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Lorentzkraft

SchulversuchMagnetismus / ElektromagnetismusKlasse 11Vertiefung

Worum geht es?

Die auf den stromdurchflossenen Leiter ist in Wahrheit die Summe der Kräfte auf seine bewegten Ladungsträger. Das Fadenstrahlrohr macht diese einzeln sichtbar: Ein Elektronenstrahl leuchtet im verdünnten Gas als feiner Faden, und im Feld eines Spulenpaars biegt er sich zu einer perfekten . Untersucht werden Richtung (Drei-Finger-Regel für negative !), Bahnform und die Abhängigkeit des Kreisradius von und .

Warum macht man dieses Experiment?

Die lenkt Elektronen in Bildröhren, hält Teilchen in Beschleunigerringen, sortiert Ionen im Massenspektrometer und schützt die Erde vor dem Sonnenwind: bewegte im ist ein Universalthema. Das Fadenstrahlrohr ist der Ort, an dem man sie sehen kann, und der klassische Aufbau, mit dem die spezifische Ladung e/m des Elektrons bestimmt wurde.

Die physikalische Idee

Eine Glühkathode dampft Elektronen aus, eine Beschleunigungsspannung bringt sie auf definierte , Restgas macht die Bahn als Leuchtspur sichtbar. Das nahezu homogene Feld eines Helmholtz-Spulenpaars steht senkrecht zur Bahn. Die wirkt stets senkrecht zur Geschwindigkeit, ändert also nur die Richtung, nie den Betrag: Es entsteht eine , deren Radius von vv und BB abhängt.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Mit gekreuzten Feldern und Ablenkröhren bestimmte J. J. Thomson 1897 die spezifische e/m und identifizierte damit das Elektron als Teilchen. Das Schul-Fadenstrahlrohr wiederholt den Kern dieser Messung; benannt ist die nach Hendrik Antoon Lorentz.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Elektronen auf der Kreisbahn

Untersuche die Ablenkung des Elektronenstrahls im : Richtung (Vorzeichenregel), Bahnform, und wie der Kreisradius von Beschleunigungsspannung (also ) und Spulenstrom (also ) abhängt.

Gemessen

  • — Bahnradius (in )

    Am Maßstab als halber Kreisdurchmesser abgelesen; die abhängige Größe der Untersuchung.

  • — Beschleunigungsspannung (in )

    Legt die Elektronengeschwindigkeit fest: eUB=12mv2e U_B = \tfrac{1}{2} m v^2.

Bekannt

  • — Flussdichte des Spulenfelds (in )

    Aus dem Spulenstrom über die Helmholtz-Geometrie bekannt; wird hier nur relativ variiert.

Berechnet

  • — Elektronengeschwindigkeit (in )

    Zwischengröße aus der Beschleunigungsspannung.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die Lorentzkraft auf das einzelne Elektron (v senkrecht zu B).Zur Formelsammlung
  • Folgt aus Lorentzkraft = Radialkraft: die prüfbare Radiusformel.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Erzeuge einen Elektronenstrahl, schalte das Spulenfeld zu und untersuche: Ablenkrichtung (mit Feldumkehr), Bahnform, Radius bei wachsender Beschleunigungsspannung (150 bis 300 V) und Radius bei wachsendem Spulenstrom.

2Vorbetrachtung

Warum eine Kreisbahn, und wovon hängt ihr Radius ab?

  1. Die steht senkrecht auf der . Eine ohne Komponente längs der Bahn kann den Geschwindigkeitsbetrag nicht ändern, nur die Richtung. Das Elektron behält sein Tempo und wird ständig gleich stark zur Seite gezogen: die Definition einer mit der Lorentzkraft als .

  2. Gleichsetzen von Lorentzkraft und benötigter Radialkraft:

  3. Auflösen nach dem Radius (eine Potenz von vv kürzt sich):

  4. Vorhersagen: Schnellere Elektronen fliegen weitere Kreise (r∼vr \sim v, und wegen v∼UBv \sim \sqrt{U_B} wächst rr mit der Wurzel der Beschleunigungsspannung); stärkeres Feld zwingt engere Kreise (r∼1/Br \sim 1/B).

3Geräte / Stoffe

Kompletter Aufbau im abgedunkelten Raum. Vor der Messung einige Minuten warten: Kathodentemperatur und Leuchtspur stabilisieren sich.

  • Fadenstrahlrohr

    Erzeugt den sichtbaren Elektronenstrahl: Glühkathode, Beschleunigungsanode, Restgas als Leuchtspur-Medium.

  • Helmholtz-Spulenpaar

    Erzeugt im Rohrbereich ein nahezu homogenes, über den Spulenstrom einstellbares .

  • Netzgeräte für Heizung, Beschleunigung und Spulen

    Stellen die Versuchsgrößen v (über U_B) und B (über I_) unabhängig ein.

  • Maßstab mit Spiegelskala am Rohr

    Misst den Durchmesser der parallaxenfrei.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Rohrquerschnitt mit Elektronenkanone, Leuchtkreis und Feldrichtung (in die Zeichenebene hinein); Kraftpfeil zum Kreismittelpunkt.

Senkrechte Kraft heißt KreisbahnB aus der Ebene heraus++++r = m · v / (q · B)schneller heißt weiter außenv: immer gleich großF: zum MittelpunktDie Lorentzkraft verrichtet keine Arbeit

Die im homogenen Feld: Die steht immer senkrecht zur und wirkt als . Für Elektronen (negative ) ist die Drei-Finger-Regel mit umgekehrter Bewegungsrichtung anzuwenden.

Aufbau: Fadenstrahlrohr im Helmholtz-Spulenpaar; Netzgeräte für Heizung, Beschleunigungsspannung (bis 300 V) und Spulenstrom; abgedunkelter Raum für die Leuchtspur.

5Durchführung

Schritt 1: Strahl ohne Feld beobachten (gerade Spur). Spulenfeld zuschalten: Bahnform und Ablenkrichtung notieren; Feld umpolen und Richtung erneut notieren.

Schritt 2: Bei festem Spulenstrom die Beschleunigungsspannung auf 150, 200, 250, 300 V stellen; jeweils Kreisdurchmesser ablesen.

Schritt 3: Bei fester (250 V) den Spulenstrom in vier Stufen erhöhen; Durchmesser ablesen.

6Beobachtung

Beobachtungen (Beispielwerte)
TestErgebnis
ohne Feldgerade Leuchtspur
mit Feldgeschlossener Leuchtkreis; Umpolen kehrt den Umlaufsinn um
UBU_B: 150 → 300 V (Feld fest)Radius wächst von 3,5 auf 5,0 cm (Faktor ≈2\approx \sqrt{2})
Spulenstrom verdoppelt (Spannung fest)Radius halbiert sich

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Bahnform und Richtung: Der geschlossene Leuchtkreis bestätigt die Kernaussage: Die steht dauerhaft senkrecht zur Bewegung. Die Ablenkrichtung passt zur Drei-Finger-Regel, wenn man die negative berücksichtigt (Bewegungsrichtung der Elektronen entgegen der technischen Stromrichtung): Das Vorzeichen der Ladung ist im Umlaufsinn direkt sichtbar.

Radius-Abhängigkeiten: Verdopplung der Beschleunigungsspannung (150 → 300 V) vergrößert den Radius um den Faktor 2≈1,4\sqrt{2} \approx 1{,}4 (3,5 → 5,0 cm): genau die Wurzelabhängigkeit, die r∼v∼UBr \sim v \sim \sqrt{U_B} verlangt. Verdopplung des Feldes halbiert den Radius: r∼1/Br \sim 1/B bestätigt. Beide Trends zusammen sind die experimentelle Signatur der Formel r=mv/(eB)r = mv/(eB).

Ausblick e/m: Wer BB (aus der Helmholtz-Geometrie) und vv (aus UBU_B) quantitativ einsetzt, kann aus dem gemessenen Radius die spezifische Ladung e/m=2UBB2r2e/m = \tfrac{2 U_B}{B^2 r^2} bestimmen, historisch der Weg, auf dem das Elektron vermessen wurde. Diese quantitative Auswertung bietet sich als Anschlussaufgabe an.

8Fazit

Freie Elektronen werden im homogenen auf gezwungen: Radius wachsend mit der Wurzel der Beschleunigungsspannung, fallend mit der , Umlaufsinn gemäß für negative . Das Leiter-Kraftgesetz ist damit auf seine mikroskopische Ursache zurückgeführt.

9Fehlerbetrachtung

Die Leuchtspur-Messung hat charakteristische Grenzen:

Parallaxe beim Radius-Ableseneher zufällig

Ursache

Leuchtkreis und Maßstab liegen in verschiedenen Ebenen.

Auswirkung

Durchmesser um Millimeter falsch; da r quadratisch in e/m eingeht, verstärkt sich der Fehler in quantitativen Auswertungen.

Verbesserung

Spiegelskala verwenden (Auge so, dass Bild und Spiegelbild des Kreises fluchten).

Energieverlust durch Restgas-Stößeeher systematisch

Ursache

Die Leuchtspur entsteht ja gerade durch Stöße; jeder Stoß kostet .

Auswirkung

Die Bahn ist eine ganz leichte Spirale nach innen statt ein perfekter Kreis; bei langen Bahnen sichtbar.

Verbesserung

Radius am ersten Umlauf ablesen.

Feld nicht exakt senkrecht zur Bahneher systematisch

Ursache

Rohr im Spulenpaar leicht verdreht.

Auswirkung

Die Bahn wird eine Schraubenlinie (Geschwindigkeitskomponente längs B bleibt unabgelenkt); der Kreis erscheint elliptisch verkippt.

Verbesserung

Rohr drehen, bis die Bahn als geschlossener Kreis erscheint.

Das Wichtigste

Das Gesetz

F=q⋅v⋅BF = q \cdot v \cdot B (für v⊥Bv \perp B): Die wirkt auf bewegte , senkrecht zu vv und BB.

Folge: Kreisbahn

Weil F⊥vF \perp v bleibt der Geschwindigkeitsbetrag konstant: Die wirkt als , die Bahn wird ein Kreis mit r=mvqBr = \tfrac{m v}{q B}.

Vorzeichen

Elektronen sind negativ: Ihre Ablenkrichtung ist der technischen Drei-Finger-Regel entgegengesetzt (oder: linke Hand verwenden).

Keine Arbeit

Die steht immer senkrecht zum Weg: Sie verrichtet keine und ändert nie die des Teilchens, nur seine Richtung.

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