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Stochastik

Vierfeldertafel und bedingte Wahrscheinlichkeit

Zwei Merkmale, ein Werkzeug: Daten sortieren und Wahrscheinlichkeiten unter Bedingungen.

Benötigte Grundlagen

Diese Themen kommen in diesem Kapitel vor und wurden vorher schon erklärt. Wenn dir eines davon unsicher vorkommt, frisch es kurz auf, sonst leg direkt los.

Einführung

„Wie wahrscheinlich ist ein Treffer, wenn es regnet?" Sobald eine Zusatzinformation ins Spiel kommt, ändern sich . Die Vierfeldertafel sortiert zwei Merkmale glasklar, und die bedingte Wahrscheinlichkeit rechnet mit dem Wissen, das man schon hat. Ein Werkzeug, das von der Medizin bis zur Spam-Erkennung überall arbeitet.

Das kannst du nach diesem Kapitel

  • Daten mit zwei Merkmalen in einer Vierfeldertafel darstellen und vervollständigen.

  • bedingte PB(A)P_B(A) berechnen und interpretieren.

  • zwischen PB(A)P_B(A) und PA(B)P_A(B) unterscheiden.

  • Ereignisse auf stochastische Unabhängigkeit prüfen.

  • zwischen Vierfeldertafel und wechseln.

Zwei Merkmale gleichzeitig, die Vierfeldertafel

Bisher hast du mit einem Merkmal betrachtet: Wie viele Sechsen? Wie viele rote ? Jetzt kommen Fragen dazu, bei denen zwei Merkmale gleichzeitig eine Rolle spielen.

Beispiel: Von 200200 Personen wird notiert, ob sie Sport treiben und ob sie in diesem Winter eine Erkältung hatten. Die Frage dahinter ist interessant: Schützt Sport vor Erkältungen?

Warum eine Tabelle und keine Liste

Bei zwei Merkmalen mit je zwei Möglichkeiten gibt es genau vier Personengruppen:

  • Sport und Erkältung
  • Sport, keine Erkältung
  • kein Sport, aber Erkältung
  • kein Sport, keine Erkältung

Diese vier Gruppen ordnet man in einer Tabelle mit zwei Zeilen und zwei Spalten an, daher der Name Vierfeldertafel. Kurzschreibweise: SS für „treibt Sport", Sˉ\bar{S} (gesprochen „S quer") für „treibt keinen Sport"; ebenso EE und Eˉ\bar{E} für die Erkältung.

Die Ränder sind das eigentliche Werkzeug

Um die vier Felder herum stehen die Randsummen: die Summe jeder Zeile und jeder Spalte, und ganz in der Ecke die Gesamtzahl. Das Bild unten zeigt sie gelb markiert.

Diese Ränder machen die Tafel so praktisch: Aus drei Zahlen kannst du die vierte immer erschließen. Steht in einer Zeile die Summe 120120 und in einem Feld 1616, dann muss im anderen Feld 120−16=104120 - 16 = 104 stehen. In Aufgaben ist die Tafel deshalb fast nie vollständig gegeben. Sie wird schrittweise ausgefüllt.

Und eine gute Kontrolle steckt gleich mit drin: Addiere die beiden Zeilensummen und dann die beiden Spaltensummen. Beide Male muss die Gesamtzahl herauskommen. Stimmt das nicht, ist irgendwo ein Fehler.

Von Anzahlen zu Wahrscheinlichkeiten

Bis hierher haben wir nur Personen gezählt. Eine entsteht daraus, indem du durch die Gesamtzahl teilst: das ist dieselbe Idee wie bei der aus Klasse 6:

P(S∩E)=16200=0,08=8 %P(S \cap E) = \frac{16}{200} = 0{,}08 = 8\,\%

Das Zeichen ∩\cap heißt „und" (beide Merkmale treffen zu). Gelesen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig ausgewählte Person Sport treibt und erkältet war, beträgt 8 %8\,\%."

Tipp für Aufgaben: Rechne so lange wie möglich mit Anzahlen und teile erst am Ende. Mit ganzen Zahlen verrechnet man sich seltener als mit .

200EĒΣS16104120S̄245680Σ40160200

200200 Personen nach Sport (SS) und Erkältung (EE). Die Randsummen (gelb) ergänzen jedes fehlende Feld. Für die bedingte „Erkältung, gegeben Sport" nimmst du nur die SS-Zeile: PS(E)=16120≈13,3 %P_S(E) = \dfrac{16}{120} \approx 13{,}3\,\%: Zähler-Zelle (rot) geteilt durch Randsumme der Bedingung.

Bedingte Wahrscheinlichkeit: die Frage nach einer Teilgruppe

Jetzt zurück zur Ausgangsfrage: Schützt Sport vor Erkältungen? Um das zu beantworten, darfst du nicht alle 200200 Personen betrachten. Du musst die Sportler unter sich vergleichen mit den Nicht-Sportlern unter sich.

Genau das leistet die bedingte . Sie beantwortet Fragen der Form: Wenn ich schon weiß, dass die Person Sport treibt, wie wahrscheinlich ist dann eine Erkältung?

Der Gedanke: die Grundmenge schrumpft

Normalerweise ist die Grundmenge „alle 200200 Personen". Sobald du aber weißt, dass die Person Sport treibt, sind die Nicht-Sportler aus dem Spiel. Deine neue Grundmenge sind nur noch die 120120 Sportler.

Von diesen 120120 Sportlern waren 1616 erkältet. Also:

PS(E)=16120≈0,133=13,3 %P_S(E) = \frac{16}{120} \approx 0{,}133 = 13{,}3\,\%

Man schreibt PS(E)P_S(E) und liest: „Wahrscheinlichkeit für EE unter der Bedingung SS". Das kleine SS unten nennt die Bedingung, das, was du schon weißt.

(In vielen Büchern und in der Oberstufe findest du dieselbe Sache als P(E∣S)P(E \mid S) geschrieben: Der senkrechte Strich wird „gegeben" gelesen, die Bedingung steht hinter dem Strich. Beide Schreibweisen bedeuten exakt dasselbe, merke dir: Was bei uns klein unten steht, steht dort hinter dem Strich.)

In der Tafel ist das ganz einfach zu finden:

PB(A)=ZelleRandsumme der BedingungP_B(A) = \frac{\text{Zelle}}{\text{Randsumme der Bedingung}}

Nicht durch die Gesamtzahl, sondern durch die Randsumme, denn die Bedingung legt fest, welche Zeile oder Spalte deine neue Grundmenge ist.

Allgemein mit Wahrscheinlichkeiten geschrieben lautet dieselbe Regel:

PB(A)=P(A∩B)P(B)P_B(A) = \frac{P(A \cap B)}{P(B)}

Warum ist das wirklich dieselbe Regel? Teile im ZelleRandsumme\frac{\text{Zelle}}{\text{Randsumme}} oben und unten durch die Gesamtzahl, der Wert eines Bruchs ändert sich beim und nicht (Klasse 6). Aus der Zelle geteilt durch die Gesamtzahl wird P(A∩B)P(A \cap B), aus der Randsumme geteilt durch die Gesamtzahl wird P(B)P(B). Bei uns: 16120=16/200120/200=0,080,6\frac{16}{120} = \frac{16/200}{120/200} = \frac{0{,}08}{0{,}6}, derselbe Wert.

Jetzt der Vergleich, und die Antwort auf die Ausgangsfrage

PS(E)=16120≈13,3 %PSˉ(E)=2480=30 %P_S(E) = \frac{16}{120} \approx 13{,}3\,\% \qquad\qquad P_{\bar{S}}(E) = \frac{24}{80} = 30\,\%

Unter den Sportlern war also nur etwa jeder Achte erkältet, unter den Nicht-Sportlern fast jeder Dritte. In diesen Daten geht Sport tatsächlich mit weniger Erkältungen einher.

Die Richtung darf man nicht vertauschen

Das ist der wichtigste Fehler dieses Kapitels. Vergleiche:

PS(E)=16120≈13,3 %aberPE(S)=1640=40 %P_S(E) = \frac{16}{120} \approx 13{,}3\,\% \qquad\text{aber}\qquad P_E(S) = \frac{16}{40} = 40\,\%

Beide Brüche haben denselben . Es ist dieselbe Personengruppe von 1616 Leuten. Aber die sind verschieden, weil die Bedingung verschieden ist:

  • PS(E)P_S(E) fragt: Unter den Sportlern, wie viele waren erkältet?
  • PE(S)P_E(S) fragt: Unter den Erkälteten, wie viele treiben Sport?

Das sind völlig verschiedene Fragen. Achte in Aufgabentexten auf das Signalwort: „von den Sportlern …" oder „… unter den Erkälteten" verrät dir die Bedingung, also den Nenner. Frage dich immer: Welche Gruppe ist hier mein neues Ganzes?

Unabhängigkeit: wenn die Bedingung nichts ändert

Manchmal ändert eine Zusatzinformation die , manchmal aber auch nicht. Der zweite Fall hat einen eigenen Namen.

Der Gedanke

Zwei Ereignisse heißen stochastisch unabhängig, wenn das Wissen über das eine die Wahrscheinlichkeit des anderen nicht verändert:

PB(A)=P(A)P_B(A) = P(A)

In Worten: Es macht keinen Unterschied, ob du die Bedingung kennst oder nicht. Beim zum Beispiel ist der zweite Wurf unabhängig vom ersten, der Würfel hat kein Gedächtnis.

Die praktische Prüfregel

Aus der Definition der bedingten Wahrscheinlichkeit lässt sich eine bequemere Form gewinnen. Setze PB(A)=P(A∩B)P(B)P_B(A) = \frac{P(A \cap B)}{P(B)} in die Bedingung ein und multipliziere beide Seiten mit P(B)P(B):

P(A∩B)P(B)=P(A)∣  ⋅P(B)\frac{P(A \cap B)}{P(B)} = P(A) \qquad\Big|\; \cdot P(B) P(A∩B)=P(A)⋅P(B)P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B)

Das ist dasselbe Kriterium, nur ohne , und deshalb die Form, mit der man rechnet. Merke: Bei Unabhängigkeit darf man die Wahrscheinlichkeiten einfach multiplizieren.

Unsere Daten geprüft

Aus der Tafel: P(S)=120200=0,6P(S) = \frac{120}{200} = 0{,}6 und P(E)=40200=0,2P(E) = \frac{40}{200} = 0{,}2. Wären Sport und Erkältung unabhängig, müsste gelten:

P(S)⋅P(E)=0,6⋅0,2=0,12P(S) \cdot P(E) = 0{,}6 \cdot 0{,}2 = 0{,}12

Tatsächlich steht in der Tafel aber

P(S∩E)=16200=0,08P(S \cap E) = \frac{16}{200} = 0{,}08

0,08≠0,120{,}08 \neq 0{,}12, die beiden Merkmale sind also abhängig. Das passt zu dem, was wir eben gesehen haben: Die Erkältungswahrscheinlichkeit unterscheidet sich bei Sportlern und Nicht-Sportlern deutlich.

Eine wichtige Warnung zum Schluss: „Abhängig" bedeutet nicht automatisch „das eine verursacht das andere". Vielleicht schützt Sport vor Erkältungen, vielleicht sind aber auch gesündere Menschen einfach eher sportlich. Statistik zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. Wer aus einer Vierfeldertafel eine Ursache ableitet, geht einen Schritt zu weit.

Dieselbe Information als Baumdiagramm

Vierfeldertafel und (Klasse 8) beschreiben dieselbe Situation, nur in verschiedener Darstellung. Es lohnt sich, beide zu beherrschen, denn jede hat ihre Stärke:

  • Die Tafel ist stark, wenn du Anzahlen ergänzen willst (Randsummen!).
  • Der Baum ist stark, wenn ein Vorgang in Stufen abläuft.

Der entscheidende Zusammenhang

Schau dir das Baumdiagramm unten an. Auf der ersten Stufe stehen die gewöhnlichen P(S)P(S) und P(Sˉ)P(\bar{S}). Auf der zweiten Stufe stehen (und das ist der Punkt) genau die bedingten Wahrscheinlichkeiten:

PS(E)=16120PSˉ(E)=2480P_S(E) = \frac{16}{120} \qquad P_{\bar S}(E) = \frac{24}{80}

Das muss so sein: Wenn du auf dem oberen Ast bereits bei den Sportlern angekommen bist, sind die Nicht-Sportler aus dem Spiel, die Grundmenge ist geschrumpft. Genau das ist eine Bedingung.

Damit ist die Pfadregel keine neue Regel

Die 1. aus Klasse 8 sagte: Entlang eines Pfades werden die Wahrscheinlichkeiten multipliziert.

P(S∩E)=P(S)⋅PS(E)P(S \cap E) = P(S) \cdot P_S(E)

Und das ist nichts anderes als die umgestellte Definition der bedingten Wahrscheinlichkeit, multipliziere PS(E)=P(S∩E)P(S)P_S(E) = \frac{P(S \cap E)}{P(S)} auf beiden Seiten mit P(S)P(S), und du bist genau dort. Zur Kontrolle mit unseren Zahlen:

0,6⋅16120=0,6⋅0,13‾=0,08  ✓0{,}6 \cdot \frac{16}{120} = 0{,}6 \cdot 0{,}1\overline{3} = 0{,}08 \;\checkmark

Was du daraus mitnehmen solltest: Die Multiplikation im Baumdiagramm hast du schon immer benutzt, jetzt weißt du, warum sie funktioniert. In der Oberstufe wird derselbe Zusammenhang unter dem Namen Satz von Bayes wieder auftauchen.

0,616/120104/1200,424/8056/80EĒSEĒS̄

Dieselben Daten als : Die Astwahrscheinlichkeiten der zweiten Stufe sind genau die bedingten (z. B. PS(E)=16120P_S(E) = \tfrac{16}{120}). Die 1. ist die umgestellte Definition: P(S∩E)=P(S)⋅PS(E)P(S \cap E) = P(S) \cdot P_S(E).

Denk weiter: In der Tafel liest du P(E) einfach am Rand ab: 40 von 200. Im Baumdiagramm steht diese 40 nirgends. Wie bekommst du P(E) trotzdem aus dem Baum, und warum stimmt es?

Versuch es erst selbst, du brauchst beide aus Klasse 8.

Im Baum führen zwei Pfade zu einer Erkältung: über die Sportler (SS, dann EE) und über die Nicht-Sportler (Sˉ\bar S, dann EE). Rechne beide mit der 1. Pfadregel (entlang des Pfades multiplizieren):

P(S∩E)=0,6⋅16120=0,08P(Sˉ∩E)=0,4⋅2480=0,12P(S \cap E) = 0{,}6 \cdot \frac{16}{120} = 0{,}08 \qquad\qquad P(\bar S \cap E) = 0{,}4 \cdot \frac{24}{80} = 0{,}12

Die beiden Pfade schließen sich gegenseitig aus, niemand ist Sportler und Nicht-Sportler. Also darfst du die 2. Pfadregel anwenden („oder heißt plus", und ihre Bedingung ist hier wirklich erfüllt):

P(E)=0,08+0,12=0,2P(E) = 0{,}08 + 0{,}12 = 0{,}2

Genau der Wert vom Tafelrand: 40200=0,2\frac{40}{200} = 0{,}2 ✓

Warum das stimmen muss: Die beiden Pfade zerlegen die Erkälteten restlos in zwei Gruppen, erkältete Sportler (1616) und erkältete Nicht-Sportler (2424). Und 16+24=4016 + 24 = 40 ist genau die Spalten-Randsumme. Der Baum versteckt diese Zahl nur, weil er nach Sport sortiert, nicht nach Erkältung.

Das ist zugleich der Kern der Arbeitsteilung aus dem Theorieblock: Die Tafel zeigt beide Randsummen direkt, der Baum muss die eine davon aus zwei Pfaden zusammensetzen, spielt seine Stärke dafür bei stufenweisen Vorgängen aus. Wer zwischen beiden Darstellungen wechseln kann, sucht sich für jede Frage das bequemere Werkzeug. (In der Oberstufe bekommt dieser Rechenweg einen eigenen Namen: totale .)

Vierfeldertafel vervollständigen

Von 150150 Kindern besitzen 9090 ein Fahrrad. 6060 Kinder besitzen einen Roller, 4040 davon haben auch ein Fahrrad. Erstelle die vollständige Vierfeldertafel.

  1. 1

    Zuerst die Angaben einsortieren. Der Text nennt vier Zahlen, und sie gehören an ganz verschiedene Stellen der Tafel:

    • 150150 = Gesamtzahl (Ecke unten rechts)
    • 9090 mit Fahrrad = Randsumme einer Zeile
    • 6060 mit Roller = Randsumme einer Spalte
    • 4040 mit Fahrrad und Roller = eine einzelne Zelle

    Die entscheidende Unterscheidung: Randsummen betreffen ein Merkmal allein, Zellen betreffen beide Merkmale gleichzeitig. Das Wörtchen „davon" im Satz „4040 davon haben auch ein Fahrrad" verrät, dass hier eine Zelle gemeint ist.

  2. 2

    Das Gerüst aufschreiben, mit den bekannten Werten und Lücken für den Rest:

    Rollerkein RollerΣ
    Rad4040?9090
    kein Rad???
    Σ6060?150150

    Vier Felder fehlen noch. Sie lassen sich alle über die Randsummen erschließen, genau dafür sind die Ränder da.

  3. 3

    Erste Lücke: die Spalte „Roller". In dieser Spalte stehen zusammen 6060 Kinder, davon haben 4040 auch ein Rad. Für „Roller, aber kein Rad" bleibt:

    60−40=2060 - 40 = 20
  4. 4

    Zweite Lücke: die Zeile „Rad". Insgesamt 9090 Kinder haben ein Rad, 4040 davon auch einen Roller. Also haben ein Rad, aber keinen Roller:

    90−40=5090 - 40 = 50
  5. 5

    Dritte Lücke: „weder noch". Jetzt kennen wir drei der vier Zellen. Alle vier zusammen müssen die Gesamtzahl ergeben:

    150−40−20−50=40150 - 40 - 20 - 50 = 40

    Alternativ über die Zeile: Kinder ohne Rad sind 150−90=60150 - 90 = 60; davon haben 2020 einen Roller, also 60−20=4060 - 20 = 40 keinen. Beide Wege führen zum selben Wert, schon das ist eine Kontrolle.

  6. 6

    Zum Schluss: die Ränder prüfen. Das ist die eingebaute Selbstkontrolle der Vierfeldertafel. Jede Zeile und jede Spalte muss aufgehen, und alle Randsummen müssen zusammen die Gesamtzahl ergeben:

    • Spalte „kein Roller": 50+40=9050 + 40 = 90 ✓ (und 60+90=15060 + 90 = 150 ✓)
    • Zeile „kein Rad": 20+40=6020 + 40 = 60 ✓ (und 90+60=15090 + 60 = 150 ✓)

    Alles stimmt, die Tafel ist vollständig und fehlerfrei.

Rollerkein RollerΣ
Rad404050509090
kein Rad202040406060
Σ60609090150150

Das Vorgehen ist immer dasselbe: bekannte Werte eintragen → fehlende über die Randsummen ergänzen (Zeile oder Spalte, in der nur noch ein Wert fehlt) → am Ende alle Ränder gegenprüfen.

Bedingte Wahrscheinlichkeiten in beide Richtungen

Mit der Tafel aus dem letzten Beispiel: a) Wie wahrscheinlich besitzt ein Rollerbesitzer auch ein Fahrrad? b) Wie wahrscheinlich besitzt ein Fahrradbesitzer auch einen Roller?

  1. 1

    Worin unterscheiden sich die beiden Fragen? Auf den ersten Blick klingen sie fast gleich, tatsächlich betrachten sie aber verschiedene Gruppen:

    • a) betrachtet nur die Rollerbesitzer (6060 Kinder).
    • b) betrachtet nur die Fahrradbesitzer (9090 Kinder).

    Das Signalwort steckt jeweils im ersten Substantiv: Wovon wird ausgegangen? Diese Gruppe ist die Bedingung, und sie liefert den .

  2. 2

    a) Die neue Grundmenge festlegen. Wir wissen bereits, dass das Kind einen Roller hat. Alle anderen scheiden aus. Unsere Grundmenge sind also nur noch die 6060 Rollerbesitzer. Das ist die Randsumme der Spalte „Roller".

    Von diesen 6060 haben 4040 auch ein Fahrrad (die Zelle).

  3. 3

    a) Rechnen.

    PRoller(Rad)=ZelleRandsumme der Bedingung=4060=23≈0,667=66,7 %P_{\text{Roller}}(\text{Rad}) = \frac{\text{Zelle}}{\text{Randsumme der Bedingung}} = \frac{40}{60} = \frac{2}{3} \approx 0{,}667 = 66{,}7\,\%

    In Worten: Etwa zwei von drei Rollerbesitzern haben auch ein Fahrrad.

  4. 4

    b) Jetzt die andere Richtung. Diesmal ist die Bedingung „hat ein Fahrrad", die Grundmenge sind also die 9090 Fahrradbesitzer (Randsumme der Zeile „Rad"). Von ihnen haben 4040 auch einen Roller, dieselbe Zelle wie eben.

    PRad(Roller)=4090=49≈0,444=44,4 %P_{\text{Rad}}(\text{Roller}) = \frac{40}{90} = \frac{4}{9} \approx 0{,}444 = 44{,}4\,\%
  5. 5

    Die beiden Ergebnisse vergleichen. Das ist der Kern der Aufgabe.

    66,7 %gegenu¨ber44,4 %66{,}7\,\% \qquad\text{gegenüber}\qquad 44{,}4\,\%

    Beide haben denselben (4040 Kinder mit beidem), aber verschiedene Nenner. Deshalb sind die Ergebnisse verschieden.

    Woran liegt das anschaulich? Es gibt mehr Fahrradbesitzer (9090) als Rollerbesitzer (6060). Die 4040 „Doppelbesitzer" machen deshalb unter den Rollerfahrern einen größeren Anteil aus als unter den Radfahrern.

    Die Lehre: PA(B)P_A(B) und PB(A)P_B(A) sind nicht dasselbe. Frage dich bei jeder Aufgabe zuerst: Welche Gruppe ist mein neues Ganzes?

a) PRoller(Rad)=23≈66,7 %P_{\text{Roller}}(\text{Rad}) = \frac{2}{3} \approx 66{,}7\,\% · b) PRad(Roller)=49≈44,4 %P_{\text{Rad}}(\text{Roller}) = \frac{4}{9} \approx 44{,}4\,\%

Gleiche Zelle, verschiedene Nenner, die Richtung der Bedingung verändert das Ergebnis deutlich. Genau dieser Denkfehler führt im Alltag oft zu falschen Schlüssen aus Statistiken.

Unabhängigkeit prüfen

Eine Glücksrad-Statistik liefert: P(A)=0,5P(A) = 0{,}5 (Feld ist rot), P(B)=0,4P(B) = 0{,}4 (Gewinn), P(A∩B)=0,2P(A \cap B) = 0{,}2 (rot und Gewinn). Sind „rot" und „Gewinn" unabhängig?

  1. 1

    Was soll hier eigentlich geprüft werden? Die Frage lautet inhaltlich: Verrät die Farbe etwas über den Gewinn? Wenn rote Felder häufiger (oder seltener) gewinnen als andere, hängen die Ereignisse zusammen. Wenn die Farbe keinerlei Hinweis gibt, sind sie unabhängig.

  2. 2

    Welches Kriterium nehmen wir? Für die Prüfung gibt es die bequeme Produktform:

    A und B unabha¨ngig⟺P(A∩B)=P(A)⋅P(B)A \text{ und } B \text{ unabhängig} \quad\Longleftrightarrow\quad P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B)

    Wir haben alle drei Werte gegeben. Wir müssen also nur die rechte Seite ausrechnen und mit der linken vergleichen.

  3. 3

    Rechte Seite berechnen.

    P(A)⋅P(B)=0,5⋅0,4=0,2P(A) \cdot P(B) = 0{,}5 \cdot 0{,}4 = 0{,}2
  4. 4

    Vergleichen. Laut Angabe ist P(A∩B)=0,2P(A \cap B) = 0{,}2.

    0,2=0,2  ✓0{,}2 = 0{,}2 \;\checkmark

    Beide Seiten stimmen exakt überein. Damit ist das Kriterium erfüllt.

  5. 5

    Gegenprobe über die bedingte Wahrscheinlichkeit. Wenn die Ereignisse wirklich unabhängig sind, darf die Bedingung nichts ändern. Prüfen wir:

    PA(B)=P(A∩B)P(A)=0,20,5=0,4P_A(B) = \frac{P(A \cap B)}{P(A)} = \frac{0{,}2}{0{,}5} = 0{,}4

    Und P(B)=0,4P(B) = 0{,}4, genau derselbe Wert. Ob wir wissen, dass das Feld rot ist, oder nicht: Die Gewinnwahrscheinlichkeit bleibt bei 40 %40\,\% ✓

Die Ereignisse sind stochastisch unabhängig: Zu wissen, dass das Feld rot ist, verrät nichts über den Gewinn.

Vorsicht bei der Formulierung: „Unabhängig" ist ein rein rechnerischer Befund. Er bedeutet nicht, dass zwischen den Ereignissen kein Zusammenhang bestehen könnte. Er bedeutet nur, dass sich die durch die Zusatzinformation nicht ändert.

Typischer Fehler

„90 % der Erkälteten waren diese Woche draußen in der Kälte: Kälte verursacht also mit 90 % eine Erkältung!"

Hier werden PE(K)P_E(K) und PK(E)P_K(E) verwechselt! Dass Erkältete oft in der Kälte waren (PE(K)=0,9P_E(K) = 0{,}9), sagt fast nichts über das Erkältungsrisiko in der Kälte (PK(E)P_K(E)), vielleicht waren ja alle Menschen diese Woche draußen. Für PK(E)P_K(E) braucht man den Anteil der Erkälteten unter den Kälte-Ausgesetzten. Immer fragen: Was ist die Bedingung, was steht im ?

Übung 1

leicht

In einer Klasse (30 Kinder) spielen 18 ein Instrument, 12 davon sind Mädchen. Insgesamt sind 16 Mädchen in der Klasse. Vervollständige die Vierfeldertafel (Instrument ja/nein × Mädchen/Junge).

Tipp anzeigen

Erst die Ränder, dann die Differenzen.

Lösung anzeigen
MädchenJungeΣ
Instrument12618
kein Instr.4812
Σ161430
Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Gegebene Zahlen einsortieren

    Direkt aus dem Text: Gesamtsumme 3030, Zeile „Instrument" gesamt 1818, Feld „Mädchen mit Instrument" 1212, Spalte „Mädchen" gesamt 1616.

  2. 2

    Lücken durch Randsummen füllen

    Jede Zeile und Spalte muss aufgehen: Jungen mit Instrument 18−12=618 - 12 = 6; Mädchen ohne 16−12=416 - 12 = 4; Jungen gesamt 30−16=1430 - 16 = 14; Jungen ohne 14−6=814 - 6 = 8; „kein Instrument" gesamt 30−18=1230 - 18 = 12.

    18−12=6,16−12=4,30−16=14,14−6=818-12=6, \quad 16-12=4, \quad 30-16=14, \quad 14-6=8

  3. 3

    Kreuzprobe über die zweite Richtung

    Kontrolle der Zeile „kein Instrument": 4+8=124 + 8 = 12 ✓ und der Gesamtsumme: 18+12=30=16+1418 + 12 = 30 = 16 + 14 ✓.

Übung 2

mittel

Mit der Tafel aus Übung 1: a) Wie groß ist die , dass ein zufällig gewähltes Mädchen ein Instrument spielt? b) Und dass ein Instrument spielendes Kind ein Junge ist?

Tipp anzeigen

Bedingung = !

Lösung anzeigen

a) PM(Instr)=1216=75 %P_{\text{M}}(\text{Instr}) = \frac{12}{16} = 75\,\%

b) PInstr(Junge)=618=13≈33,3 %P_{\text{Instr}}(\text{Junge}) = \frac{6}{18} = \frac{1}{3} \approx 33{,}3\,\%

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Die Bedingung wechselt den Grundwert

    „Ein zufällig gewähltes MÄDCHEN", gezogen wird nur aus den 1616 Mädchen. Davon spielen 1212 ein Instrument: PM(Instr)=1216=75 %P_{\text{M}}(\text{Instr}) = \frac{12}{16} = 75\,\%.

  2. 2

    b) Andere Bedingung, andere Spalte/Zeile

    Jetzt ist die Bedingung „spielt ein Instrument": 1818. Davon sind 66 Jungen: PInstr(Junge)=618=13≈33,3 %P_{\text{Instr}}(\text{Junge}) = \frac{6}{18} = \frac{1}{3} \approx 33{,}3\,\%.

    618=13\frac{6}{18} = \frac{1}{3}

  3. 3

    Die Richtung der Bedingung ernst nehmen

    Vergleiche: PM(Instr)=75 %P_{\text{M}}(\text{Instr}) = 75\,\%, aber PInstr(M)=1218≈67 %P_{\text{Instr}}(\text{M}) = \frac{12}{18} \approx 67\,\%, verschiedene Fragen, verschiedene Antworten.

Übung 3

schwer

Bei einem Test sind 5 % der Bauteile defekt. Ein Prüfgerät erkennt 98 % der defekten Teile (schlägt an), meldet aber auch bei 4 % der intakten Teile fälschlich Alarm. Von 1000 Teilen: a) Fülle die Vierfeldertafel (defekt/intakt × Alarm/kein Alarm). b) Das Gerät schlägt Alarm, wie wahrscheinlich ist das Teil wirklich defekt?

Tipp anzeigen

a) 50 defekt; 49 davon Alarm. Intakt: 950; 38 Fehlalarme. b) Bedingung „Alarm".

Lösung anzeigen

a) Defekt: 50 → Alarm 49, kein Alarm 1. Intakt: 950 → Alarm 38, kein Alarm 912.

Alarm gesamt: 49+38=8749 + 38 = 87.

b) PAlarm(defekt)=4987≈56,3 %P_{\text{Alarm}}(\text{defekt}) = \frac{49}{87} \approx 56{,}3\,\%

Trotz „98 % Erkennungsrate" ist bei Alarm nur gut jedes zweite Teil wirklich defekt, weil es so viel mehr intakte Teile gibt! (Dieses Phänomen macht z. B. medizinische Tests bei seltenen Krankheiten schwer interpretierbar.)

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

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    a) Erst die Ränder: defekt und intakt

    Von 10001000 Teilen sind 5 %5\,\% defekt: 5050 defekt, 950950 intakt, die beiden Spaltensummen.

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    a) Innenfelder über die Geräte-Raten

    Defekte: 98 %98\,\% von 5050 → Alarm 4949, kein Alarm 11. Intakte: 4 %4\,\% von 950950 → Fehlalarm 3838, kein Alarm 912912.

    0,98⋅50=49,0,04⋅950=380{,}98 \cdot 50 = 49, \quad 0{,}04 \cdot 950 = 38

  3. 3

    b) Die Alarm-Zeile als neue Welt

    Gefragt ist PAlarm(defekt)P_{\text{Alarm}}(\text{defekt}): Von den 8787 Alarmen betreffen 4949 wirklich defekte Teile: 4987≈56,3 %\frac{49}{87} \approx 56{,}3\,\%.

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    Das Ergebnis deuten: Warum so niedrig?

    Trotz 98 %98\,\% Erkennungsrate ist bei Alarm nur gut jedes zweite Teil defekt, weil die riesige Mehrheit intakter Teile selbst bei kleiner Fehlerrate (4 %4\,\%) viele Fehlalarme produziert (3838, fast so viele wie die 4949 echten).

Zusammenfassung

Die Vierfeldertafel ordnet zwei Merkmale mit selbstprüfenden Rändern; jede Zelle durch ihren Bedingungs-Rand ergibt die bedingte PB(A)P_B(A). Die Richtung der Bedingung entscheidet über den , und damit oft über das halbe Ergebnis. Unabhängigkeit heißt: Die Bedingung ändert nichts (P(A∩B)=P(A)P(B)P(A \cap B) = P(A) P(B)), alles andere ist Zusammenhang, aber noch lange keine Ursache.