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Zurück zur Übersicht der Atommodelle

Die antike Atomidee

um 430 v. Chr.Philosophische IdeeLeukippDemokrit

Eine durchdachte Vermutung über die Welt, aber noch kein physikalisches Modell: Es gab kein Experiment, das sie stützen oder widerlegen konnte.

Historische Einordnung

Im antiken Griechenland gab es keine Messgeräte, mit denen man das Innere der Materie hätte untersuchen können. Fragen über den Aufbau der Welt wurden deshalb durch Nachdenken und Streitgespräche beantwortet, nicht durch . In diesem Umfeld stritten zwei Lager: Die einen (etwa Aristoteles) hielten Materie für beliebig fein teilbar und lückenlos. Leukipp und Demokrit vertraten die Gegenposition, dass es eine kleinste Grenze der Teilbarkeit gibt.

Das griechische Wort dafür haben wir bis heute behalten: átomos heißt „unteilbar“. Demokrit stellte sich vor, dass sich alle Unterschiede zwischen den Stoffen aus Form, Lage und Anordnung dieser Teilchen ergeben.

Leukipp (5. Jahrhundert v. Chr.)

Griechischer Philosoph, gilt als Begründer der Atomlehre.

Demokrit (um 460 bis um 370 v. Chr.)

Schüler Leukipps, arbeitete die Atomlehre aus und machte sie bekannt.

Das Problem, das zu dieser Station führte

Der Auslöser war ein Gedankenexperiment, kein Messergebnis. Stell dir vor, du zerteilst ein Stück Käse immer weiter: erst in Hälften, dann in Viertel, dann in immer kleinere Krümel. Geht das ewig so weiter? Demokrit argumentierte: Wenn man Materie unendlich oft teilen könnte, bliebe am Ende nichts übrig, aus dem sich die Welt wieder zusammensetzen ließe. Also muss es irgendwann ein letztes, unteilbares Teilchen geben.

Das ist ein kluges Argument, aber sieh genau hin: Es begründet nur, dass unendliches Teilen schwer vorstellbar ist. Es beweist nicht, dass es Atome wirklich gibt, und es sagt nichts darüber, wie groß sie sind oder wie sie aufgebaut sein könnten. Genau das unterscheidet eine philosophische Idee von einem naturwissenschaftlichen Modell.

Grundannahmen

Was nimmt diese Vorstellung über den Aufbau des Atoms an?

  • Alle Dinge bestehen aus kleinsten, unteilbaren Teilchen, den Atomen.

  • Zwischen den Atomen ist leerer Raum, in dem sie sich bewegen.

  • Atome sind unveränderlich und unzerstörbar, sie unterscheiden sich nur in Form, Größe und Lage.

  • Alle Veränderungen in der Welt sind in Wahrheit Umordnungen von Atomen.

So kannst du es dir vorstellen

Stell dir vor, du teilst ein Stück Materie immer weiter. Nach Demokrit endet diese Kette zwangsläufig: Am Ende hältst du ein Teilchen in der Hand, das sich nicht weiter zerlegen lässt. Alles, was existiert, ist dann eine Anordnung solcher Teilchen im leeren Raum, so wie ein Wort eine Anordnung von Buchstaben ist.

Wichtig für alles, was in diesem Bereich noch kommt: Dieses Bild beruht allein auf Nachdenken. Es gab in der Antike kein einziges dazu.

Immer weiter teilen?átomos: unteilbarAtome und leerer Raumdazwischen: nichts
Links das Gedankenexperiment vom fortgesetzten Teilen, rechts die Vorstellung von Atomen im leeren Raum. Formen und Größen sind frei erfunden, genau wie in der Antike: Niemand konnte sie messen.

Wie funktioniert die Vorstellung?

  1. 1Teilbarkeit hat eine Grenze

    Jeder Stoff lässt sich zerkleinern, aber nach Demokrit nicht beliebig oft. Die kleinste Einheit ist das Atom.

  2. 2Atome und Leere

    Zwischen den Atomen ist nichts, also leerer Raum. Nur so können sich Atome überhaupt bewegen und neu anordnen.

  3. 3Vielfalt durch Anordnung

    Ob etwas hart oder weich, flüssig oder fest ist, erklärt Demokrit über Form und Anordnung der Atome. Verschiedene Stoffe sind verschiedene Anordnungen.

Was erklärt die Vorstellung?

Stoffe lassen sich mischen, verdünnen und wieder trennen.

Wenn Materie aus Teilchen besteht, können sich die Teilchen zweier Stoffe zwischeneinander schieben, ohne dass die Stoffe selbst verschwinden.

Ein Zuckerwürfel löst sich in Wasser auf und süßt es überall gleich.

Die Zuckerteilchen verteilen sich im leeren Raum zwischen den Wasserteilchen. Der Zucker ist nicht weg, nur fein verteilt.

Grenzen der Vorstellung

Die Idee war nicht prüfbar.

Es gab keine Möglichkeit, Atome sichtbar zu machen oder eine Vorhersage der Atomlehre zu messen. Eine Aussage, die sich weder bestätigen noch widerlegen lässt, ist noch keine Naturwissenschaft.

Sie machte keine quantitativen Aussagen.

Wie groß ist ein Atom? Wie schwer? Wie viele passen in einen Wassertropfen? Auf solche Fragen hatte die antike Atomlehre keine Antwort, und ohne Zahlen kann man keine Messung dagegen halten.

Sie konnte sich nicht gegen andere Ideen durchsetzen.

Aristoteles lehnte den leeren Raum ab, und seine Lehre prägte das Denken bis in die Neuzeit. Ohne gab es kein Schiedsgericht zwischen den beiden Ansichten, es blieb bei Meinung gegen Meinung.

Warum dauerte es über 2000 Jahre bis zum ersten Modell?

Der Atomgedanke geriet nicht in Vergessenheit, aber er blieb ein Gedanke. Was fehlte, war ein Maßstab, an dem man ihn hätte prüfen können. Dieser Maßstab entstand erst, als die Chemie um 1800 anfing, Stoffumwandlungen genau zu wiegen. Da zeigte sich etwas Merkwürdiges: Stoffe verbinden sich immer in ganz bestimmten Massenverhältnissen, nie in beliebigen. Genau diese Messungen machte John Dalton zum Ausgangspunkt des ersten naturwissenschaftlichen Atommodells.

Merke dir den Unterschied: Demokrit sagte „es könnte Atome geben, weil es logisch erscheint“. Dalton wird sagen „es muss Atome geben, weil meine Messwerte sich sonst nicht erklären lassen“. Das ist der Schritt von der Philosophie zur Physik.

Nächste Station · 1803 bis 1808Das Dalton-Modell

Das musst du wissen

Die antike Atomidee ist der richtige Gedanke zur falschen Zeit: unteilbare Teilchen und leerer Raum, aber ohne jedes . Ein naturwissenschaftliches Modell wird daraus erst, wenn Messungen es stützen oder widerlegen können.

Kleine Verständnisfrage

Demokrits Atomidee war inhaltlich gar nicht so weit von Dalton entfernt. Warum nennen wir trotzdem erst Daltons Vorstellung ein naturwissenschaftliches Atommodell?

Antwort anzeigen

Weil Dalton sein Modell auf Messungen stützte und daraus prüfbare Vorhersagen ableitete (feste Massenverhältnisse bei chemischen Reaktionen). Demokrits Idee beruhte allein auf einem Gedankenexperiment; sie ließ sich weder durch eine Messung bestätigen noch widerlegen. Der Inhalt allein macht kein Modell, entscheidend ist die Prüfbarkeit am .

Quellen

Die historischen Aussagen dieser Station stützen sich auf die folgenden Quellen. Die Darstellung ist eigenständig didaktisch aufbereitet und keine Übernahme der Texte.

  • Die Fragmente der Vorsokratiker (Abschnitte zu Leukipp und Demokrit), Hermann Diels, Walther Kranz (Hrsg.) (1903 ff.), Weidmannsche Buchhandlung, Berlin
  • Metaphysik, Buch I (Bericht über die Atomisten), Aristoteles (4. Jh. v. Chr.), überliefert; deutsche Ausgaben u. a. Rowohlt/Meiner