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Energieumwandlung beim Pendel

SchulversuchMechanikKlasse 8–10Standard

Worum geht es?

Das schwingende Pendel ist die schönste Dauervorführung der Energieumwandlung: In den Umkehrpunkten steckt alles in der Lageenergie, im Tiefpunkt alles in der Bewegungsenergie, dazwischen wandelt es verlustarm hin und her. Der Versuch macht die Umwandlung messbar (Starthöhe gegen Tiefpunkt-Tempo) und prüft die Erhaltung: Erreicht das Pendel immer wieder seine Starthöhe, sogar wenn ein Stift den Faden unterwegs abknickt?

Warum macht man dieses Experiment?

Die Energieerhaltung ist das mächtigste Prinzip der Physik, und das Pendel ihr zugänglichster Zeuge: kein Motor, keine Elektronik, nur Faden und Kugel. Die Rechnung mgh=12mv2mgh = \tfrac{1}{2}mv^2 (mit herauskürzender !) ist zugleich das Muster für unzählige Aufgaben von der Achterbahn bis zum Skisprung: Höhen in Tempi umrechnen, ohne eine einzige zu kennen.

Die physikalische Idee

Aus der Starthöhe hh folgt die Erwartung fürs Tiefpunkt-Tempo: v=2ghv = \sqrt{2gh}, massenunabhängig. Gemessen wird vv per Lichtschranke am Tiefpunkt. Für die Erhaltung wird die Rücklaufhöhe mit der Starthöhe verglichen: direkt, über viele , und mit dem Hemmungsstift, der dem Pendel unterwegs einen ganz anderen Bogen aufzwingt.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Galilei beschrieb den Hemmungsstift-Versuch um 1600 und las daraus ab, dass die „Steighöhe“ eine Erhaltungsgröße ist: eine Ahnung des Energiesatzes, 250 Jahre vor dessen Formulierung durch Mayer, Joule und Helmholtz.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Höhe wird Tempo: die Umwandlung messen

Prüfe die Umwandlungsbilanz mgh=12mv2mgh = \tfrac{1}{2}mv^2: Sagt die Starthöhe das Tiefpunkt-Tempo korrekt vorher, und ist es wirklich massenunabhängig?

Gemessen

  • — Starthöhe über dem Tiefpunkt (in )

    Die eingestellte Energiegröße: Höhe des Kugelmittelpunkts über seiner Tiefpunktlage.

  • — Tiefpunkt-Geschwindigkeit (in )

    Per Lichtschranke (Kugeldurchmesser durch Torzeit): der Prüfwert.

Bekannt

  • — Kugelmasse (in )

    Wird variiert (zwei Kugeln), um die vorhergesagte Massenunabhängigkeit zu testen.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die Umwandlungsbilanz zwischen Umkehr- und Tiefpunkt: Ausgangspunkt der Vorhersage.Zur Formelsammlung
  • Die nach v aufgelöste Bilanz: Die Masse hat sich herausgekürzt, die Vorhersage ist massenunabhängig.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Miss das Tiefpunkt-Tempo für die Starthöhen 5, 10, 20 und 45 cm (je drei Durchgänge) und vergleiche mit 2gh\sqrt{2gh}. Wiederhole den 20-cm-Punkt mit einer doppelt so schweren Kugel.

2Vorbetrachtung

Von der Bilanz zur Vorhersage

  1. Zwischen Loslassen (Höhe hh, Tempo 0) und Tiefpunkt (Höhe 0, Tempo vv) wandelt sich Lage- vollständig in Bewegungsenergie, wenn nichts verloren geht:

  2. Die steht auf beiden Seiten und kürzt sich. Schwere und leichte Kugeln müssen im Tiefpunkt also gleich schnell sein: eine scharfe, prüfbare Nebenvorhersage (dieselbe Wurzel wie beim freien Fall).

  3. Auflösen nach vv (beide Seiten mal 2, durch m, Wurzel: erlaubt, da alles positiv):

  4. Zahlenerwartungen: h=0,05/0,10/0,20/0,45 mh = 0{,}05 / 0{,}10 / 0{,}20 / 0{,}45\ \mathrm{m} ergeben 0,99/1,40/1,98/2,97 m/s0{,}99 / 1{,}40 / 1{,}98 / 2{,}97\ \mathrm{m/s}. Beachte die Wurzel: Vierfache Höhe gibt nur doppeltes Tempo, und auch das prüft die Reihe (5 gegen 20 cm; 45 gegen 5 cm liefert Faktor 3).

3Geräte / Stoffe

Pendel mit Höhenmaßstab; die Starthöhe wird am Kugelmittelpunkt eingestellt (Reiter). Die Lichtschranke sitzt exakt im Tiefpunkt.

  • Fadenpendel mit kompakter Kugel

    Der Energiewandler: reibungsarm und übersichtlich.

  • Höhenmaßstab mit verschiebbarem Reiter

    Misst Start- und Rücklaufhöhe der Kugel über dem Tiefpunkt.

  • Lichtschranke

    Misst das Tiefpunkt-Tempo über Kugeldurchmesser und Torzeit.

  • Hemmungsstift

    Knickt den Faden im Tiefpunkt ab: der klassische Galilei-Test der Erhaltung.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Pendelbahn mit markierter Starthöhe h (über Tiefpunktniveau!) und Lichtschranke; Energiebalken an Start und Tiefpunkt.

Die Summe bleibt, die Aufteilung wandert1231Umkehr2halbe Höhe3untenLageenergieBewegungsenergieUmgewandelt wird nur die Form, nicht der Betrag

Die Energiebilanz des Pendels an drei Stationen: Die Gesamthöhe der Energiebalken ist überall gleich, nur die Aufteilung zwischen Lage- und Bewegungsenergie wechselt.

Aufbau: Fadenpendel (Länge ca. 1 m, kompakte Kugel) am Stativ; Höhenmaßstab hinter der Bahn; Lichtschranke im Tiefpunkt (Kugeldurchmesser als Fahne); Hemmungsstift als querliegender Stab unterhalb der Aufhängung einsteckbar.

5Durchführung

Je Höhe: Kugel am Reiter ausrichten, aus der Ruhe loslassen, Torzeit notieren; v=d/tTorv = d/t_\mathrm{Tor} mit Kugeldurchmesser d=4,0 cmd = 4{,}0\ \mathrm{cm}. Danach der Massentest bei 20 cm.

6Beobachtung

Tiefpunkt-Tempi (Mittel aus je drei Durchgängen)
hh in cm\mathrm{cm}Vorhersage 2gh\sqrt{2gh} in m/s\mathrm{m/s}gemessen in m/s\mathrm{m/s}
50,990,98
101,401,39
201,981,96
452,972,94
20 (doppelte Masse)1,981,97

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Die Bilanz trägt auf ein Prozent: Alle Messwerte treffen 2gh\sqrt{2gh}, einschließlich der Wurzel-Staffelung (vierfache Höhe: doppeltes Tempo, neunfache: dreifaches). Und die doppelt schwere Kugel ist im Tiefpunkt exakt gleich schnell. Die hat sich, wie gekürzt, aus dem Ergebnis verabschiedet: mehr , aber auch mehr Trägheit, im Verhältnis eins.

Die konsequent minimal zu kleinen Messwerte (ein Prozent) sind die Reibungs- und Luftverluste auf dem Weg nach unten. Die Bilanz ist eine Obergrenze, und reale Pendel bleiben knapp darunter: schon der Vorgriff auf die Erhaltungs-Zielsetzung.

Die Methode als Werkzeug: Höhe rein, Tempo raus, ohne , Bahnform oder Zeitverlauf zu kennen: Das ist die Stärke der Energiemethode. Dieselbe Rechnung liefert Achterbahn-Tempi aus Hügelhöhen und Sprungweiten aus Anlaufhöhen.

8Fazit

Die Umwandlung von Lage- in Bewegungsenergie folgt exakt der Bilanz mgh=12mv2mgh = \tfrac{1}{2}mv^2. Die Tempi treffen 2gh\sqrt{2gh} auf ein Prozent, massenunabhängig; Höhen lassen sich in umrechnen.

9Fehlerbetrachtung

Die Ein-Prozent-Abweichung ist schon gedeutet; messtechnisch bleiben zwei Punkte:

Torzeit misst Sehnen-, nicht Bahngeschwindigkeiteher systematisch

Ursache

Die Kugel durchquert die Schranke auf einem Kreisbogen; die Fahnenbreite ist der Durchmesser.

Auswirkung

Bei kleinen Pendellängen minimal zu kleine v-Werte; hier (1 m Faden, 4 cm Kugel) unter einem halben Prozent.

Verbesserung

Langes Pendel, kleine Kugel, Schranke exakt im Tiefpunkt.

Starthöhe am falschen Punkt gemesseneher systematisch

Ursache

Reiter auf Kugelunterkante statt -mitte gestellt.

Auswirkung

h um einen Kugelradius falsch: bei 5 cm Starthöhe sind 2 cm Fehler 40 Prozent!

Verbesserung

Konsequent Kugelmittelpunkt anpeilen; bei kleinen Höhen doppelt prüfen.

Das Wichtigste

Die Umwandlung

Umkehrpunkt: alles Lageenergie (mghmgh). Tiefpunkt: alles Bewegungsenergie (12mv2\tfrac{1}{2}mv^2). Dazwischen: Mischung bei konstanter Summe.

Die Schlüsselformel

v=2ghv = \sqrt{2gh}: Das Tiefpunkt-Tempo folgt allein aus der Starthöhe, massenunabhängig (die kürzt sich).

Die Erhaltung

Das Pendel kehrt (bis auf winzige Reibungsverluste) exakt auf seine Starthöhe zurück, auch über den Hemmungsstift: Die merkt sich die Höhe, nicht den Weg.

Die Grenze

und Luftwiderstand zapfen die mechanische langsam an, und die stirbt über Minuten: kein Widerspruch, sondern Umwandlung in .

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