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Spannungsteiler und Potentiometer

SchulversuchElektrizitätslehreKlasse 8–9Fortgeschritten

Worum geht es?

Die Reihenschaltung teilt die Quellenspannung im Verhältnis der Widerstände: eine Beobachtung, die sich zum Werkzeug machen lässt. Greift man die über einem der beiden Widerstände ab, hat man einen Spannungsteiler: Aus festen 12 V12\ \mathrm{V} werden zum Beispiel 4 V4\ \mathrm{V}. Ein Potentiometer macht das Teilerverhältnis mit einem Schleifkontakt stufenlos einstellbar, so funktionieren Lautstärkeregler und Dimmer-Eingänge.

Warum macht man dieses Experiment?

Der Spannungsteiler ist eine der meistverbauten Grundschaltungen überhaupt: Sensoren, Lautstärkeregler, Messbereichserweiterungen, Referenzspannungen. Zugleich lehrt er eine Lektion, die über die Elektrizitätslehre hinausreicht: Eine Formel gilt nur unter ihren Voraussetzungen. Die Teilerformel setzt voraus, dass am Abgriff (fast) kein Strom entnommen wird, und der Versuch zeigt messbar, wie die Ausgangsspannung einbricht, sobald eine Last angeschlossen wird.

Die physikalische Idee

Durch die unverzweigte Reihenschaltung fließt ein gemeinsamer Strom; die über jedem Widerstand ist diesem Widerstand proportional. Der Abgriff über R2R_2 liefert also den Bruchteil R2/(R1+R2)R_2/(R_1+R_2) der Quellenspannung. Beim Potentiometer ersetzt eine Widerstandsbahn mit Schleifer die zwei Festwiderstände: Die Schleiferposition wählt das Teilerverhältnis kontinuierlich zwischen 0 und 1.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Spannungsteiler gehören seit den Anfängen der Messtechnik zum Handwerkszeug; Johann Christian Poggendorff nutzte die Kompensationsmethode mit Teilerschaltungen schon im 19. Jahrhundert für Präzisionsmessungen. In fast jedem modernen Gerät arbeiten Teiler an Sensoreingängen.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Spannungsteiler untersuchen

Prüfe die Teilerformel: Liefert der Teiler aus 400 Ω400\ \Omega und 200 Ω200\ \Omega an 12 V12\ \mathrm{V} tatsächlich die vorhergesagten 4,0 V4{,}0\ \mathrm{V} am Abgriff?

Gemessen

  • — Quellenspannung (in )

    Eingangsgröße des Teilers.

  • — Ausgangsspannung (Abgriff) (in )

    Die geteilte Spannung; sie wird mit der Formelvorhersage verglichen.

Bekannt

  • — Teilerwiderstände (in )

    Bestimmen das Teilerverhältnis; hier 400 Ω und 200 Ω.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die zu prüfende Teilerformel: Sie sagt die Abgriffspannung aus den Bauteilwerten vorher.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Baue den Spannungsteiler aus R1=400 ΩR_1 = 400\ \Omega (oben) und R2=200 ΩR_2 = 200\ \Omega (unten) an 12,0 V12{,}0\ \mathrm{V} auf. Sage die Abgriffspannung mit der Teilerformel vorher und prüfe die Vorhersage durch Messung.

2Vorbetrachtung

Die Teilerformel entsteht aus der Reihenschaltung

  1. Durch die unverzweigte Reihenschaltung fließt überall derselbe Strom. Er ergibt sich aus Quellenspannung und :

  2. Die Ausgangsspannung ist der Spannungsabfall an R2R_2, also Strom mal Widerstand:

  3. Einsetzen des Stroms liefert die Teilerformel. Der Strom kürzt sich als Zwischengröße heraus, übrig bleibt das reine Widerstandsverhältnis:

  4. Vorhersage für unsere Werte: U2=12 V⋅200600=4,0 VU_2 = 12\ \mathrm{V} \cdot \tfrac{200}{600} = 4{,}0\ \mathrm{V}. Wichtig: Im Nenner steht die Summe beider Widerstände, im Zähler der Widerstand, über dem abgegriffen wird.

3Geräte / Stoffe

Grundbestand ohne Last: Am Abgriff hängt nur das hochohmige Voltmeter, die Formelvoraussetzung (unbelasteter Teiler) ist damit erfüllt.

  • Netzgerät (12 V Gleichspannung)

    Feste Quellenspannung, aus der kleinere abgeleitet werden.

  • Festwiderstände 400 Ω und 200 Ω

    Bilden den festen Spannungsteiler mit dem Sollverhältnis 1 : 3 am Abgriff.

  • Drehpotentiometer (1 kΩ)

    Widerstandsbahn mit Schleifkontakt: stufenlos einstellbares Teilerverhältnis.

  • Lastwiderstand 200 Ω

    Simuliert einen Verbraucher am Abgriff (Belastungstest).

  • Voltmeter

    Misst die Ausgangsspannung des Teilers.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Schaltplan: R1R_1 und R2R_2 in Reihe an der Quelle; der Abgriff liegt zwischen den Widerständen, das Voltmeter zwischen Abgriff und unterem Quellenanschluss (also über R2R_2).

Aufbau Teil 1: Reihenschaltung aus R1=400 ΩR_1 = 400\ \Omega und R2=200 ΩR_2 = 200\ \Omega an 12 V12\ \mathrm{V}; das Voltmeter misst die Ausgangsspannung über R2R_2. Aufbau Teil 2: Drehpotentiometer (z. B. 1 kΩ1\ \mathrm{k\Omega}) an derselben Quelle; das Voltmeter misst zwischen Schleifer und einem Bahnende. Für den Belastungstest wird zusätzlich ein Lastwiderstand parallel zum Abgriff geschaltet.

5Durchführung

Schritt 1: Teiler aufbauen, Quellenspannung messen und auf 12,0 V12{,}0\ \mathrm{V} einstellen.

Schritt 2: Abgriffspannung U2U_2 messen.

Schritt 3: Zur Kontrolle die Widerstände tauschen (Abgriff jetzt über 400 Ω400\ \Omega) und erneut messen: Die Formel sagt dann 8,0 V8{,}0\ \mathrm{V} vorher.

6Beobachtung

Messwerte am unbelasteten Teiler (U=12,0 VU = 12{,}0\ \mathrm{V})
Abgriff überFormelvorhersageMesswert
R2=200 ΩR_2 = 200\ \Omega4,0 V4{,}0\ \mathrm{V}4,0 V4{,}0\ \mathrm{V}
R2=400 ΩR_2 = 400\ \Omega (getauscht)8,0 V8{,}0\ \mathrm{V}8,0 V8{,}0\ \mathrm{V}

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Beide Messungen treffen die Vorhersage: Die Teilerformel ist bestätigt. Der Tausch-Test ist dabei mehr als eine Wiederholung: Er prüft, dass wirklich das Widerstandsverhältnis die Ausgangsspannung bestimmt und nicht etwa die Bauteilreihenfolge zufällig passte. Beide Abgriffe zusammen ergeben 4,0+8,0=12,0 V4{,}0 + 8{,}0 = 12{,}0\ \mathrm{V}, die Spannungsregel der Reihenschaltung als Querkontrolle.

8Fazit

Der unbelastete Spannungsteiler folgt der Teilerformel exakt: 4,0 V4{,}0\ \mathrm{V} am 200-Ω-Abgriff, 8,0 V8{,}0\ \mathrm{V} nach dem Tausch. Aus einer festen Quelle lassen sich damit beliebige Teilspannungen ableiten, solange keine Last zieht.

9Fehlerbetrachtung

Die Hauptfehlerquellen sind die Bauteiltoleranzen und, prinzipiell, das Voltmeter selbst als minimale Last:

Voltmeter als unbemerkte Lasteher systematisch

Ursache

Auch das Voltmeter zieht einen winzigen Strom; es liegt parallel zu R2R_2.

Auswirkung

Bei R2=200 ΩR_2 = 200\ \Omega gegen Geräte-Innenwiderstände im Megaohm-Bereich ist der Effekt kleiner als ein Zehntel Promille, unsichtbar. Bei hochohmigen Teilern (Megaohm-Bereich) würde genau dieser Effekt die Messung dominieren.

Verbesserung

Teilerwiderstände klein gegen den Voltmeter-Innenwiderstand wählen.

Bauteiltoleranzeneher systematisch

Ursache

Die Nennwerte gelten nur bis auf die Toleranz (typisch 5 %).

Auswirkung

Das reale Teilerverhältnis weicht entsprechend ab; einige Zehntelvolt Abweichung sind normal.

Verbesserung

Widerstände vorab ausmessen und mit den Messwerten vorhersagen.

Das Wichtigste

Teilerformel

Unbelastet gilt U2=U⋅R2R1+R2U_2 = U \cdot \dfrac{R_2}{R_1 + R_2}: Der Abgriff liefert den Bruchteil, den R2R_2 am hat.

Potentiometer

Ein Spannungsteiler mit verschiebbarem Abgriff: Das Teilerverhältnis ist stufenlos zwischen 0 und 1 einstellbar.

Belastung

Ein Verbraucher am Abgriff liegt parallel zu R2R_2 und verkleinert den unteren Teilwiderstand: Die Ausgangsspannung sinkt unter den Formelwert. Die Teilerformel gilt nur für vernachlässigbare Belastung.

Faustregel

Damit der Einbruch klein bleibt, sollte der Lastwiderstand groß gegen R2R_2 sein (mindestens das Zehnfache).

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