Information und Informatiksysteme
Information, Daten und Modelle: der informatische Blick
Wie man einen Ausschnitt der Wirklichkeit so vereinfacht, dass eine Maschine damit arbeiten kann, und welche Strukturen dafür zur Verfügung stehen.
Benötigte Grundlagen
Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.
Einführung
Ein Fahrplan zeigt Haltestellen als Punkte auf geraden Linien. Kein Gleis verläuft in Wirklichkeit gerade, kein Abstand auf dem Plan stimmt mit der echten Entfernung überein.
Trotzdem ist der Plan besser als eine maßstabsgetreue Landkarte, jedenfalls für seinen Zweck. Er lässt genau das weg, was beim Umsteigen nicht hilft, und hebt genau das hervor, was hilft.
Das ist keine Eigenheit von Fahrplänen, sondern das Grundprinzip der gesamten Informatik. Bevor ein Rechner etwas verarbeiten kann, muss jemand entschieden haben, was von der Wirklichkeit übrig bleibt. Diese Entscheidung ist die eigentliche fachliche Leistung; das Programmieren kommt danach.
Das kannst du nach diesem Kapitel
den Modellbegriff erklären und begründen, warum jedes Modell weglässt.
die drei Fragen der Modellbildung auf einen Sachverhalt anwenden.
Abstraktion als bewusstes Weglassen beschreiben und an Beispielen zeigen.
gleichartige und unterschiedliche Elemente mit den Strukturierungsprinzipien Liste und Verbund zusammenfassen.
ein Modell begründet bewerten, statt es richtig oder falsch zu nennen.
Kurz aufgefrischt
Dieses Kapitel setzt drei Begriffe voraus, die in Klasse 9 entwickelt wurden: sind Zeichen in vereinbarter Form, ist der Wissenszuwachs beim , und Bedeutung entsteht erst durch eine Vereinbarung. Wenn dir das nicht mehr geläufig ist, lies kurz nach in Information, Nachricht und Daten.
Hier geht es um den nächsten Schritt: Wie kommt man von einem Stück Wirklichkeit überhaupt zu Daten, mit denen sich arbeiten lässt?
Was ein Modell ist
Ein Modell ist eine vereinfachte Darstellung eines Ausschnitts der Wirklichkeit, die für einen bestimmten Zweck angefertigt wurde.
Drei Eigenschaften stecken in diesem Satz, und alle drei sind wichtig:
Es ist ein Ausschnitt. Ein Modell bildet nie alles ab. Der Fahrplan enthält keine Baumarten am Gleisrand.
Es ist vereinfacht. Selbst das, was aufgenommen wird, erscheint gröber als in Wirklichkeit. Der Fahrplan nennt Minuten, nicht Sekunden.
Es hat einen Zweck. Ohne Zweck lässt sich gar nicht entscheiden, was weggelassen werden darf. Für einen Gleisbauarbeiter wäre derselbe Fahrplan nutzlos, weil ihm genau die Angaben fehlen, die er braucht.
Daraus folgt eine Regel, die durch das ganze Fach trägt:
Ein Modell ist nicht richtig oder falsch, sondern geeignet oder ungeeignet für seinen Zweck.
Ein Modell ist ein Ausschnitt für einen Zweck
Die drei Zeilen sind genau die drei Eigenschaften aus dem Abschnitt daneben: Ausschnitt, Vereinfachung, Zweck. Lies die dritte zuerst, denn sie erklärt die beiden anderen: Weil der Fahrplan zum Reisen gemacht ist, dürfen Baumarten fehlen und Sekunden gerundet werden. Und daraus folgt der Satz unten: Derselbe Fahrplan ist für einen Gleisbauarbeiter nutzlos, nicht weil er falsch wäre, sondern weil ihm für dessen Zweck genau die Angaben fehlen, die er braucht. Wer ein Modell bewerten will, muss also immer zuerst fragen: wofür?
Die drei Fragen der Modellbildung
Wer ein Modell entwirft, beantwortet nacheinander drei Fragen. Die Reihenfolge ist nicht beliebig.
Frage 1: Wozu? Welche Fragen soll das Modell beantworten? Solange das offen ist, kann man über nicht sinnvoll streiten.
Frage 2: Was gehört dazu? Welche Dinge, Eigenschaften und Beziehungen sind für diesen Zweck nötig?
Frage 3: Was lasse ich weg, und was kostet das? Jede Vereinfachung hat einen Preis. Ihn zu benennen ist Teil der Arbeit, nicht ein Eingeständnis von Schwäche.
Die dritte Frage wird am häufigsten übersprungen. Sie ist aber die, an der man ein durchdachtes von einem zufälligen Modell unterscheidet: Wer den Preis nennen kann, hat bewusst entschieden.
Drei Fragen, und die Reihenfolge zählt
Die Reihenfolge ist keine Empfehlung, sondern eine Notwendigkeit: Solange der Zweck offen ist, kann man über gar nicht sinnvoll streiten. Jeder hat dann eine andere Vorstellung davon, was „wichtig“ heißt. Die dritte Station wird am häufigsten übersprungen, und sie ist die, an der man ein durchdachtes von einem zufälligen Modell unterscheidet. Wer den Preis einer Vereinfachung benennen kann, hat bewusst entschieden; wer ihn nicht kennt, hat nur vergessen. Genau das ist der Unterschied zwischen Abstraktion und Schlamperei.
Abstraktion
Abstraktion ist das bewusste Weglassen von Einzelheiten, um das Wesentliche sichtbar zu machen.
Der springende Punkt liegt im Wort „bewusst“. Etwas zu vergessen ist keine Abstraktion, sondern ein Fehler. Etwas wegzulassen und begründen zu können, warum es für den Zweck entbehrlich ist, ist Abstraktion.
Sie tritt in der Informatik auf mehreren Ebenen gleichzeitig auf:
| Ebene | weggelassen wird | sichtbar bleibt |
|---|---|---|
| Datenmodell | alles, was der Zweck nicht braucht | die nötigen |
| Programmiersprache | die Befehle des Prozessors | eine lesbare Anweisung |
| Betriebssystem | die Besonderheiten jedes Druckers | „drucke dieses Dokument“ |
| Netzwerk | Kabel, Funk, Wegewahl | „sende diese an diese Adresse“ |
Jede dieser Ebenen macht dasselbe: Sie verbirgt Einzelheiten, damit man auf der nächsten Ebene überhaupt arbeiten kann. Ein Programmierer, der bei jeder Textausgabe an Bildpunkte denken müsste, käme nie zu seinem eigentlichen Problem.
Strukturierungsprinzipien: Daten zusammenfassen
Beim Modellieren stellt sich bald eine praktische Frage: Wie fasst man mehrere Angaben zu einer Einheit zusammen? Dafür gibt es genau zwei Grundmuster, und ihre Unterscheidung entscheidet, welche Operationen später möglich sind.
Verbund: Zusammenfassen von Ungleichartigem.
Ein Schüler hat einen Vornamen, einen Nachnamen, ein Geburtsdatum, eine Klasse. Das sind verschiedene Angaben, jede mit eigener Bedeutung und eigenem . Sie werden zu einer Einheit zusammengefasst, weil sie zusammen ein Ding beschreiben.
Schueler = ( vorname: Text, nachname: Text,
geburtsdatum: Datum, klasse: Text )
Zugegriffen wird über den Namen des Bestandteils: .
Liste: Zusammenfassen von Gleichartigem.
Eine Klasse besteht aus vielen Schülern. Das sind gleichartige Elemente, alle mit derselben Struktur. Sie werden zusammengefasst, weil man mit ihnen dasselbe tun will: zählen, durchlaufen, sortieren, durchsuchen.
Klasse = Liste von Schueler
Zugegriffen wird über die Position oder durch Durchlaufen: „für jeden Schüler in der Liste …“.
🔴 Die Unterscheidung ist keine Formsache. Sie legt fest, welche Operationen überhaupt sinnvoll sind:
| Verbund | Liste | |
|---|---|---|
| Elemente | verschiedenartig | gleichartig |
| Anzahl | fest, beim Entwurf bekannt | veränderlich |
| Zugriff | über den Namen | über Position oder Durchlauf |
| sinnvolle Operationen | lesen, ändern | zählen, durchlaufen, sortieren, suchen, hinzufügen |
„Zähle die Bestandteile eines Schülers“ ergibt keinen Sinn, „zähle die Schüler einer Klasse“ schon. Wer beides verwechselt, baut Strukturen, mit denen sich die eigentliche Aufgabe nicht lösen lässt.
Beides lässt sich schachteln, und genau daraus entsteht die Ausdruckskraft:
Schule = Liste von Klasse
Klasse = ( bezeichnung: Text, raum: Text, schueler: Liste von Schueler )
Schueler = ( vorname: Text, nachname: Text, noten: Liste von Note )
Diese Schachtelung ist dasselbe Denken, das dir bei den und Beziehungen der Datenmodellierung begegnet und bei Klassen und der objektorientierten Modellierung. Es sind drei Sichten auf denselben Gedanken: Struktur ist eine Entscheidung, und sie legt fest, was danach möglich ist.
Verbund und Liste in einem Bild
Dieses eine Bild zeigt beide Strukturierungsprinzipien, und der Unterschied steckt in der Richtung, in der du liest. Waagerecht über einen Kasten: vier Fächer mit verschiedenen Namen und verschiedenen , zusammengefasst, weil sie zusammen ein Ding beschreiben. Das ist ein Verbund, und zugegriffen wird über den Namen (). Senkrecht über die drei Kästen: lauter gleichartige Elemente mit derselben Struktur. Das ist eine Liste, und zugegriffen wird über die Position oder durch Durchlaufen. Daran hängt, was danach möglich ist: „Zähle die Schüler einer Klasse“ ergibt Sinn, „zähle die Bestandteile eines Schülers“ nicht.
Verbund und Liste ineinander
Beide Muster lassen sich schachteln, und genau daraus entsteht die Ausdruckskraft. Verfolge den rechten Ast von oben nach unten: Eine Schule ist eine Liste von Klassen; eine Klasse ist ein Verbund mit den Fächern raum und schueler; das Fach schueler ist wieder eine Liste, diesmal von Schülern. Die Kantenbeschriftungen sagen dir jedes Mal, welches der beiden Muster gerade dran ist. Dieses Denken begegnet dir noch zweimal unter anderem Namen: als und Beziehungen in der Datenmodellierung und als Klassen und in der objektorientierten Modellierung. Drei Sichten, ein Gedanke: Struktur ist eine Entscheidung, und sie legt fest, was danach möglich ist.
Ein Modell bewerten
Weil Modelle nicht richtig oder falsch sind, braucht man andere Maßstäbe. Vier haben sich bewährt:
- Zweckerfüllung: Beantwortet es die Fragen, für die es gebaut wurde? Alle?
- Sparsamkeit: Enthält es Angaben, die kein Zweck verlangt? Jede kostet Pflege und Risiko.
- Widerspruchsfreiheit: Kann dieselbe Angabe an zwei Stellen verschieden sein? Das ist die Redundanz aus dem Datenbankkapitel.
- Erweiterbarkeit: Was passiert bei einer naheliegenden Änderung? Muss dafür alles umgebaut werden?
Punkt 4 ist der, den man am leichtesten prüfen und am häufigsten unterschätzt. Die Prüfung ist einfach: Man nennt eine plausible künftige Anforderung und spielt sie durch. Ein Modell, bei dem ein zweiter Vorname eine Schemaänderung erzwingt, hat ein Problem, auch wenn es heute funktioniert.
Dasselbe Ding, drei Zwecke, drei Modelle
Modelliere „Fahrrad“ für drei Zwecke: einen Fahrradverleih, eine Werkstatt und ein Rennradspiel.
- 1
Verleih. Zweck: Räder ausgeben, zurücknehmen, abrechnen. : radNr, rahmengroesse, standort, istVerliehen, tagespreis. Weggelassen: alles Technische, denn der Verleih repariert nicht.
- 2
Werkstatt. Zweck: Reparaturen planen und Ersatzteile bestellen. Attribute: radNr, hersteller, modelljahr, schaltungstyp, bremsentyp, letzteWartung. Weggelassen: Preis und Verleihstatus, denn die Werkstatt vermietet nicht.
- 3
Rennradspiel. Zweck: Fahrverhalten berechnen. Attribute: masse, rollwiderstand, luftwiderstand, uebersetzung, position, geschwindigkeit. Weggelassen: Hersteller und Preis, denn sie beeinflussen die Fahrphysik nicht.
- 4
Nur ein Attribut kommt in allen drei vor, und selbst das nicht überall gleich: eine Kennung des Rades. Alles andere unterscheidet sich vollständig.
- 5
Daraus folgt die Kernaussage: Es gibt kein Modell „des Fahrrads“. Die Frage „welche Attribute hat ein Fahrrad?“ ist ohne Zweckangabe nicht beantwortbar, und wer sie trotzdem beantwortet, hat den Zweck stillschweigend angenommen.
Drei Zwecke, drei Modelle, fast keine gemeinsamen Attribute. Der Zweck bestimmt das Modell, nicht der Gegenstand.
Verbund oder Liste?
Ein Schulfest hat mehrere Stände, jeder mit Name, Betreuer und einer beliebigen Zahl angebotener Artikel. Strukturiere die und begründe jede Entscheidung.
- 1
Ein Stand hat Name, Betreuer und Artikel. Das sind verschiedenartige Angaben über dasselbe Ding, also ein Verbund.
- 2
Die Artikel eines Standes sind gleichartig: Jeder hat Bezeichnung und Preis, und ihre Anzahl steht beim Entwurf nicht fest. Also eine Liste.
- 3
Ein Artikel selbst ist wieder ein Verbund aus Bezeichnung und Preis.
- 4
Alle Stände sind gleichartig, also ebenfalls eine Liste.
Fest = Liste von Stand Stand = ( name: Text, betreuer: Text, artikel: Liste von Artikel ) Artikel = ( bezeichnung: Text, preis: Zahl ) - 5
Probe über die Operationen: „Wie viele Stände gibt es?“ ist ein Zählen in einer Liste, geht also. „Wie heißt der Betreuer von Stand 3?“ ist ein Zugriff über Position, dann über Namen, geht ebenfalls. „Was kostet alles zusammen?“ durchläuft alle Stände und darin alle Artikel und summiert die Preise. Alle drei Fragen sind beantwortbar, also trägt die Struktur.
Zwei Listen und zwei Verbünde, geschachtelt. Geprüft wird nicht die Form, sondern ob die gewünschten Fragen beantwortbar bleiben.
Typischer Fehler
„Unser Modell ist besser, weil es mehr enthält.“
Mehr Attribute machen ein Modell nicht besser, sondern meist schlechter. Jede zusätzliche Angabe kostet drei Dinge:
Pflege. Sie muss erhoben, eingegeben und aktuell gehalten werden. Ein Attribut, das niemand pflegt, enthält nach einem Jahr falsche Werte, und falsche Werte sind schlimmer als fehlende, weil man ihnen ansieht, dass sie da sind.
Risiko. Jede gespeicherte Angabe über Personen ist ein Datenschutzthema. Was nicht erhoben wurde, kann nicht missbraucht werden; das ist der Grundsatz der Datensparsamkeit.
Verständlichkeit. Ein Modell mit vierzig Attributen kann niemand mehr überblicken, und Fehler verstecken sich darin.
Der Maßstab ist deshalb nicht Vollständigkeit gegenüber der Wirklichkeit, sondern Zweckerfüllung bei Sparsamkeit: Beantwortet es alle gestellten Fragen und enthält es nichts darüber hinaus?
Der Gegentest ist nützlich und unbequem: Gehe jedes Attribut durch und nenne die eine Frage, für deren Beantwortung es gebraucht wird. Findest du keine, gehört es nicht ins Modell. Genau diese Übung führt fast immer zu einem kleineren und besseren Entwurf.
Übung 1
leichtVerbund oder Liste?
a) die Bestandteile einer Adresse (Straße, Nummer, PLZ, Ort) b) alle Bücher einer Bibliothek c) die Noten eines Schülers in einem Halbjahr d) die Angaben eines Termins (Titel, Datum, Uhrzeit, Ort) e) alle Teilnehmer einer Arbeitsgemeinschaft
Tipp anzeigen
Sind die Bestandteile gleichartig oder verschiedenartig?
Lösung anzeigen
a) Verbund (verschiedenartige Angaben über dieselbe Adresse) b) Liste (gleichartige Elemente) c) Liste (gleichartige Elemente, Anzahl veränderlich) d) Verbund e) Liste
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Die Prüffrage: gleichartig oder verschiedenartig?
Ein Verbund fasst verschiedenartige Angaben über dasselbe Ding zusammen; jedes Feld hat einen eigenen Namen und eine eigene Bedeutung. Eine Liste enthält gleichartige Elemente; sie unterscheiden sich nur durch ihre Position, nicht durch ihre Rolle.
- 2
a) und d): die Verbünde
Straße, Nummer, PLZ und Ort sind verschiedene Rollen derselben Adresse, die Nummer ist keine PLZ. Ebenso bei einem Termin: Titel, Datum, Uhrzeit und Ort sind vier verschiedene Angaben über dasselbe Ereignis. Beides sind Verbünde.
- 3
b), c) und e): die Listen
Alle Bücher einer Bibliothek, alle Noten eines Halbjahrs und alle Teilnehmer einer Arbeitsgemeinschaft bestehen aus gleichartigen Elementen, deren Anzahl sich ändert. Alle drei sind Listen.
Übung 2
mittelEine Schulmensa will ihr Angebot digital verwalten. Es gibt je Tag mehrere Gerichte, jedes mit Bezeichnung, Preis, Allergenen und der Angabe, ob es vegetarisch ist.
a) Formuliere den Zweck in einem Satz. b) Entwirf die Datenstruktur mit Verbünden und Listen. c) Prüfe die Struktur an drei Auswertungen. d) Der Betreiber möchte zusätzlich speichern, wie oft jedes Gericht bestellt wurde. Was ändert sich, und was sagt das über die Erweiterbarkeit deines Entwurfs?
Tipp anzeigen
Zu b): Wie viele Allergene hat ein Gericht? Steht die Zahl beim Entwurf fest?
Lösung anzeigen
a) Zweck: Der Speiseplan einer Woche soll angezeigt werden, mit Preisen, und es soll nach vegetarischen und nach allergenfreien Gerichten gefiltert werden können.
b) Struktur:
Speiseplan = Liste von Tag Tag = ( datum: Datum, gerichte: Liste von Gericht ) Gericht = ( bezeichnung: Text, preis: Zahl, vegetarisch: Wahrheitswert, allergene: Liste von Text )
Die Allergene sind eine Liste, weil ihre Anzahl von Gericht zu Gericht verschieden ist und sie gleichartig sind. Sie als drei feste Felder anzulegen wäre der Fehler mit den Spalten autor1, autor2, autor3 aus der Datenmodellierung.
c) „Was gibt es am Mittwoch?“ Position in der Tagesliste suchen, dann die Gerichteliste durchlaufen. Geht. „Welche Gerichte sind vegetarisch?“ Alle Tage durchlaufen, alle Gerichte prüfen, nach dem Wahrheitswert filtern. Geht. „Welche Gerichte sind nussfrei?“ Für jedes Gericht prüfen, ob „Nüsse“ in seiner Allergenliste vorkommt. Geht, und zwar nur deshalb, weil die Allergene eine durchsuchbare Liste sind und kein Fließtext.
d) Die Bestellzahl ist eine Angabe über ein Gericht an einem bestimmten Tag, nicht über das Gericht allgemein: Dasselbe Gericht kann am Montag anders laufen als am Freitag. Sie gehört also in den Verbund Gericht, so wie er innerhalb eines Tages steht, und man ergänzt dort ein Feld bestellungen. Der übrige Entwurf bleibt unverändert; nur ein Verbund bekommt ein Feld mehr. Das spricht für gute Erweiterbarkeit. Wäre der Speiseplan dagegen eine flache Liste aus Datum und Gerichtnamen ohne Schachtelung gewesen, hätte man die Struktur umbauen müssen.
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Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Teil a): Der Zweck ist kein Vorwort, sondern Werkzeug
Der Zweck entscheidet später jede einzelne Attributfrage. Deshalb wird er so formuliert, dass er die Fragen nennt, die beantwortbar sein müssen, und nicht nur das Thema.
Zwischenergebnis
Anzeigen, Preise nennen, nach vegetarisch und nach Allergenen filtern.
Ein Zweck wie „die Mensa digitalisieren“ hilft nicht weiter: Daraus folgt kein einziges Attribut.
- 2
Teil b): Für jede Ebene die eine Frage stellen
Man geht von außen nach innen und fragt jedes Mal: gleichartig oder verschiedenartig? Tage sind gleichartig, also Liste. Ein Tag hat Datum und Gerichte, also Verbund. Gerichte sind gleichartig, also Liste. Ein Gericht hat verschiedenartige Angaben, also Verbund.
Zwischenergebnis
Liste, Verbund, Liste, Verbund: abwechselnd, und das ist typisch.
- 3
Die Allergene sind der entscheidende Punkt
Hier wird über Erfolg oder Misserfolg des Modells entschieden. Die Zahl der Allergene ist je Gericht verschieden, und sie sind gleichartig. Beides zusammen ergibt zwingend eine Liste.
Zwischenergebnis
allergene: Liste von Text
- 4
Teil c): Struktur an Auswertungen prüfen
Ein Entwurf ist erst geprüft, wenn man die gewünschten Fragen daran durchgespielt hat. Man beschreibt für jede Frage den Weg durch die Struktur; stockt es, fehlt etwas.
Zwischenergebnis
Alle drei Fragen lassen sich beantworten, also trägt die Struktur.
Diese Prüfung ersetzt kein Testen des späteren Programms, findet aber Strukturfehler zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch nichts kosten.
Übung 3
schwerZwei Gruppen modellieren dieselbe Schulbücherei. Gruppe A speichert je Buch: titel, autor, isbn, standort, istVerliehen. Gruppe B zusätzlich: seitenzahl, einbandart, gewicht, druckerei, papierqualitaet.
a) Welches Modell ist besser? Begründe mit den vier Bewertungsmaßstäben. b) Unter welchem Zweck wäre Gruppe B im Recht? c) Gruppe A stellt fest, dass sie zwei Exemplare desselben Titels nicht auseinanderhalten kann. Wo liegt der Modellfehler, und wie behebt man ihn? d) Erkläre, warum die Aussage „unser Modell bildet die Wirklichkeit ab“ grundsätzlich nicht zutreffen kann.
Tipp anzeigen
Zu c): Was unterscheidet den Titel eines Buches von einem konkreten Exemplar im Regal?
Lösung anzeigen
a) Ohne Zweckangabe ist die Frage nicht entscheidbar; für den üblichen Zweck einer Schulbücherei (finden, ausleihen, zurücknehmen) ist Gruppe A besser. Zweckerfüllung: Beide erfüllen ihn, A vollständig. Sparsamkeit: A klar besser; für Gewicht, Druckerei und Papierqualität gibt es keine Frage, die sie beantworten. Widerspruchsfreiheit: vergleichbar. Erweiterbarkeit: vergleichbar. Fünf ungenutzte kosten Erfassungsaufwand, veralten unbemerkt und erschweren die Übersicht.
b) Wenn der Zweck ein anderer wäre. Zum Beispiel für ein Antiquariat, das den und die Ausgabe bewertet, oder für eine Bibliothek, die Versandkosten berechnet und dafür das Gewicht braucht, oder für eine Studie über Buchherstellung. Dann wären genau diese Attribute erforderlich und die von A unvollständig. Das zeigt noch einmal: Nicht das Modell ist gut oder schlecht, sondern seine Passung zum Zweck.
c) Der Fehler liegt in der Vermischung zweier verschiedener Dinge: des Werkes und des Exemplars. Titel, Autor und ISBN beschreiben das Werk und sind bei beiden Exemplaren gleich; Standort und Verleihstatus beschreiben ein einzelnes Exemplar und können sich unterscheiden. Behoben wird das durch eine Trennung in zwei Verbünde mit einer Liste dazwischen:
Werk = ( titel: Text, autor: Text, isbn: Text, exemplare: Liste von Exemplar ) Exemplar = ( exemplarNr: Zahl, standort: Text, istVerliehen: Wahrheitswert )
Damit steht der Titel einmal und der Verleihstatus je Exemplar. Das ist derselbe Gedanke wie die Trennung in im Datenbankkapitel, hier nur mit Verbund und Liste ausgedrückt.
d) Weil ein Modell definitionsgemäß ein Ausschnitt und eine Vereinfachung ist. Eine vollständige Abbildung der Wirklichkeit wäre die Wirklichkeit selbst und damit kein Modell mehr; sie wäre außerdem unbrauchbar, denn ihr Zweck ist gerade, das Wesentliche sichtbar zu machen, indem sie das Übrige weglässt. Die Aussage verwechselt Vollständigkeit mit Güte. Richtig wäre: „Unser Modell bildet diejenigen Eigenschaften ab, die für diesen Zweck nötig sind, und lässt bewusst folgende weg: …“
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
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a) Ohne Zweckangabe ist die Frage gar nicht entscheidbar
Der erste Schritt ist, den Zweck zu benennen: finden, ausleihen, zurücknehmen. Erst dann lässt sich urteilen, und für diesen Zweck ist Gruppe A besser. Zweckerfüllung: beide, A vollständig. Sparsamkeit: A klar besser. Widerspruchsfreiheit und Erweiterbarkeit: vergleichbar.
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b) Unter welchem Zweck Gruppe B im Recht wäre
Wenn der Zweck ein anderer wäre. Für ein Antiquariat, das Zustand und Ausgabe bewertet; für eine Bibliothek, die Versandkosten berechnet und dafür das Gewicht braucht; für eine Studie über Buchherstellung. Dann wären genau diese Attribute erforderlich und die von A unvollständig.
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c) Zwei verschiedene Dinge waren vermischt: Werk und Exemplar
Der Fehler liegt in der Vermischung zweier Dinge: des Werkes und des Exemplars. Titel, Autor und ISBN beschreiben das Werk und sind bei beiden Exemplaren gleich; Standort und Verleihstatus beschreiben ein einzelnes Exemplar und können sich unterscheiden. Behoben wird das durch eine Trennung in zwei Verbünde mit einer Liste dazwischen.
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d) Warum „unser Modell bildet die Wirklichkeit ab“ nie zutreffen kann
Weil ein Modell definitionsgemäß ein Ausschnitt und eine Vereinfachung ist. Eine vollständige Abbildung wäre die Wirklichkeit selbst und damit kein Modell mehr und sie wäre unbrauchbar, denn der Zweck eines Modells ist gerade, das Wesentliche sichtbar zu machen, indem es das Übrige weglässt.
Zusammenfassung
Ein Modell ist eine für einen Zweck angefertigte, vereinfachte Darstellung eines Ausschnitts der Wirklichkeit. Weil es immer weglässt, ist es nicht richtig oder falsch, sondern geeignet oder ungeeignet, und ohne festgelegten Zweck lässt sich über seine Bestandteile gar nicht sinnvoll entscheiden. Modellbildung beantwortet drei Fragen in fester Reihenfolge: wozu, was gehört dazu, was lasse ich weg und was kostet das. Abstraktion ist dabei das bewusste Weglassen und begegnet in der Informatik auf mehreren Ebenen gleichzeitig, vom Datenmodell bis zum Netzwerk. Für das Zusammenfassen von gibt es zwei Grundmuster: den Verbund für ungleichartige Angaben über dasselbe Ding und die Liste für gleichartige Elemente. Diese Wahl ist keine Formsache, sondern legt fest, welche Auswertungen später möglich sind. Bewertet wird ein Modell an Zweckerfüllung, Sparsamkeit, Widerspruchsfreiheit und Erweiterbarkeit.


