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Bewegungsenergie

SchulversuchMechanikKlasse 8–10Standard

Worum geht es?

Ein bewegter Körper trägt Bewegungsenergie E=12mv2E = \tfrac{1}{2} m v^2: Sie wächst linear mit der , aber quadratisch mit der . Der Versuch prüft genau dieses Quadrat, über die , die ein Wagen beim Ausrollen gegen eine konstante Bremskraft verrichtet: Sein Bremsweg ist das Energiemessgerät.

Warum macht man dieses Experiment?

Das v2v^2 ist eine der folgenreichsten Potenzen der Alltagsphysik: Es macht aus Tempo 100 statt 50 den vierfachen Bremsweg und die vierfache Crash-Energie, und es steht hinter jeder Anhalteweg-Tabelle der Fahrschule. Wer es einmal selbst gemessen hat, statt es zu glauben, kalibriert sein Risikogefühl neu.

Die physikalische Idee

Ein Wagen fährt mit gemessener in eine Bremszone (Reibstreifen), deren Bremskraft konstant ist. Die Bewegungsenergie wird vollständig in Reibarbeit umgesetzt, 12mv2=FR⋅s\tfrac{1}{2}mv^2 = F_R \cdot s, und der Bremsweg ss ist der proportional. Verdopplung von vv sollte ss vervierfachen: der direkte Quadrat-Test.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Ob die „ der Bewegung“ mit v oder v² geht, war im 18. Jahrhundert ein berühmter Streit (Leibniz gegen die Cartesianer); Émilie du Châtelet stützte mit Fallversuchen in Lehm die v²-Seite: Einschlagtiefen wuchsen quadratisch: die historische Urform dieses Schulversuchs.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Wie wächst die Energie mit dem Tempo?

Prüfe über Bremswege, ob die Bewegungsenergie linear oder quadratisch mit der wächst.

Gemessen

  • — Einfahrgeschwindigkeit (in )

    Per Lichtschranke am Beginn der Bremszone; über die Starthöhe in Stufen variiert.

  • — Bremsweg (in )

    Vom Zonenbeginn bis zum Stillstand: das Energiemaß des Versuchs.

Berechnet

  • — Bewegungsenergie (in )

    Über E=FR⋅sE = F_R \cdot s aus dem Bremsweg; unabhängig davon über 12mv2\tfrac{1}{2}mv^2 zur Kontrolle.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die Energiebilanz des Bremsens: Sie übersetzt die Formfrage (linear oder quadratisch?) in messbare Bremswege.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Miss für die Einfahrgeschwindigkeiten 0,50, 0,71, 1,00 und 1,41 m/s (Starthöhen entsprechend gestuft) jeweils dreimal den Bremsweg. Entscheide zwischen s∼vs \sim v und s∼v2s \sim v^2 und bestimme die Bremskraft.

2Vorbetrachtung

Die Entscheidungslogik: Wüchse die linear mit vv, müsste doppeltes Tempo den Bremsweg verdoppeln. Wächst sie quadratisch, muss er sich vervierfachen. Die Geschwindigkeitsstufen sind darum so gewählt, dass jede Stufe die vorige um den Faktor 2\sqrt{2} übertrifft. Bei s∼v2s \sim v^2 sollte sich der Bremsweg je Stufe exakt verdoppeln, bequem ablesbar.

Warum die Bremskraft konstant ist: In der Zone wirkt , und die hängt (siehe Reibungs-Experiment) nur von Anpresskraft und Materialpaarung ab, nicht vom Tempo: Der Weg misst also wirklich die Energie und nichts anderes. Der Wagen wiegt 0,50 kg0{,}50\ \mathrm{kg}; aus einem beliebigen Messpunkt lässt sich FRF_R bestimmen und die anderen Punkte damit vorhersagen.

3Geräte / Stoffe

Die vier Starthöhen sind vorab so kalibriert, dass die Lichtschranke die Sollgeschwindigkeiten bestätigt; der Bremsstreifen liegt plan und fest.

  • Fahrbahn mit Startrampe

    Reproduzierbare Startgeschwindigkeiten über die Starthöhe.

  • Lichtschranke mit Fahne

    Misst die am Beginn der Bremszone.

  • Bremsstreifen (Filz)

    Konstante Bremskraft: macht den Bremsweg zum Energiemaß.

  • Maßstab

    Misst den Bremsweg bis zum Stillstand.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Rampe, Lichtschranke, Bremszone mit Wegskala; daneben das erwartete s-über-v²-Diagramm (Ursprungsgerade) als Auswertungsziel.

Doppeltes Tempo, vierfacher Bremsweg50 km/h15 m25 m40 m100 km/h30 m100 m130 mReaktionsweg, wächst wie vBremsweg, wächst wie v²Faustformeln: Reaktionsweg = (v/10) · 3, Bremsweg = (v/10)².

Die Alltagsversion des Ergebnisses: Der Reaktionsweg wächst linear mit dem Tempo, der Bremsweg quadratisch. Bei doppeltem Tempo vervierfacht er sich.

Aufbau: Fahrbahn mit kurzer Startrampe (Starthöhen einstellbar), Wagen, Lichtschranke am Rampenfuß (misst die Einfahrgeschwindigkeit), anschließende Bremszone aus Filz- oder Gummistreifen, Maßstab für den Bremsweg.

5Durchführung

Je Starthöhe drei Fahrten: an der Schranke notieren, Bremsweg messen, Mittelwerte bilden.

6Beobachtung

Bremswege (Wagen 0,50 kg0{,}50\ \mathrm{kg}, Mittel aus je drei Fahrten)
vv in m/s\mathrm{m/s}ss in m\mathrm{m}s/v2s/v^2 in m⋅s2/m2\mathrm{m \cdot s^2/m^2}
0,500,100,40
0,710,200,40
1,000,400,40
1,410,800,40

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Das Quadrat gewinnt eindeutig: Jede 2\sqrt{2}-Stufe im Tempo verdoppelt den Bremsweg (0,10→0,20→0,40→0,80 m0{,}10 \to 0{,}20 \to 0{,}40 \to 0{,}80\ \mathrm{m}), und von 0,500{,}50 auf 1,00 m/s1{,}00\ \mathrm{m/s} (doppeltes Tempo) vervierfacht er sich. Der Quotient s/v2s/v^2 ist konstant: s∼v2s \sim v^2, also E∼v2E \sim v^2. Ein lineares Gesetz hätte bei doppeltem Tempo nur 0,20 m0{,}20\ \mathrm{m} vorhergesagt: klar widerlegt.

Bremskraft als Nebenprodukt: Aus 12mv2=FRs\tfrac{1}{2}mv^2 = F_R s folgt mit dem 1-m/s-Punkt FR=0,5⋅0,5⋅10,40=0,63 NF_R = \tfrac{0{,}5 \cdot 0{,}5 \cdot 1}{0{,}40} = 0{,}63\ \mathrm{N}, und dieser eine Wert sagt alle anderen Bremswege korrekt vorher. Die Energiebilanz trägt die ganze Reihe.

Übertrag auf die Straße: Dieselbe Rechnung mit Auto-Zahlen: 50 auf 100 km/h vervierfacht den Bremsweg, aus 12 m werden 48. Das Quadrat verhandelt nicht.

8Fazit

Die Bewegungsenergie wächst quadratisch mit der : Bremswege vervierfachen sich bei Tempoverdopplung (s/v2s/v^2 konstant), im Einklang mit E=12mv2E = \tfrac{1}{2}mv^2 und einer konstanten Bremskraft von 0,63 N0{,}63\ \mathrm{N}.

9Fehlerbetrachtung

Das klare Ergebnis verträgt die üblichen Streuungen gut; zwei Punkte verdienen Kontrolle:

Bremskraft nicht perfekt konstanteher zufällig

Ursache

Filzkante, Staub, Aufliegeänderungen entlang der Zone.

Auswirkung

Bremswege streuen um einige Prozent; lange Wege mitteln die Zone besser als kurze.

Verbesserung

Zone regelmäßig reinigen, Mehrfachmessung (so durchgeführt).

Restgeschwindigkeit an der Schranke ungleich Zonenbeginneher systematisch

Ursache

Zwischen Schranke und Zone liegt ein Stück freie Bahn.

Auswirkung

Der Wagen verliert dort minimal Tempo, das gemessene v ist für die Zone leicht zu groß. s/v² fällt systematisch etwas klein aus, aber für alle Punkte gleich; die Formentscheidung bleibt unberührt.

Verbesserung

Schranke unmittelbar an den Zonenanfang.

Das Wichtigste

Die Formel

Ekin=12mv2E_\mathrm{kin} = \tfrac{1}{2} m v^2: linear in der , quadratisch in der .

Der Messtrick

Konstante Bremskraft macht den Bremsweg energie-proportional, s=EFRs = \tfrac{E}{F_R}: Wege messen heißt vergleichen.

Das Kernergebnis

Doppeltes Tempo, vierfacher Bremsweg; dreifaches Tempo, neunfacher: Das Quadrat ist experimentell hart bestätigt.

Konsequenz

Kleine Tempoüberschreitungen sind große Energieüberschreitungen: 60 statt 50 km/h bedeutet 44 Prozent mehr Bewegungsenergie.

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