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Reibungskraft untersuchen

SchulversuchMechanikKlasse 7Standard

Worum geht es?

bremst jede Bewegung zwischen berührenden Flächen, aber wovon hängt ihre Stärke ab? Der Versuch prüft die drei Kandidaten (Anpresskraft, Auflagefläche, Materialpaarung) einzeln und untersucht dann den Unterschied zwischen Haftreibung (was das Losreißen kostet) und Gleitreibung (was das Gleiten kostet).

Warum macht man dieses Experiment?

ist Alltagsphysik im Wortsinn: Gehen, Bremsen, Schrauben, Anfahren auf Glatteis, alles Reibungsfragen. Die Befunde dieses Versuchs stecken direkt in der Fahrphysik (warum ABS? weil Gleiten schwächer bremst als Haften!) und korrigieren eine hartnäckige Intuition: Die Auflagefläche ist, anders als fast jeder erwartet, (nahezu) egal.

Die physikalische Idee

Ein Klotz wird mit dem Kraftmesser gleichmäßig über die Unterlage gezogen: Bei konstanter Geschwindigkeit hält die Zugkraft der genau die Waage, der Kraftmesser misst also die Reibung. Nacheinander werden Anpresskraft (Zusatzgewichte), Fläche (Klotz auf Kante gekippt) und Material (Unterlagen) variiert; für die Haftreibung wird die maximale unmittelbar vor dem Losreißen erfasst.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Leonardo da Vinci notierte die Flächenunabhängigkeit schon um 1500 (unveröffentlicht); Guillaume Amontons formulierte die Reibungsgesetze 1699, Charles Augustin de Coulomb ergänzte die Haft-Gleit-Unterscheidung. Mikroskopisch versteht man erst seit dem 20. Jahrhundert: Reale Flächen berühren sich nur an winzigen Rauheitsspitzen.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Gleitreibungskraft und ihre Einflussgrößen

Miss die Gleitreibungskraft des Klotzes und prüfe einzeln: Verdoppelt sich die mit der Anpresskraft? Ändert die Auflagefläche etwas? Was macht die Materialpaarung? Bestimme die Reibungszahl für Holz auf Holz.

Gemessen

  • — Gleitreibungskraft (in )

    Zugkraft bei gleichmäßigem Ziehen: Im Kräftegleichgewicht ist sie betragsgleich zur Reibung.

Bekannt

  • — Anpresskraft (Normalkraft) (in )

    Auf ebener Unterlage gleich der Gewichtskraft von Klotz plus Zuladung.

Berechnet

  • — Gleitreibungszahl

    μ=FR/FN\mu = F_R/F_N: die Kennzahl der Materialpaarung (einheitenlos).

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Das geprüfte Reibungsgesetz: proportional zur Anpresskraft, mit der Materialkennzahl µ.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Ziehe den Klotz gleichmäßig über das Holzbrett und miss die : (a) einfach und mit verdoppelter Last, (b) auf Breit- und Schmalseite, (c) auf Glas, Schmirgel und Teppich. Berechne µ für Holz auf Holz.

2Vorbetrachtung

Warum gleichmäßiges Ziehen die misst: Bewegt sich der Klotz mit konstanter Geschwindigkeit, ändern sich weder Tempo noch Richtung: Die müssen sich aufheben, also gilt Zugkraft = Reibungskraft. Beschleunigtes Ziehen würde zu viel messen, ruckelndes irgendwas.

Die drei Hypothesen mit Erwartung: (a) Doppelte Last presst die Rauheitsspitzen doppelt stark ineinander: Verdopplung erwartet. (b) Größere Fläche verteilt dieselbe Last auf mehr Spitzen, jede trägt weniger: Der Effekt sollte sich wegheben: keine Änderung erwartet, gegen die Intuition! (c) Materialpaarung bestimmt, wie sich die Flächen verzahnen: deutliche Unterschiede erwartet. Nur Einzelvariation trennt die drei sauber.

3Geräte / Stoffe

Klotz mit Kraftmesser waagerecht ziehen; die Unterlagen liegen fest auf dem Tisch (festklemmen, sonst wird die Unterlage mitgezogen).

  • Holzklotz (500 g) mit Öse, kippbar auf Schmal- und Breitseite

    Prüfkörper; das Kippen variiert die Fläche bei gleicher Anpresskraft.

  • Zusatz-Wägestücke (500 g)

    Verdoppeln die Anpresskraft, ohne sonst etwas zu ändern.

  • Federkraftmesser (5 N)

    Misst Zug- und damit .

  • Unterlagen: Holzbrett, Glasplatte, Schmirgelpapier, Teppichstück

    Variieren die Materialpaarung.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Gezogener Klotz mit den vier ; daneben die Versuchsmatrix (Last / Fläche / Material) mit je einer variierten Spalte.

BewegungsrichtungF(Zug)F(R)F(G)F(N)Die Reibungskraft zeigt immer ENTGEGEN der Bewegung

Die am gezogenen Klotz: Zugkraft gegen , gegen Normalkraft. Bei gleichmäßigem Ziehen sind beide Paare im Gleichgewicht: Der Kraftmesser zeigt die Reibung.

Fläche geändertgleiche ReibungFläche spielt keine RolleAnpresskraft verdoppeltdoppelte ReibungF(R) = μ · F(N)Entscheidend sind Anpresskraft und Material, nicht die Fläche

Die Kernbefunde als Bild: Anpresskraft entscheidet, Fläche nicht. Genau das prüft die Messreihe.

5Durchführung

Schritt 1 (Last): Klotz allein, dann mit 500-g-Zuladung, je dreimal gleichmäßig ziehen, Mittelwert der Anzeige.

Schritt 2 (Fläche): Klotz auf die Schmalseite kippen (gleiche Last!), ziehen.

Schritt 3 (Material): Klotz (ohne Zuladung) über Glas, Schmirgel, Teppich ziehen.

6Beobachtung

Gleitreibungskräfte (Mittel aus je drei Zügen; Klotz 500 g, FN=4,9 NF_N = 4{,}9\ \mathrm{N})
BedingungFRF_R in N\mathrm{N}
Holz auf Holz, Breitseite1,5
mit 500 g Zuladung (F_N = 9,8 N)2,9
Holz auf Holz, Schmalseite1,5
auf Glasplatte1,0
auf Schmirgelpapier2,5
auf Teppich2,1

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Anpresskraft: Doppelte Last, (fast) doppelte (1,5→2,9 N1{,}5 \to 2{,}9\ \mathrm{N}): Die Proportionalität FR∼FNF_R \sim F_N ist bestätigt. Als Reibungszahl für Holz auf Holz folgt

μ=FRFN=1,5 N4,9 N≈0,3\mu = \frac{F_R}{F_N} = \frac{1{,}5\ \mathrm{N}}{4{,}9\ \mathrm{N}} \approx 0{,}3

und mit Zuladung derselbe Wert (2,9/9,8≈0,32{,}9/9{,}8 \approx 0{,}3): μ\mu ist lastunabhängig, wie es eine Materialkennzahl sein muss.

Fläche: Breitseite und Schmalseite liefern dieselbe : Die Intuition „mehr Fläche, mehr Reibung“ ist widerlegt. Das Spitzen-Argument der Vorbetrachtung trägt: Es zählt die Last, nicht ihre Verteilung.

Material: Glas gleitet leichter (μ≈0,2\mu \approx 0{,}2), Schmirgel deutlich schwerer (≈0,5\approx 0{,}5): Die Paarung ist der zweite große Faktor. Damit steht das Reibungsgesetz komplett: FR=μ⋅FNF_R = \mu \cdot F_N, mit μ\mu aus der Materialtabelle.

8Fazit

Die wächst proportional zur Anpresskraft (μ≈0,3\mu \approx 0{,}3 für Holz auf Holz), ist flächenunabhängig und stark materialabhängig: FR=μ⋅FNF_R = \mu \cdot F_N ist experimentell gesichert.

9Fehlerbetrachtung

Reibungsmessungen streuen naturgemäß stark; die Behandlung der Streuung ist Teil des Versuchs:

Ungleichmäßiges Zieheneher zufällig

Ursache

Hand beschleunigt und verzögert unmerklich; der Klotz ruckelt.

Auswirkung

Die Anzeige pendelt um ±0,2 N: Einzelablesungen sind wenig wert.

Verbesserung

Langsam und stetig ziehen, dreifach messen und mitteln (so durchgeführt).

Schräg gehaltener Kraftmessereher systematisch

Ursache

Zug nicht parallel zur Unterlage.

Auswirkung

Ein Teil des Zugs hebt den Klotz an (verringert F_N) oder drückt ihn an: µ wird verfälscht.

Verbesserung

Waagerecht auf Klotzhöhe ziehen.

Staub und Abrieb verändern die Paarungeher systematisch

Ursache

Schmirgel poliert sich ab, Flächen verschmutzen.

Auswirkung

µ driftet über die Versuchsdauer.

Verbesserung

Flächen zwischendurch abwischen, Reihenfolge der Materialien variieren.

Das Wichtigste

Einflussgrößen

Die Gleitreibungskraft wächst proportional zur Anpresskraft und hängt von der Materialpaarung ab: FR=μ⋅FNF_R = \mu \cdot F_N. Die Auflagefläche spielt (bei festen Körpern) fast keine Rolle.

Reibungszahl

μ=FR/FN\mu = F_R / F_N charakterisiert die Paarung: Holz auf Holz etwa 0,3, auf Glas kleiner, auf Schmirgel deutlich größer.

Haften > Gleiten

Das Losreißen kostet mehr als das Gleiten, die Haftreibungszahl ist größer als die Gleitreibungszahl: der Ruck beim Anziehen.

Konsequenz

Maximale Bremswirkung liefert das rollende (haftende) Rad, nicht das blockierte (gleitende): der Grund für ABS.

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