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Wärmelehre / Thermodynamik

Aggregatzustände und Umwandlungswärmen

Warum kochendes Wasser nicht heißer wird, wohin die Energie beim Schmelzen geht und was ein Temperatur-Wärme-Diagramm verrät.

Benötigte Grundlagen

Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.

Einführung

Stell einen Topf Wasser auf die volle Herdplatte und miss die mit. Sie steigt, steigt, steigt und bleibt dann bei 100 °C100\,\text{°C} stehen. Egal wie lange du wartest und wie stark du heizt: keine 101 °C101\,\text{°C}, keine 105 °C105\,\text{°C}.

Die Herdplatte liefert weiter , das lässt sich an der Stromrechnung nachlesen. Wenn die Temperatur trotzdem nicht steigt, muss die Energie irgendwo anders hingehen. Wohin, ist die zentrale Frage dieses Kapitels, und die Antwort erklärt auch, warum Schwitzen kühlt und warum Eiswürfel ein Getränk so wirkungsvoll herunterkühlen.

Das kannst du nach diesem Kapitel

  • die drei Aggregatzustände mit dem vergleichen.

  • alle sechs Übergänge benennen und energetisch einordnen.

  • erklären, warum die beim Übergang konstant bleibt.

  • das Temperatur-Wärme-Diagramm lesen und deuten.

  • Schmelz- und Verdampfungswärme berechnen.

  • Alltagserscheinungen (Schwitzen, Eiswürfel, Streusalz) erklären.

Die drei Aggregatzustände im Teilchenmodell

festflüssiggasförmig
Abständeklein, geordnetklein, ungeordnetgroß
Bindungfest an Plätzeverschiebbarfast keine
BewegungSchwingen um GitterplätzeGleiten und Rotierenfreies Fliegen
Formfestpasst sich anfüllt den Raum
Volumenfestfestveränderlich

Der Unterschied liegt also darin, wie stark die Teilchen aneinander gebunden sind und wie viel Bewegungsfreiheit sie haben.

Die sechs Übergänge

fest→ Schmelzen flu¨ssig→ Verdampfen gasfo¨rmig\text{fest} \xrightarrow{\ \text{Schmelzen}\ } \text{flüssig} \xrightarrow{\ \text{Verdampfen}\ } \text{gasförmig} fest← Erstarren flu¨ssig← Kondensieren gasfo¨rmig\text{fest} \xleftarrow{\ \text{Erstarren}\ } \text{flüssig} \xleftarrow{\ \text{Kondensieren}\ } \text{gasförmig}

Dazu die beiden direkten Wege: Sublimieren (fest zu gasförmig, etwa Trockeneis oder gefrorene Wäsche, die trocknet) und Resublimieren (gasförmig zu fest, etwa Raureif).

Energetisch gilt eine klare Regel:

  • Übergänge nach rechts (Schmelzen, Verdampfen, Sublimieren) brauchen .
  • Übergänge nach links (Erstarren, Kondensieren, Resublimieren) geben Energie ab.

Und zwar jeweils denselben Betrag. Das folgt aus der Energieerhaltung: Was beim Schmelzen aufgenommen wurde, muss beim Erstarren wieder frei werden.

Drei Zustände, sechs Übergängesublimierenresublimierenschmelzenerstarrenverdampfenkondensierenfestflüssiggasförmigbraucht Wärmegibt Wärme abJede Richtung hat ihre Rückrichtung, mit derselben Wärme

Jeder Übergang hat seine Rückrichtung, und beide kosten beziehungsweise liefern denselben Betrag. Die Farbe sagt die Richtung: Rot braucht , Blau gibt sie ab. Sublimieren und Resublimieren führen außen herum, weil sie den flüssigen Zustand überspringen.

Warum die Temperatur stehen bleibt

Jetzt zur Eingangsfrage. Während des Schmelzens oder Siedens wird die zugeführte nicht zum Beschleunigen der Teilchen benutzt, sondern zum Lösen der Bindungen zwischen ihnen.

Die Teilchen werden also nicht schneller, sondern freier. Da die die mittlere kinetische Energie misst, ändert sie sich nicht: Die Temperatur bleibt konstant, bis der Übergang vollständig abgeschlossen ist.

Ein Bild dazu: Man zieht an einer Kette von Menschen, die sich an den Händen halten. Solange die Hände noch zusammen sind, geht alle ins Lösen des Griffs, niemand kommt schneller voran. Erst wenn alle Hände offen sind, wird die Gruppe schneller.

Deshalb kann man in offenem Wasser nichts über 100 °C100\,\text{°C} erhitzen. Wer schneller kochen will, muss den erhöhen (Schnellkochtopf: bei etwa 2 bar2\,\text{bar} siedet Wasser erst bei rund 120 °C120\,\text{°C}, und die Garzeit sinkt deutlich).

Das Temperatur-Wärme-Diagramm

Trägt man die über der zugeführten auf, entsteht ein Verlauf mit Stufen:

  1. Steigender Abschnitt: Eis wird von −20 °C-20\,\text{°C} auf 0 °C0\,\text{°C} erwärmt. Es gilt Q=c⋅m⋅ΔTQ = c \cdot m \cdot \Delta T mit cEisc_{\text{Eis}}.
  2. Waagerechter Abschnitt bei 0 °C0\,\text{°C}: Das Eis schmilzt. Die Temperatur bleibt stehen, obwohl zugeführt wird.
  3. Steigender Abschnitt: Wasser wird von 0 °C0\,\text{°C} auf 100 °C100\,\text{°C} erwärmt, jetzt mit cWasserc_{\text{Wasser}}.
  4. Waagerechter Abschnitt bei 100 °C100\,\text{°C}: Das Wasser siedet.
  5. Steigender Abschnitt: Wasserdampf wird weiter erhitzt.

🔴 Die waagerechten Stücke sind die eigentliche Aussage des Diagramms. Sie zeigen unmittelbar, dass Energie zugeführt wird, ohne dass die Temperatur steigt. Ihre Länge ist ein Maß für die nötige Umwandlungswärme.

Auffällig ist außerdem, wie lang die Stufe bei 100 °C100\,\text{°C} verglichen mit der bei 0 °C0\,\text{°C} ist. Verdampfen kostet weit mehr Energie als Schmelzen, und mehr als das Erwärmen von 00 auf 100 °C100\,\text{°C} dazwischen.

Am Haltepunkt steigt die Temperatur nicht, trotz Heizen1 kg Wasser, gleichmäßig geheizt. Achse: zugeführte Wärme.Beide Plateaus sind so lang wie die Wärme, die sie kosten.01000200030000100Q in kJϑ in °Cschmelzen: 334 kJverdampfen: 2257 kJDie Wärme steckt in der Umwandlung, nicht in der Temperatur

Die beiden waagerechten Stücke sind maßstäblich so lang wie die , die sie kosten. Halte ein Lineal an das rote Plateau und an den Anstieg von 0 auf 100 °C daneben: Das Verdampfen ist über fünfmal so lang.

Die Umwandlungswärmen berechnen

Spezifische Schmelzwärme qsq_s: , um ein Kilogramm eines Stoffes bei Schmelztemperatur zu schmelzen.

Q=qs⋅mQ = q_s \cdot m

Spezifische Verdampfungswärme qvq_v: entsprechend für das Verdampfen.

Q=qv⋅mQ = q_v \cdot m

🔴 In beiden Formeln steht kein ΔT\Delta T. Das ist der ganze Punkt: Beim Übergang ändert sich die nicht.

Stoffqsq_s in kJkg\frac{\text{kJ}}{\text{kg}}qvq_v in kJkg\frac{\text{kJ}}{\text{kg}}
Wasser3342257
Eisen2776340
Aluminium39710900
Blei23871

Zum Vergleich: Um 1 kg1\,\text{kg} Wasser von 0 °C0\,\text{°C} auf 100 °C100\,\text{°C} zu erwärmen, braucht man 418 kJ418\,\text{kJ}. Das Verdampfen derselben Menge kostet mit 2257 kJ2257\,\text{kJ} mehr als das Fünffache.

Umwandeln kostet mehr als ErwärmenAlle Werte für 1 kg Wasser, gleicher Maßstab.Eis von −20 °C auf 0 °C42 kJEis schmelzen (0 °C)334 kJWasser 0 °C auf 100 °C418 kJverdampfen (100 °C)2257 kJerwärmenumwandelnSchwitzen kühlt, weil Verdunsten so viel Wärme mitnimmt

Vier Posten für dasselbe Kilogramm Wasser im selben Maßstab. Blau heißt erwärmen, Rot heißt umwandeln, und man sieht sofort, dass die roten Balken die langen sind. Rechne das Verhältnis nach: 2257 kJ geteilt durch 418 kJ ergibt 5,4, das Verdampfen kostet also mehr als das Fünffache des Erwärmens von 0 auf 100 °C. Beim Kondensieren wird dieselbe Menge wieder frei, daher die Gefahr durch heißen Dampf.

Warum das im Alltag so wichtig ist

Schwitzen kühlt. Beim Verdunsten entzieht der Schweiß der Haut die Verdampfungswärme. Ein halber Liter Schweiß nimmt rund 1130 kJ1130\,\text{kJ} mit, und genau das hält den Körper bei Anstrengung auf . Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunstet weniger, deshalb ist Schwüle so belastend.

Eiswürfel kühlen besser als kaltes Wasser. Ein Eiswürfel von 0 °C0\,\text{°C} muss zuerst schmelzen und entzieht dem Getränk dabei 334 kJkg334\,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}}, bevor er überhaupt anfängt, sich zu erwärmen. Wasser von 0 °C0\,\text{°C} derselben nimmt nur 4,2 kJkg4{,}2\,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}} je Kelvin auf.

Verbrühungen durch Dampf sind schlimmer als durch kochendes Wasser. Beides ist 100 °C100\,\text{°C} heiß, aber Dampf gibt beim Kondensieren auf der Haut zusätzlich die gesamte Verdampfungswärme ab.

Frostschutz durch Beregnen. Obstbauern besprühen ihre Blüten bei Nachtfrost mit Wasser. Beim Gefrieren wird Erstarrungswärme frei, und die hält die Blüte bei 0 °C0\,\text{°C}, solange noch Wasser gefriert. Das ist wärmer als die Luft ringsum.

Verdunsten und Sieden

Beide Vorgänge machen aus flüssig gasförmig, unterscheiden sich aber:

  • Sieden geschieht bei einer bestimmten in der ganzen Flüssigkeit (Blasenbildung).
  • Verdunsten geschieht bei jeder Temperatur, aber nur an der Oberfläche.

Verdunsten funktioniert, weil einzelne besonders schnelle Teilchen die Oberfläche verlassen können. Zurück bleiben die langsameren, und deshalb kühlt die Flüssigkeit dabei ab. Genau darauf beruht das Schwitzen, und deshalb fröstelt man nass am Strand auch bei warmer Luft.

Streusalz senkt übrigens den Gefrierpunkt: Die gelösten Salzteilchen stören die Bildung des Eisgitters, sodass Wasser erst bei tieferer Temperatur erstarrt (bis etwa −21 °C-21\,\text{°C}). Deshalb taut gestreutes Salz eine Eisschicht auf, ohne dass zugeführt wird.

Von Eis zu Dampf: die vollständige Bilanz

Wie viel braucht man, um 0,5 kg0{,}5\,\text{kg} Eis von −10 °C-10\,\text{°C} vollständig in Wasserdampf von 100 °C100\,\text{°C} zu verwandeln?

(cEis=2100c_{\text{Eis}} = 2100, cW=4182 Jkg⋅Kc_{\text{W}} = 4182\,\frac{\text{J}}{\text{kg} \cdot \text{K}}, qs=334000q_s = 334000, qv=2257000 Jkgq_v = 2257000\,\frac{\text{J}}{\text{kg}})

  1. 1

    Den Vorgang in Abschnitte zerlegen. Jeder Abschnitt braucht seine eigene Formel; das ist der Kern solcher Aufgaben:

    1. Eis erwärmen von −10 °C-10\,\text{°C} auf 0 °C0\,\text{°C}
    2. Eis schmelzen bei 0 °C0\,\text{°C}
    3. Wasser erwärmen von 0 °C0\,\text{°C} auf 100 °C100\,\text{°C}
    4. Wasser verdampfen bei 100 °C100\,\text{°C}
  2. 2

    Schritt 1: Eis erwärmen. Temperaturänderung, also die Grundgleichung mit cEisc_{\text{Eis}}:

    Q1=cEis⋅m⋅ΔT=2100⋅0,5⋅10 J=10500 J=10,5 kJQ_1 = c_{\text{Eis}} \cdot m \cdot \Delta T = 2100 \cdot 0{,}5 \cdot 10\,\text{J} = 10500\,\text{J} = 10{,}5\,\text{kJ}
  3. 3

    Schritt 2: Schmelzen. Kein ΔT\Delta T, sondern die Schmelzwärme:

    Q2=qs⋅m=334000⋅0,5 J=167000 J=167 kJQ_2 = q_s \cdot m = 334000 \cdot 0{,}5\,\text{J} = 167000\,\text{J} = 167\,\text{kJ}
  4. 4

    Schritt 3: Wasser erwärmen. Jetzt mit cWasserc_{\text{Wasser}}:

    Q3=4182⋅0,5⋅100 J=209100 J≈209,1 kJQ_3 = 4182 \cdot 0{,}5 \cdot 100\,\text{J} = 209100\,\text{J} \approx 209{,}1\,\text{kJ}
  5. 5

    Schritt 4: Verdampfen. Wieder ohne ΔT\Delta T:

    Q4=qv⋅m=2257000⋅0,5 J=1128500 J≈1128,5 kJQ_4 = q_v \cdot m = 2257000 \cdot 0{,}5\,\text{J} = 1128500\,\text{J} \approx 1128{,}5\,\text{kJ}
  6. 6

    Summe bilden:

    Qges=10,5+167+209,1+1128,5=1515,1 kJQ_{\text{ges}} = 10{,}5 + 167 + 209{,}1 + 1128{,}5 = 1515{,}1\,\text{kJ}

    Was daran auffällt: Der letzte Schritt allein macht 74 %74\,\% der Gesamtenergie aus. Das Verdampfen ist mit Abstand der teuerste Teil, teurer als alles andere zusammen.

    Genau das sieht man im T-Q-Diagramm sofort an der Länge der oberen Stufe.

Qges≈1515 kJQ_{\text{ges}} \approx 1515\,\text{kJ}, davon rund drei Viertel allein für das Verdampfen. Merke dir das Vorgehen: bei jedem wechsel die Grundgleichung, bei jedem Übergang die Umwandlungswärme.

Warum Eiswürfel so gut kühlen

Vergleiche die Kühlwirkung von 100 g100\,\text{g} Eis von 0 °C0\,\text{°C} mit 100 g100\,\text{g} Wasser von 0 °C0\,\text{°C}, jeweils in einem Getränk von 25 °C25\,\text{°C}. Wie viel entziehen sie dem Getränk, bis sie selbst 10 °C10\,\text{°C} warm sind?

  1. 1

    Wasser von 0 °C0\,\text{°C}. Es muss sich nur erwärmen:

    Q=cW⋅m⋅ΔT=4182⋅0,1⋅10 J=4182 J≈4,2 kJQ = c_{\text{W}} \cdot m \cdot \Delta T = 4182 \cdot 0{,}1 \cdot 10\,\text{J} = 4182\,\text{J} \approx 4{,}2\,\text{kJ}
  2. 2

    Eis von 0 °C0\,\text{°C}, Schritt 1: Schmelzen. Bevor sich irgendetwas erwärmen kann, muss das Eis erst flüssig werden, und das kostet die Schmelzwärme:

    Q1=qs⋅m=334000⋅0,1 J=33400 J=33,4 kJQ_1 = q_s \cdot m = 334000 \cdot 0{,}1\,\text{J} = 33400\,\text{J} = 33{,}4\,\text{kJ}
  3. 3

    Eis, Schritt 2: Das Schmelzwasser erwärmen von 0 °C0\,\text{°C} auf 10 °C10\,\text{°C}:

    Q2=4182⋅0,1⋅10 J=4182 J≈4,2 kJQ_2 = 4182 \cdot 0{,}1 \cdot 10\,\text{J} = 4182\,\text{J} \approx 4{,}2\,\text{kJ}
  4. 4

    Summe für Eis:

    QEis=33,4+4,2=37,6 kJQ_{\text{Eis}} = 33{,}4 + 4{,}2 = 37{,}6\,\text{kJ}
  5. 5

    Vergleich:

    37,6 kJ4,2 kJ≈9\frac{37{,}6\,\text{kJ}}{4{,}2\,\text{kJ}} \approx 9

    Der Eiswürfel entzieht dem Getränk rund neunmal so viel Energie wie kaltes Wasser derselben und .

    Der Grund ist ausschließlich die Schmelzwärme. Beide starten bei 0 °C0\,\text{°C}, beide enden bei 10 °C10\,\text{°C}; der einzige Unterschied ist, dass das Eis unterwegs seinen Aggregatzustand ändern muss.

  6. 6

    Praktische Bestätigung: Deshalb kühlt man Getränke mit Eis und nicht mit eiskaltem Wasser, deshalb hält eine Kühltasche mit Kühlakkus so lange, und deshalb bleibt ein Getränk mit Eiswürfeln genau bei 0 °C0\,\text{°C}, solange noch Eis darin schwimmt.

Eis: 37,6 kJ37{,}6\,\text{kJ}, Wasser: 4,2 kJ4{,}2\,\text{kJ}. Die Schmelzwärme allein macht den neunfachen Unterschied.

Typischer Fehler

„Wenn ich die Herdplatte höher stelle, wird das kochende Wasser heißer als 100 °C100\,\text{°C}."

Nein. Solange flüssiges Wasser da ist und der normal bleibt, hält die bei 100 °C100\,\text{°C} an. Mehr bedeutet nicht mehr Temperatur, sondern schnelleres Verdampfen: Der Topf wird nur früher leer.

Warum das so ist: Die zugeführte geht vollständig in das Lösen der Bindungen zwischen den Wassermolekülen. Sie beschleunigt die Teilchen nicht, und die Temperatur misst genau diese Geschwindigkeit.

Der Beweis steht in jeder Küche: Nudeln kochen auf Stufe 9 nicht schneller gar als auf der niedrigsten Stufe, bei der das Wasser gerade noch siedet. Sie werden nur schneller trocken. Deshalb rät jedes Kochbuch, nach dem Aufkochen zurückzuschalten, und deshalb spart das Energie ohne jeden Nachteil.

Wie es doch geht: Man muss den Druck erhöhen. Im Schnellkochtopf steigt der Druck auf etwa 2 bar2\,\text{bar}, und dort siedet Wasser erst bei rund 120 °C120\,\text{°C}. Weil chemische Vorgänge bei höherer Temperatur schneller ablaufen, halbiert das die Garzeit.

Umgekehrt gilt dasselbe: Auf 4000 m4000\,\text{m} Höhe siedet Wasser bei etwa 87 °C87\,\text{°C}, und ein Ei wird dort auch nach zehn Minuten nicht richtig hart.

Übung 1

leicht

a) Wie heißen die Übergänge fest zu flüssig, flüssig zu gasförmig, gasförmig zu flüssig und flüssig zu fest?

b) Bei welchen davon wird aufgenommen, bei welchen abgegeben?

c) Wie viel Energie braucht man, um 2 kg2\,\text{kg} Eis von 0 °C0\,\text{°C} zu schmelzen? (qs=334 kJkgq_s = 334\,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}})

Tipp anzeigen

c) Keine Temperaturänderung, also keine Grundgleichung.

Lösung anzeigen

a) fest zu flüssig: Schmelzen · flüssig zu gasförmig: Verdampfen · gasförmig zu flüssig: Kondensieren · flüssig zu fest: Erstarren

b) Energie aufgenommen: Schmelzen und Verdampfen (Bindungen werden gelöst)

Energie abgegeben: Kondensieren und Erstarren (Bindungen entstehen neu)

Die Beträge sind dabei jeweils gleich groß, das folgt aus der Energieerhaltung.

c) Q=qs⋅m=334 kJkg⋅2 kg=668 kJQ = q_s \cdot m = 334\,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}} \cdot 2\,\text{kg} = 668\,\text{kJ}

Dabei bleibt die die ganze Zeit bei 0 °C0\,\text{°C}.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Gegeben und Gesucht: Begriffe und eine Rechnung

    Gefragt sind a) die vier Übergangsnamen, b) die Energierichtung und c) die Schmelzenergie für 2 kg2\,\text{kg} Eis von 0 °C0\,\text{°C} mit qs=334 kJkgq_s = 334\,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}}.

  2. 2

    a) und b) Die vier Übergänge und ihre Energierichtung

    fest zu flüssig: Schmelzen · flüssig zu gasförmig: Verdampfen · gasförmig zu flüssig: Kondensieren · flüssig zu fest: Erstarren. Energie aufgenommen wird beim Schmelzen und Verdampfen (Bindungen werden gelöst), abgegeben beim Kondensieren und Erstarren (Bindungen entstehen neu).

  3. 3

    c) Die Schmelzwärme braucht keine Temperaturdifferenz

    Beim Schmelzen bleibt die Temperatur konstant, deshalb kommt die Grundgleichung Q=c⋅m⋅ΔTQ = c \cdot m \cdot \Delta T hier nicht infrage. Stattdessen gilt Q=qs⋅mQ = q_s \cdot m: Die nötige Energie hängt nur von der ab.

  4. 4

    c) Die Schmelzenergie für zwei Kilogramm Eis

    Spezifische Schmelzwärme mal Masse; die Kilogramm kürzen sich, es bleiben Kilojoule.

    Q=qs⋅m=334 kJkg⋅2 kg=668 kJQ = q_s \cdot m = 334\,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}} \cdot 2\,\text{kg} = 668\,\text{kJ}

    Zwischenergebnis

    Q=668 kJQ = 668\,\text{kJ}, dabei bleibt die Temperatur bei 0 °C0\,\text{°C}.

  5. 5

    Ergebnis deuten: Umwandlungswärme ist unsichtbar

    668 kJ668\,\text{kJ} werden aufgewendet, ohne dass ein Thermometer irgendeine Änderung anzeigt. Die Energie steckt danach in der veränderten Anordnung der Teilchen, nicht in ihrer Bewegung.

Übung 2

mittel

In einem Temperatur-Wärme-Diagramm eines Stoffes sieht man: ein steigendes Stück bis −39 °C-39\,\text{°C}, ein kurzes waagerechtes Stück, ein steigendes Stück bis 357 °C357\,\text{°C}, ein sehr langes waagerechtes Stück, dann wieder ein steigendes.

a) Um welche Vorgänge handelt es sich jeweils?

b) Was bedeuten die beiden ?

c) Warum ist das zweite waagerechte Stück viel länger als das erste?

d) Welcher Stoff könnte das sein?

Tipp anzeigen

d) Ein Schmelzpunkt von −39 °C-39\,\text{°C} ist sehr ungewöhnlich.

Lösung anzeigen

a) In dieser Reihenfolge:

  1. steigend: Erwärmen des festen Stoffes
  2. waagerecht: Schmelzen
  3. steigend: Erwärmen der Flüssigkeit
  4. waagerecht: Sieden (Verdampfen)
  5. steigend: Erwärmen des Gases

b) −39 °C-39\,\text{°C} ist die Schmelztemperatur, 357 °C357\,\text{°C} die Siedetemperatur des Stoffes.

c) Weil die Verdampfungswärme viel größer ist als die Schmelzwärme. Beim Schmelzen müssen die Teilchen nur aus dem festen Gitter gelöst werden, bleiben aber dicht beieinander. Beim Verdampfen müssen sie vollständig voneinander getrennt und weit auseinandergebracht werden, und das kostet ein Vielfaches.

Die Länge eines waagerechten Stücks ist im Diagramm genau ein Maß für die zugehörige Umwandlungswärme.

d) Ein Stoff, der bei −39 °C-39\,\text{°C} schmilzt und bei 357 °C357\,\text{°C} siedet, ist Quecksilber. Es ist das einzige Metall, das bei Zimmertemperatur flüssig ist, und wurde genau deshalb lange in Thermometern verwendet (heute wegen seiner Giftigkeit kaum noch).

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Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Die fünf Abschnitte des Diagramms benennen

    In dieser Reihenfolge: 1. steigend: Erwärmen des festen Stoffes, 2. waagerecht: Schmelzen, 3. steigend: Erwärmen der Flüssigkeit, 4. waagerecht: Sieden, 5. steigend: Erwärmen des Gases.

  2. 2

    b) Was die beiden Temperaturen bedeuten

    −39 °C-39\,\text{°C} ist die Schmelztemperatur, 357 °C357\,\text{°C} die Siedetemperatur des Stoffes. Es sind genau die Höhen, auf denen die waagerechten Stücke liegen.

  3. 3

    c) Warum das zweite Plateau viel länger ist

    Weil die Verdampfungswärme viel größer ist als die Schmelzwärme. Beim Schmelzen müssen die Teilchen nur aus dem festen Gitter gelöst werden, bleiben aber dicht beieinander; beim Verdampfen müssen sie vollständig getrennt und weit auseinandergebracht werden.

  4. 4

    d) Ergebnis deuten: welcher Stoff das sein muss

    Ein Stoff, der bei −39 °C-39\,\text{°C} schmilzt und bei 357 °C357\,\text{°C} siedet, ist Quecksilber, das einzige Metall, das bei Zimmertemperatur flüssig ist.

Übung 3

schwer

a) Erkläre, warum Schwitzen den Körper kühlt und warum es bei Schwüle schlechter funktioniert.

b) Warum ist eine Verbrühung mit Wasserdampf von 100 °C100\,\text{°C} schlimmer als mit Wasser von 100 °C100\,\text{°C}?

c) Obstbauern besprühen Blüten bei Nachtfrost mit Wasser. Erkläre.

d) Berechne, wie viel 0,5 kg0{,}5\,\text{kg} Schweiß beim Verdunsten aufnehmen (qv=2257 kJkgq_v = 2257\,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}}), und vergleiche mit der Energie, die ein Mensch bei 100 W100\,\text{W} Dauerleistung in einer Stunde umsetzt.

Tipp anzeigen

c) Was passiert energetisch beim Erstarren?

Lösung anzeigen

a) Beim Verdunsten muss der Schweiß die Verdampfungswärme aufnehmen, und er entnimmt sie der Haut. Der Körper verliert dadurch Energie und kühlt ab.

Zusätzlich verlassen beim Verdunsten bevorzugt die schnellsten Teilchen die Oberfläche; zurück bleiben die langsameren, was die mittlere Energie und damit die weiter senkt.

Bei Schwüle ist die Luft bereits fast mit Wasserdampf gesättigt. Es kondensiert dann etwa genauso viel zurück, wie verdunstet, sodass netto kaum noch Verdunstung stattfindet. Der Kühlmechanismus fällt weitgehend aus, und der Schweiß läuft ungenutzt am Körper herunter. Genau deshalb sind 30 °C30\,\text{°C} bei hoher Luftfeuchte belastender als 35 °C35\,\text{°C} in trockener Luft.

b) Beide sind gleich heiß, aber der Dampf gibt beim Kontakt mit der kühleren Haut zuerst die gesamte Kondensationswärme ab, bevor er sich als Wasser überhaupt abzukühlen beginnt.

Für 10 g10\,\text{g} gerechnet:

  • kochendes Wasser, Abkühlung auf 37 °C37\,\text{°C}: Q=4182⋅0,01⋅63 J≈2,6 kJQ = 4182 \cdot 0{,}01 \cdot 63\,\text{J} \approx 2{,}6\,\text{kJ}
  • Dampf: zusätzlich Q=2257000⋅0,01 J=22,6 kJQ = 2257000 \cdot 0{,}01\,\text{J} = 22{,}6\,\text{kJ}, insgesamt also rund 25,2 kJ25{,}2\,\text{kJ}

Das ist fast das Zehnfache, und deshalb sind Dampfverbrühungen so gefürchtet.

c) Beim Erstarren wird Energie frei (Erstarrungswärme, betragsgleich zur Schmelzwärme). Solange auf der Blüte noch flüssiges Wasser gefriert, hält dieser Vorgang die Temperatur bei 0 °C0\,\text{°C}.

Für die Blüte ist 0 °C0\,\text{°C} überlebbar, tiefere Temperaturen dagegen nicht. Die Eisschicht wirkt also wie eine Heizung mit fest eingestelltem Thermostat, solange nachgesprüht wird. Der Vorgang muss deshalb die ganze Frostnacht über laufen; hört man auf, kühlt das Eis weiter ab und die Blüte erfriert doch.

d) Q=qv⋅m=2257 kJkg⋅0,5 kg=1128,5 kJQ = q_v \cdot m = 2257\,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}} \cdot 0{,}5\,\text{kg} = 1128{,}5\,\text{kJ}

Ein Mensch mit 100 W100\,\text{W} Dauerleistung setzt in einer Stunde um:

W=P⋅t=100 W⋅3600 s=360000 J=360 kJW = P \cdot t = 100\,\text{W} \cdot 3600\,\text{s} = 360000\,\text{J} = 360\,\text{kJ}

Ein halber Liter Schweiß nimmt also rund dreimal so viel Energie auf, wie der Körper in einer Stunde bei Ruhe erzeugt. Das zeigt, wie wirkungsvoll dieser Kühlmechanismus ist, und zugleich, warum ausreichendes Trinken bei Hitze und Sport lebenswichtig ist: Ohne Nachschub versagt die Kühlung.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Gegeben und Gesucht, vier Fragen, eine Rechnung

    Gegeben in d): m=0,5 kgm = 0{,}5\,\text{kg} Schweiß, qv=2257 kJkgq_v = 2257\,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}} sowie eine Dauerleistung von 100 W100\,\text{W} über eine Stunde. Gesucht: drei Erklärungen und ein Energievergleich.

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    a) Warum Schwitzen kühlt und bei Schwüle versagt

    Beim Verdunsten muss der Schweiß die Verdampfungswärme aufnehmen, und er entnimmt sie der Haut. Zusätzlich verlassen bevorzugt die schnellsten Teilchen die Oberfläche; zurück bleiben die langsameren, was die mittlere Energie und damit die Temperatur weiter senkt.

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    b) Warum Dampf schlimmer verbrüht als kochendes Wasser

    Beide sind gleich heiß, aber der Dampf gibt beim Kontakt mit der kühleren Haut zuerst die gesamte Kondensationswärme ab, bevor er sich als Wasser überhaupt abzukühlen beginnt.

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    c) Warum Obstbauern Blüten mit Wasser besprühen

    Beim Erstarren wird Energie frei (Erstarrungswärme, betragsgleich zur Schmelzwärme). Solange auf der Blüte noch flüssiges Wasser gefriert, hält dieser Vorgang die Temperatur bei 0 °C0\,\text{°C}, und 0 °C0\,\text{°C} ist für die Blüte überlebbar, tiefere Temperaturen nicht.

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    d) Die Stunde in Sekunden

    Das Watt ist als Js\frac{\text{J}}{\text{s}} festgelegt, deshalb muss die Zeit in Sekunden stehen: 1 h=3600 s1\,\text{h} = 3600\,\text{s}.

    1 h=60⋅60 s=3600 s1\,\text{h} = 60 \cdot 60\,\text{s} = 3600\,\text{s}

    Zwischenergebnis

    t=3600 st = 3600\,\text{s}

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    d) Ergebnis deuten: wie wirksam die Verdunstungskühlung ist

    Q=2257 kJkg⋅0,5 kg=1128,5 kJQ = 2257\,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}} \cdot 0{,}5\,\text{kg} = 1128{,}5\,\text{kJ} stehen W=100 W⋅3600 s=360 kJW = 100\,\text{W} \cdot 3600\,\text{s} = 360\,\text{kJ} gegenüber. Ein halber Liter Schweiß nimmt also rund dreimal so viel Energie auf, wie der Körper in einer Stunde bei Ruhe erzeugt.

Zusammenfassung

Die drei Aggregatzustände unterscheiden sich darin, wie fest die Teilchen aneinander gebunden sind. Die sechs Übergänge dazwischen kosten , wenn Bindungen gelöst werden, und geben genauso viel wieder frei, wenn sie entstehen. Während eines Übergangs bleibt die konstant, weil die zugeführte Energie die Bindungen löst, statt die Teilchen zu beschleunigen; im Temperatur-Wärme-Diagramm zeigen sich diese Phasen als waagerechte Stücke. Berechnet werden sie mit Q=qs⋅mQ = q_s \cdot m und Q=qv⋅mQ = q_v \cdot m, ausdrücklich ohne Temperaturdifferenz. Weil die Verdampfungswärme des Wassers besonders groß ist, kühlt Schwitzen so wirksam, verbrüht Dampf so schwer und kühlen Eiswürfel ein Vielfaches dessen, was gleich kaltes Wasser leisten könnte.