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Kraft zwischen geladenen Körpern

SchulversuchElektrizitätslehreKlasse 8–11Standard

Worum geht es?

Zwischen geladenen Körpern wirken ohne Berührung: anziehend oder abstoßend, stark im Nahbereich, schnell abfallend mit dem Abstand. Dieses macht die Kraft an einem leichten, geladenen Pendelkügelchen sichtbar (sein Auslenkwinkel ist das Kraftmaß) und untersucht, wie die Kraft von Ladungsmenge und Abstand abhängt: der experimentelle Zugang zum Coulomb-Gesetz.

Warum macht man dieses Experiment?

Das Coulomb-Gesetz ist das Kraftgesetz der Elektrizität, das Gegenstück zum , und die Grundlage des Feldbegriffs: ist pro . Die Schulversion des Versuchs kann kein Präzisionsergebnis liefern, aber sie kann das Entscheidende zeigen: Die Kraft wächst mit beiden Ladungen und fällt überproportional mit dem Abstand, konsistent mit F∼1/r2F \sim 1/r^2.

Die physikalische Idee

Ein leichtes, leitend beschichtetes Kügelchen hängt an einem langen Isolierfaden und wird geladen. Nähert man ihm einen geladenen Stab oder eine geladene Kugel, lenkt die elektrische das Pendel aus; im Gleichgewicht verrät der Auslenkwinkel die Kraft (größerer Winkel, größere Kraft). So werden Ladungsmenge und Abstand als Einflussgrößen getrennt untersucht.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Charles Augustin de Coulomb bestimmte das Kraftgesetz 1785 mit einer Torsionsdrehwaage, deren Verdrillung winzige maß. Henry Cavendish hatte Vergleichbares früher unveröffentlicht gefunden. Der Schulversuch ersetzt die Drehwaage durch das Fadenpendel: gröber, aber demselben Gesetz auf der Spur.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Kraftwirkung und Abstandsabhängigkeit

Untersuche die zwischen geladenen Körpern: Richtung je nach Vorzeichen, Abhängigkeit von der Ladungsmenge und, halbquantitativ, vom Abstand. Prüfe, ob die Beobachtungen mit F∼1/r2F \sim 1/r^2 verträglich sind.

Gemessen

  • — Elektrische Kraft (in )

    Indirekt über den Auslenkwinkel des Pendelkügelchens: Bei kleinen Winkeln ist die Kraft dem Auslenkweg näherungsweise proportional.

  • — Abstand der Ladungsmittelpunkte (in )

    Die systematisch veränderte Einflussgröße der Messreihe.

Bekannt

  • — Ladungen der Körper (in )

    Nicht absolut messbar im Schulaufbau; verändert wird nur grob (halbe Ladung durch Ladungsteilung).

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die zu prüfende Gesetzesstruktur: proportional zu beiden Ladungen, umgekehrt proportional zum Abstandsquadrat.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Untersuche mit dem geladenen Pendelkügelchen: (1) die Kraftrichtung für beide Vorzeichenkombinationen, (2) die Wirkung einer halbierten , (3) die Auslenkung bei verschiedenen Abständen der Feldkugel. Vergleiche die Abstandsreihe mit der Erwartung des Quadratgesetzes.

2Vorbetrachtung

Wie wird aus der Auslenkung eine ? Im Gleichgewicht halten sich drei Kräfte am Kügelchen die Waage: , Fadenkraft und die elektrische Kraft. Für kleine Auslenkungen ist die waagerechte elektrische Kraft näherungsweise proportional zur waagerechten Auslenkung ss (die Rückstellwirkung des Pendels wächst linear mit ss). Die Auslenkung ist also ein brauchbares Kraftmaß, ohne dass Newtonwerte nötig wären.

Wie halbiert man eine ? Berührt die geladene Feldkugel eine gleiche, ungeladene Kugel, teilt sich die Ladung aus Symmetriegründen hälftig auf: Beide Kugeln sind identisch, also hat nach dem Ausgleich keine einen Grund, mehr zu tragen. Diese Ladungsteilung ist der Trick, mit dem sich die Ladungsabhängigkeit ohne Ladungsmessgerät prüfen lässt.

Erwartung für die Abstandsreihe: Bei F∼1/r2F \sim 1/r^2 sollte doppelter Abstand die Auslenkung auf etwa ein Viertel drücken, nicht auf die Hälfte. Genau dieser Unterschied (quadratisch gegen linear) ist mit dem einfachen Aufbau auflösbar.

3Geräte / Stoffe

Der Grundaufbau; wichtig ist ein langer Faden (kleine Winkel bleiben im linearen Bereich) und trockene Luft ( halten lange genug für eine Messreihe).

  • Leichtes leitfähig beschichtetes Kügelchen am Isolierfaden

    Der Kraftsensor: Seine Auslenkung zeigt Stärke und Richtung der elektrischen .

  • Metallkugel auf Isolierstativ

    Die Feldquelle mit (grob) dosierbarer .

  • PVC- und Glasstab mit Tüchern

    Laden Kügelchen und Kugel; liefern beide Vorzeichen.

  • Maßstab und Winkelmesser

    Erfassen Abstand und Auslenkung für die halbquantitative Reihe.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Seitenansicht: ausgelenktes Pendelkügelchen mit den drei (, Fadenkraft, elektrische Kraft) als Pfeile; daneben die Feldkugel mit Abstandsmaß r zwischen den Kugelmittelpunkten.

Aufbau: Am Stativ hängt ein Holunder- oder Styroporkügelchen mit Leitlack an einem etwa 50 cm langen Isolierfaden. Daneben auf einem Isolierstativ die Feldquelle: eine ladbare Metallkugel (per geriebenem Stab oder kleinem Bandgenerator geladen). Ein Maßstab am Tisch misst Abstände, ein Winkelmesser oder Schattenwurf die Auslenkung.

5Durchführung

Schritt 1 (Richtung): Kügelchen und Feldkugel gleichnamig laden (beide über PVC-Stab): Beobachtung. Dann das Kügelchen entladen und über den Glasstab entgegengesetzt laden: Beobachtung.

Schritt 2 (Ladungsmenge): Anordnung mit deutlicher Abstoßung herstellen, Auslenkung markieren. Feldkugel mit der gleichen ungeladenen Zweitkugel berühren ( halbieren), Auslenkung erneut ablesen.

Schritt 3 (Abstand): Feldkugel nacheinander auf die Abstände 1010, 1515, 20 cm20\ \mathrm{cm} (Mittelpunkt zu Mittelpunkt) stellen und jeweils die Auslenkung ss ablesen. Zügig arbeiten (Ladungsverlust!).

6Beobachtung

Beobachtungen (Auslenkung s als Kraftmaß)
TestBeobachtung
gleichnamig geladenKügelchen weicht zurück: Abstoßung
ungleichnamig geladenKügelchen neigt sich zur Kugel: Anziehung
Ladung der Feldkugel halbiertAuslenkung etwa halb so groß
Abstand 10 cm10\ \mathrm{cm}s≈12 mms \approx 12\ \mathrm{mm}
Abstand 15 cm15\ \mathrm{cm}s≈5 mms \approx 5\ \mathrm{mm}
Abstand 20 cm20\ \mathrm{cm}s≈3 mms \approx 3\ \mathrm{mm}

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Richtung: Die Kraftregel bestätigt sich berührungslos über mehrere Zentimeter: Das Feld vermittelt die .

Ladungsmenge: Halbe , etwa halbe Auslenkung: Die Kraft ist proportional zur Ladung der Quelle, wie es der Zähler q1q2q_1 q_2 des Coulomb-Gesetzes verlangt.

Abstand: Die Messreihe spricht klar gegen ein lineares Gesetz und für das Quadratgesetz. Die folgende Gegenüberstellung vergleicht beide Erwartungen mit den Ablesungen (bezogen auf s=12 mms = 12\ \mathrm{mm} bei 10 cm10\ \mathrm{cm}):

Gesetzesvergleich der Abstandsreihe
AbstandErwartung bei F∼1/rF \sim 1/rErwartung bei F∼1/r2F \sim 1/r^2gemessen
15 cm15\ \mathrm{cm}8,0 mm8{,}0\ \mathrm{mm}5,3 mm5{,}3\ \mathrm{mm}≈5 mm\approx 5\ \mathrm{mm}
20 cm20\ \mathrm{cm}6,0 mm6{,}0\ \mathrm{mm}3,0 mm3{,}0\ \mathrm{mm}≈3 mm\approx 3\ \mathrm{mm}

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

Der doppelte Abstand drückt die Auslenkung auf rund ein Viertel: Das ist die Signatur von 1/r21/r^2. Mehr Präzision gibt der Aufbau nicht her, aber die Unterscheidung der Gesetzesformen gelingt, und mehr behauptet der Versuch nicht.

8Fazit

Die elektrische folgt der Vorzeichenregel, wächst proportional zur und fällt quadratisch mit dem Abstand: Alle drei Strukturen des Coulomb-Gesetzes sind mit dem Pendelkraftmesser nachgewiesen, im Rahmen der erreichbaren Genauigkeit.

9Fehlerbetrachtung

Der Versuch arbeitet an der Grenze dessen, was elektrostatisch stabil messbar ist:

Ladungsverlust während der Messreiheeher systematisch

Ursache

Luftfeuchte und Ionen tragen die beider Körper laufend ab.

Auswirkung

Spätere Messpunkte zeigen zu kleine : Der Abfall mit dem Abstand wirkt steiler, als er ist.

Verbesserung

Reihenfolge variieren (einmal von nah nach fern, einmal umgekehrt) und beide Reihen vergleichen; zügig messen.

Influenz statt reiner Coulombkrafteher systematisch

Ursache

Das geladene Kügelchen influenziert die Feldkugel (und umgekehrt); die wirksame Ladungsverteilung hängt vom Abstand ab.

Auswirkung

Bei kleinen Abständen (vergleichbar den Kugelradien) ist die größer als das Punktladungs-Gesetz vorhersagt.

Verbesserung

Abstände groß gegen die Kugelradien wählen; kleinster Messabstand mindestens das Fünffache des Kugelradius.

Auslenkung als Kraftmaß nur näherungsweise lineareher systematisch

Ursache

Bei größeren Winkeln wächst die Rückstellwirkung nicht mehr proportional; zudem ändert die Auslenkung selbst den Abstand zur Feldkugel.

Auswirkung

Große Auslenkungen unterschätzen die ; die Reihe verzerrt sich zugunsten flacherer Gesetze.

Verbesserung

Auslenkungen klein halten (langer Faden); Abstand am ausgelenkten Kügelchen nachmessen.

Das Wichtigste

Kraftregel bestätigt

Anziehung zwischen ungleichnamigen, Abstoßung zwischen gleichnamigen , beides ohne Berührung, über das Feld vermittelt.

Einflussgrößen

Die wächst mit jeder der beiden und fällt stark mit dem Abstand: konsistent mit F=14πε0⋅q1q2r2F = \dfrac{1}{4\pi\varepsilon_0} \cdot \dfrac{q_1 q_2}{r^2}.

Quadratisch heißt

Doppelter Abstand, ein Viertel der ; dreifacher Abstand, ein Neuntel. Der Schulversuch zeigt die Tendenz, die Präzisionsmessung gelang historisch mit der Drehwaage.

Brücke zum Feld

pro ist die : Das Coulomb-Gesetz der Punktladung liefert das Radialfeld, das im Feldlinienversuch sichtbar wurde.

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