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Brechung des Lichts

SchulversuchOptikKlasse 7Standard

Worum geht es?

Beim Übergang zwischen zwei durchsichtigen Stoffen knickt der Lichtweg an der Grenzfläche: . Die Richtung des Knicks ist geregelt (ins dichtere Medium zum Lot hin, heraus vom Lot weg), und sein Ausmaß auch: Das Verhältnis sin⁡αsin⁡β\frac{\sin\alpha}{\sin\beta} ist für ein Stoffpaar konstant, es ist die Brechzahl nn. Die Regel hat eine dramatische Konsequenz: Oberhalb eines Grenzwinkels kommt Licht aus dem dichteren Stoff gar nicht mehr heraus. Diese Totalreflexion ist das Funktionsprinzip jeder Glasfaser.

Warum macht man dieses Experiment?

ist die dritte und letzte Grundregel der Strahlenoptik. Mit ihr sind , Auge, Brille, Regenbogen und Fata Morgana erklärbar. Und die Totalreflexion trägt buchstäblich das Internet: Fast der gesamte Datenverkehr der Welt läuft als gefangenes Licht durch Glasfasern. Der Wasserstrahl-Versuch von 1841 ist ihr direkter Vorfahr.

Die physikalische Idee

Vier Stufen: (1) Alltagsphänomene sammeln und mit dem Knick-Bild deuten. (2) An der Halbkreis-Wasserkammer die Winkelreihe messen: Ist sin α / sin β konstant? (3) Den Lichtweg umdrehen: von innen gegen die Grenzfläche, den Winkel steigern und den Verschwinde-Winkel des gebrochenen Strahls aufsuchen. (4) Die Anwendung: Licht im Wasserstrahl und in der Glasfaser einsperren.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

  • Reflexionsgesetz und Lot (Experiment ebener Spiegel)
  • Geradlinige Ausbreitung (Experiment)

Wissenschaftliche Einordnung

Ptolemäus vermaß Brechungswinkel schon um 150 n. Chr., fand aber kein Gesetz, denn er suchte es in den Winkeln statt in ihren Sinus-Werten. Snellius (1621) und Descartes formulierten es richtig; Fermat leitete es 1662 aus seinem Prinzip der schnellsten Ankunft her. Colladons Wasserstrahl-Demonstration von 1841 wurde 125 Jahre später zur Glasfaser, und Kao erhielt 2009 den Nobelpreis dafür.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Licht im Wasserstrahl: der Lichtleiter

Sperre Laserlicht in einen gebogenen Wasserstrahl und in eine Glasfaser und erkläre beides mit der Totalreflexion.

Gemessen

  • — Lichtweg im Strahl und in der Faser

    Qualitativ verfolgt: Bleibt das Licht trotz Krümmung im Leiter?

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Begründet die Führung: In Strahl und Faser trifft das Licht die Wand stets flacher als der Grenzwinkel erlaubt.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Richte den Laser durch die Flasche auf das seitliche Loch, lass den Wasserstrahl in die Wanne bogenförmig auslaufen und beobachte, wohin das Licht gelangt; wiederhole mit dem Glasfaser-Demostück um mehrere Ecken.

2Vorbetrachtung

Warum das Licht dem Bogen folgen sollte: Im Wasserstrahl läuft das Licht fast parallel zur Strahlrichtung. Es trifft die Wasser-Luft-Wand nur streifend, also unter Winkeln weit oberhalb des Grenzwinkels von 49° (gemessen zum Lot, das quer zum Strahl steht). Jede Wandberührung endet damit in Totalreflexion: Das Licht wird im Zickzack weitergereicht und folgt so jeder sanften Biegung, ein Spiegelrohr ganz ohne Spiegel. Nur wo der Strahl aufplatzt (Turbulenz, Auftreffpunkt in der Wanne), bricht Licht aus. Dort muss es hell werden, eine prüfbare Nebenvorhersage.

3Geräte / Stoffe

Das Loch sauber bohren, damit der Strahl glatt wird, und den Laser von der gegenüberliegenden Seite genau aufs Loch richten. Raum abdunkeln, und den Laser nie in Augenhöhe über die Wanne hinaus laufen lassen.

  • Halbkreis-Wasserkammer auf Winkelscheibe

    Der Trick des Aufbaus: Trifft der Strahl die Rundseite mittig, durchquert er sie ungebrochen. Gemessen wird dann nur der Übergang an der ebenen Fläche.

  • Leuchte mit Spaltblende

    Ein schmales Bündel für ablesbare Winkel.

  • PET-Flasche mit Loch + Laser

    Der historische Lichtleiter: Der Strahl folgt dem gebogenen Wasserstrahl.

  • Glasfaser-Demostück

    Die Totalreflexion als Datenkabel. Licht kommt auch am Ende gekrümmter Wege an.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Flasche mit Laser von links, Wasserbogen ins Becken; im Bogen gezeichneter Zickzack-Lichtweg mit Totalreflexionen an der Strahlwand.

Luft · n₁ = 1,00Wasser · n₂ = 1,33Lotαβn₂ > n₁: Brechung ZUM Lot (α > β)

Der Übergang Luft → Wasser: Der gebrochene Strahl knickt zum Lot hin. Einfalls- und Brechungswinkel werden beide am Lot gemessen, wie bei der .

Wasser · n₁ = 1,33Luft · n₂ = 1,00Lotαα > α_G ≈ 49°: kein gebrochener Strahl

Der umgekehrte Weg oberhalb des Grenzwinkels: Es gibt keinen gebrochenen Strahl mehr, die Grenzfläche wirkt als perfekter Spiegel. Das ist die Totalreflexion.

Aufbau: Winkelscheibe mit Halbkreis-Wasserkammer (oder Halbkreis-Glaskörper), Leuchte mit Spaltblende; Wasserglas mit Bleistift, undurchsichtiger Becher mit Münze; PET-Flasche mit seitlichem Loch, Laserpointer (Klasse 1/2), Wanne; Glasfaser-Demonstrationsstück.

5Durchführung

Laser einschalten und den Strahl laufen lassen: Leuchtet der Auftreffpunkt in der Wanne? Den Strahl mit dem Finger unterbrechen und wieder freigeben. Danach die Glasfaser: Licht einkoppeln, das andere Ende hinter einem Sichtschutz suchen und die Faser dabei kräftig biegen.

6Beobachtung

Beobachtungen an Wasserstrahl und Glasfaser
PrüfungErgebnis
Wasserstrahl mit Laserder Strahl glimmt schwach über die ganze Länge, der Auftreffpunkt in der Wanne leuchtet hell rot
seitlich am Bogenkaum Licht tritt aus; erst wo der Strahl zerfällt, sprüht es hell
Finger im Strahlder Fingerpunkt leuchtet, dahinter erlischt der Wannenfleck
Glasfaser, mehrfach gebogenvolles Licht am Faserende, unabhängig von den Biegungen; erst ein scharfer Knick lässt seitlich Licht entweichen

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Das Licht ist gefangen, wie vorhergesagt: Es folgt dem Wasserbogen bis in die Wanne und der Faser um jede Ecke. Die Wände arbeiten als perfekte Spiegel, solange das Licht sie flacher trifft, als der Grenzwinkel verlangt. Die Ausbruchstellen bestätigen die Regel im Negativ: Wo der Strahl turbulent zerfällt oder die Faser scharf knickt, wird die Wand plötzlich steiler getroffen, also unterhalb des Grenzwinkels, und es gibt statt Totalreflexion. Licht entweicht. Das schwache Glimmen längs des Strahls sind genau solche Störstellen im Kleinen.

Vom Küchenversuch zum Weltnetz: Colladon zeigte den leuchtenden Wasserstrahl 1841 als Salonexperiment, den „Lichtbrunnen“. Die Glasfaser ersetzt das Wasser durch hochreines Glas, so rein, dass Licht erst nach Dutzenden Kilometern merklich schwächer wird. Praktisch der gesamte Internetverkehr zwischen den Kontinenten läuft heute als totalreflektierte Laserpulse durch fingerdicke Faserbündel am Meeresgrund. Der Versuch in der Wanne und das Weltnetz benutzen dieselbe Formel: sin⁡αG=1/n\sin\alpha_\mathrm{G} = 1/n.

Auch im Körper: Endoskope führen Licht durch Faserbündel in den Magen und Bilder wieder heraus. Jede einzelne Faser transportiert einen Bildpunkt: Totalreflexion als Medizintechnik.

8Fazit

Laserlicht folgt dem Wasserbogen und der gebogenen Faser, eingesperrt durch lückenlose Totalreflexion an flach getroffenen Wänden. Ausbruch gibt es nur dort, wo Turbulenz oder Knicke den Grenzwinkel unterschreiten. Vom Lichtbrunnen von 1841 bis zur Glasfaser des Internets ist es dieselbe Physik.

9Fehlerbetrachtung

Bei diesem Demonstrationsversuch kosten Fehler vor allem Sichtbarkeit, nicht Wahrheit:

Turbulenter Wasserstrahleher systematisch

Ursache

Ausgefranstes Loch oder zu hoher Druck.

Auswirkung

Licht sprüht überall heraus, und die Lichtführung wirkt widerlegt.

Verbesserung

Glattes Loch und mäßiger Füllstand; ein glasiger Strahl führt am besten.

Laser verfehlt das Locheher zufällig

Ursache

Einkopplung neben der Strahlachse.

Auswirkung

Kaum Licht im Strahl.

Verbesserung

Flasche mit Wasser, Laser bei noch verschlossenem Loch ausrichten.

Zu helle Umgebungeher systematisch

Ursache

Das geführte Licht ist lichtschwach gegen Raumlicht.

Auswirkung

Glimmen und Wannenfleck unsichtbar.

Verbesserung

Abdunkeln, dunkle Wanne.

Das Wichtigste

Die Richtungsregel

Ins optisch dichtere Medium (Luft → Wasser oder Glas) knickt der Strahl zum Lot hin, heraus knickt er vom Lot weg. Bei senkrechtem Einfall gibt es keinen Knick. Das ist merkbar und konstruierbar.

Das Gesetz

sin⁡αsin⁡β=n\frac{\sin\alpha}{\sin\beta} = n: Nicht die Winkel selbst, sondern ihre Sinus-Werte stehen im festen Verhältnis. Für Wasser gilt n≈1,33n \approx 1{,}33, für Glas ≈1,5\approx 1{,}5.

Totalreflexion

Sie tritt nur vom dichteren ins dünnere Medium auf. Oberhalb des Grenzwinkels (sin⁡αG=1n\sin\alpha_\mathrm{G} = \frac{1}{n}; Wasser ≈ 49°, Glas ≈ 42°) existiert kein gebrochener Strahl mehr: 100 % , besser als jeder Metallspiegel.

Der Lichtleiter

In der Faser trifft das Licht die Wand stets flach, also oberhalb des Grenzwinkels. Es wird tausendfach total reflektiert und folgt so jeder Biegung. Glasfaser-Internet ist angewandte Totalreflexion.

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