Atom- und Kernphysik
Atomkern, Isotope und Radioaktivität
Aufbau des Atomkerns, Symbolschreibweise, Isotope und woher radioaktive Strahlung überhaupt kommt.
Benötigte Grundlagen
Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.
Einführung
1896 legte Henri Becquerel Uransalz in eine Schublade, zufällig auf einer eingewickelten Fotoplatte. Tage später war die Platte geschwärzt, obwohl kein Licht herangekommen war.
Etwas ging von dem Salz aus, das Papier durchdringen konnte und das man weder sah noch spürte. Es kam nicht von außen, es ließ sich durch nichts abschalten, und es hörte nicht auf. Die Erklärung führte in einen Bereich, den bis dahin niemand für zugänglich gehalten hatte: ins Innere des Atomkerns.
Das kannst du nach diesem Kapitel
die Bestandteile des Atomkerns unterscheiden.
die Symbolschreibweise lesen und die Kernzusammensetzung bestimmen.
Isotope erkennen und ihre Bedeutung erklären.
begründen, warum manche Kerne instabil sind.
Radioaktivität als Kerneigenschaft beschreiben.
Nachweismöglichkeiten für radioaktive Strahlung nennen.
Der Aufbau des Atomkerns
Ein Atom besteht aus dem winzigen Kern und der ihn umgebenden Elektronenhülle. Der Kern enthält zwei Sorten von Bausteinen, zusammen Nukleonen genannt:
| Baustein | (relativ) | |
|---|---|---|
| Proton | 1 | |
| Neutron | 1 | |
| (Elektron in der Hülle) | rund |
Zwei Größenverhältnisse sind bemerkenswert:
- Der Kern ist etwa -mal kleiner als das Atom. Wäre das Atom ein Fußballstadion, wäre der Kern eine Erbse im Mittelkreis.
- Trotzdem steckt in ihm über der Masse, denn Elektronen sind fast masselos.
Ein Atom ist also überwiegend leerer Raum. Dass Materie trotzdem fest erscheint, liegt an den elektrischen der Hüllen.
Achte auf den Warnhinweis: Das Bild ist nicht maßstäblich. Es zeigt richtig, was wo sitzt und wie viele es sind, aber der Kern müsste rund 20 000-mal kleiner gezeichnet sein, und dann sähe man ihn nicht mehr. Merke dir die Aufteilung: Fast die ganze steckt im Kern, fast das ganze Volumen in der Hülle.
Der Punkt in der Mitte ist der Kern, der ganze Rest ist Hülle. In Zahlen: Der Kern misst rund m, das Atom rund m. Es ist also etwa 20 000-mal so breit. Ein Vergleich zum Merken: Wäre der Kern ein Kirschkern von 1 cm, hätte das Atom einen Durchmesser von 180 m, also die Größe eines Fußballstadions.
Die Symbolschreibweise
Man beschreibt einen Kern durch zwei Zahlen:
- = Kernladungszahl (Ordnungszahl): Anzahl der Protonen. Sie bestimmt, um welches Element es sich handelt.
- = Massenzahl (Nukleonenzahl): Anzahl der Protonen und Neutronen zusammen.
- Daraus folgt die Neutronenzahl .
Beispiel: hat Protonen und Neutronen.
🔴 Die Protonenzahl bestimmt das Element. Ändert sie sich, entsteht ein anderer Stoff. Das war der Traum der Alchemisten, und im Kern geschieht es tatsächlich, nur nicht auf chemischem Weg.
Im neutralen Atom ist die Elektronenzahl gleich der Protonenzahl.
Die Neutronenzahl steht nie am Symbol. Sie wird immer als Differenz berechnet. Genau das ist die Aufgabe, die in jeder Klassenarbeit dazu vorkommt. Und die Kernladungszahl Z legt das Element fest: 92 Protonen sind immer Uran, nie etwas anderes.
Isotope
Isotope sind Atomkerne desselben Elements mit verschiedener Neutronenzahl, also gleichem und verschiedenem .
Beispiele:
| Isotop | Protonen | Neutronen | Eigenschaft |
|---|---|---|---|
| 1 | 0 | gewöhnlicher Wasserstoff | |
| 1 | 1 | Deuterium, stabil | |
| 1 | 2 | Tritium, radioaktiv | |
| 6 | 6 | stabil, | |
| 6 | 8 | radioaktiv, Altersbestimmung |
🔴 Isotope eines Elements sind chemisch praktisch nicht unterscheidbar, weil die Chemie von der Elektronenhülle bestimmt wird und die nur von abhängt. Physikalisch unterscheiden sie sich sehr wohl: in der und vor allem darin, ob der Kern stabil ist.
Genau das macht Isotope so nützlich: Man kann ein radioaktives Isotop in einen Stoffwechsel einschleusen, und der Körper behandelt es wie das gewöhnliche Element, aber man kann seinen Weg verfolgen.
Zähle in jedem Kasten die roten Kügelchen: Es sind überall sechs. Deshalb ist alles drei Kohlenstoff, und deshalb verhalten sich alle drei chemisch gleich, die Hülle hat immer 6 Elektronen. Nur die grauen Neutronen werden mehr, und ab acht davon wird der Kern instabil. Physikalisch sind die drei also nicht gleich: Nur C-14 zerfällt, und darauf beruht die Altersbestimmung.
Warum manche Kerne instabil sind
Im Kern wirken zwei gegeneinander:
- Die elektrische Abstoßung zwischen den positiv geladenen Protonen. Sie wirkt weit und will den Kern auseinandertreiben.
- Die starke Kernkraft zwischen allen Nukleonen. Sie ist viel stärker, wirkt aber nur über sehr kurze Entfernungen, praktisch nur zwischen unmittelbaren Nachbarn.
Bei kleinen Kernen genügt etwa gleich viel Protonen und Neutronen für Stabilität. Mit wachsender Größe reicht das nicht mehr: Die Abstoßung summiert sich über den ganzen Kern, die Kernkraft nur über die Nachbarschaft. Schwere Kerne brauchen deshalb einen Neutronenüberschuss als „Kitt".
Ab (Bismut) gibt es kein einziges stabiles Isotop mehr. Alle schwereren Kerne zerfallen früher oder später.
Radioaktivität ist damit eine Eigenschaft des Kerns, nicht der Elektronenhülle:
Radioaktivität ist die Eigenschaft bestimmter Atomkerne, sich ohne äußere Einwirkung spontan umzuwandeln und dabei Strahlung auszusenden.
Daraus folgt eine wichtige Konsequenz:
🔴 Radioaktiver Zerfall lässt sich nicht beeinflussen. Nicht durch , nicht durch , nicht durch chemische Reaktionen, nicht durch elektrische oder magnetische Felder. Genau deshalb ist die Entsorgung radioaktiver Abfälle so schwierig: Man kann sie nicht „unschädlich machen", nur lagern, bis sie von selbst zerfallen sind.
Jeder Punkt ist ein echtes stabiles Isotop. Bis Calcium liegen sie auf der gestrichelten Geraden N = Z, danach weichen sie nach oben ab: Je mehr Protonen sich abstoßen, desto mehr Neutronen braucht der Kern als Kitt. Ab Z = 83 reicht auch das nicht mehr.
Nachweis radioaktiver Strahlung
Man sieht, riecht und spürt sie nicht. Nachgewiesen wird sie über ihre Wirkungen:
| Verfahren | Wirkung |
|---|---|
| Geiger-Müller-Zählrohr | Strahlung ionisiert Gas, es fließt ein kurzer Stromstoß, hörbar als Knacken |
| Fotoplatte, Film-Dosimeter | Schwärzung, wie bei Becquerel |
| Nebelkammer | Ionenspuren werden als Kondensstreifen sichtbar |
| Szintillationszähler | Strahlung erzeugt Lichtblitze in einem Kristall |
| Halbleiterdetektor | erzeugt Ladungsträger im |
Allen gemeinsam ist die ionisierende Wirkung: Die Strahlung schlägt Elektronen aus Atomen heraus. Genau diese Wirkung macht sie auch biologisch gefährlich, denn sie kann Moleküle in Zellen zerstören.
Natürliche Strahlung ist überall. Sie stammt aus dem Boden (vor allem Radon), aus der kosmischen Strahlung, aus Baustoffen und aus dem eigenen Körper (Kalium-40). In Deutschland beträgt die natürliche Belastung im Mittel etwa ; in manchen Mittelgebirgsregionen deutlich mehr. Radioaktivität ist also keine Erfindung der Technik, sondern Teil der natürlichen Umwelt.
Ein Teilchen, ein Knacken: Die Strahlung schlägt ein Elektron aus einem Gasatom, die beiden wandern zu Draht und Wand, und dieser winzige Stromstoß wird gezählt. Gezählt werden also Teilchen, nicht . Deshalb sagt die Zählrate allein noch nichts über die Gefährlichkeit. Und es knackt auch ohne Präparat: Das ist der immer vorhandene Nulleffekt.
Kerne mit der Symbolschreibweise beschreiben
Bestimme jeweils Protonen-, Neutronen- und Elektronenzahl (neutrales Atom):
a) b) c) d)
e) Welche der genannten sind Isotope voneinander? Was gilt für ?
- 1
Die Regel anwenden: Unten steht (Protonen), oben (Nukleonen). Die Neutronenzahl ist die Differenz, die Elektronenzahl im neutralen Atom gleich .
a) : Protonen, Neutronen, Elektronen
- 2
b) : Protonen, Neutronen, Elektronen
Der Neutronenüberschuss ist deutlich: gegen . Genau das braucht ein so schwerer Kern, und trotzdem reicht es nicht für Stabilität.
- 3
c) : Protonen, Neutronen, Elektronen
d) : Protonen, Neutronen, Elektronen
- 4
e) Isotope haben gleiches . Unter a) bis d) hat jedes eine andere Protonenzahl (, , , ), es sind also keine Isotope voneinander, sondern vier verschiedene Elemente.
dagegen hat dasselbe wie und ist damit ein Isotop davon. Es hat Neutronen statt .
Der Unterschied ist folgenreich: ist stabil und macht des natürlichen Kohlenstoffs aus. ist radioaktiv und die Grundlage der Altersbestimmung. Chemisch verhalten sich beide gleich, deshalb baut jeder Organismus sie im natürlichen Verhältnis ein.
a) , , b) , , c) , , d) , , e) keine untereinander; ist Isotop von .
Warum schwere Kerne instabil sind
Erkläre, warum leichte Kerne etwa gleich viele Protonen und Neutronen haben, schwere Kerne dagegen einen deutlichen Neutronenüberschuss brauchen, und warum es ab kein stabiles Isotop mehr gibt.
- 1
Die beiden gegenüberstellen.
- Die elektrische Abstoßung wirkt zwischen allen Protonenpaaren und nimmt mit dem Abstand nur langsam ab (mit ). Sie reicht also durch den ganzen Kern.
- Die starke Kernkraft ist deutlich stärker, wirkt aber nur über etwa einen Nukleondurchmesser. Ein Nukleon spürt sie praktisch nur von seinen unmittelbaren Nachbarn.
- 2
Was das für kleine Kerne bedeutet. Dort ist jedes Nukleon Nachbar fast aller anderen. Die anziehende Kernkraft wirkt also zwischen nahezu allen Paaren und überwiegt die Abstoßung leicht. Ein ausgeglichenes Verhältnis von Protonen und Neutronen genügt.
- 3
Was mit wachsender Größe passiert. Die Zahl der abstoßenden Protonenpaare wächst etwa mit , also schneller als die Nukleonenzahl. Die anziehende Wirkung wächst dagegen nur etwa proportional zur Nukleonenzahl, weil jedes Nukleon weiterhin nur seine Nachbarn spürt.
Die Abstoßung holt also auf.
- 4
Warum Neutronen helfen. Neutronen sind ungeladen: Sie tragen zur Anziehung bei, ohne zur Abstoßung beizutragen. Man kann den Kern also stabilisieren, indem man zusätzliche Neutronen einbaut, die als „Kitt" zwischen den Protonen wirken und diese zugleich auf Abstand halten.
Deshalb steigt das Verhältnis von Neutronen zu Protonen mit der Kerngröße: bei ist es , bei etwa , bei rund .
- 5
Warum es irgendwann nicht mehr reicht. Zusätzliche Neutronen sind selbst nicht beliebig stabil; ein zu großer Überschuss macht den Kern auf andere Weise instabil (Betazerfall). Es gibt also ein Optimum, und ab einer bestimmten Größe liegt es nirgends mehr im stabilen Bereich.
Ab (Bismut) existiert kein stabiles Isotop mehr. Alle schwereren Kerne zerfallen, manche in Sekundenbruchteilen, andere über Milliarden Jahre.
🔴 Genau deshalb sind Uran, Thorium und Radium radioaktiv, und deshalb enden alle natürlichen Zerfallsreihen bei Blei (), dem schwersten Element mit stabilen Isotopen.
Die Abstoßung wächst mit und reicht weit, die Kernkraft wächst nur mit der Nukleonenzahl und wirkt kurz. Neutronen binden, ohne abzustoßen, deshalb der Überschuss; ab genügt auch das nicht mehr.
Typischer Fehler
„Radioaktive Stoffe kann man durch Erhitzen oder chemische Behandlung unschädlich machen."
Man kann es nicht. Der radioaktive Zerfall ist durch nichts beeinflussbar, was uns zur Verfügung steht: nicht durch , , chemische Reaktionen, elektrische oder magnetische Felder.
Der Grund liegt in den Größenordnungen. Chemische Vorgänge spielen sich in der Elektronenhülle ab und arbeiten mit im Bereich weniger Elektronenvolt. Der Zerfall findet im Kern statt, und die dortigen Bindungsenergien sind rund eine Million Mal größer. Eine chemische Reaktion kann den Kern so wenig beeindrucken wie ein Windhauch ein Gebäude.
Deshalb ist auch die chemische Verbindung gleichgültig: Uranmetall, Uranoxid und Uransalz zerfallen mit exakt derselben . Ein radioaktives Iodatom im Schilddrüsenhormon zerfällt genauso wie eines im Reagenzglas.
Die praktische Folge ist unbequem: Radioaktiver Abfall lässt sich nicht neutralisieren, sondern nur sicher lagern, bis er von selbst zerfallen ist. Bei Plutonium-239 (Halbwertszeit Jahre) bedeutet das Zeiträume, die jede menschliche Institution übersteigen. Genau daraus entsteht das Endlagerproblem, und es ist ein physikalisches, kein technisches.
Eine einzige Ausnahme, ehrlich benannt: In Kernreaktoren lassen sich langlebige Isotope durch Neutronenbeschuss in kurzlebigere umwandeln (Transmutation). Das ist aber kein „Unschädlichmachen", sondern eine weitere Kernreaktion, sie erfordert enormen Aufwand und erzeugt neue Probleme. Mit Erhitzen oder Chemie hat sie nichts zu tun.
Übung 1
leichta) Wie viele Protonen und Neutronen hat ?
b) Wie viele Elektronen hat das neutrale Atom?
c) Was bedeutet die Zahl unten links, was die oben links?
d) Sind und Isotope? Begründe.
Tipp anzeigen
d) Vergleiche die Protonenzahlen.
Lösung anzeigen
a) Protonen, Neutronen
b) Elektronen (im neutralen Atom gleich der Protonenzahl)
c) Unten links steht die Kernladungszahl , also die Anzahl der Protonen. Sie bestimmt das Element.
Oben links steht die Massenzahl , also die Anzahl aller Nukleonen (Protonen plus Neutronen).
d) Ja. Beide haben , sind also beide Chlor. Sie unterscheiden sich nur in der Neutronenzahl: gegen .
Chemisch sind sie nicht zu unterscheiden. Das natürliche Chlor ist eine Mischung aus etwa und , und daraus ergibt sich die im Periodensystem angegebene mittlere Atommasse von rund .
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Die Kernschreibweise lesen
Gegeben ist sowie in d) und . Gesucht: Protonen- und Neutronenzahl, Elektronenzahl, die Bedeutung beider Zahlen und eine Isotopenprüfung.
- 2
c) Was Kernladungszahl und Massenzahl bedeuten
Unten links steht die Kernladungszahl , also die Anzahl der Protonen. Sie bestimmt das Element. Oben links steht die Massenzahl , die Anzahl aller Nukleonen (Protonen plus Neutronen). Die Neutronenzahl ist deshalb .
- 3
a) und b) Protonen, Neutronen und Elektronen
Die Protonenzahl steht unten, die Neutronenzahl ist die Differenz, und im neutralen Atom gibt es genauso viele Elektronen wie Protonen.
Protonen ; Neutronen ; Elektronen
Zwischenergebnis
Protonen, Neutronen, Elektronen
- 4
d) Ergebnis deuten: Isotope und die krummen Atommassen
Ja, es sind Isotope: Beide haben , sind also beide Chlor, und unterscheiden sich nur in der Neutronenzahl ( gegen ). Chemisch sind sie nicht zu unterscheiden.
Übung 2
mittela) Erkläre, warum ein Atom fast vollständig aus leerem Raum besteht und trotzdem fest erscheint.
b) Warum ist radioaktiv, aber nicht, obwohl beide Kohlenstoff sind?
c) Nenne drei Nachweisverfahren für radioaktive Strahlung und ihre gemeinsame Grundlage.
Tipp anzeigen
b) Was unterscheidet die beiden Kerne?
Lösung anzeigen
a) Der Kern ist etwa -mal kleiner als das Atom; die Elektronenhülle besteht praktisch nur aus Elektronen, die fast keine haben. Vom Volumen her ist ein Atom deshalb fast vollständig leer.
Fest erscheint Materie trotzdem, weil sich beim Annähern zweier Atome die Elektronenhüllen elektrisch abstoßen. Diese Abstoßung wächst bei kleinem Abstand sehr stark an und verhindert, dass Atome ineinander eindringen.
Was wir als „Berührung" empfinden, ist also nie ein Kontakt von Materie, sondern die Wirkung elektrischer zwischen Elektronenhüllen.
b) Weil sie verschiedene Kernzusammensetzungen haben:
- : Protonen, Neutronen. Ausgeglichenes Verhältnis, der Kern ist stabil.
- : Protonen, Neutronen. Zwei Neutronen zu viel für einen so kleinen Kern.
Der Neutronenüberschuss macht den Kern instabil; er wandelt ein Neutron in ein Proton um (Betazerfall) und wird dadurch zu Stickstoff.
Die chemischen Eigenschaften sind identisch, weil sie nur von der Elektronenhülle und damit von abhängen. Radioaktivität ist eine reine Kerneigenschaft, und genau deshalb kann die Chemie sie nicht beeinflussen.
c) Drei Verfahren:
- Geiger-Müller-Zählrohr: Die Strahlung ionisiert das Gas im Rohr, es fließt ein kurzer Stromstoß, der als Knacken hörbar wird.
- Film-Dosimeter oder Fotoplatte: Die Strahlung schwärzt den Film, genau wie bei Becquerels Entdeckung. So überwacht man die Belastung von Beschäftigten.
- Nebelkammer: In übersättigtem Dampf entstehen entlang der Ionenspuren winzige Tröpfchen, die Bahn wird als Nebelstreifen sichtbar.
Gemeinsame Grundlage: Alle beruhen auf der ionisierenden Wirkung der Strahlung, also darauf, dass sie Elektronen aus Atomen herausschlägt.
Genau diese Wirkung macht die Strahlung auch biologisch gefährlich, denn ionisierte Moleküle in Zellen können ihre Funktion verlieren und das Erbgut kann geschädigt werden.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
a) Warum Materie fest erscheint, obwohl Atome fast leer sind
Der Kern ist etwa -mal kleiner als das Atom, und die Elektronenhülle besteht praktisch nur aus Elektronen ohne nennenswerte Masse, vom Volumen her ist ein Atom fast vollständig leer. Fest erscheint Materie trotzdem, weil sich beim Annähern zweier Atome die Elektronenhüllen elektrisch abstoßen.
- 2
b) Warum C-14 zerfällt und C-12 nicht
Weil sie verschiedene Kernzusammensetzungen haben: hat Protonen und Neutronen, ausgeglichen und stabil. hat Protonen und Neutronen, also zwei Neutronen zu viel für einen so kleinen Kern.
- 3
c) Drei Nachweisverfahren und ihre gemeinsame Grundlage
Geiger-Müller-Zählrohr: Die Strahlung ionisiert das Gas, es fließt ein Stromstoß, der als Knacken hörbar wird. Film-Dosimeter: Die Strahlung schwärzt den Film, wie bei Becquerels Entdeckung. Nebelkammer: In übersättigtem Dampf entstehen entlang der Ionenspuren Tröpfchen, die Bahn wird sichtbar.
- 4
Ergebnisse deuten: Kern und Hülle sauber trennen
Alle drei Teilaufgaben laufen auf dieselbe Trennung hinaus: Die Hülle bestimmt Chemie, Festigkeit und Berührung; der Kern bestimmt Stabilität, Radioaktivität und Isotopie.
Übung 3
schwera) Erkläre das Zusammenspiel von elektrischer Abstoßung und starker Kernkraft und leite daraus ab, warum schwere Kerne mehr Neutronen als Protonen enthalten.
b) Warum enden alle natürlichen Zerfallsreihen bei Blei?
c) Ein Schüler sagt: „Radioaktive Strahlung ist eine Erfindung der Atomkraftwerke." Nimm Stellung.
d) Warum lässt sich radioaktiver Abfall nicht neutralisieren?
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b) Was ist an besonders?
Lösung anzeigen
a) Die elektrische Abstoßung wirkt zwischen allen Protonenpaaren und reicht durch den ganzen Kern. Ihre Gesamtwirkung wächst deshalb etwa mit , also schneller als die Kerngröße.
Die starke Kernkraft ist zwar deutlich stärker, wirkt aber nur über etwa einen Nukleondurchmesser. Ein Nukleon spürt sie also nur von seinen unmittelbaren Nachbarn, und ihre Gesamtwirkung wächst nur ungefähr proportional zur Nukleonenzahl.
Mit wachsender Kerngröße holt die Abstoßung deshalb auf. Neutronen helfen dagegen: Sie tragen zur anziehenden Kernkraft bei, ohne zur Abstoßung beizutragen, und vergrößern zugleich den mittleren Protonenabstand.
Deshalb steigt das Neutronen-Protonen-Verhältnis mit der Kerngröße von etwa bei leichten auf rund bei schweren Kernen.
b) Weil Blei () das schwerste Element mit stabilen Isotopen ist. Ab (Bismut) gibt es keine wirklich stabilen Kerne mehr.
Ein Zerfall endet, sobald ein stabiler Kern entstanden ist; danach passiert nichts mehr. Da alle natürlichen Zerfallsreihen bei sehr schweren Kernen (Uran-238, Uran-235, Thorium-232) beginnen und über viele Schritte immer leichter werden, laufen sie zwangsläufig auf das nächste stabile Element zu, und das ist Blei.
Die drei Reihen enden bei , und .
Nebenbei erlaubt das eine Altersbestimmung: Aus dem Verhältnis von Uran zu Blei in einem Gestein lässt sich berechnen, wie lange der Zerfall bereits läuft. So kennt man das Alter der Erde von rund Milliarden Jahren.
c) Die Aussage ist falsch. Radioaktivität ist eine natürliche Erscheinung, die lange vor jeder Technik existierte. Becquerel entdeckte sie 1896 an einem natürlichen Uransalz, ein halbes Jahrhundert vor dem ersten Kernkraftwerk.
Jeder Mensch ist ständig natürlicher Strahlung ausgesetzt:
- Radon aus dem Boden (der größte Anteil),
- kosmische Strahlung aus dem Weltall,
- Baustoffe wie Granit,
- der eigene Körper durch Kalium-40 in jeder Zelle.
In Deutschland beträgt die natürliche Belastung im Mittel rund , in manchen Mittelgebirgsregionen deutlich mehr.
Richtig ist, dass Kerntechnik und Medizin zusätzliche Quellen geschaffen und die Menge künstlicher Isotope erhöht haben. Das ändert aber nichts daran, dass die Erscheinung selbst natürlich ist. Wer sie für rein technisch hält, kann Meldungen über Strahlenwerte nicht einordnen, weil ihm der Vergleichsmaßstab fehlt.
d) Weil der Zerfall im Kern stattfindet und durch nichts beeinflussbar ist, was uns zur Verfügung steht.
Alle üblichen Verfahren zur Unschädlichmachung (Verbrennen, chemisch binden, neutralisieren) wirken auf die Elektronenhülle und arbeiten mit von wenigen Elektronenvolt. Kernbindungsenergien liegen im Bereich von Millionen Elektronenvolt, also rund eine Million Mal höher.
Praktische Folge: Man kann radioaktiven Abfall nur einschließen und lagern, bis er von selbst zerfallen ist. Bei Plutonium-239 mit einer von Jahren bedeutet das eine sichere Verwahrung über Hunderttausende von Jahren, also über Zeiträume, die länger sind als die gesamte bisherige Menschheitsgeschichte.
Das Endlagerproblem ist damit kein Zeichen mangelnder Technik, sondern eine unmittelbare Folge der Physik des Kerns.
(Die Transmutation in Reaktoren kann langlebige Isotope in kurzlebigere umwandeln, ist aber selbst eine Kernreaktion mit hohem Aufwand und eigenen Problemen. Sie ist kein Gegenbeispiel zur obigen Aussage über chemische oder thermische Verfahren.)
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
a) Zwei Kräfte mit sehr verschiedener Reichweite
Die elektrische Abstoßung wirkt zwischen allen Protonenpaaren und reicht durch den ganzen Kern, ihre Gesamtwirkung wächst deshalb etwa mit . Die starke Kernkraft ist deutlich stärker, wirkt aber nur über etwa einen Nukleondurchmesser; ihre Gesamtwirkung wächst nur ungefähr proportional zur Nukleonenzahl.
- 2
a) Warum schwere Kerne mehr Neutronen als Protonen brauchen
Neutronen helfen: Sie tragen zur anziehenden Kernkraft bei, ohne zur Abstoßung beizutragen, und vergrößern zugleich den mittleren Protonenabstand. Deshalb steigt das Neutronen-Protonen-Verhältnis mit der Kerngröße von etwa bei leichten auf rund bei schweren Kernen.
- 3
b) und c) Warum Zerfallsreihen bei Blei enden, und was natürlich ist
b) Weil Blei () das schwerste Element mit stabilen Isotopen ist; ab gibt es keine wirklich stabilen Kerne mehr. Ein Zerfall endet, sobald ein stabiler Kern entstanden ist. c) Radioaktivität ist eine natürliche Erscheinung: Becquerel entdeckte sie 1896 an einem Uransalz, ein halbes Jahrhundert vor dem ersten Kernkraftwerk.
- 4
d) Ergebnis deuten: warum sich radioaktiver Abfall nicht neutralisieren lässt
Weil der Zerfall im Kern stattfindet. Alle üblichen Verfahren zur Unschädlichmachung, Verbrennen, chemisch binden, neutralisieren, wirken auf die Elektronenhülle und arbeiten mit Energien von wenigen Elektronenvolt. Kernbindungsenergien liegen im Bereich von Millionen Elektronenvolt, also rund eine Million Mal höher.
Zusammenfassung
Der Atomkern besteht aus Protonen und Neutronen und vereint auf winzigem Raum über neunundneunzig Prozent der Atommasse. In der Symbolschreibweise gibt die untere Zahl die Protonenzahl an, die das Element bestimmt, die obere die Zahl aller Nukleonen; ihre Differenz ist die Neutronenzahl. Kerne desselben Elements mit verschiedener Neutronenzahl heißen Isotope, sind chemisch nicht unterscheidbar und verhalten sich physikalisch doch grundverschieden. Ob ein Kern stabil ist, entscheidet das Kräftespiel zwischen der weitreichenden elektrischen Abstoßung der Protonen und der sehr kurzreichweitigen starken Kernkraft; schwere Kerne brauchen deshalb einen Neutronenüberschuss, und ab Ordnungszahl 83 gibt es kein stabiles Isotop mehr. Radioaktivität ist damit eine reine Kerneigenschaft, durch , , Chemie oder Felder nicht beeinflussbar, und nachweisbar allein über ihre ionisierende Wirkung.


