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Optik

Brechung des Lichts und Totalreflexion

Warum der Löffel im Wasserglas geknickt aussieht, wann Licht gar nicht mehr austritt und wie Glasfaserkabel funktionieren.

Benötigte Grundlagen

Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.

Einführung

Steck einen Löffel schräg ins Wasserglas: Er sieht aus, als wäre er an der Wasseroberfläche geknickt. Der Löffel ist heil, deine Augen sind in Ordnung, und trotzdem siehst du etwas Falsches.

Genau dasselbe passiert jedem Reiher, der nach einem Fisch stößt, und jedem Menschen, der die Wassertiefe eines Sees unterschätzt. Ursache ist ein einziger Vorgang an der Grenze zwischen zwei Stoffen, und wenn man ihn verstanden hat, erklärt er auch, warum durch ein haardünnes Glasfaserkabel das halbe Internet passt.

Das kannst du nach diesem Kapitel

  • die Brechung des Lichts beschreiben und Strahlenverläufe zeichnen.

  • Einfalls- und Brechungswinkel messen und ihr Verhältnis deuten.

  • das Brechungsgesetz qualitativ für beide Übergangsrichtungen formulieren.

  • optisch dichter und optisch dünner korrekt verwenden.

  • die Totalreflexion und den Grenzwinkel erklären.

  • Alltagserscheinungen (geknickter Löffel, Lichtleiter, Prisma) mit der Brechung erklären.

Die Beobachtung

Ein schmales Lichtbündel trifft schräg auf eine Wasser- oder Glasoberfläche. Man sieht dann zwei Dinge gleichzeitig:

  • Ein Teil des Lichts wird an der Oberfläche reflektiert (, voriges Kapitel).
  • Der größere Teil dringt ein, knickt dabei aber ab. Diesen Richtungswechsel nennt man Brechung.

Gemessen werden wieder beide Winkel gegen das Lot: der Einfallswinkel α\alpha im ersten Stoff, der Brechungswinkel β\beta im zweiten.

Luft · n₁ = 1,00Wasser · n₂ = 1,33Lotαβn₂ > n₁: Brechung ZUM Lot (α > β)

Übergang Luft →\to Wasser: Der Strahl knickt zum Lot hin ab. Ein Teil des Lichts wird außerdem reflektiert (gestrichelt) und tritt gar nicht ein.

Die Messreihe

Übergang von Luft in Glas:

α\alpha (Luft)0°20°40°60°80°
β\beta (Glas)0°13°25°35°41°

Drei Dinge liest man daraus ab:

  1. Der Brechungswinkel ist immer kleiner als der Einfallswinkel. Der Strahl wird zum Lot hin gebrochen.
  2. Bei senkrechtem Einfall (α=0°\alpha = 0°) gibt es keine Brechung. Der Strahl läuft ungeknickt weiter.
  3. Die Winkel sind nicht proportional: Bei doppeltem α\alpha ist β\beta nicht doppelt so groß. 20°20° ergibt 13°13°, 40°40° aber nur 25°25° und nicht 26°26°.

Punkt 3 ist wichtig für die Ehrlichkeit: Man darf hier keine einfache Verhältnisgleichung aufstellen. Der genaue Zusammenhang (das snelliussche Brechungsgesetz mit dem Sinus) folgt in der Oberstufe. Für die Klassenstufe 7 gilt die qualitative Fassung, und die reicht für jede Konstruktion.

Optisch dichter und optisch dünner

Man ordnet die Stoffe danach, wie stark sie das Licht brechen:

  • Optisch dichter heißt: Licht breitet sich in diesem Stoff langsamer aus, der Stoff bricht stärker.
  • Optisch dünner heißt entsprechend das Gegenteil.

Reihenfolge: Luft (optisch dünn) →\to Wasser →\to Glas →\to Diamant (optisch sehr dicht).

🔴 Wichtige Warnung: „Optisch dichter" hat nichts mit der ρ\rho aus der Mechanik zu tun. Es gibt Stoffe mit großer Massendichte, die optisch dünn sind. Die Wortgleichheit ist eine Falle der deutschen Fachsprache und kein Zusammenhang.

Die Regel in beiden Richtungen

optisch du¨nn⟶optisch dicht:Brechung zum Lot hin(β<α)\text{optisch dünn} \longrightarrow \text{optisch dicht:} \quad \text{Brechung } \textbf{zum Lot hin} \quad (\beta < \alpha) optisch dicht⟶optisch du¨nn:Brechung vom Lot weg(β>α)\text{optisch dicht} \longrightarrow \text{optisch dünn:} \quad \text{Brechung } \textbf{vom Lot weg} \quad (\beta > \alpha)

Die zweite Zeile muss man nicht extra lernen. Licht läuft auf demselben Weg zurück, wenn man die Richtung umkehrt; deshalb ist der Weg von Glas nach Luft genau der umgekehrte Weg von Luft nach Glas. Das nennt man die Umkehrbarkeit des Lichtwegs.

Merkhilfe: Zum dichteren Stoff hin zum Lot hin.

Wasser · n₁ = 1,33Luft · n₂ = 1,00Lotαβn₂ < n₁: Brechung VOM Lot (α < β)

Dieselbe Grenzfläche, andere Richtung: Von Wasser nach Luft wird vom Lot weg gebrochen. Das ist keine zweite Regel, sondern derselbe Weg rückwärts (Umkehrbarkeit des Lichtwegs).

Warum der Löffel geknickt aussieht

Vom untergetauchten Teil des Löffels geht Licht aus. Beim Verlassen des Wassers (dicht nach dünn) wird es vom Lot weg gebrochen, läuft also flacher weiter.

Dein Auge weiß davon nichts. Es verlängert die ankommenden Strahlen geradlinig nach hinten, so wie es das immer tut. Der scheinbare Ort des Löffelendes liegt deshalb höher als der wirkliche, und das obere, nicht eingetauchte Stück passt nicht dazu: Der Löffel erscheint geknickt.

Genau dieselbe Verschiebung lässt jedes Gewässer flacher erscheinen, als es ist. Ein See mit 2 m2\,\text{m} Tiefe wirkt wie 1,5 m1{,}5\,\text{m}. Das ist keine Kuriosität, sondern eine der häufigsten Ursachen für Badeunfälle beim Kopfsprung.

Totalreflexion

Jetzt der interessanteste Fall. Geht Licht vom in den dünnen Stoff, wird es vom Lot weg gebrochen. Vergrößert man α\alpha Schritt für Schritt, wächst β\beta schneller mit:

α\alpha (Glas)10°20°30°40°41,8°45°
β\beta (Luft)15°31°49°75°90°kein austretender Strahl

Bei α=41,8°\alpha = 41{,}8° erreicht der gebrochene Strahl β=90°\beta = 90°, er streift also genau die Grenzfläche. Dieser Wert heißt Grenzwinkel αg\alpha_g.

Und darüber? Ein Winkel größer als 90°90° würde bedeuten, dass der Strahl in den dichten Stoff zurückläuft, dann wäre er aber nicht ausgetreten. Es gibt also keinen austretenden Strahl mehr. Das gesamte Licht wird an der Grenzfläche reflektiert, und zwar nach dem gewöhnlichen . Diese Erscheinung heißt Totalreflexion.

Zwei Bedingungen müssen zusammen erfüllt sein:

  1. Der Übergang geht vom optisch dichteren in den optisch dünneren Stoff.
  2. Der Einfallswinkel ist größer als der Grenzwinkel.

Grenzwinkel einiger Übergänge: Wasser/Luft 48,8°48{,}8°, Glas/Luft etwa 42°42°, Diamant/Luft 24,4°24{,}4°.

Der kleine Wert bei Diamant erklärt sein Funkeln: Licht, das hineingerät, wird im Inneren vielfach total reflektiert und tritt erst nach einem langen Weg konzentriert wieder aus.

Wasser · n₁ = 1,33Luft · n₂ = 1,00Lotαα > α_G ≈ 49°: kein gebrochener Strahl

Über dem Grenzwinkel gibt es keinen gebrochenen Strahl mehr, deshalb ist im unteren Stoff nichts eingezeichnet. Für Wasser gegen Luft liegt der Grenzwinkel bei rund 49°49°.

Anwendungen der Totalreflexion

AnwendungWas ausgenutzt wird
Lichtleiter/GlasfaserLicht bleibt über Kilometer im Kern gefangen
EndoskopBilder aus dem Körperinneren, ohne zu operieren
Umlenkprismen im Fernglasverlustfreier als Spiegel, kein Beschlag
Rückstrahler (Katzenauge)Licht kehrt genau zur Quelle zurück
Fata Morganawarme Luftschichten wirken optisch dünner

Das Glasfaserkabel verdient eine eigene Bemerkung: Der trifft die Wand des Faserkerns immer sehr flach, also mit großem Einfallswinkel, und wird deshalb bei jedem Auftreffen total reflektiert. „Total" heißt hier wörtlich 100 %100\,\%, im Gegensatz zu einem Spiegel, der immer ein paar Prozent schluckt. Nur deshalb sind Strecken von vielen Kilometern ohne Verstärker möglich.

Glasfaser (optisch dichter)außen Luft (optisch dünner)Überall ist der Winkel zum Lot größer als der Grenzwinkel.Glas gegen Luft: α_G ≈ 42°, kein Licht tritt aus

In der Faser trifft das Licht die Wand immer sehr flach, also mit großem Winkel zum Lot. Deshalb wird es bei jedem Auftreffen vollständig zurückgeworfen, und „vollständig“ heißt hier wörtlich 100 %100\,\%.

Lot45°45°Licht45° liegt über dem Grenzwinkel von etwa 42°Totalreflexion lenkt den Strahl um 90° um

Im Fernglas ersetzt dieses Prisma einen Spiegel: 45°45° liegen sicher über dem Grenzwinkel von etwa 42°42°, und anders als ein Spiegel schluckt die Totalreflexion nichts.

Das Prisma und der Regenbogen

Ein Prisma bricht das Licht zweimal, beim Eintritt und beim Austritt. Weil beide Brechungen in dieselbe Richtung ablenken, entsteht eine deutliche Gesamtablenkung.

Dabei zeigt sich etwas Neues: Weißes Licht wird in Farben zerlegt. Der Grund ist, dass die verschiedenen Farben unterschiedlich stark gebrochen werden, blaues Licht stärker als rotes. Diese Farbabhängigkeit heißt Dispersion.

Beim Regenbogen übernehmen Millionen Wassertröpfchen die Rolle des Prismas: Das Sonnenlicht wird beim Eintritt gebrochen, an der Rückseite des Tropfens reflektiert und beim Austritt erneut gebrochen. Weil jede Farbe dabei einen etwas anderen Winkel bekommt, sieht man den Bogen farbig. Deshalb steht der Regenbogen immer der Sonne gegenüber: Man muss die Sonne im Rücken haben.

Strahlengang durch eine Glasplatte

Ein trifft unter 50°50° auf eine planparallele Glasplatte (Ober- und Unterseite parallel). Beschreibe den Verlauf durch die Platte und begründe, in welche Richtung der Strahl austritt.

  1. 1

    Eintritt oben, Luft nach Glas. Das ist der Übergang vom optisch dünneren zum optisch dichteren Stoff, also wird zum Lot hin gebrochen:

    β1<50°,bei Glas etwa 31°\beta_1 < 50°, \quad \text{bei Glas etwa } 31°
  2. 2

    Geradliniger Weg durch das Glas. Innerhalb des Glases ändert sich der Stoff nicht, also bleibt der Strahl gerade. Er trifft die Unterseite unter demselben Winkel zum dortigen Lot, denn die beiden Lote sind parallel:

    α2=β1≈31°\alpha_2 = \beta_1 \approx 31°
  3. 3

    Austritt unten, Glas nach Luft. Jetzt geht es vom dichteren in den dünneren Stoff, also vom Lot weg. Und zwar um genau denselben Betrag, um den beim Eintritt zum Lot hin gebrochen wurde (Umkehrbarkeit des Lichtwegs):

    β2=50°\beta_2 = 50°
  4. 4

    Ergebnis: Der austretende Strahl ist parallel zum einfallenden, aber seitlich versetzt. Die beiden Brechungen heben sich in ihrer Richtungswirkung genau auf, weil Ober- und Unterseite parallel sind.

  5. 5

    Warum das anschaulich stimmt: Genau deshalb sieht man durch eine Fensterscheibe unverzerrt hinaus, obwohl das Licht zweimal gebrochen wird. Der Versatz ist bei einer dünnen Scheibe unter einem Millimeter und fällt nicht auf. Bei einer dicken Glasplatte und schrägem Blick sieht man ihn dagegen deutlich, wenn man einen Bleistift halb dahinter schiebt.

Der Strahl tritt parallel versetzt aus. Bei einer planparallelen Platte ändert sich die Richtung nicht, nur die Lage. Beim Prisma ist das anders: Dort sind die Flächen nicht parallel, deshalb addieren sich die Ablenkungen.

Wann tritt Totalreflexion ein?

Ein Taucher richtet eine Lampe von unten schräg zur Wasseroberfläche. Der Grenzwinkel Wasser/Luft beträgt 48,8°48{,}8°.

a) Was passiert bei α=30°\alpha = 30°?

b) Was passiert bei α=60°\alpha = 60°?

c) Warum sieht der Taucher bei flachem Blick die Wasseroberfläche wie einen Spiegel?

d) Kann der Taucher die ganze Welt über Wasser sehen?

  1. 1

    a) Bedingungen prüfen. Der Übergang geht von Wasser (dicht) nach Luft (dünn), Bedingung 1 ist erfüllt. Aber 30°<48,8°30° < 48{,}8°, Bedingung 2 ist nicht erfüllt.

    Ergebnis: Das Licht tritt aus und wird dabei vom Lot weg gebrochen, also flacher. Ein kleiner Teil wird zusätzlich reflektiert.

  2. 2

    b) Beide Bedingungen erfüllt: dicht nach dünn, und 60°>48,8°60° > 48{,}8°.

    Ergebnis: Totalreflexion. Kein Licht tritt aus, alles wird ins Wasser zurückgeworfen.

  3. 3

    c) Bei flachem Blick ist der Einfallswinkel groß. Schaut der Taucher fast waagerecht zur Oberfläche, liegt der Winkel zum Lot nahe 90°90°, also weit über dem Grenzwinkel. Von dort kommt kein Licht von oben herein; stattdessen sieht er das total reflektierte Licht aus dem Wasser selbst, etwa den Grund. Die Oberfläche wirkt dadurch wie ein Spiegel.

  4. 4

    d) Ja, aber zusammengedrängt. Alle Strahlen von oben, aus allen Richtungen zwischen senkrecht und streifend, werden beim Eintritt zum Lot hin gebrochen. Sie kommen deshalb sämtlich innerhalb des Kegels an, der dem Grenzwinkel entspricht.

    Der Taucher sieht die gesamte Welt über Wasser in einem kreisrunden Fenster von etwa 97,6°97{,}6° Öffnungswinkel (2⋅48,8°2 \cdot 48{,}8°) über sich. Taucher nennen es „Snell's Window". Außerhalb dieses Kreises ist die Oberfläche verspiegelt.

a) Austritt mit Brechung b) Totalreflexion c) weil bei flachem Blick α>αg\alpha > \alpha_g ist d) ja, gestaucht in ein Kreisfenster von etwa 98°98°.

Typischer Fehler

„Licht wird immer zum Lot hin gebrochen."

Das gilt nur für eine der beiden Richtungen. Die Regel hat zwei Hälften, und wer nur die erste lernt, zeichnet jeden zweiten Strahlengang falsch:

  • Luft nach Wasser oder Luft nach Glas: zum Lot hin (weil es in den dichteren Stoff geht)
  • Wasser nach Luft oder Glas nach Luft: vom Lot weg (weil es in den dünneren Stoff geht)

Wer die zweite Hälfte übersieht, kann die Totalreflexion überhaupt nicht erklären: Sie tritt ausschließlich beim Übergang ins optisch dünnere Medium auf, weil nur dort der Brechungswinkel bis 90°90° anwachsen kann. Ginge es immer zum Lot hin, bliebe β\beta stets kleiner als α\alpha und würde nie 90°90° erreichen.

Sichere Merkhilfe: „Zum dichteren Stoff hin zum Lot hin." Dieser eine Satz enthält beide Richtungen, denn er sagt umgekehrt auch, was beim Weg zum dünneren Stoff passiert.

Und eine zweite Falle im selben Satz: „Immer" stimmt auch deshalb nicht, weil bei senkrechtem Einfall gar keine Brechung stattfindet.

Übung 1

leicht

Gib jeweils an, ob der Strahl zum Lot hin oder vom Lot weg gebrochen wird:

a) Luft nach Wasser b) Glas nach Luft c) Wasser nach Glas d) Diamant nach Wasser

e) Was passiert bei senkrechtem Einfall von Luft in Glas?

Tipp anzeigen

Reihenfolge der optischen : Luft, Wasser, Glas, Diamant.

Lösung anzeigen

a) Luft (dünn) nach Wasser (dichter): zum Lot hin

b) Glas (dicht) nach Luft (dünner): vom Lot weg

c) Wasser nach Glas: Glas ist optisch dichter, also zum Lot hin

d) Diamant (sehr dicht) nach Wasser (dünner): vom Lot weg

e) Keine Brechung. Der Strahl verläuft entlang des Lotes und wird ungeknickt fortgesetzt. Es gibt bei senkrechtem Einfall keine bevorzugte Richtung, in die er abknicken könnte.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Die Rangfolge der optischen Dichte notieren

    Zuerst die Reihenfolge aufschreiben: Luft, Wasser, Glas: Diamant, von optisch dünn nach optisch dicht. Alle vier Fälle lassen sich dann allein durch Vergleich der beiden beteiligten Stoffe entscheiden.

  2. 2

    Die Regel und ihre Anwendung auf a) bis d)

    In den dichteren Stoff hinein wird zum Lot hin gebrochen, in den dünneren hinaus vom Lot weg. Damit: a) Luft nach Wasser, zum Lot hin. b) Glas nach Luft, vom Lot weg. c) Wasser nach Glas, zum Lot hin. d) Diamant nach Wasser, vom Lot weg.

  3. 3

    e) Warum senkrechter Einfall nicht gebrochen wird

    Bei senkrechtem Einfall verläuft der Strahl entlang des Lotes. Es gibt dann keine bevorzugte Richtung, in die er abknicken könnte. Er wird ungeknickt fortgesetzt.

  4. 4

    Ergebnis deuten: eine Regel für alle Stoffpaare

    Alle fünf Antworten folgen aus einer einzigen Regel und einer Rangfolge. Man muss sich also weder Stoffpaare noch Einzelfälle merken, nur, welcher Stoff Licht stärker verlangsamt.

Übung 2

mittel

Der Grenzwinkel für den Übergang Glas/Luft beträgt etwa 42°42°.

a) Was passiert bei α=35°\alpha = 35°, was bei α=50°\alpha = 50°?

b) Erkläre, warum in Ferngläsern Umlenkprismen statt Spiegel eingesetzt werden.

c) Ein Schüler fragt: „Warum tritt keine Totalreflexion auf, wenn Licht von Luft in Glas geht, auch nicht bei α=85°\alpha = 85°?"

Tipp anzeigen

c) Prüfe die erste Bedingung für Totalreflexion.

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a) Bei α=35°<42°\alpha = 35° < 42°: Das Licht tritt aus, vom Lot weg gebrochen. Ein kleiner Teil wird zusätzlich reflektiert.

Bei α=50°>42°\alpha = 50° > 42°: Totalreflexion, kein Licht tritt aus.

b) Ein 45°45°-Prisma nutzt Totalreflexion und wirft dabei 100 %100\,\% des Lichts zurück. Ein Spiegel dagegen schluckt an seiner Metallschicht immer einige Prozent, und diese Schicht kann anlaufen, sich ablösen oder beschlagen. Das Prisma ist außerdem mechanisch robust und braucht keine Beschichtung. Bei einem Fernglas mit mehreren Umlenkungen summieren sich diese Vorteile deutlich.

c) Weil die erste Bedingung nicht erfüllt ist. Totalreflexion gibt es nur beim Übergang vom optisch dichteren in den optisch dünneren Stoff. Von Luft nach Glas geht es in den dichteren Stoff, dort wird zum Lot hin gebrochen. Der Brechungswinkel wird also stets kleiner als der Einfallswinkel und kann 90°90° niemals erreichen, egal wie flach man einstrahlt. Bei α=85°\alpha = 85° ergibt sich in Glas ein Brechungswinkel von rund 41°41°, und der Strahl tritt ein.

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Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Den Einfallswinkel mit dem Grenzwinkel vergleichen

    Der Grenzwinkel Glas/Luft beträgt 42°42°. Bei α=35°\alpha = 35° liegt der Einfallswinkel darunter: Das Licht tritt aus, vom Lot weg gebrochen, und ein kleiner Teil wird zusätzlich reflektiert. Bei α=50°\alpha = 50° liegt er darüber: Totalreflexion, kein Licht tritt aus.

  2. 2

    b) Warum Ferngläser Prismen statt Spiegel verwenden

    Ein 45°45°-Prisma nutzt Totalreflexion und wirft dabei 100 %100\,\% des Lichts zurück. Ein Spiegel schluckt an seiner Metallschicht immer einige Prozent, und diese Schicht kann anlaufen, sich ablösen oder beschlagen.

  3. 3

    c) Warum es von Luft nach Glas keine Totalreflexion gibt

    Weil die erste Bedingung nicht erfüllt ist: Totalreflexion tritt nur beim Übergang vom optisch dichteren in den dünneren Stoff auf. Von Luft nach Glas geht es in den dichteren Stoff, dort wird zum Lot hin gebrochen.

  4. 4

    Ergebnis deuten: zwei Bedingungen, die beide gelten müssen

    Totalreflexion verlangt zweierlei: Übergang vom dichteren in den dünneren Stoff und Einfallswinkel über dem Grenzwinkel. Fehlt eine der beiden Bedingungen, tritt Licht aus.

Übung 3

schwer

a) Erkläre mit einer Skizzenbeschreibung, warum ein Schwimmbecken flacher aussieht, als es ist.

b) Warum sollte man deshalb nie kopfüber in unbekanntes Wasser springen?

c) Ein Glasfaserkabel leitet Licht über 50 km50\,\text{km} fast verlustfrei. Erkläre, warum das mit einem verspiegelten Rohr nicht funktionieren würde.

d) Erkläre die Entstehung einer Fata Morgana über heißem Asphalt.

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c) Rechne aus, was von 100 % nach 10000 an einem 99-prozentigen Spiegel übrig bleibt.

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a) Vom Beckenboden geht Licht nach oben. Beim Austritt aus dem Wasser (dicht nach dünn) wird es vom Lot weg gebrochen, verläuft also flacher. Das Auge kann diesen Knick nicht kennen und verlängert die ankommenden Strahlen geradlinig nach unten. Der Schnittpunkt dieser Verlängerungen liegt höher als der wirkliche Boden. Man sieht ein virtuelles Bild des Bodens, das etwa bei drei Vierteln der wahren Tiefe liegt.

b) Weil man die Tiefe deshalb systematisch unterschätzt. Ein Becken, das wie 1,5 m1{,}5\,\text{m} aussieht, ist in Wirklichkeit rund 2 m2\,\text{m} tief, und umgekehrt wirkt eine gefährlich flache Stelle tiefer, als sie ist. Kopfsprünge in unbekanntes Wasser führen genau deshalb regelmäßig zu schweren Wirbelsäulenverletzungen. Die Täuschung ist kein Einzelfall und lässt sich auch mit Übung nicht wegtrainieren, weil sie im Licht liegt und nicht im Auge.

c) Ein Spiegel reflektiert bestenfalls etwa 99 %99\,\% des Lichts. Bei sehr flachem Verlauf trifft der Strahl auf 50 km50\,\text{km} aber viele tausend Mal auf die Wand. Schon nach 10001000 Reflexionen bliebe

0,991000≈0,0000430{,}99^{1000} \approx 0{,}000043

also weniger als ein Zehntausendstel übrig, das Signal wäre längst verschwunden. Die Totalreflexion dagegen wirft wirklich 100 %100\,\% zurück, weil gar kein Weg für austretendes Licht existiert. Deshalb sind Faserstrecken über Dutzende Kilometer ohne Verstärker möglich, und deshalb liegen Glasfasern und keine Spiegelrohre im Atlantik.

d) Über heißem Asphalt ist die bodennahe Luftschicht sehr warm und dadurch optisch dünner als die kühlere Luft darüber. Licht vom Himmel, das sehr flach auf diese Schichtung trifft, wird beim Übergang in die dünnere Schicht immer weiter vom Lot weg gebrochen, bis schließlich Totalreflexion eintritt. Der Strahl wird nach oben zurückgelenkt und erreicht das Auge von unten.

Das Gehirn deutet Licht, das von unten kommt, als Spiegelung an einer Wasserfläche. Deshalb sieht man auf der trockenen Straße scheinbare Pfützen, die beim Näherkommen verschwinden: Die nötige flache Geometrie ist dann nicht mehr gegeben.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Warum das Becken flacher aussieht

    Vom Beckenboden geht Licht nach oben. Beim Austritt aus dem Wasser (dicht nach dünn) wird es vom Lot weg gebrochen, verläuft also flacher. Das Auge kennt diesen Knick nicht und verlängert die ankommenden Strahlen geradlinig nach unten, ihr Schnittpunkt liegt höher als der wirkliche Boden.

  2. 2

    b) Warum man nicht kopfüber in unbekanntes Wasser springt

    Weil man die Tiefe systematisch unterschätzt. Ein Becken, das wie 1,5 m1{,}5\,\text{m} aussieht, ist rund 2 m2\,\text{m} tief, und umgekehrt wirkt eine gefährlich flache Stelle tiefer, als sie ist.

  3. 3

    c) Warum ein verspiegeltes Rohr nicht genügt

    Ein Spiegel reflektiert bestenfalls etwa 99 %99\,\%. Bei sehr flachem Verlauf trifft der Strahl auf 50 km50\,\text{km} aber viele tausend Mal auf die Wand und die Verluste multiplizieren sich bei jeder Reflexion.

    0,991000≈0,0000430{,}99^{1000} \approx 0{,}000043, also weniger als ein Zehntausendstel

    Zwischenergebnis

    Nach 10001000 Reflexionen bleiben weniger als 0,005 %0{,}005\,\% des Lichts übrig.

  4. 4

    c) Warum die Totalreflexion anders ist

    Die Totalreflexion wirft wirklich 100 %100\,\% zurück, nicht, weil sie besonders gut wäre, sondern weil es gar keinen Weg für austretendes Licht gibt. Deshalb sind Faserstrecken über Dutzende Kilometer ohne Verstärker möglich.

  5. 5

    d) Ergebnis deuten: die Fata Morgana als Totalreflexion

    Über heißem Asphalt ist die bodennahe Luft sehr warm und dadurch optisch dünner als die kühlere Luft darüber. Sehr flach einfallendes Himmelslicht wird beim Übergang in die dünnere Schicht immer weiter vom Lot weg gebrochen, bis Totalreflexion eintritt, der Strahl wird nach oben zurückgelenkt und erreicht das Auge von unten.

Zusammenfassung

Beim schrägen Übergang zwischen zwei durchsichtigen Stoffen wird Licht teils reflektiert, teils gebrochen. Zum optisch dichteren Stoff hin knickt es zum Lot hin, zum dünneren vom Lot weg; bei senkrechtem Einfall bleibt es geradeaus. Die Winkel sind dabei nicht proportional, weshalb in Klasse 7 nur die qualitative Regel gilt. Weil das Auge die ankommenden Strahlen stets geradlinig verlängert, erscheinen untergetauchte Gegenstände verschoben und Gewässer flacher, als sie sind. Wächst der Einfallswinkel beim Weg vom dichteren zum dünneren Stoff über den Grenzwinkel, tritt gar kein Licht mehr aus: Bei dieser Totalreflexion wird alles zurückgeworfen. Genau darauf beruhen Glasfaserkabel, Endoskope, Umlenkprismen und die Fata Morgana.