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Geschwindigkeit bestimmen

SchulversuchMechanikKlasse 9Grundlagen

Worum geht es?

ist Weg pro Zeit: v=s/tv = s/t. So einfach die Formel, so lehrreich die Messpraxis: Was genau misst man da eigentlich, das Tempo in einem Moment oder den Durchschnitt über die Strecke? Der Versuch bestimmt reale Geschwindigkeiten (Gehen, Laufen, Sprinten, rollender Ball) und schärft dabei die Begriffe Durchschnitts- und Momentangeschwindigkeit samt Einheiten-Handwerk.

Warum macht man dieses Experiment?

Geschwindigkeitsangaben begegnen dir täglich (Tacho, Blitzer, Sport-Weltrekorde), und fast alle Missverständnisse dabei sind Durchschnitts-gegen-Momentan-Verwechslungen. Wer einmal die eigene Sprintgeschwindigkeit gemessen und in km/h umgerechnet hat, besitzt zudem ein persönliches Größengefühl, mit dem sich alle weiteren Tempi (Auto, Schall, Licht) einordnen lassen.

Die physikalische Idee

Eine abgemessene Strecke, eine Stoppuhr: Der Quotient liefert die Durchschnittsgeschwindigkeit. Wer die Strecke in Abschnitte teilt und Zwischenzeiten nimmt, sieht, wie das Tempo unterwegs schwankt, und versteht, dass der Tacho etwas anderes zeigt als die Gesamtstrecken-Rechnung.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Strecke-durch-Zeit ist die älteste Messidee der Kinematik; sportliche Zeitmessung trieb ihre Präzision voran, von Handstoppung über Zielfotos zu Lichtschranken mit Tausendstelsekunden. Das Prinzip blieb dasselbe wie auf dem Schulhof.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Vom Gehen bis zum Sprint

Bestimme deine beim Gehen und beim Sprint über 50 m, nimm beim Sprint Zwischenzeiten und unterscheide daran Durchschnitts- und Momentangeschwindigkeit.

Gesucht

  • — Geschwindigkeit (in )

    Als Quotient je Abschnitt und über die Gesamtstrecke.

Gemessen

  • — Zeit (in )

    Gesamt- und Zwischenzeiten per Stoppuhr.

Bekannt

  • — Strecke (in )

    Mit dem Maßband abgemessen: 50 m mit Marken alle 10 m.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die Messformel: liefert je nach eingesetzter Strecke Durchschnitts- oder (näherungsweise) Momentanwerte.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Miss (a) deine Gehzeit über 50 m, (b) deine Sprintzeit über 50 m mit Zwischenzeiten alle 10 m. Berechne Durchschnittsgeschwindigkeiten (gesamt und je Abschnitt), rechne in km/h um und deute das Geschwindigkeitsprofil des Sprints.

2Vorbetrachtung

Was liefert die Messung, und was nicht? 50 m50\ \mathrm{m} durch die Gesamtzeit ergibt den Durchschnitt: Er verrät nichts über Anlauf und Endspurt. Die 10-m-Zwischenzeiten liefern fünf Abschnitts-Durchschnitte: ein grobes Geschwindigkeitsprofil, das dem Momentantempo umso näher kommt, je kürzer die Abschnitte sind. Erwartung beim Sprint: Der erste Abschnitt ist der langsamste (Beschleunigungsphase), danach nähert sich das Tempo einem Höchstwert.

Umrechnungs-Handwerk: 1 m/s1\ \mathrm{m/s} heißt 1 Meter je Sekunde, also 3600 m je Stunde: 3,6 km/h3{,}6\ \mathrm{km/h}. Deshalb: m/s mal 3,6 gleich km/h.

3Geräte / Stoffe

Streckenaufbau mit fünf Stoppern (je Marke einer) oder einer Uhr mit Zwischenzeitfunktion; Startkommando für alle Uhren gemeinsam.

  • Maßband (50 m)

    Definiert die Wegstrecke: die halbe Messung.

  • Stoppuhren

    Erfassen Gesamt- und Zwischenzeiten: die andere Hälfte.

  • Markierungskegel

    Teilen die Strecke für das Zwischenzeiten-Profil.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Die 50-m-Strecke mit Marken und Stopperpositionen; daneben die Tabelle für Zwischenzeiten und Abschnittsgeschwindigkeiten.

Weg-Zeit-Diagramm: die Steigung ist die Geschwindigkeit1234520406080100t in ss in m20 m/s10 m/ssteht stillWaagerecht heißt hier: Der Weg ändert sich nicht mehr.

Auch reale, unregelmäßige Bewegungen leben im s-t-Diagramm: Die Sekantensteigung zwischen Start und Ziel ist die Durchschnittsgeschwindigkeit, die lokale Steigung das Momentantempo.

Aufbau: 50-m-Strecke auf dem Schulhof mit Markierungen bei 10, 20, 30, 40 m; Maßband, Stoppuhren (eine je Zwischenmarke oder Zwischenzeitfunktion), Startklappe oder Kommando.

5Durchführung

Schritt 1: Gehen: normale Schrittgeschwindigkeit, Gesamtzeit stoppen.

Schritt 2: Sprint aus dem Stand: Alle Uhren starten beim Kommando; jede Marke notiert ihre Durchgangszeit.

Schritt 3: Abschnittszeiten und - berechnen, Profil zeichnen.

6Beobachtung

Sprint über 50 m (Beispielläufer)
MarkeZeit tt in s\mathrm{s}Abschnitt Δt\Delta t in s\mathrm{s}vv im Abschnitt in m/s\mathrm{m/s}
10 m2,42,44,2
20 m3,91,56,7
30 m5,31,47,1
40 m6,61,37,7
50 m8,01,47,1

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

Gehen: 50 m in 36 s.

7Auswertung

Durchschnittswerte: Sprint: v=50 m/8,0 s=6,25 m/sv = 50\ \mathrm{m}/8{,}0\ \mathrm{s} = 6{,}25\ \mathrm{m/s}, also 6,25⋅3,6=22,5 km/h6{,}25 \cdot 3{,}6 = 22{,}5\ \mathrm{km/h}. Gehen: 50/36=1,4 m/s=5,0 km/h50/36 = 1{,}4\ \mathrm{m/s} = 5{,}0\ \mathrm{km/h}: die klassische Wander-Faustregel, selbst gemessen.

Das Profil erzählt mehr als der Durchschnitt: Der erste 10-m-Abschnitt läuft mit nur 4,2 m/s4{,}2\ \mathrm{m/s} ( aus dem Stand), die Mitte erreicht 77 bis 7,7 m/s7{,}7\ \mathrm{m/s}: Das Momentantempo lag zeitweise über 27 km/h, obwohl der Durchschnitt nur 22,5 km/h beträgt. Wer vom Durchschnitt auf „mein Tempo“ schließt, unterschätzt sich systematisch: exakt der Unterschied zwischen Streckenmittel und Tacho-Anzeige.

Einordnung: Usain Bolts 100-m-Weltrekord entspricht im Schnitt 10,4 m/s10{,}4\ \mathrm{m/s}, in der Spitze über 12 m/s12\ \mathrm{m/s}: Dieselbe Analyse (Abschnittszeiten!) wird in der Sportwissenschaft mit Lichtschranken betrieben.

8Fazit

Sprint-Durchschnitt 6,25 m/s6{,}25\ \mathrm{m/s} (22,5 km/h) bei Spitzenabschnitten über 7,5 m/s7{,}5\ \mathrm{m/s}; Gehen 1,4 m/s1{,}4\ \mathrm{m/s}. Die Messung trennt Durchschnitts- und Momentangeschwindigkeit und liefert die Umrechnungsroutine m/s ↔ km/h.

9Fehlerbetrachtung

Handstoppung im Sekundenbereich ist hier gut genug, ihre Grenzen sollte man kennen:

Reaktionszeiten der Stoppereher zufällig

Ursache

Start auf Kommando, Stopp auf Sicht.

Auswirkung

±0,2 s je Uhr: Bei 1,4-s-Abschnitten bis zu 15 Prozent im Abschnittstempo, im Gesamtwert nur 2 bis 3 Prozent: Das Profil ist gröber als der Durchschnitt.

Verbesserung

Abschnitte nicht zu kurz wählen; mehrere Läufe; ideal Lichtschranken.

Schräg gemessene Streckeeher systematisch

Ursache

Maßband nicht straff oder nicht auf der Lauflinie.

Auswirkung

Alle um denselben Prozentsatz falsch.

Verbesserung

Strecke doppelt messen, Kegel exakt setzen.

Das Wichtigste

Messformel

v=s/tv = s/t: gemessene Strecke durch gemessene Zeit, immer eine Durchschnittsgeschwindigkeit über diese Strecke.

Momentan gegen Durchschnitt

Das Momentantempo (Tacho) erhält man näherungsweise über sehr kurze Teilstrecken: je kürzer, desto momentaner.

Einheitenbrücke

1 m/s=3,6 km/h1\ \mathrm{m/s} = 3{,}6\ \mathrm{km/h}: mal 3,6 in die eine, durch 3,6 in die andere Richtung.

Größengefühl

Gehen etwa 1,5 m/s, Sprint 6 bis 8 m/s, Weltklasse 12 m/s, Auto in der Stadt 14 m/s: die persönliche Vergleichsskala.

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