Schwingungen und Wellen
Federschwinger und Fadenpendel
Warum die Schwingungsdauer eines Pendels nicht von der Masse abhängt und die eines Federschwingers sehr wohl.
Benötigte Grundlagen
Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.
Einführung
Über dreihundert Jahre lang war ein Fadenpendel die genaueste Uhr der Welt. Erst im 20. Jahrhundert wurde es von Quarz und Atomuhren abgelöst.
Der Grund für diesen langen Erfolg steckt in einer Formel, die etwas Erstaunliches nicht enthält: die . Ob man eine Bleikugel oder einen Korken aufhängt, ändert an der nichts. Und die kommt auch nicht vor, jedenfalls solange sie klein bleibt.
Beim Federschwinger ist es genau umgekehrt: Dort hängt alles an der Masse. Warum das so ist und warum es so sein muss, klärt dieses Kapitel.
Das kannst du nach diesem Kapitel
die des Federschwingers herleiten und anwenden.
die Schwingungsdauer des Fadenpendels angeben.
begründen, warum die beim Pendel herausfällt.
die Kleinwinkelnäherung als Voraussetzung erkennen.
den Ortsfaktor aus einer Pendelmessung bestimmen.
beide Systeme energetisch beschreiben.
Der Federschwinger
Eine hängt an einer Feder mit der . Lenkt man sie um aus, wirkt nach dem Hookeschen Gesetz die
Das ist genau das lineare Kraftgesetz. Der Federschwinger ist also von sich aus harmonisch, ohne jede Näherung.
Mit aus dem vorigen Kapitel folgt
Was in der Formel steht:
- Größere Masse bedeutet größere Trägheit, also langsamere .
- Härtere Feder bedeutet stärkere Rückstellung, also schnellere Schwingung.
Was nicht darin steht: die . Ein weit ausgelenkter Federschwinger braucht für eine Schwingung genauso lange wie ein wenig ausgelenkter. Er legt zwar mehr Weg zurück, ist dabei aber entsprechend schneller.
🔴 Die Formel gilt auch für eine waagerecht liegende Feder. Beim senkrecht hängenden Schwinger verschiebt die nur die Ruhelage; um diese neue Ruhelage schwingt der Körper mit derselben Dauer. Die Gewichtskraft beeinflusst also die Ruhelage, nicht die .
Vierfache ergibt die doppelte , vierfache Federhärte die halbe, nicht das Vierfache und nicht ein Viertel. Der Grund steht in der Formel: m und D stehen unter der Wurzel. Wer das einmal an diesen Zahlen nachvollzogen hat, muss sich die Wirkungsrichtung nicht merken.
Das Fadenpendel
Eine hängt an einem Faden der Länge . Lenkt man sie um den Winkel aus, wirkt die rücktreibende Komponente der
🔴 Das ist kein lineares Kraftgesetz, denn ist nicht proportional zu . Streng genommen ein Fadenpendel also nicht harmonisch.
Für kleine Winkel gilt jedoch die Näherung
Mit der Auslenkung folgt
und damit ein lineares Kraftgesetz mit .
Einsetzen in :
Warum die Masse herausfällt
🔴 Die kürzt sich vollständig heraus. Der Grund ist derselbe wie beim freien Fall: Die rücktreibende ist hier die , und die ist der Masse proportional. Eine größere Masse wird also stärker zurückgetrieben, ist aber im selben Verhältnis träger.
Beim Federschwinger gilt das nicht: Dort kommt die Rückstellung von der Feder und hat mit der Masse nichts zu tun. Deshalb bleibt in der Formel stehen.
Der Unterschied auf einen Blick:
| Federschwinger | Fadenpendel | |
|---|---|---|
| Rückstellung durch | Feder | Gewichtskraft |
| hängt ab von | und | und |
| Masse im Ergebnis | ja | nein |
| Harmonisch | exakt | nur für kleine Winkel |
Rechts steht die ganze Begründung in drei Zeilen: Die rücktreibende ist proportional zur , aber die teilt diese Kraft durch dieselbe Masse. Deshalb kürzt sich m heraus. Anders gesagt: Eine schwere Kugel wird stärker gezogen, ist aber im selben Maß träger. Der Zusatz „nur für kleine Winkel“ ist keine Formsache: Die Näherung sin φ ≈ φ ist bei 5° auf 0,1 % genau, bei 45° schon um 10 % daneben.
Die Gültigkeitsgrenze
Die Kleinwinkelnäherung ist gut, solange klein bleibt:
| Fehler in | |
|---|---|
| rund | |
| rund | |
| rund | |
| rund |
Bei größeren Winkeln das Pendel langsamer als die Formel angibt, weil die tatsächliche rücktreibende () kleiner ist als die genäherte ().
In der Praxis rechnet man bis etwa ohne Korrektur.
Der Ortsfaktor aus einer Pendelmessung
Stellt man nach um:
Damit lässt sich der Ortsfaktor mit einem Faden, einem Gewicht und einer Uhr auf drei Stellen genau bestimmen. Genau so wurde jahrhundertelang die Abplattung der Erde nachgewiesen: Am Äquator ist kleiner als an den Polen, und ein Pendel dort messbar langsamer.
Messtipp: Man misst nicht eine, sondern etwa zwanzig Schwingungen und teilt. Der Zeitmessfehler verteilt sich dadurch auf zwanzig Perioden und wird zwanzigmal kleiner.
Energiebetrachtung
Für beide Systeme gilt dasselbe Muster:
| Umkehrpunkt | Ruhelage | |
|---|---|---|
| Federschwinger | ||
| Fadenpendel |
Beim Pendel ist die Hubhöhe im Umkehrpunkt. Aus folgt
🔴 Auch hier kürzt sich die heraus, aus demselben Grund wie oben. Das ist dieselbe Formel wie für einen frei fallenden Körper aus der Höhe , was nicht überrascht: Das Pendel fällt gewissermaßen auf einer .
Beide Formeln anwenden
a) Ein Federschwinger hat und . Wie groß ist ?
b) Wie ändert sich , wenn man die vervierfacht?
c) Wie lang muss ein Fadenpendel sein, damit beträgt ()?
d) Wie ändert sich seine auf dem Mond ()?
- 1
a)
Einheitenprobe: ✓
- 2
b) Da , bedeutet vierfache Masse
Die Schwingungsdauer verdoppelt sich, sie vervierfacht sich nicht. Die Wurzel dämpft die Wirkung ab.
- 3
c) Nach umstellen:
🔴 Ein Pendel von rund einem Meter Länge hat eine Schwingungsdauer von zwei Sekunden, braucht also für einen Hin- oder Hergang genau eine Sekunde. Das ist das Sekundenpendel, die Grundlage der klassischen Pendeluhr, und der Grund für die typische Bauhöhe von Standuhren.
- 4
d) Auf dem Mond ist kleiner, das Pendel also langsamer:
Eine Pendeluhr ginge auf dem Mond also erheblich nach, und zwar auf weniger als die Hälfte der . Man müsste den Pendelstab auf etwa kürzen, um wieder zu erreichen.
🔴 Ein Federschwinger dagegen ginge auf dem Mond völlig unverändert, weil in kein vorkommt. Nur die Ruhelage verschöbe sich, weil die Feder weniger stark gedehnt wird.
Das ist der schärfste Unterschied zwischen beiden Systemen: Das Pendel misst gewissermaßen die Schwerkraft mit, der Federschwinger nicht. Deshalb benutzt man Pendel zur Bestimmung des Ortsfaktors und Federschwinger für Uhren, die überall gleich gehen sollen.
a) b) sie verdoppelt sich auf c) rund (Sekundenpendel) d) rund , die Uhr ginge deutlich nach.
Warum die Masse beim Pendel herausfällt
Ein Schüler behauptet: „Eine schwere Kugel muss schneller schwingen als eine leichte, denn sie wird stärker von der Erde angezogen."
Nimm Stellung und begründe, warum beim Federschwinger die dagegen sehr wohl eine Rolle spielt.
- 1
Der erste Teil der Behauptung stimmt. Eine schwere Kugel wird tatsächlich stärker angezogen:
Verdoppelt man die Masse, verdoppelt sich die rücktreibende .
- 2
Übersehen wird die Trägheit. Nach ist die
Die Masse kürzt sich heraus. Die doppelte Kraft wirkt auf die doppelte Masse und erzeugt genau dieselbe Beschleunigung.
Die schwere Kugel wird also stärker gezogen, ist aber im selben Verhältnis schwerer in Bewegung zu setzen. Beides gleicht sich exakt aus.
- 3
Dasselbe kennst du vom freien Fall. Im Vakuum fallen Feder und Bleikugel gleich schnell, aus genau demselben Grund. Galilei zeigte das, und ein Fadenpendel ist im Kern ein Fall auf einer .
Der tiefere Grund ist die Gleichheit von träger und schwerer Masse: Dieselbe Zahl, die die Trägheit bestimmt, bestimmt auch die . Diese Übereinstimmung ist keineswegs selbstverständlich; sie wurde mit immer höherer Genauigkeit geprüft und ist der Ausgangspunkt von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie.
Die Formel enthält deshalb tatsächlich keine Masse, und der Versuch bestätigt es: Eine Bleikugel und ein Korken an gleich langen Fäden schwingen im Gleichtakt.
- 4
Warum es beim Federschwinger anders ist.
Dort kommt die Rückstellung nicht von der Gewichtskraft, sondern von der Feder:
In dieser Kraft kommt die Masse nicht vor. Sie hängt nur von der und der Auslenkung ab.
Die Beschleunigung ist also
und hier kürzt sich nichts. Eine doppelt so schwere Masse erfährt dieselbe Kraft, ist aber doppelt so träge und wird deshalb nur halb so stark beschleunigt. Die wird langsamer:
🔴 Die entscheidende Frage lautet also immer: Ist die rücktreibende Kraft der Masse proportional?
- Ja (Gewichtskraft): Masse kürzt sich heraus. → Fadenpendel
- Nein (Federkraft): Masse bleibt stehen. → Federschwinger
Eine Probe auf das Verständnis: Auf dem Mond schwingt ein Fadenpendel deutlich langsamer, ein Federschwinger dagegen unverändert. Wer den obigen Unterschied verstanden hat, kann das ohne Rechnung vorhersagen.
Die schwere Kugel wird stärker gezogen, ist aber im gleichen Verhältnis träger; beim Pendel kürzt sich die Masse deshalb heraus. Beim Federschwinger kommt die Rückstellung von der Feder und ist massenunabhängig, weshalb stehen bleibt.
Typischer Fehler
„Wenn ich das Pendel weiter auslenke, braucht es länger für eine , weil der Weg länger ist."
Die bleibt (bei kleinen Winkeln) gleich. In kommt die nicht vor.
Warum der längere Weg nichts ausmacht: Bei größerer Auslenkung ist auch die rücktreibende größer. Das Pendel wird also stärker und ist unterwegs schneller. Der längere Weg und die höhere gleichen sich genau aus.
Der Nachweis im Versuch: Zwei gleich lange Pendel, eines mit , eines mit ausgelenkt, bleiben über viele Schwingungen im Takt. Das ist mit einfachen Mitteln überprüfbar.
Warum das historisch so wichtig war: Genau diese Eigenschaft (die Isochronie) machte das Pendel zur Uhr. Eine Pendeluhr läuft langsam ab, ihr Ausschlag wird kleiner, und trotzdem geht sie richtig. Wäre die Schwingungsdauer amplitudenabhängig, ginge jede Uhr mit nachlassender Feder falsch.
Galilei bemerkte diese Eigenschaft angeblich an einer schwingenden Kirchenlampe, deren Takt er mit seinem Puls verglich. Huygens baute 1656 die erste Pendeluhr, und über dreihundert Jahre lang war sie das genaueste Zeitmessgerät der Welt.
Die ehrliche Einschränkung: Streng gilt das nur bei kleinen Winkeln, denn dort steckt die Näherung . Bei größeren Auslenkungen schwingt das Pendel tatsächlich langsamer:
| Auslenkung | Abweichung |
|---|---|
Bei ginge eine Pendeluhr etwa Minuten am Tag nach. Deshalb arbeiten Pendeluhren mit sehr kleinen Ausschlägen von wenigen Grad.
Interessant: Die Vermutung des Schülers ist also nicht einfach falsch, sondern beschreibt genau den Effekt, der bei großen Winkeln tatsächlich auftritt. Falsch ist nur die Begründung und die Annahme, es gelte immer.
Übung 1
leichta) Ein Federschwinger hat und . Wie groß ist ?
b) Wie groß ist die eines langen Fadenpendels?
c) Warum kommt beim Fadenpendel die nicht vor?
Tipp anzeigen
b) .
Lösung anzeigen
a)
b)
c) Weil die rücktreibende die ist und diese der Masse proportional ist:
Eine größere Masse wird stärker zurückgetrieben, ist aber im selben Verhältnis träger. Beides hebt sich exakt auf, genau wie beim freien Fall.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Gegeben und Gesucht bei Federschwinger und Fadenpendel
a) und ; gesucht die Schwingungsdauer. b) Fadenpendel mit und . c) eine Begründung, warum beim Pendel die Masse fehlt.
- 2
Zwei Schwingungsdauern mit verschiedenen Rückstellmechanismen
Für den Federschwinger gilt , für das Fadenpendel . Beide folgen aus derselben allgemeinen Formel, nur mit verschiedener Rückstellgröße.
- 3
a) und b) Beide Schwingungsdauern berechnen
Jeweils die Wurzel bilden und mit multiplizieren; die Pendellänge vorher in Meter umschreiben.
;
Zwischenergebnis
bzw.
- 4
c) Ergebnis deuten: warum die Pendelmasse herausfällt
Weil die rücktreibende Kraft die Gewichtskraft ist und diese der Masse proportional ist: . Eine größere Masse wird stärker zurückgetrieben, ist aber im selben Verhältnis träger.
Übung 2
mittela) Ein Pendel führt in genau aus. Bestimme daraus den Ortsfaktor, wenn beträgt.
b) Warum misst man viele Schwingungen statt einer?
c) Wie ändert sich eines Federschwingers auf dem Mond? Begründe.
d) Bis zu welchem Winkel darf man die Pendelformel verwenden?
Tipp anzeigen
a) Erst bestimmen, dann .
Lösung anzeigen
a) :
Ortsfaktor:
Das liegt rund über dem Tabellenwert von , also im Rahmen der Messgenauigkeit eines einfachen Schulversuchs.
b) Weil sich der Zeitmessfehler dadurch auf viele Perioden verteilt.
Misst man eine einzelne Schwingung von etwa und liegt beim Starten und Stoppen um insgesamt daneben, beträgt der Fehler rund .
Misst man Schwingungen (etwa ), verteilt sich derselbe absolute Fehler auf Perioden. Der relative Fehler sinkt auf rund , also auf ein Zweiundvierzigstel.
🔴 Das ist ein allgemeines Messprinzip: Wenn der Fehler an den Rändern der Messung entsteht (beim Starten und Stoppen), verkleinert man ihn, indem man den Messbereich vergrößert. Dasselbe steckt hinter langen Zählzeiten beim Geiger-Zähler und hinter langen Belichtungszeiten in der Astronomie.
Zweiter Messtipp: Man startet die Uhr beim Durchgang durch die Ruhelage, nicht am Umkehrpunkt. Dort ist das Pendel am schnellsten und der Zeitpunkt am genauesten zu treffen; am Umkehrpunkt verweilt es scheinbar und der Moment ist schlecht zu erkennen.
c) Sie ändert sich überhaupt nicht.
In dieser Formel kommt der Ortsfaktor nicht vor. Die Rückstellung liefert die Feder, und ihre ist eine Materialeigenschaft, die von der Schwerkraft unabhängig ist.
Was sich ändert: Die Ruhelage verschiebt sich. Auf dem Mond dehnt dieselbe die Feder nur etwa ein Sechstel so weit. Um diese neue Ruhelage schwingt der Körper aber mit unveränderter Schwingungsdauer.
🔴 Der Vergleich mit dem Pendel macht den Unterschied deutlich: Ein Fadenpendel schwingt auf dem Mond rund -mal langsamer, ein Federschwinger genau gleich. Wer das vorhersagen kann, hat den Unterschied zwischen den beiden Rückstellmechanismen verstanden.
Praktische Anwendung: Genau deshalb benutzt man in der Raumfahrt zur Massenbestimmung Schwingungsmessungen mit Federn. In der Schwerelosigkeit versagt jede Waage, weil sie misst. Ein Federschwinger misst dagegen die träge Masse und funktioniert dort unverändert. So wird auf der ISS das Körpergewicht der Besatzung bestimmt.
d) Die Formel beruht auf der Näherung (Bogenmaß), die nur für kleine Winkel gilt.
| Auslenkung | Fehler in |
|---|---|
In der Praxis rechnet man bis etwa ohne Korrektur, dort liegt der Fehler unter der üblichen Messgenauigkeit eines Schulversuchs.
Bei größeren Winkeln schwingt das Pendel stets langsamer als berechnet, weil die tatsächliche rücktreibende () kleiner ist als die genäherte (). Die Formel liefert dort also zu kleine Werte für .
Konsequenz für Pendeluhren: Sie arbeiten mit sehr kleinen Ausschlägen von wenigen Grad, damit die Isochronie erhalten bleibt. Zusätzlich sorgt eine Hemmung dafür, dass die über die Zeit möglichst konstant bleibt.
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Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Gegeben und Gesucht bei der Ortsfaktor-Messung
Gegeben: Schwingungen in bei . Gesucht: a) der Ortsfaktor, b) eine Begründung zur Messmethode, c) das Verhalten auf dem Mond, d) die Winkelgrenze.
- 2
a) Die Pendelformel als Messvorschrift lesen
Es gilt . In dieser Beziehung stehen drei Größen, von denen zwei leicht messbar sind: Länge und Zeit. Also lässt sich die dritte, der Ortsfaktor, daraus bestimmen.
- 3
a) Die Pendelformel nach dem Ortsfaktor umstellen
Aus folgt durch Quadrieren und damit .
- 4
a) Schwingungsdauer und Ortsfaktor
Erst die Schwingungsdauer als Gesamtzeit durch Anzahl, dann in die umgestellte Formel einsetzen.
;
Zwischenergebnis
- 5
b) Warum man viele Schwingungen misst
Weil sich der Zeitmessfehler dadurch auf viele Perioden verteilt. Bei einer einzelnen Schwingung von und einem Fehler von wären das rund ; bei Schwingungen sinkt der relative Fehler auf rund .
- 6
c) und d) Ergebnis deuten: Mond und Winkelgrenze
c) Die Schwingungsdauer des Federschwingers ändert sich auf dem Mond überhaupt nicht, in kommt der Ortsfaktor nicht vor. Was sich ändert, ist die Ruhelage. d) Die Pendelformel beruht auf ; bis etwa liegt der Fehler unter .
Übung 3
schwera) Leite die Formel für das Fadenpendel her und benenne die Näherung.
b) Erkläre, warum ein Federschwinger exakt harmonisch ist, ein Fadenpendel aber nur näherungsweise.
c) Warum verschiebt beim senkrecht hängenden Federschwinger die nur die Ruhelage?
d) Warum konnten Pendel jahrhundertelang die genauesten Uhren sein?
Tipp anzeigen
a) Zerlege die Gewichtskraft in Komponenten.
Lösung anzeigen
a) Schritt 1: Rücktreibende . Bei Auslenkung um den Winkel zerlegt man die Gewichtskraft in eine Komponente längs des Fadens (die der Faden aufnimmt) und eine senkrecht dazu:
Das Minuszeichen bedeutet, dass sie zur Ruhelage zurücktreibt.
Schritt 2: Die Näherung. Für kleine Winkel im Bogenmaß gilt
Dies ist die entscheidende Näherung, ohne die die Herleitung nicht funktioniert.
Schritt 3: Auf den Bogen umschreiben. Mit der Bogenlänge , also :
Das ist ein lineares Kraftgesetz mit
Schritt 4: In die allgemeine Formel einsetzen.
Die kürzt sich heraus, weil sie sowohl in der Trägheit als auch in der Rückstellgröße steckt.
b) Federschwinger: exakt. Das
ist von sich aus linear, ohne jede Näherung. Es gilt im gesamten elastischen Bereich der Feder. Der Federschwinger erfüllt die Bedingung für Harmonizität also exakt.
Fadenpendel: nur näherungsweise. Die rücktreibende Kraft
ist nicht proportional zu , denn der Sinus wächst langsamer als sein Argument. Streng genommen ist die Pendelschwingung deshalb nicht harmonisch, und ihre hängt von der ab.
Erst die Näherung für kleine Winkel macht sie harmonisch.
🔴 Die ehrliche Formulierung lautet also: Das Fadenpendel für kleine Auslenkungen näherungsweise harmonisch. Wer es ohne diesen Zusatz als harmonischen Oszillator bezeichnet, verschweigt die Voraussetzung.
Grenze der Elastizität: Auch beim Federschwinger gibt es eine Grenze. Überdehnt man die Feder, verlässt man den elastischen Bereich, das Hookesche Gesetz gilt nicht mehr, und die Feder wird bleibend verformt.
c) Weil eine konstante Zusatzkraft nur die Gleichgewichtslage verschiebt.
Hängt die Masse senkrecht, dehnt die Gewichtskraft die Feder zunächst um ein Stück , bis Gleichgewicht herrscht:
Lenkt man nun um aus dieser neuen Ruhelage aus, gilt für die resultierende Kraft:
Die konstanten Anteile heben sich exakt auf. Übrig bleibt genau das ursprüngliche lineare Kraftgesetz.
Deshalb gilt für die senkrechte Feder dieselbe Formel wie für die waagerechte:
🔴 Allgemeine Einsicht: Eine konstante Kraft verschiebt bei einem linearen System nur die Ruhelage, ändert aber die Schwingungsdauer nicht. Das gilt für jedes harmonische System und ist ein nützliches Werkzeug: Man darf konstante Zusatzkräfte einfach in die Ruhelage einrechnen.
d) Vier Gründe, die zusammenwirken:
1. Die Schwingungsdauer hängt nicht von der Amplitude ab (Isochronie). Läuft die Uhr ab und wird der Ausschlag kleiner, geht sie trotzdem richtig. Ohne diese Eigenschaft wäre eine mechanische Uhr unbrauchbar.
2. Sie hängt nicht von der Masse ab. Verschmutzung, Abnutzung oder ein anderes Pendelgewicht ändern nichts.
3. Sie hängt nur von zwei sehr stabilen Größen ab: der Pendellänge und dem Ortsfaktor. Beide sind an einem festen Standort praktisch konstant.
4. Die Wurzel dämpft Fehler ab. Wegen führt eine Längenänderung von nur zu einem Gangfehler von . Kleine Ungenauigkeiten wirken sich also nur halb so stark aus.
Was in der Praxis noch nötig war:
- Temperaturkompensation. Der Pendelstab dehnt sich bei aus und die Uhr geht nach. Deshalb baute man Rostpendel aus zwei Metallen mit verschiedener Ausdehnung oder Quecksilberpendel, die diesen Effekt ausgleichen.
- Kleine Amplituden von wenigen Grad, damit die Kleinwinkelnäherung gilt.
- Eine Hemmung, die dem Pendel bei jeder Schwingung genau die zuführt, die die entzieht, ohne seinen Takt zu stören.
Das erreichte Niveau: Die besten Pendeluhren des frühen 20. Jahrhunderts (Shortt-Uhren, in einem Vakuumgehäuse) erreichten eine Genauigkeit von einer Sekunde in mehreren Monaten. Sie waren so gut, dass mit ihnen erstmals Schwankungen der Erdrotation nachgewiesen wurden.
🔴 Abgelöst wurden sie erst durch Quarzuhren (ab den 1930er Jahren) und Atomuhren (ab 1955). Deren Prinzip ist aber dasselbe: ein Oszillator, dessen von möglichst wenigen und möglichst stabilen Größen abhängt. Beim Quarz sind es die elastischen Eigenschaften des Kristalls, bei der Atomuhr ein Energieübergang im Cäsiumatom.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
a) Die Pendelformel in vier Schritten herleiten
1. Rücktreibende Kraft (Komponente der Gewichtskraft senkrecht zum Faden). 2. Näherung für kleine Winkel im Bogenmaß. 3. Mit der Bogenlänge folgt , also . 4. Einsetzen in ergibt .
- 2
b) Exakt beim Federschwinger, genähert beim Pendel
Das Hookesche Gesetz ist von sich aus linear, ohne jede Näherung, der Federschwinger erfüllt die Bedingung für Harmonizität exakt. Die Pendelkraft ist dagegen nicht proportional zu , denn der Sinus wächst langsamer als sein Argument.
- 3
c) Warum die Gewichtskraft beim senkrechten Federschwinger nur die Ruhelage verschiebt
Die Gewichtskraft dehnt die Feder zunächst um . Lenkt man um aus dieser neuen Ruhelage aus, gilt , die konstanten Anteile heben sich exakt auf.
- 4
d) Ergebnis deuten: warum Pendel die besten Uhren waren
Vier Gründe wirken zusammen: Isochronie (unabhängig von der Amplitude), Massenunabhängigkeit, Abhängigkeit von nur zwei sehr stabilen Größen (Länge und Ortsfaktor) und die Wurzel, die Fehler abdämpft, eine Längenänderung von ergibt nur Gangfehler.
Zusammenfassung
Der Federschwinger erfüllt das lineare Kraftgesetz exakt, weil das von sich aus linear ist, und seine hängt von und Federkonstante ab. Beim Fadenpendel ist die rücktreibende dagegen proportional zum Sinus des Auslenkwinkels und damit nicht linear, sodass erst die Näherung für kleine Winkel eine ergibt. In der daraus folgenden Formel kürzt sich die Masse vollständig heraus, weil die Rückstellung hier von der stammt und diese der Masse proportional ist, genau wie beim freien Fall. Bei beiden Systemen kommt die Amplitude nicht vor, und gerade diese Unabhängigkeit machte das Pendel über drei Jahrhunderte zur genauesten Uhr. Da sich die Schwingungsdauer eines Pendels aus Länge und Ortsfaktor ergibt, lässt sich umgekehrt aus einer Pendelmessung der Ortsfaktor bestimmen, während ein Federschwinger auf dem Mond unverändert schwingen würde.


