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Abbildung an der optischen Bank

SchulversuchOptikKlasse 7Vertiefung

Worum geht es?

Auf der optischen Bank werden Gegenstandsweite gg, Bildweite bb und Brennweite ff sauber messbar. Ihre Beziehung ist die Linsengleichung 1f=1g+1b\frac{1}{f} = \frac{1}{g} + \frac{1}{b}, und wir prüfen sie über eine ganze Messreihe. Dazu kommen die Bildarten-Landkarte (wann verkleinert, wann vergrößert, wann virtuell?) und der Abbildungsmaßstab BG=bg\frac{B}{G} = \frac{b}{g}: das komplette Regelwerk der Linsenabbildung.

Warum macht man dieses Experiment?

Dies ist das quantitative Herzstück der Optik. Wer die Linsengleichung einmal selbst gemessen hat, kann jedes optische Gerät durchrechnen: Wo muss der Beamer stehen, warum stellt die Kamera „scharf“, wie entwirft das Auge sein Netzhautbild? Und die Kehrwert-Form der Gleichung gibt einen Vorgeschmack darauf, wie die Physik Formeln baut, die auf den ersten Blick unhandlich und auf den zweiten perfekt sind.

Die physikalische Idee

Vier Stufen an einem Aufbau: (1) Die Brennweite der präzise bestimmen, den Schlüsselwert für alles Weitere. (2) Zu vier Gegenstandsweiten die scharfe Bildweite suchen und die Prüfsumme 1g+1b\frac{1}{g} + \frac{1}{b} bilden. (3) Den ganzen Schienenbereich abfahren und die Bildarten kartieren. (4) Bildgrößen messen und die Maßstabsformel prüfen.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

  • Sammellinse und Brennweite (Experiment)
  • Abbildungsmaßstab an der Lochkamera (Experiment)

Wissenschaftliche Einordnung

Kepler legte 1611 in der „Dioptrice“ die Strahlenkonstruktion der Linsenabbildung vor, die Grundlage für das nach ihm benannte Fernrohr. Die Kehrwert-Form der Linsengleichung stammt von Halley und wurde von Gauß 1841 zur allgemeinen Abbildungstheorie ausgebaut. Bis heute rechnet jede Objektiv-Software mit ihren Nachfahren.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Die Brennweite präzise bestimmen

Bestimme die Brennweite der Banklinse mit dem Fernbild-Verfahren und einer Gegenprobe so genau, dass sie als Referenz für die folgenden Varianten taugt.

Gesucht

  • — Brennweite (in )

    Der Referenzwert aller weiteren Varianten. Ein Fehler hier wandert in jede Prüfsumme.

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Begründet beide Verfahren: Ein fernes g macht b≈fb \approx f, und die symmetrische Stellung g=bg = b liefert g=2fg = 2f.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Verfahren 1: Das Fernbild eines Objekts jenseits von 10 m auf dem Schirm scharf stellen und den Abstand zwischen und Schirm messen. Verfahren 2, die Gegenprobe: Auf der Bank die symmetrische Stellung suchen, in der Bild und Gegenstand gleich groß sind, denn dort gilt g = b = 2f.

2Vorbetrachtung

Warum zwei Verfahren? Der f-Wert trägt drei Folgevarianten und verdient deshalb eine unabhängige Gegenprobe. Verfahren 2 nutzt eine Besonderheit der Linsengleichung: Setzt man g=bg = b, wird 2g=1f\frac{2}{g} = \frac{1}{f}, also g=2fg = 2f. Die symmetrische Stellung ist an etwas Messbarem erkennbar, nämlich daran, dass das Bild genau gleich groß ist wie der Gegenstand. Man sucht also die Gleichgroß-Stellung und halbiert die Gegenstandsweite: kein fernes Objekt nötig, reine Bankmessung.

3Geräte / Stoffe

Für Verfahren 2 die Pfeilhöhe (2,0 cm) auf dem Schirm mit dem Lineal vergleichen. Die Positionen an der Bankskala ablesen, mit der Linsenmitte als Bezug (Haltermarke prüfen!).

  • Optische Bank mit Skala

    Alle Weiten und Positionen an einer Skala, die Voraussetzung für saubere Messreihen.

  • Leuchtobjekt (Pfeil, 2,0 cm)

    Definierte Gegenstandsgröße und -richtung, damit Bildumkehr und Maßstab ablesbar werden.

  • Sammellinse f = 10 cm

    Der Prüfling, dieselbe durch alle vier Varianten hindurch.

  • Mattscheibe

    Fängt reelle Bilder von beiden Seiten sichtbar auf.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Bank mit den zwei Aufbauten untereinander: fernes Objekt → b ≈ f; symmetrische Stellung mit g = b = 2f.

FF′GBgbfBild: reell, umgekehrt · 1/f = 1/g + 1/b · B/G = b/g

Die Bildkonstruktion mit den Hauptstrahlen: Parallelstrahl (knickt durch F), Mittelpunktstrahl (läuft gerade durch), Brennpunktstrahl (wird parallel). Ihr Schnitt liefert Bildort und Bildgröße, und die Linsengleichung fasst genau diese Geometrie in Zahlen.

Aufbau: Optische Bank (Schiene mit Zentimeterskala), Kerze oder LED-Leuchtobjekt (Pfeil, Höhe 2,0 cm) auf Reiter, f = 10 cm im Halter, Mattscheibe/Schirm auf Reiter; abgedunkelter Raum.

5Durchführung

Verfahren 1 dreimal mit verschiedenen fernen Objekten durchführen. Bei Verfahren 2 Gegenstand und Schirm verschieben, bis das Bild scharf und gleich groß ist, dann g ablesen. Zum Schluss beide f-Werte vergleichen.

6Beobachtung

Brennweitenbestimmung
VerfahrenMesswertef
Fernbild (3 Objekte)10,1 / 9,9 / 10,0 cm10,0 cm
symmetrische Stellungg = b = 20,0 cm, Bild 2,0 cm groß (kopfstehend)10,0 cm

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Zwei unabhängige Wege, ein Wert: f=10,0 cmf = 10{,}0\ \mathrm{cm} aus dem Fernbild und aus der Gleichgroß-Stellung (20,0/220{,}0/2). Die Übereinstimmung zweier Verfahren mit verschiedenen Fehlerquellen ist der beste Beleg, den eine Einzelgröße bekommen kann. Der Referenzwert für die Prüfung der Linsengleichung steht damit auf zwei Beinen.

Ein Nebenbefund mit Ansage: In der symmetrischen Stellung ist das Bild genau gleich groß und kopfstehend. Das ist bereits der erste Punkt der Bildarten-Landkarte aus Variante 3: g=2fg = 2f ist ihre Mittelmarke, und von hier aus wird in beide Richtungen kartiert.

8Fazit

f = 10,0 cm, doppelt bestimmt über Fernbild und symmetrische Stellung. Der Referenzwert für die Prüfung der Linsengleichung ist gesichert.

9Fehlerbetrachtung

Der Referenzwert erbt jede Nachlässigkeit dieser Variante:

Linsenmitte falsch angenommeneher systematisch

Ursache

Die Haltermarke stimmt nicht mit der Linsenebene überein.

Auswirkung

Ein konstanter Versatz in allen Weiten der Folgevarianten.

Verbesserung

Die Marke gegen die reale Linsenposition prüfen, gegebenenfalls den Versatz notieren und überall anwenden.

Fernobjekt zu naheher systematisch

Ursache

b liegt dann messbar über f.

Auswirkung

f fällt zu groß aus.

Verbesserung

Ein Objekt jenseits von 10 m wählen; die Gegenprobe deckt den Fehler auf.

Gleichgroß-Urteil nach Augenmaßeher zufällig

Ursache

±1 mm Ungenauigkeit beim Größenvergleich auf 20 mm.

Auswirkung

±0,5 cm in g und damit ±0,25 cm in f.

Verbesserung

Millimeterpapier auf der Mattscheibe.

Das Wichtigste

Die Linsengleichung

1f=1g+1b\frac{1}{f} = \frac{1}{g} + \frac{1}{b}: Die Kehrwerte der drei Weiten hängen zusammen. Je näher der Gegenstand, desto weiter rückt das Bild hinaus, bis es bei g=fg = f ins Unendliche entweicht.

Die Bildarten-Landkarte

g>2fg > 2f: verkleinert (Kamera) · g=2fg = 2f: gleich groß, b=2fb = 2f · f<g<2ff < g < 2f: vergrößert (Beamer) · g<fg < f: kein reelles Bild, sondern Lupe. Vier Zonen, eine Gleichung.

Der Maßstab

BG=bg\frac{B}{G} = \frac{b}{g}, wie bei der Lochkamera (Mittelpunktstrahl!): Bild- zu Gegenstandsgröße verhält sich wie Bild- zu Gegenstandsweite.

Symmetrie

g und b sind in der Gleichung vertauschbar. Zu jedem scharfen Aufbau existiert der gespiegelte mit getauschtem g und b. Kamera-Stellung und Beamer-Stellung sind dasselbe Bild, nur rückwärts durchlaufen.

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