Stochastik
Statistische Kenngrößen und Boxplot
Median, Quartile, Modalwert, Mittelwert und Spannweite: Daten auf den Punkt gebracht.
Benötigte Grundlagen
Diese Themen kommen in diesem Kapitel vor und wurden vorher schon erklärt. Wenn dir eines davon unsicher vorkommt, frisch es kurz auf, sonst leg direkt los.
Einführung
„Der Durchschnitt unserer Mathearbeit war 2,8.": Ein einziger Wert fasst 25 Noten zusammen! Solche Kenngrößen verdichten Datenberge auf das Wesentliche. Aber Vorsicht: Jede Kenngröße erzählt eine andere Geschichte, und manche lassen sich von Ausreißern täuschen. Hier lernst du das komplette Werkzeug-Set inklusive Boxplot.
Das kannst du nach diesem Kapitel
Minimum, Maximum und Spannweite einer Datenreihe bestimmen.
den Median (Zentralwert) und die Quartile bestimmen.
Modalwert und arithmetisches Mittel berechnen.
Daten im Boxplot darstellen und Boxplots vergleichen.
beurteilen, welche Kenngröße wann aussagekräftig ist.
Die Kenngrößen im Überblick
Beispieldaten (geordnet!): ( Werte).
- Minimum / Maximum: kleinster und größter Wert → und .
- Spannweite: Maximum Minimum → .
- Modalwert: der häufigste Wert → (kommt dreimal vor).
- Arithmetisches Mittel („Durchschnitt"): Summe aller Werte geteilt durch ihre Anzahl → .
Die Beispieldaten als Häufigkeitsdiagramm. Die hervorgehobene Säule bei ist zugleich der Modalwert (häufigster Wert) und der Median (mittlerer Wert der geordneten Liste). Die gestrichelte Linie zeigt das arithmetische Mittel . Es liegt hier etwas rechts vom Median, weil die größeren Werte und den Durchschnitt nach oben ziehen. Genau das meint „das Mittel reagiert empfindlich auf Ausreißer".
Der Median (Zentralwert)
Der Median ist der Wert in der Mitte der geordneten Liste, die Hälfte der Werte liegt darunter, die Hälfte darüber.
- Ungerade Anzahl: der mittlere Wert. Bei Werten: der → Median .
- Gerade Anzahl: das arithmetische Mittel der beiden mittleren Werte.
Wichtig: Vor dem Ablesen immer ordnen!
Quartile und Boxplot
Die Quartile vierteln die geordneten Daten:
- unteres Quartil : Median der unteren Hälfte.
- oberes Quartil : Median der oberen Hälfte.
Der Boxplot macht fünf Kenngrößen auf einen Blick sichtbar: Minimum, , Median, : Maximum. Die „Box" reicht von bis (dort liegt die mittlere Hälfte der Daten), der Strich in der Box ist der Median, die „Antennen" reichen bis Minimum und Maximum.
Der Boxplot: fünf Kenngrößen auf einen Blick
So sieht ein Boxplot aus, hier für acht Weitwurf-Weiten in Metern: Die Box reicht von bis , dort liegt die mittlere Hälfte der Würfe. Der farbige Strich in der Box markiert den Median , die Antennen enden bei Minimum und Maximum . Diese fünf Zahlen berechnest du im Beispiel „Boxplot erstellen“ Schritt für Schritt selbst.
Mittel oder Median?
Beide Kenngrößen sollen „die Mitte" beschreiben, aber sie tun es sehr unterschiedlich. Der Unterschied entscheidet, welche Zahl ehrlich informiert.
Der Test mit dem Ausreißer
Stell dir zehn Personen vor, die alle etwa im Monat verdienen. Der Durchschnitt liegt bei , der Median ebenfalls.
Jetzt kommt eine elfte Person dazu, die verdient.
- Das arithmetische Mittel schießt nach oben. Rechne nach: Das ist das Zehnfache dessen, was zehn der elf Personen tatsächlich verdienen.
- Der Median wandert nur eine Position weiter und bleibt bei etwa .
Welche Zahl beschreibt die Gruppe besser? Der Median. Denn „im Durchschnitt verdienen hier alle " wäre für zehn der elf Personen schlicht falsch.
Warum das so ist
Beim Mittelwert geht jeder einzelne Wert mit seiner vollen Größe in die Summe ein, ein extremer Wert zieht das Ergebnis entsprechend weit mit.
Beim Median zählt dagegen nur die Reihenfolge, nicht die Größe. Ob der höchste Wert oder beträgt, ändert nichts daran, dass er der höchste ist.
Der Median ist deshalb robust gegen Ausreißer, das Mittel nicht.
Wann nimmt man was?
| Situation | bessere Kenngröße |
|---|---|
| Daten liegen dicht beieinander | beide gleich gut |
| einzelne extreme Werte (Einkommen, Mieten, Hauspreise) | Median |
| es soll gerecht aufgeteilt werden | Mittel |
Der letzte Fall ist wichtig: Sollen sich alle die Kosten teilen, brauchst du das Mittel, nur damit geht die Gesamtsumme auf. Der Median beantwortet die Frage „was ist typisch", das Mittel die Frage „wie viel für jeden".
In Zeitungen lohnt sich deshalb ein genauer Blick: Steht dort „Durchschnittseinkommen", kann eine kleine Gruppe von Spitzenverdienern die Zahl deutlich nach oben ziehen.
Erkläre es selbst: In einem Boxplot ist die linke Antenne ganz kurz und die rechte sehr lang. Ein Mitschüler schließt daraus, dass rechts mehr Messwerte liegen. Was antwortest du ihm?
Formuliere deine Antwort erst selbst, bevor du aufklappst.
Er verwechselt Länge mit Anzahl. Ein Boxplot teilt die geordneten Daten in vier gleich große Gruppen: Jedes Viertel der Werte liegt in einem der vier Abschnitte, linke Antenne, linke Boxhälfte, rechte Boxhälfte, rechte Antenne. Daran ändert die Länge nichts.
Was die Länge zeigt, ist die Streuung. Eine kurze linke Antenne heißt: Das unterste Viertel der Werte liegt dicht beieinander. Eine lange rechte Antenne heißt: Das oberste Viertel ist weit auseinandergezogen. Es sind genauso viele Werte, sie liegen nur verstreuter.
Und damit hast du zugleich einen Ausreißer-Melder. Genau so sieht der Fall aus, den du oben beim Einkommen gesehen hast: Ein einzelner sehr großer Wert zieht die Antenne weit nach rechts, ohne dass dort mehr Menschen wären. Wenn dir also eine Antenne auffallend lang vorkommt, lohnt der Vergleich von Mittel und Median.
Deine Antwort darf anders klingen. Wichtig ist der Kern: In jedem Abschnitt steckt ein Viertel der Daten, die Länge verrät, wie weit sie auseinanderliegen, nicht wie viele es sind.
Alle Kenngrößen einer Datenreihe
Die 7 Schülerinnen einer AG sind Jahre alt (die Leiterin zählt mit). Bestimme Minimum, Maximum, Spannweite, Modalwert, Median und arithmetisches Mittel.
- 1
Der wichtigste erste Schritt: ordnen. Median und Quartile lassen sich nur an einer geordneten Liste ablesen. Ohne diesen Schritt sind Fehler fast sicher.
Zähle nach: Es müssen weiterhin Werte sein ✓
Vorüberlegung: Die fällt aus der Reihe. Das ist die Leiterin. Solche Ausreißer beeinflussen Mittel und Median unterschiedlich; darauf kommen wir am Ende zurück.
- 2
Schritt 1: Minimum, Maximum, Spannweite. In der geordneten Liste stehen sie ganz außen:
Die Spannweite ist die Differenz. Sie sagt, wie weit die Daten insgesamt streuen:
- 3
Schritt 2: Der Modalwert. Das ist der häufigste Wert. Zähle in der geordneten Liste:
- : einmal
- : dreimal
- , , : je einmal
Hier zeigt sich der Vorteil des Ordnens: Gleiche Werte stehen beieinander und lassen sich leicht zählen.
- 4
Schritt 3: Der Median. Er ist der Wert in der Mitte der geordneten Liste.
Bei Werten (ungerade Anzahl) gibt es genau eine Mitte, den Wert:
Zur Kontrolle: Links davon stehen Werte, rechts ebenfalls ✓
- 5
Schritt 4: Das arithmetische Mittel. Alle Werte addieren und durch die Anzahl teilen:
Auf eine Nachkommastelle ist bei Altersangaben üblich.
- 6
Schritt 5: Die Ergebnisse vergleichen, darum geht es in dieser Aufgabe.
Das Mittel liegt höher als jeder Wert außer der 25, und höher als das Alter von der Personen.
Der Grund ist die Leiterin. Ihre Jahre gehen mit vollem Gewicht in die Summe ein und ziehen den Durchschnitt nach oben. Der Median bleibt davon unberührt, weil dort nur die Position zählt.
- 7
Schritt 6: Welche Zahl beschreibt die AG besser? Der Median mit Jahren.
„Die Gruppe ist im Schnitt Jahre alt" wäre irreführend: Sechs der sieben sind jünger als dieser Durchschnitt, die älteste Schülerin ist , und schon sie liegt unter den . Nur die Leiterin liegt darüber, und zwar sehr weit.
Kontrolle der Plausibilität: Alle Kenngrößen liegen zwischen Minimum und Maximum () ✓ Läge eine davon außerhalb, wäre ein Rechenfehler passiert.
Minimum · Maximum · Spannweite · Modalwert · Median · Mittel Jahre
Zum Mitnehmen: Immer zuerst ordnen. Der Ausreißer zieht das Mittel deutlich nach oben, während der Median bei bleibt. Er beschreibt die Gruppe hier ehrlicher.
Boxplot erstellen
Erstelle den Boxplot zu den (geordneten) Weitwurf-Weiten in Metern: (8 Werte).
- 1
Was braucht ein Boxplot? Genau fünf Zahlen:
Die Daten sind bereits geordnet ✓, das spart den ersten Schritt.
Achtung bei der Anzahl: Werte sind eine gerade Anzahl. Es gibt also keinen einzelnen mittleren Wert; wir müssen mitteln.
- 2
Schritt 1: Minimum und Maximum ablesen.
- 3
Schritt 2: Den Median bestimmen. Bei Werten liegt die Mitte zwischen dem und dem Wert:
Der Median ist ihr Mittelwert:
Der Median muss kein Wert der Liste sein, kommt hier gar nicht vor. Das ist völlig in Ordnung.
- 4
Schritt 3: Das untere Quartil . Es ist der Median der unteren Hälfte. Die untere Hälfte sind die ersten vier Werte:
Wieder eine gerade Anzahl, also mitteln, diesmal den und Wert:
- 5
Schritt 4: Das obere Quartil . Analog aus der oberen Hälfte:
- 6
Schritt 5: Den Boxplot zeichnen. Auf einer Skala in Metern:
- Die Box reicht von bis .
- Der Strich in der Box markiert den Median bei .
- Die Antennen gehen bis zum Minimum und zum Maximum .
- 7
Schritt 6: Den Boxplot lesen. Das ist sein eigentlicher Zweck.
In der Box liegt die mittlere Hälfte der Daten. Von Würfen liegen also zwischen und Metern.
Die Antennen zeigen die Extreme: Je länger sie sind, desto weiter streuen die Randwerte.
Kontrolle der Reihenfolge: Die fünf Zahlen müssen aufsteigend sein:
Wäre etwa größer als der Median, läge ein Rechenfehler vor.
Minimum · · Median · · Maximum (alle in Metern)
Zum Mitnehmen: Bei gerader Anzahl wird gemittelt, beim Median wie bei den Quartilen. Die fünf Zahlen müssen am Ende aufsteigend sein; das ist die schnellste Kontrolle.
Typischer Fehler
„Median von ? Der mittlere Wert ist die 8." (Liste nicht geordnet!)
Der Median ist der mittlere Wert der geordneten Liste! Erst sortieren: , jetzt steht in der Mitte die . Das Ordnen ist kein optionaler Zwischenschritt, sondern Teil der Median-Definition.
Übung 1
leichtBestimme Median, Modalwert und Spannweite:
Tipp anzeigen
Zuerst ordnen!
Lösung anzeigen
Geordnet:
Median (4. Wert): · Modalwert: · Spannweite:
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Daten ordnen
Erst sortieren: , sieben Werte. Ohne Ordnung sind Median und Spannweite nicht ablesbar.
- 2
Median und Modalwert ablesen
Bei Werten ist der der mittlere: Median . Der häufigste Wert (dreimal die ): Modalwert .
- 3
Spannweite berechnen
Spannweite = größter minus kleinster Wert: .
Übung 2
mittelDie Mathearbeit von 10 Kindern: . Berechne arithmetisches Mittel und Median. Welche Note müsste ein elftes Kind schreiben, damit das Mittel genau 3,0 beträgt?
Tipp anzeigen
Für Teil 2: Wie groß muss die Gesamtsumme bei 11 Kindern sein?
Lösung anzeigen
Summe: → Mittel: · Median:
Ziel: → das elfte Kind braucht , eine glatte 1.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Arithmetisches Mittel berechnen
Alle Noten addieren: . Durch die Anzahl teilen: .
- 2
Median bei gerader Anzahl
Bei Werten gibt es keinen einzelnen mittleren, der Median ist der Durchschnitt des und Werts: .
- 3
Rückwärtsaufgabe: das elfte Kind
Ziel-Mittel bei Kindern verlangt die Gesamtsumme . Bisher sind es , das elfte Kind braucht eine .
Zwei Verteilungen im Vergleich
Die 100-m-Zeiten beider Klassen als Boxplots auf derselben Skala, nur so ist der Vergleich fair. Lies zuerst die Lage des Medianstrichs ab, dann die Länge von Box und Antennen. Das ist die Arbeitsgrundlage für die folgende Übung.
Übung 3
schwerZwei Boxplots der 100-m-Zeiten (Sekunden): Klasse A: Min 14, 15, Median 16, 17, Max 18. Klasse B: Min 13, 14,5, Median 16, 18,5, Max 21. a) Welche Klasse läuft „typischerweise" gleich schnell? b) Welche Klasse ist ausgeglichener? c) In welcher Klasse läuft das schnellste Kind?
Tipp anzeigen
Median = typisch; Boxlänge und Spannweite = Streuung.
Lösung anzeigen
a) Beide Mediane sind 16 s, typisch gleich schnell.
b) Klasse A: Box (15–17) und Spannweite (4 s) sind deutlich kompakter als bei B (Box 14,5–18,5; Spannweite 8 s).
c) Klasse B, ihr Minimum (13 s) ist das schnellste. B hat die Extreme, A die Gleichmäßigkeit.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
a) Typisches Tempo: Mediane vergleichen
„Typisch" meint den Median, die Mitte der Mannschaft. Beide Klassen haben Median s: typischerweise gleich schnell.
- 2
b) Ausgeglichenheit: Box und Spannweite
Klasse A: Box von bis (Breite ), Spannweite . Klasse B: Box – (Breite ), Spannweite . A ist deutlich kompakter, ausgeglichener.
- 3
c) Das schnellste Kind finden
Die schnellste Zeit ist das MINIMUM (kleinste Zahl = kürzeste Laufzeit): Klasse B mit s gegen A mit s. Das schnellste Kind läuft in B.
Zusammenfassung
Kenngrößen verdichten Daten: Spannweite misst die Streubreite, Modalwert das Häufigste, das arithmetische Mittel den rechnerischen Durchschnitt und der Median die robuste Mitte der geordneten Liste. Der Boxplot vereint fünf Kenngrößen in einem Bild, und der Vergleich von Mittel und Median entlarvt Ausreißer.


