen.

  5. 5

    Schritt 4: Halbieren. Weil beide Basiswinkel gleich groß sind, bekommt jeder die Hälfte:

    α=140°2=70°\alpha = \frac{140°}{2} = 70° α=β=70°\alpha = \beta = 70°

    Das Halbieren ist der Schritt, der oft vergessen wird. Dann steht 140°140° als Antwort da, was für einen einzelnen Basiswinkel viel zu groß wäre.

  6. 6

    Schritt 5: Die Probe.

    70°+70°+40°=180°  ✓70° + 70° + 40° = 180° \;\checkmark
  7. 7

    Schritt 6: Plausibilität. Der Winkel an der Spitze ist mit 40°40° recht klein, das Dreieck ist also schmal und hoch. Bei so einer Form müssen die Basiswinkel groß sein, und 70°70° passt dazu ✓

    Eine nützliche Gegenprobe im Kopf: Wäre die Spitze 60°60°, kämen für die Basiswinkel ebenfalls 60°60° heraus, das gleichseitige Dreieck. Weil unsere Spitze kleiner als 60°60° ist, müssen die Basiswinkel größer als 60°60° sein ✓

Beide Basiswinkel betragen 70°70°.

Zum Mitnehmen: „Gleichschenklig" liefert die zusätzliche α=β\alpha = \beta, erst dadurch ist die Aufgabe lösbar. Rechne den Rest zu 180°180° aus und halbiere ihn auf die beiden gleichen Winkel.

Dreiecksungleichung prüfen

Kann es ein Dreieck mit den Seitenlängen a=3a = 3 cm, b=4b = 4 cm und c=8c = 8 cm geben?

  1. 1

    Was ist zu prüfen? Ob sich aus diesen drei Längen überhaupt ein Dreieck legen lässt. Dafür gibt es die Dreiecksungleichung: Jede Seite muss kürzer sein als die beiden anderen zusammen.

    Vorüberlegung: 88 cm ist mehr als doppelt so lang wie die anderen Seiten. Das sieht kritisch aus.

  2. 2

    Schritt 1: Die längste Seite bestimmen. Vergleiche die drei Werte:

    3<4<83 < 4 < 8

    Die längste Seite ist c=8c = 8 cm.

    Warum nur diese zählt: Wenn schon die längste Seite die Bedingung erfüllt, tun es die kürzeren automatisch. Es genügt also eine Prüfung statt drei.

  3. 3

    Schritt 2: Die beiden kürzeren Seiten addieren.

    a+b=3 cm+4 cm=7 cma + b = 3\,\text{cm} + 4\,\text{cm} = 7\,\text{cm}
  4. 4

    Schritt 3: Vergleichen. Die Bedingung verlangt, dass diese Summe größer als die längste Seite ist:

    7 cm>8 cm  ?Nein(7<8)7\,\text{cm} > 8\,\text{cm}\;? \qquad\textbf{Nein} \qquad (7 < 8)

    Die Bedingung ist verletzt.

  5. 5

    Schritt 4: Die Antwort formulieren. Es kann kein Dreieck mit diesen Seitenlängen geben.

    Warum nicht, anschaulich: Lege die 88-cm-Seite hin. Von ihrem einen Ende reicht der 33-cm-Stab, vom anderen der 44-cm-Stab. Zusammen überbrücken sie nur 77 cm. Es bleibt eine Lücke von 11 cm. Die beiden Stäbe treffen sich nie.

  6. 6

    Schritt 5: Der Grenzfall zum Vergleich. Was wäre bei c=7c = 7 cm?

    3+4=7also7>7  ist falsch3 + 4 = 7 \qquad\text{also}\qquad 7 > 7 \;\textbf{ist falsch}

    Auch dann entsteht kein Dreieck: Die beiden kurzen Seiten würden flach auf der langen liegen, alle drei Punkte auf einer Geraden. Man nennt das ein „entartetes" Dreieck.

    Erst ab c<7c < 7 cm (etwa 66 cm) entsteht eine echte Dreiecksfläche.

Nein, ein solches Dreieck gibt es nicht, denn 3 cm+4 cm=7 cm<8 cm3\,\text{cm} + 4\,\text{cm} = 7\,\text{cm} < 8\,\text{cm}.

Zum Mitnehmen: Prüfe nur die längste Seite: Sind die beiden anderen zusammen länger als sie, existiert das Dreieck. Bei Gleichheit entsteht nur eine flache Strecke.

Typischer Fehler

„Ich zeichne ein Dreieck mit zwei rechten , eine Ecke unten links, eine unten rechts …"

Zwei rechte Winkel verbrauchen schon 90°+90°=180°90° + 90° = 180°, für den dritten Winkel bliebe 0°0°! Die beiden „senkrechten" Seiten wären parallel und würden sich nie treffen. Der Innenwinkelsatz erlaubt höchstens einen rechten (oder stumpfen) Winkel pro Dreieck.

Übung 1

leicht

Berechne den fehlenden : a) α=63°\alpha = 63°, β=71°\beta = 71° b) α=90°\alpha = 90°, β=45°\beta = 45°

Tipp anzeigen

Innenwinkelsatz!

Lösung anzeigen

a) γ=180°−63°−71°=46°\gamma = 180° - 63° - 71° = 46°

b) γ=180°−90°−45°=45°\gamma = 180° - 90° - 45° = 45°, ein gleichschenklig-rechtwinkliges Dreieck!

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Den Innenwinkelsatz einsetzen

    In jedem Dreieck gilt α+β+γ=180°\alpha + \beta + \gamma = 180°. Zwei Winkel sind bekannt, der dritte ist der Rest bis 180°180°.

  2. 2

    a) und b) ausrechnen

    a) γ=180°−63°−71°=46°\gamma = 180° - 63° - 71° = 46°. b) γ=180°−90°−45°=45°\gamma = 180° - 90° - 45° = 45°.

    180°−(63°+71°)=46°180° - (63° + 71°) = 46°

  3. 3

    b) Das besondere Dreieck erkennen

    In b) sind zwei Winkel gleich (45°45°) und einer ist 90°90°: ein gleichschenklig-rechtwinkliges Dreieck, das „halbe ".

Übung 2

mittel

Kann ein Dreieck mit diesen Seiten existieren? a) 5,6,105, 6, 10 b) 2,3,52, 3, 5 c) 4,4,44, 4, 4

Tipp anzeigen

Kürzeste + zweitkürzeste > längste?

Lösung anzeigen

a) 5+6=11>105 + 6 = 11 > 10 ✓ → ja

b) 2+3=5=52 + 3 = 5 = 5 → nein (nur eine flache Strecke, kein echtes Dreieck)

c) 4+4=8>44 + 4 = 8 > 4 ✓ → ja (gleichseitig)

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Die Dreiecksungleichung als Kriterium

    Ein Dreieck existiert nur, wenn die beiden KÜRZEREN Seiten zusammen länger sind als die längste: Sonst können sich ihre Enden nicht über der längsten Seite treffen.

  2. 2

    a) bis c) prüfen

    a) 5+6=11>105 + 6 = 11 > 10 ✓ → ja. b) 2+3=5=52 + 3 = 5 = 5 → nein (nur gleich, nicht größer). c) 4+4=8>44 + 4 = 8 > 4 ✓ → ja, sogar gleichseitig.

    b) 2+3=5≯52 + 3 = 5 \not> 5

  3. 3

    Das Kriterium bewusst formulieren

    Merksatz: Ein Dreieck aus aa, bb, cc existiert genau dann, wenn die Summe der zwei kleineren Seiten GRÖSSER als die größte ist.

Übung 3

schwer

In einem gleichschenkligen Dreieck ist ein Basiswinkel dreimal so groß wie der an der Spitze. Berechne alle drei Winkel.

Tipp anzeigen

Spitze =x= x, Basiswinkel =3x= 3x, stelle eine auf.

Lösung anzeigen

Spitzenwinkel xx, Basiswinkel je 3x3x:

x+3x+3x=180°  ⇒  7x=180°  ⇒  x=180°7≈25,7°x + 3x + 3x = 180° \;\Rightarrow\; 7x = 180° \;\Rightarrow\; x = \frac{180°}{7} \approx 25{,}7°

Winkel: Spitze ≈25,7°\approx 25{,}7°, Basiswinkel je ≈77,1°\approx 77{,}1°. (Kontrolle: Summe =180°= 180° ✓)

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Winkel mit einer Variablen benennen

    Nenne den Spitzenwinkel xx. Die BEIDEN Basiswinkel sind im gleichschenkligen Dreieck gleich groß, jeder ist laut Aufgabe 3x3x.

  2. 2

    Innenwinkelsatz als Gleichung

    Alle drei Winkel zusammen: x+3x+3x=180°x + 3x + 3x = 180°, also 7x=180°7x = 180° und x=180°7≈25,7°x = \frac{180°}{7} \approx 25{,}7°.

    x+3x+3x=7x=180°x + 3x + 3x = 7x = 180°

    Zwischenergebnis

    x=180°7≈25,7°x = \frac{180°}{7} \approx 25{,}7°

  3. 3

    Alle Winkel angeben und prüfen

    Spitze ≈25,7°\approx 25{,}7°, Basiswinkel je 3x≈77,1°3x \approx 77{,}1°. Kontrolle: 25,7°+77,1°+77,1°≈180°25{,}7° + 77{,}1° + 77{,}1° \approx 180° ✓.

Zusammenfassung

Dreiecke klassifizierst du doppelt, nach Seiten und nach . Der Innenwinkelsatz (180°180°) macht aus zwei bekannten Winkeln immer den dritten, beim gleichschenkligen Dreieck helfen die gleichen Basiswinkel. Und bevor du konstruierst, prüft die Dreiecksungleichung, ob das Dreieck überhaupt existieren kann.