Freier Fall
Worum geht es?
Der freie Fall ist die gleichmäßig Bewegung der Natur: Ohne Luftwiderstand fallen alle Körper mit derselben Beschleunigung . Der Versuch prüft zuerst qualitativ, dass die keine Rolle spielt (Münze gegen Papier, mit entscheidender Zusatzidee), und vermisst dann Fallzeiten aus verschiedenen Höhen: Quadratgesetz und -Wert inklusive.
Warum macht man dieses Experiment?
Dass alle Körper gleich fallen, ist eine der folgenreichsten Einsichten der Physik: Sie widerlegte zwei Jahrtausende Aristoteles, machte die Fallbeschleunigung zur universellen Ortskonstante und wurde bei Einstein zum Fundament der Gravitationstheorie. Praktisch liefert der Versuch den g-Wert, der in , und Pendel überall wieder auftaucht: hier einmal selbst gemessen statt geglaubt.
Die physikalische Idee
Teil 1: Münze und Papierstück fallen ungleich, aber zerknüllt man das Papier, fallen sie gleich. Der Unterschied lag an der Luft, nicht an der . Teil 2: Eine Kugel fällt aus gemessenen Höhen; die Fallzeiten (elektronisch oder per Video gestoppt) prüfen , und die Umstellung liefert .
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
Wissenschaftliche Einordnung
Galilei begründete die Massenunabhängigkeit um 1600 (Gedankenexperiment und Rampenversuche); der Legende nach warf er Kugeln vom Turm zu Pisa. Die berühmteste Bestätigung lieferte Apollo 15 (1971): Hammer und Feder fielen auf dem Mond sichtbar gleich.
Versuchsziel
Was möchtest du untersuchen?
Aktuelles Versuchsziel
Fallbeschleunigung g bestimmen
Bestimme die Fallbeschleunigung aus Fallhöhe und elektronisch gemessener Fallzeit, mit Quadratgesetz-Kontrolle über mehrere Höhen.
Gesucht
- — Fallbeschleunigung (in )
Die Ortskonstante des freien Falls.
Gemessen
- — Fallhöhe (in )
Kugelunterkante bis Aufschlagplatte, per Maßstab.
- — Fallzeit (in )
Elektronisch (Magnet-Start, Kontakt-Stopp): Millisekunden-genau, ohne Reaktionszeit.
Der Weg von der Messung zum Ergebnis:
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Das Fallgesetz (Start aus der Ruhe): die Grundlage der Auswertung.Zur Formelsammlung
- Die nach g umgestellte Form: macht aus jedem (h, t)-Paar einen g-Wert.Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Miss die Fallzeit der Stahlkugel für die Höhen 0,50 m, 1,00 m, 1,50 m und 2,00 m (je drei Läufe). Prüfe das Quadratgesetz über die Höhenreihe und bestimme als Mittelwert. Vergleiche mit dem Literaturwert.
2Vorbetrachtung
Warum elektronisch gemessen werden muss: Aus 2 m dauert der Fall nur etwa : Zwei Handreaktionszeiten (je 0,2 bis 0,3 s) wären größer als der halbe Messwert, und weil quadratisch in eingeht, verdoppelt sich jeder Zeitfehler im Ergebnis. Der Haltemagnet löst die Uhr beim Abschalten aus, die Kontaktplatte stoppt beim Aufprall: Reaktionszeit null.
Die eingebaute Gesetzeskontrolle: Vier Höhen liefern vier unabhängige -Werte. Nur wenn der Fall wirklich dem Quadratgesetz folgt, stimmen sie überein: Die Messreihe prüft Gesetz und Konstante in einem. Vorab-Erwartung über : 0,32 / 0,45 / 0,55 / 0,64 s.
3Geräte / Stoffe
Fallgerät mit Haltemagnet, Kontaktplatte und Digitaluhr; Maßstab. Die Höhe wird von der Kugel-UNTERkante bis zur Platte gemessen: Die Kugel fällt genau diese Strecke.
Stahlkugel mit Haltemagnet und Kontaktplatte
Elektronische Fallzeitmessung: Loslassen startet die Uhr, Aufprall stoppt sie. Keine Reaktionszeit.
Maßstab (2 m)
Misst die Fallhöhe von Kugelunterkante bis Platte.
Münze und Papier (glatt und geknüllt)
Das qualitative Vorexperiment zur Massenfrage.
Evakuierbares Fallrohr (falls vorhanden)
Die Krönung: Feder und Kugel fallen im Vakuum exakt gleich.
4Skizze des Versuchsaufbaus
Stativ mit Magnet oben, Platte unten, Maßstab dazwischen; Beschriftung der gemessenen Strecke h (Unterkante bis Platte).
Das Fallgesetz im Bild: In gleichen Zeitabschnitten wachsen die Fallstrecken wie 1 : 3 : 5, das Kennzeichen konstanter , hier der Fallbeschleunigung .
Aufbau: Stahlkugel mit Haltemagnet und elektronischer Fallzeitmessung (Startkontakt am Magneten, Stoppkontakt an der Auffangplatte); Maßstab für die Fallhöhe. Ersatzweise: Smartphone-Video mit Zeitlupe und Referenzmaßstab. Für Teil 1: Münze, Papierblatt, möglichst Fallrohr mit Luftpumpe.
5Durchführung
Schritt 1: Höhe auf 0,50 m einstellen und nachmessen.
Schritt 2: Kugel an den Magneten, Uhr nullen, Magnet abschalten: Fallzeit notieren. Drei Läufe.
Schritt 3: Für 1,00, 1,50 und 2,00 m wiederholen.
6Beobachtung
| in | in | in |
|---|---|---|
| 0,50 | 0,32 | 9,77 |
| 1,00 | 0,452 | 9,79 |
| 1,50 | 0,554 | 9,77 |
| 2,00 | 0,640 | 9,77 |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
7Auswertung
Gesetzeskontrolle: Alle vier Höhen liefern denselben -Wert: Der Fall folgt dem Quadratgesetz (vierfache Höhe, doppelte Zeit: bei ).
Ergebnis:
Mittelwert der Reihe: , um etwa Prozent unter dem Literaturwert : im Rahmen der Messgenauigkeit, mit einem kleinen systematischen Rest (Luftwiderstand und Magnet-Abklingzeit bremsen bzw. verspäten minimal, beide drücken nach unten: siehe Fehlerbetrachtung).
Anschluss: Mit diesem sind (), Lageenergie () und Pendelformel versorgt: Die hier gemessene Zahl arbeitet in der halben Schulphysik weiter. Das Fadenpendel-Experiment bestimmt dieselbe Konstante auf völlig anderem Weg: Der Vergleich beider Methoden ist eine schöne Anschlussaufgabe.
8Fazit
Der freie Fall folgt über alle vier Höhen; die Fallbeschleunigung beträgt (Literaturwert 9,81, Abweichung 0,3 Prozent). Die Ortskonstante der Mechanik ist selbst gemessen.
9Fehlerbetrachtung
Bei elektronischer Zeitmessung bleiben nur kleine, aber systematische Effekte:
Abklingzeit des Haltemagneteneher systematisch
- Ursache
Nach dem Abschalten hält der Restmagnetismus die Kugel Millisekunden fest, die Uhr läuft schon.
- Auswirkung
Gemessene Zeiten minimal zu lang, systematisch zu klein: der Hauptanteil der 0,3-Prozent-Abweichung.
- Verbesserung
Gerät mit Abrisskontakt an der Kugel; oder Verzögerung durch Vergleich zweier Höhen herausrechnen.
Luftwiderstand der Kugeleher systematisch
- Ursache
Auch die kompakte Stahlkugel spürt die Luft minimal.
- Auswirkung
Bei 2 m unter einem Promille: hier vernachlässigbar, bei größeren Höhen wachsend.
- Verbesserung
Kompakte, Fallkörper; Höhen unter wenigen Metern.
Höhenmessung auf den falschen Punkteher systematisch
- Ursache
Gemessen wird versehentlich bis zur Kugelmitte oder Magnetkante.
- Auswirkung
Ein Zentimeter auf 2 m macht 0,5 Prozent in : mehr als die gesamte übrige Unsicherheit.
- Verbesserung
Konsequent Unterkante bis Plattenoberkante messen, zweite Person kontrolliert.
Das Wichtigste
- Massenunabhängigkeit
Ohne Luftwiderstand fallen alle Körper gleich schnell: Der Alltagseindruck „schwer fällt schneller“ ist ein Lufteffekt.
- Das Gesetz
Der freie Fall ist gleichmäßig : mit .
- Messprinzip
: Höhe gut messbar, Zeit elektronisch. So wird die Naturkonstante des Ortes zugänglich.
- Größengefühl
Aus 2 m fällt ein Körper 0,64 s und schlägt mit 6,3 m/s (23 km/h) auf: Fallhöhen sind schnell unterschätzt.