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Schatten und Finsternisse

SchulversuchOptikKlasse 7Grundlagen

Worum geht es?

Schatten sind konstruierbare Geometrie: Weil Licht geradlinig läuft (voriges ), lässt sich der lichtfreie Raum hinter jedem Hindernis mit dem Lineal vorhersagen. Spannend wird es bei mehr als einer Quelle oder bei ausgedehnten Quellen. Dann entstehen Kernschatten (ganz ohne Licht) und Halbschatten (teilweise beleuchtet), und genau diese Konstruktion erklärt am Himmel die Sonnen- und Mondfinsternis.

Warum macht man dieses Experiment?

Die Schattenkonstruktion ist die erste echte Vorhersage-Maschine der Optik: zeichnen, dann messen, dann staunen, dass es stimmt. Und sie entzaubert zwei Himmelsereignisse. Wer den Halbschatten am Tisch konstruiert hat, versteht, warum eine totale Sonnenfinsternis nur einen schmalen Streifen der Erde trifft und warum eine Mondfinsternis von der ganzen Nachtseite aus sichtbar ist.

Die physikalische Idee

Variante 1 steigert die Quellen: eine Punktlampe (scharfer Schatten), zwei Lampen (zwei Halbschatten plus Kernschatten, farbig markierbar mit Farbfiltern), ausgedehnte Leuchtfläche (weicher Schattenverlauf). Variante 2 überträgt die Konstruktion auf das System Sonne-Erde-Mond: Lampe, Globus und Tischtennisball in den zwei Finsternis-Stellungen.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

  • Geradlinige Lichtausbreitung (Experiment)

Wissenschaftliche Einordnung

Schattengeometrie war die erste angewandte Optik der Geschichte: Eratosthenes bestimmte um 240 v. Chr. aus Schattenwinkeln in zwei Städten den Erdumfang auf wenige Prozent. Und Aristoteles führte den stets kreisrunden Erdschatten auf dem Mond als Beweis der Kugelgestalt der Erde an. Schatten als Erkenntniswerkzeug.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Kernschatten und Halbschatten

Untersuche, wie Anzahl und Größe der Lichtquellen die Schattenzonen bestimmen, und prüfe die Schattenkonstruktion gegen die Beobachtung.

Gemessen

  • — Schattenzonen auf dem Schirm

    Qualitativ erfasst: Anzahl, Lage und Ränder der Zonen sind die Prüfgrößen gegen die Konstruktion.

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Beleuchte den Ball nacheinander mit einer Punktlampe, mit zwei Punktlampen (rot und grün gefiltert) und mit der Flächenleuchte. Konstruiere jeweils vorher die erwarteten Schattenzonen und vergleiche mit dem Schirmbild.

2Vorbetrachtung

Die Konstruktion als Vorhersage: Licht läuft geradlinig. Also lässt sich für jeden Quellpunkt mit dem Lineal entscheiden, welche Schirmstellen er erreicht und welche der Ball ihm verdeckt.

Eine Punktquelle: Hinter dem Ball liegt ein einziger, scharf berandeter lichtfreier Kegel. Es gibt nur einen Schattentyp.

Zwei Punktquellen: Jede wirft ihren eigenen Schattenkegel. Wo sich beide überlappen, kommt von keiner Lampe Licht hin, dort liegt Kernschatten. Wo nur ein Kegel liegt, fehlt nur eine Lampe, dort liegt Halbschatten. Filtert man rot und grün, leuchtet jede Halbschattenzone in der Farbe der jeweils nicht verdeckten Lampe; die Farbfilter machen die Logik selbstprüfend.

Ausgedehnte Quelle: Sie ist ein Kontinuum von Punktquellen. Zwischen „alle verdeckt“ (Kern) und „keine verdeckt“ (voll beleuchtet) liegt ein stufenloser Übergang. Der Schattenrand muss weich werden.

3Geräte / Stoffe

Lampenabstände und Ballposition markieren, damit Konstruktion (maßstäbliche Skizze) und Aufbau zusammenpassen; Raum abdunkeln.

  • 2 Punktleuchten (+ Farbfilter rot/grün)

    Erzeugen getrennte Schatten; die Filter machen sichtbar, welche Lampe welchen Halbschatten wirft.

  • Flächenleuchte (Mattscheibe)

    Die ausgedehnte Quelle: unzählige Punktquellen auf einmal, dadurch weiche Schattenränder.

  • Ball auf Stab und Schirm

    Hindernis und Auffangfläche der Schattenzonen.

  • Globus und Tischtennisball

    Erde und Mond im Finsternis-Modell, bewusst nicht maßstäblich.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Draufsicht mit zwei Lampen, Ball und Schirm; eingezeichnete Randstrahlen beider Lampen, die drei Zonen schraffiert und beschriftet.

LichtquelleausgedehntKörperHalbschattenKernschattenHalbschattenKernschatten: nichts von der Quelle. Halbschatten: ein Teil.

Die Konstruktion an der ausgedehnten Quelle: Von jedem Quellrand aus werden die Tangenten ans Hindernis gezogen. Wo kein Quellpunkt hinsieht, liegt Kernschatten; wo nur ein Teil der Quelle hinsieht, Halbschatten.

Aufbau: Zwei kleine Experimentierleuchten (möglichst punktförmig, optional rotes und grünes Farbfilter), eine flächige Leuchte (Mattscheibe), Ball auf Stab als Hindernis, weißer Schirm; für Variante 2 zusätzlich Globus und Tischtennisball auf Stativen.

5Durchführung

Je Stufe: Zonen konstruieren und auf dem Schirm vorhersagen (Lage ausmessen), dann einschalten und vergleichen. Bei zwei Lampen zusätzlich: linke Lampe kurz abdecken und prüfen, welcher Halbschatten verschwindet.

6Beobachtung

Schirmbild je Beleuchtung
BeleuchtungSchirmbild
1 Punktlampeein dunkler Schatten mit scharfem Rand: Lage trifft die Konstruktion
2 Lampen (rot links, grün rechts)Mitte: dunkler Kernschatten; links daneben roter Halbschatten, rechts grüner. Jede Zone leuchtet in der Farbe der Lampe, die sie noch erreicht
linke (rote) Lampe abgedecktder rote Halbschatten links wird dunkel und verschmilzt mit dem Kernschatten; der grüne rechts bleibt: Er hatte das Rot nie
FlächenleuchteSchatten mit breitem, fließendem Rand; Kernzone schrumpft mit wachsendem Ballabstand

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Die Konstruktion besteht jede Probe: Lage und Reihenfolge der Zonen stimmen, und das Überkreuz-Detail ist der schönste Beleg. Die linke Halbschattenzone ist der Schatten der rechten (grünen) Lampe, denn deren Licht kommt von rechts und wird vom Ball nach links geworfen. In dieser Zone fehlt also das Grün. Was ankommt, ist allein das Rot der linken Lampe, und die Zone leuchtet rot. Daraus folgt die Merkregel: Eine Halbschattenzone trägt die Farbe der Lampe, die sie noch erreicht, nicht die der Lampe, deren Schatten sie ist. Die Abdeckprobe bestätigt es. Rote Lampe weg, und die rote Zone verliert ihr einziges Licht; sie wird so dunkel wie der Kernschatten. Die grüne Zone bleibt dagegen unverändert, denn ihr hatte das Rot nie etwas geliefert.

Der weiche Rand der Flächenleuchte: Der stufenlose Übergang entsteht, weil von Randpunkt zu Randpunkt der Quelle die Verdeckung allmählich einsetzt. Je größer die Quelle im Vergleich zum Hindernis und je weiter der Schirm, desto schmaler wird der Kernschatten, bis er ganz verschwinden kann. Deshalb haben Sonnenschatten (die Sonne ist eine ausgedehnte Quelle von einem halben Grad) weiche Ränder, und deshalb wirft ein dünner Draht in einigem Abstand gar keinen dunklen Kern mehr.

Merksatz mit Begründung: Kernschatten heißt: Kein Punkt der Quelle sieht diese Stelle. Halbschatten heißt: Ein Teil der Quelle sieht sie. Beides ist mit dem Lineal entscheidbar, weil Licht geradlinig läuft.

8Fazit

Schattenzonen sind mit Lineal und Geradlinigkeit präzise vorhersagbar: Eine Punktquelle wirft scharfe Schatten, zwei Quellen ergeben Kernschatten und farblich unterscheidbare Halbschatten, ausgedehnte Quellen weiche Ränder. Das ist die vollständige Werkzeugkiste für die Finsternis-Variante.

9Fehlerbetrachtung

Die Zonenlogik ist robust, aber diese Punkte verwischen sie:

Lampen nicht punktförmigeher systematisch

Ursache

Große Glühwendel oder Reflektor wirken selbst als ausgedehnte Quelle.

Auswirkung

Schon der Ein-Lampen-Schatten hat weiche Ränder, und die Stufenlogik verschwimmt.

Verbesserung

Kleine Lochblende vor die Lampe setzen.

Streulicht von Wändeneher systematisch

Ursache

Heller Raum hellt den Kernschatten auf.

Auswirkung

„Kernschatten ist gar nicht ganz dunkel“: eine scheinbare Widerlegung.

Verbesserung

Abdunkeln; die Aufhellung als Streulicht benennen, nicht als Konstruktionfehler.

Skizze nicht maßstäblicheher zufällig

Ursache

Konstruktion und Aufbau passen geometrisch nicht zusammen.

Auswirkung

Vorhergesagte Zonenbreiten treffen nicht, und die Beweiskraft leidet.

Verbesserung

Abstände vorher messen und im festen Maßstab zeichnen.

Das Wichtigste

Konstruktionsregel

Vom Rand jeder Quelle Geraden (Tangenten) am Hindernis vorbei ziehen. Kernschatten heißt: kein Quellpunkt sichtbar; Halbschatten heißt: ein Teil der Quelle sichtbar. Schattenzonen sind reine Geometrie.

Quellgröße entscheidet

Punktquelle: nur scharfer Kernschatten. Zwei Quellen: zwei Halbschatten, Überlappung ergibt Kernschatten. Ausgedehnte Quelle: fließender Übergang; darum sind Sonnenschatten am Rand weich.

Sonnenfinsternis

Der Mond wirft seinen Kernschatten auf die Erde. Nur im schmalen Kernschattenfleck (~100 km) ist sie total, im breiten Halbschatten partiell. Das ist die Tischkonstruktion am Himmel.

Mondfinsternis

Der Mond taucht in den Erdschatten. Da der Erd-Kernschatten den ganzen Mond fasst, sieht die gesamte Nachtseite der Erde dasselbe Ereignis; das ist der Grund, warum Mondfinsternisse „häufiger erlebt“ werden.

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