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Resonanz einer Luftsäule

SchulversuchSchwingungen und WellenKlasse 10–11Fortgeschritten

Worum geht es?

In einem einseitig geschlossenen Rohr bildet Schall stehende : unten (am Wasserspiegel) ein Bewegungsknoten, oben an der Öffnung ein Bauch. Das passt nur, wenn die Säulenlänge ein ungerades Vielfaches von λ/4\lambda/4 ist: Genau dann resoniert die Luftsäule und der leise Stimmgabelton wird laut. Der Versuch fährt die Säulenlänge per Wasserspiegel durch, findet die Resonanzlängen und gewinnt daraus λ\lambda und cc.

Warum macht man dieses Experiment?

Dieses Rohr ist das Funktionsmodell aller Blasinstrumente und Orgelpfeifen: Luftsäulenlänge macht Tonhöhe. Zugleich ist es die eleganteste cc-Messung der Schulphysik. Stimmgabel, Rohr, Wasser, Lineal, mehr braucht es nicht, und der λ/2-Abstand zweier umgeht sogar die störende Mündungskorrektur: ein Lehrstück über kluge Messstrategie.

Die physikalische Idee

Ein senkrechtes Glasrohr steht in Wasser; Heben und Senken des Rohrs (oder ein Vorratsgefäß) stellt die Luftsäulenlänge ein. Die angeschlagene Stimmgabel (440 Hz) hält man über die Öffnung und verlängert die Säule langsam. Beim ersten lauten Anschwellen ist l1≈λ/4l_1 \approx \lambda/4, beim zweiten l2≈3λ/4l_2 \approx 3\lambda/4. Die Differenz ist exakt λ/2\lambda/2, frei von Randkorrekturen: daraus λ\lambda und mit ff die Schallgeschwindigkeit.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Resonanzrohre über Wasser gehören seit dem 19. Jahrhundert (Quincke, Kundt) zur akustischen Messtechnik; Kundt machte die Knoten mit Korkstaub sichtbar und vermaß so sogar die Schallgeschwindigkeit in Metallstäben. Der Orgelbau nutzt die λ/4-Physik gedackter Pfeifen seit Jahrhunderten: halbe Baulänge für den tiefen Ton.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Resonanzlängen, Wellenlänge, Schallgeschwindigkeit

Finde die ersten beiden Resonanzlängen der Luftsäule für den 440-Hz-Ton, bestimme daraus die (Differenzmethode) und die Schallgeschwindigkeit.

Gesucht

  • — Schallgeschwindigkeit (in )

    c=λfc = \lambda f mit der Stimmgabelfrequenz.

Gemessen

  • — Resonanzlängen (in )

    Säulenlängen beim ersten und zweiten Lautheits-Maximum, mehrfach eingegabelt.

Bekannt

  • — Frequenz (in )

    Aufschrift der Stimmgabel: 440 Hz.

Berechnet

  • — Wellenlänge des Tons (in )

    λ=2(l2−l1)\lambda = 2(l_2 - l_1): die korrekturfreie Differenzmethode.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die Resonanzbedingung der gedackten Säule: Sie sagt die Lagenfolge der Maxima vorher.Zur Formelsammlung
  • Die Auswerteformel der Differenzmethode: Wellenlänge aus dem Resonanzabstand, mal Frequenz.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Verlängere die Luftsäule langsam aus dem Kurzen heraus und gabele die ersten beiden Resonanzlängen für die 440-Hz-Gabel ein (je dreimal). Berechne λ\lambda und cc; notiere die Raumtemperatur und vergleiche mit dem Literaturwert.

2Vorbetrachtung

Warum λ/4 und seine ungeraden Vielfachen? Am Wasserspiegel kann die Luft nicht schwingen (Knoten), an der Öffnung sie frei (Bauch). Das kürzeste stehende-Wellen-Muster mit „Knoten unten, Bauch oben“ ist eine Viertelwelle; das nächste passt erst wieder mit einer zusätzlichen halben : 3λ/43\lambda/4, dann 5λ/45\lambda/4. Trifft die Säulenlänge eine dieser Sprossen, schaukelt der Gabelton die Säule zur lauten Eigenschwingung auf: hörbare .

Warum die Differenz klüger ist als die Einzellänge: Der Öffnungs-Bauch sitzt in Wirklichkeit ein Stück ÜBER dem Rohrrand (Mündungskorrektur, etwa 0,6 Rohrradien): l1l_1 allein ist deshalb systematisch zu kurz. Aber diese Korrektur ist bei beiden Resonanzen dieselbe: In der Differenz l2−l1=λ/2l_2 - l_1 = \lambda/2 fällt sie exakt heraus. Erwartung bei 440 Hz und 20 °C: l1≈19 cml_1 \approx 19\ \mathrm{cm}, l2≈58 cml_2 \approx 58\ \mathrm{cm}, Differenz 39 cm39\ \mathrm{cm}.

3Geräte / Stoffe

Gabel immer frisch anschlagen und dicht über die Öffnung halten (nicht hineinstecken). einga­beln: von unten und von oben an die lauteste Stellung herantasten.

  • Glasrohr im Wasserzylinder

    Die längenverstellbare Luftsäule: Der Wasserspiegel ist das perfekt schallharte, verschiebbare Rohrende.

  • Stimmgabel 440 Hz

    Tonquelle bekannter : der zweite Faktor der c-Bestimmung.

  • Maßstab

    Misst die Resonanzlängen der Luftsäule.

  • Thermometer

    zur Einordnung des c-Werts.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Rohr im Zylinder mit beiden Resonanz-Wasserständen; daneben die Schwingungsbilder (λ/4 und 3λ/4) mit Knoten am Spiegel und Bauch über der Mündung.

Stellen, die stillstehen, und Stellen, die tobenKnotenBauchλ / 2Die Welle läuft nicht mehr, sie steht

Die stehende im Rohr: Am geschlossenen Ende (Wasserspiegel) liegt ein Knoten, an der Öffnung ein Bauch. Deshalb passen nur ungerade Vielfache von λ/4\lambda/4 in die Säule.

Aufbau: Glasrohr (Innendurchmesser ca. 3 cm, Länge 80 cm) senkrecht in hohem Wasserzylinder, verschiebbar mit Halteklemme; Maßstab längs des Rohrs; Stimmgabel 440 Hz mit Anschlaghammer; Thermometer.

5Durchführung

Schritt 1: Kurze Säule, Gabel anschlagen, Rohr langsam heben: erste laute Stelle einga­beln, l1l_1 ablesen. Dreimal.

Schritt 2: Weiter verlängern bis zum zweiten Maximum: l2l_2 ebenso dreimal.

Schritt 3: ablesen; Auswertung.

6Beobachtung

Resonanzlängen für 440 Hz (je Mittel aus drei Eingabelungen; ϑ=20 ∘C\vartheta = 20\ ^\circ\mathrm{C})
ResonanzSäulenlänge in m\mathrm{m}
  1. Maximum (≈λ/4\approx \lambda/4)
0,190
  1. Maximum (≈3λ/4\approx 3\lambda/4)
0,580

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

Zwischen den Maxima ist der Gabelton über dem Rohr deutlich leiser; an den Maxima schwillt er unüberhörbar an.

7Auswertung

Schritt 1: über die Differenz.

λ=2(l2−l1)=2⋅(0,580−0,190) m=0,78 m\lambda = 2(l_2 - l_1) = 2 \cdot (0{,}580 - 0{,}190)\ \mathrm{m} = 0{,}78\ \mathrm{m}

Schritt 2: Schallgeschwindigkeit.

c=λ⋅f=0,78 m⋅440 Hz≈343 msc = \lambda \cdot f = 0{,}78\ \mathrm{m} \cdot 440\ \mathrm{Hz} \approx 343\ \frac{\mathrm{m}}{\mathrm{s}}

Exakt der Literaturwert für 20 ∘C20\ ^\circ\mathrm{C}, mit Lineal und Stimmgabel, ohne jede Elektronik, und in schöner Übereinstimmung mit der Laufzeitmessung des Schallgeschwindigkeits-Experiments. Zwei völlig verschiedene Methoden, ein Wert: die stärkste Absicherung, die Messphysik kennt.

Schritt 3: Die Mündungskorrektur sichtbar machen. Aus l1l_1 allein folgte λ=4⋅0,19=0,76 m\lambda = 4 \cdot 0{,}19 = 0{,}76\ \mathrm{m}, etwas zu klein, weil der Bauch über der Mündung sitzt. Die Differenzmethode hat diesen Fehler konstruktiv beseitigt. Der Vergleich beider Rechnungen zeigt den Wert kluger Messstrategie unmittelbar.

8Fazit

Die Luftsäule resoniert bei 19,0 und 58,0 cm. Der λ/2-Abstand liefert korrekturfrei λ=0,78 m\lambda = 0{,}78\ \mathrm{m} und c=343 m/sc = 343\ \mathrm{m/s}: Schallgeschwindigkeit per Stimmgabel und Lineal, im Einklang mit der Laufzeitmethode.

9Fehlerbetrachtung

Das Ohr als Maximum-Detektor ist erstaunlich gut, aber die Gabelung bleibt die Kernunsicherheit:

Eingabeln des Lautheits-Maximumseher zufällig

Ursache

Das Maximum ist ein flacher Berg, kein Punkt; das Ohr gabelt auf etwa ±5 mm.

Auswirkung

In der Differenz doppelt wirksam: rund ±1,5 Prozent in λ und c.

Verbesserung

Von beiden Seiten herantasten und mitteln (so durchgeführt); alternativ Mikrofon mit Pegelanzeige als objektiver Detektor.

Abklingende Gabeleher systematisch

Ursache

Der Gabelton wird während des Suchens leiser.

Auswirkung

Spätere Vergleichsstellen wirken leiser, das Maximum verschiebt sich scheinbar.

Verbesserung

Häufig neu anschlagen; Lautheit nur unmittelbar nach dem Anschlag vergleichen.

Wasserspiegel schwankt beim Verschiebeneher zufällig

Ursache

Nachlaufendes Wasser braucht einen Moment.

Auswirkung

Ablesung der Säulenlänge im falschen Moment.

Verbesserung

Vor jeder Ablesung beruhigen lassen; Meniskus-Unterkante konsistent anpeilen.

Das Wichtigste

Die Randbedingung

Geschlossenes Ende: Bewegungsknoten. Offenes Ende: Bewegungsbauch. bei l=λ4,3λ4,5λ4,…l = \tfrac{\lambda}{4}, \tfrac{3\lambda}{4}, \tfrac{5\lambda}{4}, \ldots

Der Differenz-Trick

Aufeinanderfolgende Resonanzlängen liegen exakt λ/2\lambda/2 auseinander. Die Differenz eliminiert die Mündungskorrektur, messstrategisch sauberer als die Einzellänge.

Das Messergebnis

c=λ⋅f=2(l2−l1)⋅fc = \lambda \cdot f = 2(l_2 - l_1) \cdot f: Schallgeschwindigkeit aus Lineal und Stimmgabel.

Instrumentenbau

Gedackte (geschlossene) Pfeifen klingen eine Oktave tiefer als gleich lange offene und tragen nur ungerade Obertöne: der Klarinetten-Klang.

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