Funktionen
Direkte und indirekte Proportionalität
Je mehr, desto mehr, oder desto weniger? Beide Zusammenhänge erkennen und berechnen.
Benötigte Grundlagen
Diese Themen kommen in diesem Kapitel vor und wurden vorher schon erklärt. Wenn dir eines davon unsicher vorkommt, frisch es kurz auf, sonst leg direkt los.
Einführung
Doppelt so viele Brötchen kosten doppelt so viel, aber doppelt so viele Maler brauchen halb so lange! Zwei völlig verschiedene Zusammenhänge, die beide ständig im Alltag auftauchen. Wer sie unterscheiden kann, wählt automatisch den richtigen , und tappt nie wieder in die „Alles-ist-proportional"-Falle.
Das kannst du nach diesem Kapitel
direkte (Quotientengleichheit) und indirekte Proportionalität (Produktgleichheit) unterscheiden.
den für beide Typen korrekt anwenden.
die Graphen unterscheiden: Ursprungsgerade vs. Hyperbel.
in Sachsituationen entscheiden, welcher Zusammenhang (oder keiner!) vorliegt.
Direkt proportional (Wiederholung)
„Je mehr, desto entsprechend mehr": doppelte Menge → doppelter Preis.
- Kennzeichen: Quotientengleichheit .
- : · Graph: Ursprungsgerade (siehe Bild).
- : zur dividieren, zum Ziel multiplizieren (gleiche Richtung in beiden Spalten).
Warum der Quotient konstant bleibt
Nimm Äpfel für € je Kilogramm:
| Menge | Preis | |
|---|---|---|
| € | ||
| € | ||
| € |
Der Quotient ist immer , und das ist kein Zufall: Er ist schlicht der Preis pro Kilogramm. Der ändert sich ja nicht, egal wie viel du kaufst.
Deshalb ist die Quotientengleichheit das Erkennungsmerkmal: Steckt hinter der Situation ein fester „Preis pro Stück", muss konstant sein.
Diese feste Zahl heißt .
Warum der Graph durch den Ursprung geht
Setze ein: Null Kilogramm Äpfel kosten null Euro. Der Punkt gehört also immer dazu.
Das ist ein nützlicher Schnelltest: Geht die Gerade nicht durch den Ursprung, ist es keine direkte Proportionalität. Bei einem Handytarif mit Grundgebühr etwa startet die Gerade oberhalb der Null. Dort ist der Dreisatz verboten.
direkt proportional
: Alle Punkte liegen auf einer Geraden durch den Ursprung. Doppeltes → doppeltes , der Quotient ist konstant.
Indirekt proportional, das neue Muster
„Je mehr, desto entsprechend weniger": doppelt so viele Pumpen → halbe Zeit.
- Kennzeichen: Produktgleichheit (konstant!).
- : · Graph: Hyperbel (fällt, berührt die Achsen nie, siehe Bild).
- : Die Spalten laufen gegenläufig, wird links dividiert, wird rechts multipliziert!
Beispiel: Pumpen leeren ein Becken in Stunden. Für Pumpe: ; für Pumpen: . Logik-Check: „Pumpenstunden".
Warum hier das Produkt konstant ist
Der Schlüssel steckt in der Größe, die sich nicht ändert: die zu leistende Arbeit.
Egal wie viele Pumpen laufen, das Becken bleibt gleich groß. Und die Arbeit misst du in „Pumpenstunden": Anzahl der Pumpen mal Laufzeit.
Deshalb muss das Produkt konstant sein. Genau darin liegt der Unterschied zur direkten , wo der Quotient feststeht.
Suche bei jeder indirekten Aufgabe diese verborgene Gesamtmenge. Sie ist der eigentliche Kern:
| Situation | konstante Gesamtmenge |
|---|---|
| Pumpen ↔ Zeit | zu pumpende Wassermenge |
| Arbeiter ↔ Bauzeit | Gesamtarbeit |
| Kinder ↔ Reichweite des Vorrats | Gesamtvorrat |
| Geschwindigkeit ↔ Fahrzeit | zurückzulegende Strecke |
Warum der Dreisatz hier gegenläufig ist
Beim direkten Dreisatz gehst du „durch die Eins": Eine Einheit kostet , also kosten Einheiten .
Beim indirekten Dreisatz bedeutet die Eins etwas anderes: eine Pumpe braucht die volle Arbeit allein, also die längste Zeit. Deshalb wird beim Schritt zur Eins multipliziert statt dividiert.
Und beim Schritt zum Ziel wird dann dividiert. Die beiden Spalten laufen also in entgegengesetzte Richtungen, daher der Name.
indirekt proportional
Indirekt : Der Graph ist eine fallende Hyperbel, die die Achsen nie berührt. Hier ist das Produkt konstant: (z. B. ). Mehr bedeutet weniger .
Welcher Typ liegt vor?
Stelle die Kontrollfrage: „Was passiert bei doppelter Menge?"
- Wert verdoppelt sich → direkt .
- Wert halbiert sich → indirekt proportional.
- Weder noch (z. B. Alter ↦ Größe, Anzahl ↦ Paketporto) → keins von beiden, verboten!
Warum der dritte Fall so wichtig ist
Die ersten beiden Fälle übt man in der Schule ständig, deshalb greifen viele automatisch zum Dreisatz, sobald vier Zahlen im Spiel sind. Genau das geht schief.
Beispiel: Ein Baby ist mit Jahr etwa groß. Wie groß ist es mit Jahren? Der Dreisatz würde antworten: Jahre sind das -fache von Jahr, also müsste die Größe auch das -fache sein, Meter.
Das ist offenkundig Unsinn, und der Grund ist einfach: Zwischen Alter und Größe gibt es keinen festen Faktor. Das Wachstum verlangsamt sich.
Beispiel 2: Ein Paket bis kostet €, bis kostet es €. Auch hier hilft kein Dreisatz, die Post rechnet in Stufen, nicht pro Kilogramm.
Der Test, den du immer machen solltest
Bevor du rechnest, prüfe die Verdopplungsfrage: Wenn ich die eine Größe verdopple, verdoppelt sich die andere wirklich, halbiert sie sich, oder passiert etwas anderes?
Nur bei den ersten beiden Antworten darfst du den Dreisatz benutzen. Diese eine Frage vor jeder Aufgabe erspart dir die meisten Fehler dieses Kapitels.
Denk weiter: Bei einer brennenden Kerze wird die Höhe immer kleiner, je mehr Zeit vergeht, desto weniger Kerze. Ist das indirekt proportional?
Entscheide erst selbst. Die Kerze kennst du aus Klasse 6 ( darstellen): Nach , , und Minuten war sie , , und Zentimeter hoch.
Die Verdopplungsfrage: Von auf Minuten verdoppelt sich die Zeit. Indirekt hieße, die Höhe halbiert sich, von cm auf cm. Gemessen wurden aber cm.
Die Produktprobe bestätigt es:
Verschiedene Produkte, also keine Produktgleichheit: nicht indirekt proportional.
Was ist es stattdessen? Die Kerze verliert in je Minuten dieselben cm. Ihr Graph ist eine fallende Gerade, keine Hyperbel, und sie brennt irgendwann ganz herunter. Eine indirekt proportionale Größe erreicht die Null dagegen nie: Wäre einer der beiden Werte null, wäre auch das Produkt null statt konstant. Genau deshalb schmiegt sich die Hyperbel an die Achsen, ohne sie zu berühren.
Der Kern: „Je mehr, desto weniger" ist ein Hinweis, kein Nachweis. Entschieden wird mit der Produktprobe, so wie bei der direkten Proportionalität mit der Quotientenprobe. Darum steht oben nicht einfach „je mehr, desto weniger", sondern „je mehr, desto entsprechend weniger".
Andersherum gilt dasselbe: Der Handytarif mit Grundgebühr aus dem ersten Abschnitt steigt, direkt proportional ist er trotzdem nicht.
Deine Antwort darf anders klingen. Wichtig ist, dass du nicht der Richtung glaubst, sondern nachrechnest.
Indirekter Dreisatz
Für ein Ferienlager reicht der Essensvorrat für 40 Kinder genau 12 Tage. Es kommen aber 48 Kinder. Wie lange reicht der Vorrat?
- 1
Was ist gegeben, was ist gesucht?
Gegeben: Kinder Tage. Gesucht: die Reichweite bei Kindern.
Bevor du rechnest, klärst du den Typ. Erst danach weißt du, ob du multiplizieren oder dividieren musst.
- 2
Schritt 1: Die Verdopplungsfrage stellen.
Was passiert bei doppelt so vielen Kindern? Der Vorrat ist derselbe, also reicht er halb so lange.
Mehr Kinder → weniger Tage: Das ist indirekt .
- 3
Schritt 2: Die verborgene Gesamtmenge finden.
Bei indirekter Proportionalität steht immer eine Gesamtmenge dahinter, die sich nicht ändert. Hier ist es der Vorrat, gemessen in „Kind-Tagen":
Das ist die Portionenzahl im Lager. Sie bleibt gleich, egal wie viele Kinder kommen.
- 4
Schritt 3: Auf die neue Kinderzahl umrechnen.
Die Portionen verteilen sich jetzt auf Kinder:
Der Vorrat reicht also 10 Tage.
- 5
Schritt 4: Gegenprobe über die Produktgleichheit.
Beide Produkte stimmen überein, das bestätigt die indirekte Proportionalität.
- 6
Schritt 5: Plausibilität prüfen.
Mehr Kinder essen den Vorrat schneller auf. Das Ergebnis ( Tage) muss also kleiner als sein ✓
Der typische Fehler wäre hier gewesen, mit dem direkten zu rechnen: Tage. Mehr Kinder und trotzdem länger satt. Das kann nicht stimmen. Genau deshalb steht die Typfrage am Anfang.
Der Vorrat reicht für 48 Kinder genau 10 Tage.
Typ bestimmen und rechnen
a) 5 m Stoff kosten 12,50 €. Was kosten 8 m? b) Mit 60 km/h braucht ein Bus 40 Minuten. Wie lange braucht er mit 80 km/h?
- 1
Was ist gesucht? Zwei Ergebnisse, und die Aufgabe prüft vor allem, ob du den Typ richtig erkennst.
Die beiden Teilaufgaben sehen ähnlich aus, sind aber gegensätzlich. Stelle deshalb bei jeder einzeln die Verdopplungsfrage.
- 2
Teil a): Schritt 1: Typ bestimmen.
Doppelt so viel Stoff kostet doppelt so viel Geld → .
Die verborgene Konstante ist hier der Preis pro Meter.
- 3
Teil a): Schritt 2: Über die Eins rechnen.
Erst der Preis für einen Meter (dividieren):
Dann für acht Meter (multiplizieren):
Beide Spalten laufen in dieselbe Richtung, typisch direkt.
- 4
Teil b): Schritt 3: Typ bestimmen.
Doppelte Geschwindigkeit bedeutet halbe Fahrzeit → indirekt proportional.
Die verborgene Konstante ist die Strecke: Sie ändert sich nicht, egal wie schnell der Bus fährt.
- 5
Teil b): Schritt 4: Über das Produkt rechnen.
Rechne die Strecke aus, in „Geschwindigkeit mal Zeit":
Bei km/h gilt dasselbe Produkt:
- 6
Schritt 5: Beide Ergebnisse prüfen.
- a) Mehr Stoff → mehr Geld: € € ✓
- b) Schneller fahren → weniger Zeit: min min ✓
Merke dir den Unterschied: Bei a) bleibt der Quotient gleich ( € pro Meter), bei b) das Produkt (). Wer das verwechselt, rechnet die richtige Aufgabe auf die falsche Weise.
a) Stoff kosten 20 € · b) Mit km/h braucht der Bus 30 Minuten.
Typischer Fehler
„4 Maler brauchen 6 Tage. 8 Maler brauchen dann… Tage!" (Direkter bei indirektem Zusammenhang.)
Mehr Maler arbeiten schneller, nicht langsamer! Doppelte Malerzahl → halbe Zeit: 3 Tage. Kontrolle über die Produktgleichheit: „Malertage" ✓. Vor jedem Dreisatz die Kontrollfrage stellen, sonst wird aus jeder Baustelle eine Endlos-Baustelle.
Übung 1
leichtEntscheide: direkt, indirekt oder keins von beiden? a) Anzahl Eintrittskarten ↦ Gesamtpreis b) Geschwindigkeit ↦ Fahrzeit (feste Strecke) c) Körpergröße ↦ Schulnote
Tipp anzeigen
Kontrollfrage: Was passiert bei doppelter Menge?
Lösung anzeigen
a) direkt (doppelte Karten, doppelter Preis)
b) indirekt (doppeltes Tempo, halbe Zeit)
c) keins von beiden, kein rechnerischer Zusammenhang!
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Die Testfrage: Was passiert beim Verdoppeln?
Direkt: doppelt so viel → doppelt so viel . Indirekt: doppelt so viel → HALB so viel . Passt beides nicht: keins von beiden.
- 2
a) und b) einordnen
a) Doppelt so viele Karten → doppelter Preis: DIREKT. b) Doppeltes Tempo → halbe Fahrzeit (die Strecke ist fest): INDIREKT.
- 3
c) Der Fall ohne Zusammenhang
Körpergröße und Schulnote: Es gibt keine Rechenregel, die aus Zentimetern Noten macht, keins von beiden.
Übung 2
mittel6 Bagger heben eine Grube in 10 Stunden aus. a) Wie lange brauchen 4 Bagger? b) Wie viele Bagger braucht man, um in 6 Stunden fertig zu sein?
Tipp anzeigen
Produktgleichheit: Baggerstunden konstant.
Lösung anzeigen
Konstante: Baggerstunden.
a) Stunden
b) Bagger
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Die feste Gesamtarbeit bestimmen
Mehr Bagger → weniger Zeit: indirekte . Konstant ist das PRODUKT: Baggerstunden Gesamtarbeit.
- 2
a) Zeit für 4 Bagger
Baggerstunden auf Bagger verteilt: Stunden.
Zwischenergebnis
Stunden
- 3
b) Bagger für 6 Stunden
Baggerstunden in Stunden schaffen: Bagger.
Übung 3
schwerEin Schwimmbecken wird von 3 gleichen Pumpen in 8 Stunden gefüllt. Nach 2 Stunden fällt eine Pumpe aus. Wie lange dauert das Füllen insgesamt?
Tipp anzeigen
Rechne in „Pumpenstunden": Wie viel Arbeit ist nach 2 Stunden geschafft?
Lösung anzeigen
Gesamtarbeit: Pumpenstunden.
Nach 2 Stunden mit 3 Pumpen: Pumpenstunden geschafft, es fehlen .
Die restlichen 2 Pumpen brauchen dafür Stunden.
Gesamt: Stunden.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Gesamtarbeit in Pumpenstunden
Pumpen brauchen Stunden: Das Becken kostet Pumpenstunden.
- 2
Phase 1 abrechnen
Die ersten Stunden mit Pumpen: Pumpenstunden erledigt. Rest: Pumpenstunden.
Zwischenergebnis
Pumpenstunden offen
- 3
Phase 2 und Gesamtzeit
Die restlichen Pumpenstunden schaffen Pumpen in Stunden. Gesamt: Stunden.
Zusammenfassung
Zwei Muster, ein Test: Verdoppelt sich der Wert mit der Menge, ist es (Quotient konstant, Ursprungsgerade); halbiert er sich, ist es indirekt (Produkt konstant, Hyperbel). Beim indirekten laufen die Spalten gegenläufig, und die Produkt-Konstante (Malertage, Pumpenstunden) macht jede Aufgabe zur einfachen Division. Nicht vergessen: Manche sind keins von beidem!


