Zum Inhalt springen
Zurück zu den Experimenten

Sammellinse und Zerstreuungslinse

SchulversuchOptikKlasse 7Standard

Worum geht es?

Eine ist gebändigte . Ihre gekrümmten Flächen knicken jeden Strahl so, dass achsenparallele Bündel durch einen Brennpunkt laufen (Sammellinse) oder von einem virtuellen Brennpunkt herzukommen scheinen (Zerstreuungslinse). Damit löst die Sammellinse das Problem der Lochkamera: Sie fängt ein breites Bündel und vereinigt es wieder in einem Punkt. Hell und scharf zugleich, ein reelles Bild.

Warum macht man dieses Experiment?

sind die Arbeitspferde der Optik: Auge, Brille, Kamera, Mikroskop, Beamer, alles Linsen. Wer hier Brennpunkt und Brennweite an der echten Linse erfahren hat, mit dem Fensterbild als Sofort-Messgerät, hat das Fundament für die quantitative Abbildung an der optischen Bank (nächstes ) und für jedes optische Gerät danach.

Die physikalische Idee

Variante 1 erkundet die in drei Schritten: Parallelbündel auf der Winkelscheibe (der Brennpunkt wird sichtbar), Fensterbild auf Papier (die Brennweite ist in Sekunden gemessen), Lupenstellung (Gegenstand innerhalb von f). Variante 2 wiederholt das Programm mit der Zerstreuungslinse und findet systematisch das Gegenteil.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

  • Brechung und Brechzahl (Experiment)
  • Lochkamera und ihr Zielkonflikt (Experiment)
  • Brennpunkt am Hohlspiegel (Experiment)

Wissenschaftliche Einordnung

Geschliffene „Lesesteine“ halfen schon mittelalterlichen Mönchen; um 1300 wurden in Italien die ersten Brillen gefasst. Die Kombination zweier machte um 1600 Fernrohr und Mikroskop möglich, mit Galileis Jupitermonden und Leeuwenhoeks Mikroben als Früchten. Zwei geschliffene Gläser öffneten beide Unendlichkeiten.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Die Zerstreuungslinse: das systematische Gegenteil

Prüfe die mit denselben drei Tests wie die Sammellinse und erkläre, wofür eine Linse gut ist, die nie ein reelles Bild liefert.

Gemessen

  • — Strahlverläufe und Bildtypen

    Qualitativ verglichen mit der Sammellinse: dieselben Tests, erwartet gegenteilige Ergebnisse.

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Wiederhole Parallelbündel-Test, Fensterbild-Versuch und Durchblick-Test mit der ; konstruiere aus den nachgezeichneten Bündeln den virtuellen Brennpunkt.

2Vorbetrachtung

Die Prismentreppe, umgedreht: Bei der ist der Rand dick, die gedachten Prismenkeile haben ihre Basis also außen. Jeder Strahl wird von der Mitte weg gelenkt, außen am stärksten, und Parallelbündel müssen auseinanderfächern. Wie beim Wölbspiegel sollten sich nur die Rückverlängerungen in einem Punkt treffen: dem virtuellen Brennpunkt vor der Linse.

Drei Vorhersagen: kein reeller Schnittpunkt der Bündel; kein Fensterbild auf dem Papier, egal in welchem Abstand; und durchgeschaut eine verkleinerte, aufrechte Welt bei jedem Abstand, denn was nie sammelt, kann auch nie kippen. Es ist der Löffel-Test der Spiegel, hier als Linsenversion.

3Geräte / Stoffe

Dieselben Aufbauten wie in Variante 1, nur die ist getauscht. Der direkte Vergleich ist die eigentliche Aussage.

  • Zylinderlinsen auf Winkelscheibe

    Machen die Strahlverläufe in der Tischebene sichtbar, Sammeln und Zerstreuen zum Nachzeichnen.

  • Sammellinse f ≈ 10 cm

    Der Hauptdarsteller für Fensterbild, Lupe und später die optische Bank.

  • Zerstreuungslinse

    Der Gegenspieler: Rand dick, Mitte dünn, zerstreut statt zu sammeln.

  • Papier und Maßband

    Für das Fensterbild-Verfahren: die Brennweite messen ohne jedes Spezialgerät.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Zerstreuungs-Zylinderlinse mit auffächernden Bündeln, gestrichelte Rückverlängerungen zum virtuellen Brennpunkt F vor der .

F′fSammellinse: Parallelstrahlen treffen sich in F′

Die vereinigt achsenparallele Strahlen im Brennpunkt F. Die Brennweite f (von der Linsenmitte bis F) ist ihre wichtigste Kenngröße.

FfZerstreuungslinse: F liegt VOR der Linse

Die Zerstreuungslinse fächert dieselben Strahlen auf. Ihre Rückverlängerungen schneiden sich im virtuellen Brennpunkt vor der Linse.

Aufbau: Leuchte mit Mehrfachspalt und Winkelscheibe, Zylinderlinsen-Modelle (sammelnd und zerstreuend), Glas-Sammellinse (f ≈ 10 cm) und Zerstreuungslinse im Halter, Blatt Papier, Fenster mit Tageslicht, Kerze, Maßband.

5Durchführung

Beim Parallelbündel die Verläufe nachzeichnen, rückwärts verlängern und den Schnittpunkt vermessen. Beim Fensterbild-Versuch das Papier hinter der durch alle Abstände führen. Beim Durchblick Text und fernes Zimmer betrachten und den Abstand variieren.

6Beobachtung

Beobachtungen an der Zerstreuungslinse
PrüfungErgebnis
Parallelbündelfächern auf; die Rückverlängerungen schneiden sich etwa 8 cm vor der Linse
Fensterbild-Versuchin keinem Papierabstand ein Bild, nur ein diffus aufgehellter Fleck, der mit dem Abstand wächst
Durchblick nah und fernimmer aufrecht und verkleinert; kein Kipp-Punkt, keine Vergrößerung

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Alle drei Vorhersagen treffen ein: Die besitzt einen konstruierbaren, aber virtuellen Brennpunkt (etwa 8 cm davor), liefert niemals ein auffangbares Bild und zeigt die Welt stets aufrecht und verkleinert. Das ist das vollständige Spiegelbild des Sammellinsen-Programms. Eine einzige Umkehr der Bauform, Rand dick statt Mitte dick, kehrt jedes Verhalten um, weil sie jeden Prismenkeil umdreht.

Wozu eine Linse, die nichts abbildet? Ihre Stärke ist das dosierte Auffächern, und genau das braucht ein kurzsichtiges Auge. Dessen eigene Optik sammelt zu stark, Fernes wird schon vor der Netzhaut scharf. Eine Zerstreuungslinse davor nimmt der Sammlung etwas weg, und der Brennpunkt rückt zurück auf die Netzhaut. Die Brille für Kurzsichtige ist also eine Zerstreuungslinse, erkennbar daran, dass die Augen des Trägers durch sie verkleinert wirken. Auch im Inneren von Kamera-Objektiven arbeiten Zerstreuungslinsen, als Korrektoren, die Abbildungsfehler der Sammellinsen ausgleichen. Die „Linse, die nichts kann“, ist der unverzichtbare Partner.

Das Team-Prinzip als Ausblick: Sammel- und Zerstreuungslinse direkt hintereinander heben sich bei passenden Brennweiten fast auf, das Bündel läuft parallel weiter. Aus dosierten Kombinationen beider Typen bestehen alle guten Objektive. Die optische Bank (nächstes ) beginnt mit der reinen Sammellinse, und das Handwerkszeug dafür liegt jetzt vollständig bereit.

8Fazit

Die fächert auf, statt zu sammeln: virtueller Brennpunkt vor der Linse, niemals ein reelles Bild, immer eine aufrecht-verkleinerte Durchsicht. Ihr Nutzen liegt im dosierten Zerstreuen, von der Brille für Kurzsichtige bis zum Korrektor im Objektiv.

9Fehlerbetrachtung

Negativ-Ergebnisse wie „kein Bild“ verlangen besondere Sorgfalt:

„Kein Bild“ zu früh akzeptierteher systematisch

Ursache

Es wurden nicht alle Papierabstände durchfahren.

Auswirkung

Ein Negativ-Ergebnis ohne vollständige Suche beweist nichts.

Verbesserung

Das Papier systematisch von der bis zur Armlänge führen und das auch protokollieren.

Zu kurze Bündelspuren für die Rückverlängerungeher zufällig

Ursache

Wie beim Wölbspiegel wird die Richtung unsicher.

Auswirkung

Der virtuelle Brennpunkt liegt um Zentimeter daneben.

Verbesserung

Die Spuren lang nachziehen und ein langes Lineal verwenden.

Starke Brillengläser als Ersatzlinseeher systematisch

Ursache

Brillengläser sind meist schwach gekrümmt und haben lange Brennweiten.

Auswirkung

Die Effekte sind kaum sichtbar.

Verbesserung

Eine Lehrmittel-Linse mit kurzer Brennweite verwenden.

Das Wichtigste

Sammellinse

Mitte dick (konvex): Achsenparallele Strahlen laufen durch den Brennpunkt. Sie kann reelle, auffangbare Bilder entwerfen und löst damit das Lochkamera-Problem: breites Bündel, trotzdem punktscharf.

Zerstreuungslinse

Rand dick (konkav): Die Strahlen fächern auf, als kämen sie aus einem virtuellen Brennpunkt davor. Sie allein entwirft nie ein reelles Bild; alle Bilder sind virtuell, aufrecht und verkleinert.

Brennweite messen

Das Fensterbild-Verfahren: das Bild eines sehr fernen Gegenstands auf Papier scharf stellen. Der Abstand zwischen und Papier ist die Brennweite, denn Parallelstrahlen aus der Ferne treffen sich bei f.

Lupe

Steht der Gegenstand innerhalb der Brennweite, kann die die Strahlen nicht mehr vereinigen. Es entsteht ein aufrechtes, vergrößertes, virtuelles Bild: die zweite Betriebsart der Sammellinse.

Wie möchtest du weitermachen?